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8.4.1877 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt.

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Sonntag, den 8. April

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1N77.

EM- «O ImtsMntt für Len Kreis Gießen

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Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

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Norttnrc des echten Mocca- ucca-ttaßecs für Europa. (1834

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Expedition' Schulstraße, Lit. B. Nr. 18.

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duldet mit seiner Familie in I ike Frau und fünf noch unm | dem nöthigen Arbeitsmatnin! die ibn zur Anschaffung Dun 1 Zu diesem Zwecke bittet hr I bin jufommtn $u laßen.

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*r- Adami, Basch Söhne, 1 Fischbach, Wh Goebel,

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:er Gesellschaft übertragen g von Feuer-VcrsicberuDgeo Maschinen, Fabrik-Utensilieo en feste und billige gewünscht werdende n»te

Fischer,

^gent in Giessen.^

D- 0- Der kaiserlich' Hof hat in der vergangenen Woche zwei Fami- llenfeste begangen: am Charnnttwoch wurde der zweite Sohn und die älteste Tochter des Kronprinzen, Prinz Heinrich und Prinzessin Charlotte, zugleich mit der dritten Tochter des Prinzen Friedrich Karl, Prinzessin Margaretha, einge­segnet und am ersten Ostertage sand die feierliche Verlobung der eben confir- mirten Prinzessin Charlotte mit dem Erbprinzen Bernhard von Sachsen-Mei­ningen statt.

Dem Fürsten Bismarck sind zu seinem 62. Geburtstage, am 1. April, äug .'.neu Theilen des Reiches, wie aus dem Auslande, Hunderte von Glück­wunsch-Telegrammen darunter eins vom König von Bayern und noch zahlreichere Glückwunsch-Schreiben zugeLangen. Der Kaiser, der Kronprinz und der Großherzog von Baden gratnlirten ihm persönlich. Leider fühlt sich der Reichskanzler durch seinen Gesundheitszustand und durch andere ihn verstim­mende Verhältniffe veranlaßt, in den nächsten Tagen einen längeren Urlaub wie es heißt, auf ein Jahr anzutreten. Die auswärtigen Angelegen- heiten sollen während seiner Abwesenheit durch den Staatssecretär v. Bülow, die inneren Reichsangelegenheiten durch den Reichskanzleramts-Präsidenteu Hof­mann verwaltet, im preußischen Ministerium Finanzminister Camphausen mit der Vertretung betraut werden. Mittlerweile gebt Bismarck's erbittertster Geg­ner, Graf Arnim, der gegenwärtig in Nizza weilt, langsam seiner Auflösung entgegen.

Die Abstimmungen über der, Sitz des Reichs-Gerichts haben in den Kreisen der Rcichsregierung buchst mngenehm berührt. Für's Erste hat der Bundesrath seinen Beschluß über t., vom Reichstag auf den Antrag Lasker's bekanntlich etwas modificirte Gesche, orlage vertagt. Der vom Reichskanzler- Amt vorgelegte Gesetz-Entwurf fcetn s Verwendung eines Theils dcs Reinge­winns aus dem vom Großen C ralflab herausgegebenen Werke über den deutsch-französischen Krieg im Betrage von 300,000 Mk. zu einer Stiftung für Förderung militärwissenschaftl-r er - > d Uuterstützungszwecke wird ohne Zweifel im Reichstage sowohl wie im Bundesrathe eine günstige Aufnahme finden. Der General-Postmeister Stephan scheint wenig geneigt, den Wünschen der Reichs- tagsmehrhelt in Bezug auf di- Anliegenheit des Redacteurs Dr. Kantecki nach- zngeben; ein neuerdings von Letzterem an ihn gerichtetes Gesuch um Zurück- 1 »ahme der Requisition wegen zeugeneidlicher Vernehmung hat er abschlägig beschieden.

Kesternich.

Pefih, 6. April. DerLoyd" meldet: Eortschakoff richtete an die Pforte die.kategorische Aufforderung zur Annahme des Protokolls, im TLeiq:- rungsfall'.' soll am 14. April die Kriegs-Proclamation des Czars erscheinen.

^-attaro, 6. April. Eil! österreichisches Schiff hat zahlreiches Krieas- gerathe für Montenegro im Hafen von Tobrata gelandet. Montenegro bat für den nahen Kriegs-Ausbruch Alles vorbereitet.

Krankreich.

., 51 dlpril. Chesnelong sprach in so drohender und aufrübreri-

t !lCnaUf- feer katholischen General-Versammlung, daß der Erzbischof von Paris selbst die Versammlung um Mäßigung ersuchte mit der Bemerkung,

Zweck sei kein politischer. DerFrancis" und dieDesense" suchen den Zwischenfall zu bemänteln.

Paritz, 6. April. Die Orleanisten bereiten im Einverständniß mit kle­rikalen Bonapartisten eine Interpellation wegen der Aushebung des katholischen Central-Comitös vor. 7 '

3 der bekannte bonapartistische Agitator, wurde heute vom

Zuchtpolizei-Gericht wegen Beleidigung der Kammer zu zweimonatlichem Ge- ängniß und 3000 Frcs. Geldbuße verurtheilt.

England

5. April. In der Sitzung des Unterhauses erklärte der ^chatzkanzler Northcote, die Vorlegung des am Samstag unterzeichneten Pro-

unmittelbar nach der Vertagung der Kammern Paris verlaffcn, um eine Eiho- lungsreisc anzutreten. Die am 26. März von Decazes eröffneten Verhaudlun- gen über Abschluß eines ueuen Handelsvertrages mit England sind indcß durch seine Reise nicht unterbrochen, werden vielmehr, da sich die wirthschafiliche Calamität nachgerade recht unangenehm fühlbar macht, eifrig fortgesetzt.

Die ultramontaueu Organe Belgiens führen feit einiger Zeit eine Sprache, in welcher man auf liberaler Seite nicht mit Unrecht eine öffentliche Auhreizm a zum Bürgerkriege erblickt.

Auch das englische Parlament hat sich natürlich trotz der von ihm fast täglich behandelten orientalischen Frage zu Ostern Ferien gemacht. Die letzte Erklärung ier Regierung im Unter Hause lautete dahin, daß sie die ton der Tppcsitwn geforderten Vorkehrungen zum Schutze der Christen zwar als noch- weudig anerkenne, die Anwendung irgend nelcheu Zwanges gegen die Pforte «udeß ablehnen muffe. Der deut'che Botschafter Graf Münster nahm auf einem Meeting, welches eine Aukstellung von Buchdruckerei-Gegenstäi den zur Feier der Einführung der Buchdruckerkunst in England bezweckte, niet et einmal auf die engen Beziehungen Deutschlands und Englands hinzuweiseu und die Hoffnung auf eine lange Fortdauer derselben anszusprechen.

In Petersburg ist jüngst das überaus fieuntfckafil che rrnhältnck, ül ^blchem Rußland seit Jahren zu den Vereinigten Staaten Nord-Amerikas st.ht, m rccht eklatanter Weise zu Tage gemten ; der amerikanische Botschafter Krackte nämlich ans einem Banket, welches ihm die inssifche Commission für die Weltanestellnnfl in Philadelphia gab, nn,er Hervorhebung der FreundfchestL- bande, welche herbe Staaten mit einander verbanden, einen Toast auf hieran- der den Großen" aus!

Der neue Präsident d-r Vereinigten Staaten scheint mit der Durckfüh- rung seines R.form-Ptogramms ernstlich vorgehcn zu wollen; sein Kriegen ii i- ster hat schon ein bedeutsames Circular an seine Beamten gerichtit, in welchem er ihn. ! nkündigt, daß Versetzungen nur aus btstimmUn Gründen, Bciörde- rnngen nur nach Verdienst ftattfinden sollten, außer dem Eid auf du' Ver- fassung auch fein besonderer Eid verlangt werdm solle. Athnliche Erlasse stthin Seitens der übrigen Ministericn in Auksicht. Auch an der von ilm verleiße- nen VersöhnungSpolitik gegen die Cüdstaaten hält der Präsident bisher fist Dte Hoffnungen auf eine baldige Beruhigung der öffeutlich.n Verhältmsie in bet großen Republik befestigen sich daher von Tag zniTag mehr.

Deutschland.

Berlin, 5. April. DieNordd. Allg. Ztg.^ conflotht in Betreff der Reichskanzler.Hiage, daß in den preußischen Blättern mehr und mehr die Tcn- denz hervortrete, die Angelegenheit durch das Hervorheben persönlicher Fragen im Partei- oder Coterle-Jutereffe zu verdunkeln. Sie tritt unter Bernsui.g auf dte gestrigen Andeutungen derProv.«Corresp." allen Zeilungs-Erörterunaen entgegen, welche betaiütrt über getroffene Entscheidungen in der Hauptfrage, ferner über eventuelle persönliche sachliche Consequenzen, sowie über den Termin ®eI '.K"uz-Z'«." infolge dürfte eine end- gnlttge Eat,a)erdung der Angelegenheit nicht vor dir Null kehr des Kronprinz n ans Haimover erfolgen.

Straßburg, 5. April. Die heutige Nummer der officiellenGemeinde. Zeitung me.det: se. Majestät der Kaiser wird den neuesten Nachrichten Zu­folge am 30. Aprtl m Straßburg eintreffen und bis zum 6. Mai im Reick«, laude verweilen.

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tt qeb. (fttling. hott, Vrarssü- r, «ins.

Der Papst befindet sich seit Kurzem wieder besser: zum Beweis dient die Thatsache, daß er am Charfreitage die Cardinäle, am folgenden Tage spgar eine grvt;e Lchaar von Pilgern empfangen und an letztere eine längere Än- iprad'c gehalten hat. Unter diesen obwaltenden Umständen denkt derUn- sehlbare", der von seinerMission auf Erden" außerordentlich eingenommen ift, neuerdings ernster als je an die Ausführung seiner Pläne, d. h. an die <t led.i Herstellung seiner weltlichen Macht und au die Wiedereinberufung des vaticanlschen C^oucils.

Die inneren Zustände Frankreichs werden nach wie vor durch Partei- ägitattonen erschüttert. Vor Allem sind es die Klerikalen, welche die Regierung ur ihre Zwecke auszubeuten suchen. Die zu dieser Partei gehörenden Sena­toren und Deputirten sandten u. A. kürzlich aus Anlaß der päpstlichen Allocu- hon eure Deputation zu dem Minister Herzog Decazes, um ihm die immer pe nllcher werdende Lage des Papstes vorzustellen, und als derselbe ihnen sein Interesse für die Aufrechterhaltung der Unabhängigkeit des heil. Stuhles ver- fi^erte, hatten sie nichts Eiligeres zu thun, als seine Worte an die große W.ode zu hängen und den Minister dadurch vor der öffentlichen Meinung zu

^rCtu* DecaM h^te in Folge deffxn Mühe, die aufgebrachten Mpublifaner durch die Erklärung, daß die Stellung Frankreichs zuni Königreich Italien sich nicht geändert habe, zu beruhigen, und sah sich sogar durch die firlgesetzten klerikalen Agitationen gezwungen, die guten Dienste des päpstlichen JiiBiiciuS in Anspruch zu nehmen, um innere und internationale Schwierigkeiten 11 vermeiden. Uebrigens hat Decazes sowohl wie der Minister-Präsident Simon

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Vom Gebiete des Culturkampfes ist zur Schande der deutschen Ultra- montanen ein neuer Wimderschwindel zu melden, der Marpingen mit Erfolg Concurrenz macht: auf der Geismühle (!) bei Gappenach im Kreise Mayen soll nämlich einer Frau die Muttergottes und das Jesuskind in Gesellschaft der drei MarpingerMarienkinder" in einer Flasche mit Marpinger Wasser erschienen sein! Ein Gensd'armcrie - Commando hat zwar die ominöse Mühle abgesperrt, trotzdem strömen mdeß Tausende vonGläubigen" dorthin und lagern betend und singend bei Tag und Nacht um die Mühle herum. Der Besitze^ der Mühle ist bis auf Weiteres gefänglich eingezogen worden.

Der Völlig von Schweden, welcher zum Besuch seiner kranken Gemahlin nach Heidelberg gereist war, hat von dort einen Abstecher nach Straßburg zur Besichti?u"g der neuen Befestigungswerke gemacht.

In Oesterreich sieht man für die nächste Zeit dem Zusammentritt der Landtage in den verschiedenen Ländern entgegen. In Folge dessen ist die auf ben 1(5. April anberaumt gewesene allgemeine Katholiken-Versammlung um 14 Tage verschoben worden, um den Mitgliedern der Landtage die Theilnahrne zu ermöglichen.