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Donnerstag, den 8. März
1877,
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Ai?kize- inü Amtsblatt für Kn Kreis Keßen.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Expedition: Schul st raße, Lit. B. Nr. 18.
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Preis vierteljährlich r Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
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Berlin, 5. März. General Jgnatieff hat gestern wiederholt mit dem hiesigen russischen Botschafter v. Oubril Berathung gehalten. Nachmittags 4 Uhr begab er sich zum Fürsten Bismarck, wo er mit seinem Secretär über eine Stunde verweilte und später auch dinirte. Abends war derselbe wieder längere Zeit mit Oubril zusammen. Soweit bisher bestimmt, wird der General am Mittwoch nach Paris abreisen.
Berlin, 5. März. Zum 80. Geburtsfest des Kaisers regen sich überall ganz besonders festliche Veranstaltungen. Unter Anderen ist es, der „Tribüne" zufolge, im Werke, eine gemeinsame Kundgebung preußischer Städte in's Leben zu rufen, und es wird darüber bereits verhandelt. Seitens der Stadt Berlin geht man mit der Absicht um, die Summe zu stiften, welche erforderlich ist, um das Denkmal der Königin Louise, welches im Thiergarten aufgestellt werden soll, zu vollenden. Wie bekannt, gehört die baldige Verwirklichung der Denkmals-Idee zu den Lieblingswünschen des Kaisers, und es wäre also eine solche Gabe jedenfalls eine sehr sinnige Festveranstaltung. — Weil vom 1. April ab die Verwendung von Telearaphen-Freimarken ganz wegfallen soll, so wird man gut lhun, mit solchen Marken nicht mehr allzu reichlich sich zu versehen. Es scheint nock nicht allgemein bekannt zu sein, daß schon jetzt, vom 1. April ab aber jedes Telegramm mit Postmarken frankirt wird.
Berlin, 5. März. Bestem Vernehmen nach hat der Präsident deS Brandenburger Consistormms, Herr Hegel, seine Entlastung aus dem Staatsdienste erbeten.
— Der „Reichs-Anz." enthält eine Bekanntmachung des Reichskanzlers, laut welcher die erste ordentliche General-Versammlung der Eigenthümer von Reichsbank-Äntheilen auf den 26. März anberaumt wird; auf der Tagesordnung stehen folgende Punkte: Vorlegung des Verwaltungs-Berichtes und der Bilanz, sowie Feststellung des Gewinnes pro 1876 und Vornahme der Neuwahlen für den Central-AuSschuß.
Berlin, 6. März. General Jgnatieff verkehrte gestern Vormittag längere Zeit im auswärtigen Amte und empfing Nachmittags 3 Uhr den Besuch des Fürsten Bismarck. Später fuhr derselbe beim Kronprinzen und dem Prinzen Friedrich Karl vor, dinirte sodann bei dem Botschafter v. Oubril und besuchte Abends mit seiner Gemahlin eine Soiröe bei dem Botschafter Lord Russell. Gestern Nachmittag empfing die Kaiserin die Frau General Jgnatieff.
Berlin, 6. März. Von Frei-Conservativen des Reichstages ist folgende Interpellation eingebracht: „Gedenkt die Reichs-Regierung die Mißstände zufolge der Gewerbe-Ordnung durch Abänderung dieser letzteren zu beseitigen?"
— Mittags General Jgnatieff verweilte heute Vormittag längere Zett im russischen Botschafts-Hotel und besuchte sodann den Fürsten Bismarck, bei welchem er heute Abend 6 Uhr abermals binnen wird. Die Abreise des Generals Jgnatieff nach Paris ist auf morgen Mittag 12 Uhr festgesetzt.
Marburg, 5. März. Der „Nat.-Liber. Corresp." wird mitgetheilt, daß die Straf Kammer des hiesigen Kreisgerichts am 23. v. Mts. auf Antrag der königl. Staats-Anwaltschaft die Beschlagnahme der bekannten, von Herrn Landratb Mayer zu Marburg, Vertreter des Wahlbezirks Marburg im Abgeordnetenhause, gegen die hervorragendsten Mitglieder der dortigen national- liberalen Partei verfaßten Spott-Schrift: ' „Die Stiefel-Putzer oder der Wahl-Kampf" ausgesprochen hat.
Aus Bayern, 5. März. Am 28. v. Mts. erlebte Stiftsprobst Dr. I. v. Döllinger seinen 78. Geburtstag in bester Gesundheit. Er erhielt auch Heuer wieder von dem Könige ein sehr huldvolles Handschreiben — eine Auszeichnung, die dem greisen Gelehrten und Priester schon seit mehreren Jahren zu Theil wird. Heuer werden es 54 Jahre, daß Döllinger seine Wirksamkeit als Professor der Theologie am Lyceum zu Aschaffenburg begonnen.
— Der deutsche Bundesrath hat für das germanische Museum 120,000 Jl. für die nächsten Etatsjahre bestimmt und als erste Rate für das Etatsjahr 1877/78 den Betrag von 24,000 Jt ausgeworfen.
Hcsterreich.
Wien, 5. März. Der „Presse" wird gemeldet, 700 bewaffnete katholische Bosniaken von Buschtsche und Ober-Jvanska haben in Folge türkischer Gewaltthaten sich erhoben und dem Aufstand sich angeschlossen. In Petersburg finden unausgesetzt zahlreiche Verhaftungen und Deportirungen nach Sibirien patt. Die Executiv-Organe der Polizei sind verdoppelt, der Ober-Polizeimeister Trepow ist ermächtigt, im Falle eines Aufruhrs das Militär direct, ohne sich mit der Militärbehörde in's Benehmen zu setzen, zu consigniren. Die politische Atmosphäre ist sehr schwül. In einem am 24. Februar abgehaltenen Min.-Her-> rath wurden die Maßnahmen sestgestellt, unter welchen die bevorstehende Verhängung des Belagerungs-Zustandes über die südwest-russischen Provinzen durchgesührt werden soll.
— Die „Polit. Eorresp." läßt sich aus Petersburg folgende sonderbare Auseinandersetzung schreiben: „In maßgeblichen russischen Kreisen handelt es sich nicht mehr um die Möglichkeit, den Krieg zu führen, auch komme nicht die
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militärische Kraft der Türkei in Betracht. Wäre daS Eabinet von St. Petersburg nur einen Tag sicher, daß Europa neutral bliebe, der Krieg an die Türkei wäre schon längst erklärt. Es kann nicht oft genug versichert und betont werden, daß Rußland seine Grenze im Westen nicht ausdehnen, die Slaven im Süden nicht zu Russen machen wolle. Rußland will nur die Lage der Balkan- Christen sichern. Ein derartiges Bestreben sollte weder unter Slaven noch in Europa Mißtrauen erwecken. Der Krieg wird Alle überzeugen, daß Rußland keine neuen Provinzen zu erobern sucht; der Krieg wird in weiterer Folge das eingewurzelte Mißtrauen gegen Rußland entwaffnen; der Krieg wird schließlich die Bedeutung Rußlands als Großmacht aufrechtzuhalten haben, denn er wird zeigen, daß Rußland nicht ungestraft sich durch eine vierzehnmonatliche diplomatische Campagne irrführen laffe. Der Krieg wird Rußland für die Zukunft wahrt, treue Bundesgenossen sichern und das in Europa gegen dasselbe vorherrschende Mißtrauen ad absurdum führen. Es gibt eben Kriege, die auch ohne Territorial-Gewinne geführt werden können "
— Wie verlautet, ist Rußland geneigt, abzurüsten, wenn die Pforte vorher sämmtliche Irreguläre entläßt und nur gut diSciplinirte Nizams unter theil- weisem Commando europäischer Osficiere als Gensd'armerie zur Unterstützung der Reformen verwendet; dies unbeschadet der Forderung, Europa müsse Maßregeln feststellen für den Fall, als das Probejahr nutzlos verstriche.
Arankretch.
Pari-, 4. März. Gestern Morgen wurden, als am Jahrestage der Grundsteinlegung der Kirche zum heil. Herzen auf dem Montmartre, feierliche Messen in der provisorischen Capelle gehalten, denen der Coadjutor des Erzbischofs anwohnte. Nach dem Gottesdienste besichtigte der Coadjutor die Arbeiten an der neuen Kirche, die eine Nachahmung der Sanct-Peterskirche in Rom werden soll. Als der Coadjutor sich zur Abfahrt rüstete, wurde ihm von dem Baumeister der Kirche und von den Anwesenden die Hand geküßt, eine Cere- monte, die in Paris neu ist.
Pari-, 6. März. Die „France" schreibt: Jgnatieff dürfte bis zum 20. März seine Mission vollendet haben. Seine Rückkehr entscheidet entweder die Demobilisirung der russischen Armee oder Zwangmaßregeln gegen die Türkei.
fttgtart.
London, 5. März. Die „Times" erklärt das Gerücht von einem bevorstehenden Besuche des Generals Jgnatieff in London für unbegründet; derselbe werde mit dem russischen Botschafter am englischen Hofe, Grafen Schu- waloff, in Paris zusammentreffen.
London, 5. März. „Oncle Tom", der Held der bekannten Erzählung der Frau Beecher-Stowe, befindet sich seit einigen Monaten schon in Großbritannien und hat in verschiedenen Capellen gepredigt. Sein eigentlicher Name ist Josiah Henson. Augenblicklich verweilt er in Schottland. Die Königin hat ihn indessen ersuchen lassen, sich ihr in London vorzustellen, da sie wünscht, die interessante Persönlichkeit kennen zu lernen. Henson ist in Folge dessen von Schottland sofort abgereist und dürste heute Vormittag hier eintreffen.
London, 5. März. Der mit einer Special-Mission nach Paris und London betraute türkische Agent Vahan Effendi wurde heute von Lord Derby empfangen.
— Im Unterhause erklärte anläßlich einer Anfrage von Wolff der Schatzkanzler Northcote, das Inkrafttreten der ersten Reduction der Zuschlags-Abgabe für die Durchfahrt durch den Suez-Canal sei bis zum 15. April hinausgeschoben, da die Genehmigung der Regierungen hierzu noch ausstehe. Die Suez-Canal-Gesellschaft habe ihren Widerspruch gegen die Entscheidung der betr. Commission zurückgezogen, dagegen aber Einspruch erhoben, daß England für die von ihm erworbenen Actien das Stimmrecht ausübe, weil die Actien ohne Coupons seien. Die englische Regierung habe sich gegen diesen Einspruch verwahrt, hoffe indessen noch auf eine gültige Regelung der Angelegenheit.
London, 6. März. Der hiesige russische Botschafter Gras Schu- waloff ist nach Paris abgereist. — Nach dem Anschlag des Budgets pro 1877/78 beträgt dasselbe 10,979,829 L., hat sich also gegen das Finanzjahr 1876/77 um 309,043 L. vermindert. Die Zahl der Marine-Mannschaften beträgt 44,700.
Atatterr
hkvM, 5. März. Das mit Prüfung des Gesetz-Entwurfs bezüglich des Mißbrauches des geistlichen Amtes betraute SenatS-Comitä hat beschlossen, die Berathung der Vorlage bis zur Discussion deS Strafgesetzbuches hinauszuschre- &en. _ Bei der Nachwahl der Deputirten-Kammer in Eonegliano wurde Bonghi gewählt; in Bergano kommt es zur engeren Wahl zwischen Epaventa und TaSca.
Portugal.
Lissabon, 6. März. Die Bildung eine- neuen Cabinets hat sich hier vollzogen und ist dasselbe wie folgt zusammengesetzt: Präsident ist Avila, wel-


