30 Millionen Mark für die Sicherung der Nogat-Niederung, sowie anderweitige Bauten beabsichtigt. — Freiherr v. Werther wird hier erwartet, um Bericht über die Konferenz zu erstatten. — Jgnatieff geht nach Wien.
Köln, 3. Februar. Der Staatsprocurator hat heute Mittag gegen das in der Appellations-Instanz ergangene Urtheil vom 1. Fcbruar betreffs der! Rheinischen Effectenbank das Cassationögejuch eingelegt.
Posen, 3. Februar. Cardinal Ledochowski wird sich dem hiesigen Gericht nicht stellen, da er die Competenz eines preußischen Gerichtshofs nicht anerkennt.
Aus Hessen-Nassau, 2. Februar. Der katholische Pfarrer Hungari in Rödelheim bleibt im Amtel Diese einfache Thatsache spricht überzeugender, als alle aus dem Verhältnifle der Kirche zum Staate herzuleitenden Argumente für die Forderung, das Gesetz vom 12. Mai 1873, speciell den § 24 desselben, durch die Bestimmung zu ergänzen, daß der Staat nicht allein dann gegen Kirchendiener einzuschreiten hat, wenn sie die auf ihr Amt oder ihre geistlichen Amts-Verrichtungen bezüglichen Gesetzes-Vorschriften verletzen, sondern auch dann, wenn ihre sittliche Aufführung derart ist, daß ihr amtliches Wirken mit der öffentlichen Ordnung unverträglich erscheint. Pfarrer Hungari ist wegen Vornahme unzüchtiger Handlungen in der Kirche von» seinen eigenen Pfarr- Kindern angeklagt und rechtskräftig in eine fünfmonatliche Gesängniß - Strafe verurtheilt worden; — er bleibt aber im Amte und behält seinen Einfluß au die Parochianen, denen er ein Vorbild sein sollte, nach wie vor. Mancher arme Subaltern-Beamle dagegen der eines Vergehens angeklagt, später aber vom zuständigen Gerichtshöfe freigesprochen wird, erhält ohne Weiteres seine Entlastung und mag zusehen, wo er sonstwo für sich und seine Familie Brod findet. Dieses summarische Verfahren hat erst kürzlich ein niederhessischer Ge- richtS-Actuar an sich erfahren, der trotz seiner vor dem Schwurgerichte erfolgten Freisprechung sein Amt verlor. Darüber aber, wer als öffentlicher Beamter die Ordnung mehr gefährdet, ein sreigesprochener Actuar oder ein verurtheilter Pfarrer, dürfte kaum ein Zweifel obwalten. — Durch die Entfernung des Bischofs Dr. Blum von Limburg ist auch der früher erwähnte, zwischen diesem und dem Oberpräsidenten v. Bodelschwingh abgeschlossene Vertrag, wonach der Bischof alle für die königlichen Patronats-Stellen vorgeschlagenen Geistlichen als personas minus gratas verwerfen kann, tatsächlich gegenstandslos geworden Auf das Dom-Cavitcl geht diese Befugniß nicht über, vielmehr lediglich au den rechtmäßigen Nachfolger oder Stellvertreter des Bischofs (Bisthums - Der Weser). „ (Frkftr. Journ.)
Nürnberg, 3. Februar. Großes Aufsehen erregt die Verhaftung des hiesigen Banquiers Kabdebo, welcher sich hauptsächlich mit dem Verkauf von Raten-Briefen befaßte.
Gotha, 2. Februar. Nach einer dem Dr. Petermann hier zugegangenen Nachricht ist bei dem Congreß in Washington eine Vorlage wegen Ausrüstung und Aussendung einer oder mehrerer Nordpol-Expeditionen eingebracht worden.
Oesterreich.
Wien, 3. Februar. Der ungarische Minister-Präsident v. Tisza ist gestern Abend nach Pesth abgereist, um der heutigen Sitzung im ungarischen Abgeordnetenhause beizuwohnen. Nach seiner Rückkehr nach Wien werden Montag die Verhandlungen über die Bankfrage fortgesetzt.
— Die Pforte hat in Betreff der Friedens-Garantieen Serbien gestern geantwortet. Midhat Pascha besteht auf materiellen Bürgschaften und verwirft einen faulen Frieden. Montenegro beansprucht die Sutowina, wogegen Oesterreich opppnirt. — Jgnatieff kommt nächsten Montag nach Wien. Zimmer sind telegraphisch bestellt.
ArauLreich.
Paris, 1. Februar. Der deutsche Botschafter Fürst Hohenlohe war gestern bei dem Minister für Ackerbau und Handel zur Tafel geladen. — In Folge der heftigen Stürme im Canale wurde der Dienst der Postdampfer zwischen England und Frankreich unterbrochen; viele Schiffbrüche werden gemeldet. Die Beschädigungen an der französischen Küste sind groß.
— Aus Japan wird gemeldet, daß Maycbara und andere Führer des letzten Aufstandes enthauptet worden, minder Schuldigere zu Gefängnißflrafen verurtheilt sind. — In der Hauptstadt Tokio hat ein Feuer gewüthet und 70 Straßen mit über 8000 Häusern zerstört. — Es wird amtlich bekannt gemacht, daß -Dchiffe von Japan nach der jetzt russischen Insel Sagalin Handel treiben dürfen in derselben Art, wie bis jetzt der Küstenhandel getrieben worden ist. — Die Eisenbahn zwischen Tokio und Dokohama ist am 1. November dem Kuadpokn, ber. sie von der Regierung kaufte, übergeben worden.
Versailles, 2. Februar, In Folge der Suspendirung des Journals „Droits de lchomme" beschloß die Depntirten-Kammer, heute den Antrag Ma- dter's de Montjau, welcher die Aufhebung des die Unterdrückung und Suspension der Journale betreffenden Decrets von 1852 bezweckt, auf die Tagesordnung zu setzen.
-«glatt-.
Loadon, 2. Februar. Der „Temps" veröffentlicht ein Schreiben von Lord Stratfort de Redcliffe, worin derselbe empfiehlt, die von der türkischen Regierung zugesagten Reformen einer ausreichenden Probe zu untergeben ; ferner wird darin den Mächten anheim gestellt, eine Convention mit einander zu schließen, welche den Zweck hätte, die amtliche Erklärung an die Pforte zu richten, daß die Mächte einig und wachsam seien, sowie auch fest ent* schloffen, weitere Nachsicht nur noch für einen gemessenen Zeitraum walten zu laffen.
London, 2. Februar. Privatdepeschen aus Pera zufolge setzte die Pforte die Zinszahlung auf die türkischen Anlehen von 1854 und 1871, zu wel^r Fonds bei der englischen Bank deponirt sind, bis zur vorerst zu erthei- lenden Genehmigung der türkischen Reichsvertretung aus.
London, 3. Februar. Die amtliche „Gazette" veröffentlicht eine Verordnung des Geheimen Rathes, welche den Verkauf von Rindvieh, Schafen und Ziegen, außer wenn dieselben 28 Tage in dem Besitz des betr. Eiaenthü' mers waren, ohne Symptome der Rinderpest zu zeigen, verbietet. Die mit der Genehmigung des Geheimen Rathes verkauften Thiere müffen innerhalb 10 Tagen getödtet werden.
ui erx Öbion Cffendi empfing gestern eine Deputation von Inhabern von türkischen Anleihen von 1854 und 1871, welche über die Nachricht, daß die
Bezahlung der Zinsen dieser Anleihen bis zur Genehmigung der türkischen Reichsvertretung ausgesetzt sei, Erkundigungen einziehen wollte. Odian Effendi erklärte das Gerücht für unbegründet.
Kelgieu.
Brüssel, 2. Februar. Nach einem Pariser Brief der „Jnd^pedance" erklärte der Czar dem französischen Botschafter General Leflo, Rußland würde in der Eircular Note keine eigene politische Verhaltungs-Linie Vorschlägen ; da» gegen wurde es die fünf Mächte auffordern, Vorschläge zu machen, um die Lage der Türkei gegenüber Europa endgültig,zu ordnen.
Atalien.
Rom, 3. Februar. Marquis Salisbury ist über hier nach London zurückgereist und wurde auf dem Bahnhofe vom Minister Melegari begrüßt.
Brindisi, 3. Februar. Jgnatieff ist hier eingetroffen und reist Sonn- abeuv nach Petersburg weiter.
Dänemark.
Kopenhagen, 2. Februar- Der König prolongirte den Reichstag bis zum 31. März, um dem Landsthing hinlängliche Zeit zur Berathuug des Finanz-Budgets zu geben.
Petersburg, 2. Februar. Die Nachrichten auswärtiger Blätter von Verhandlungen über eine russische Anleihe oder einer Einleitung zu einer russischen Finanz-Operation werden von amtlichen Kreisen für unbegründet erklärt.
Petersburg, 3. Februar. WaS in auswärtigen Zeitungen über die Organisirunq des Landsturms geschrieben wird, wird hier als nicht zutreffend bezeichnet. Nirgendswo haben Berufungen zum Landsturm stattgefunden; es liegt nichts weiter vor, als die längst erwartete ergänzende Novelle zum Gesetz über die Wehrpflicht. Insbesondere hat auch der Minister des Innern nicht, wie behauptet worden, einzelnen Gemeinden Darlehen oder Vorschüsse für die Organisation des Landsturmes bewilligt.
Türkei.
Konstantinopel, 3. Februar. Zur Führung der FriedenS-Verhand- langen mit Montenegro wurde Constant Pascha bestimmt.
NZlmänien.
Bukarest, 2. Februar. In Folge der gestrigen Interpellation Stourdza'S überwies der Senat seinen Sectionen eine Motion zur Begutachtung, die die Regierung verpflichtet, das Budget von 1877 zu equilibriren. Dem „Timpul" zufolge gab das ganze Sabine!, mit Ausnahme des Minister-Präsioenten Joan Bratiano, feine Demission.
Amerika.
Washington, 1. Februar. Der Senat und das Repräsentantenhaus hielten heute gemeinschaftliche Sitzung behufs Vornahme der Zählung der in den einzelnen Staaten bei der Präsidenten-Wahl abgegebenen Stimmen. Die Zählung geschah nach der alphabetischen Reihenfolge der Staaten. Dabei ergaben Alabama, Arkansas, Connecticut und Delaware Majoritäten für Tilden, Kalifornien und Colorado dagegen für Hayes. Gegen die Stimmen.Zählung dieser Staaten erhob sich keinerlei Einwendung. Hinsichtlich der Wahlen in Florida aber, für welche verschiedene Berichte und von beiden Parteien erlassene Proteste Vorlagen, wurde die Entscheidung der eingesetzten gemischten Commission für die Präsidentenwahl-Frage übertragen. Die Sitzungen der letzteren werden öffentlich fein.
Washington, 2. Februar. In Verfolg der gemeinschaftlichen Sitzung des Senats und der Repr4sentanten-Kammer begann die zur Entscheidung der Präsidentenwahl-Frage berufene Commission zu arbeiten. Den Vorsitz führte der Richter Clifford und sind der Commission alle auf die Wahl Floridas bezüglichen Materialien zugegangen. Beide sich dort gegenüberstehende Parteien übergaben Denkschriften und werden vor der Commission durch Anwälte vertreten.
Washington, 2. Februar. Präsident Grant übergab dem Cnbinet einen Entwurf zu einer Botschaft an den Congreß, in welcher angerathen wird, die dcmnächstige Wiederaufnahme der Baarzahlungen zu beschließen. In der heutigen Sitzung der Special-Commission für die Entscheidung der Präsidentenwahl-Frage beantragten die Anwälte der demokratischen Partei, unabhängig von den amtlichen Berichten eine Enquete auzusteSen, um die Unregelmäßigkeiten bei den Wahlen in Florida nachzuweisen.
Vermischte-.
Berlin. (Die nächste Sündfluth.) In seinem letzten, sehr interessanten Vortrage über den Einfluß von Sonne und Mond auf Erdboden und Witterung, rechnete Herr Rudolpb Faid die Constellationen zusammen, unter welchen besonders schwere Re- ooluHouen auf der Erde helvorgerufen werden können und tim zu dem Resultat, daß die Sonnennähe, die jetzt auf den 1. Januar fällt, um einen kleinen Betrag jährlich oorrückt, sie im Jahre 6393 auf den 21. März und im Jahre 16896 auf den 23. September treffen muß, um dann mit der »equatorialstellung der Sonne zusarnrnenzusallen. Es ist also nach Allem nicht unwahrscheinlich, daß sich in diesen Perioden von 10,500 Jahren ungeheuere Niederschläge. Stürme, Ueberschwemmungen und Erdbeben ereignen müssen. Rechnen wir diese Periode von dem nächsten Maximum zurück, so treffen wir auf die Zeit um 4000 vor unserer Zeitrechnung und in den Sagen aller Völker finden wir für diese Zeit Aufzeichnungen über eine ungeheure Fluth, die sogenannte Sündfluth, welche die Erde verheert habe. Aehnliche große Niederschläge und Fluthen seien also möglicherweise um's Jahr 6400 wieher zu erwarten. Beunruhigend für die heut Lebenden sind diese Aussichten glücklicherweise noch nicht-
— Noch nicht entschieden. „Fritzi — sagte neulich der Oberst H. zu seinem Burschen — „gehe in'S Opernhaus und siehe nach, was heute Abend gegeben wird." Fritz kommt nach einer Viertelstunde wieder und zeigt an, daß dies noch nicht entschieden sei. „Uber eS ist ja halb 12 Uhr und muß doch gewiß angcschlagen sein." — „Verzeihen Eure Gnaden, 's ist noch nicht entschieden.* — „Hast gewiß den Theaterzettel nicht gelesen lM — „Jawohl, Euer Gnaden, eS steht darauf: «Gnstav oder der Maskenball."
— Ein junger Mann führte sich bei dem Vater einer reichen Erbin ein. »Mein Herr , begann er, „Ihre liebenswürdige Tochter hat mich ermuthigt, mit Ihnen zu reden. Un ere gegenseitige Neigung---" „Junger Mann", unterbrach der Vater
den Bewerber, „das Mädchen muß rein des Teufel» sein! Sie sind nun schon der den sie mir heute Margen in derselben Angelegenheit über den Hals geschickt. Ich habe den drei Andern meine Einwilligung gegeben, und will sie auch Ihnen nicht vorenthalten. Sie haben meinen besten Segen!- Mit sehr bedenklichem Gesicht trat Ser Bewerber den Rückzug an. Der Vater der Erbin hatte Ruhe.
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