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Spedition: Schulstraße, Lit. B. Nr. 18.

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Sonntag, den 2 September

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feit muß auch daS blödeste Auge erkennen, wessen ste fähig ist. Was kümmert es Diejenigen, die ihre Parole von Rom empfangen, ob sie die kaum befestigte Ordnung des Staates in unheilvolles Wanken bringen! Was kümmert sie Gesetz und Friede! Einerlei, ob sie das Land, das ihnen dort so wenig Vater- land ist. als bei uns, tu Zerrüttung stürzen, wenn es gilt, die weltliche Herr­schaft des Papstes wieder herzustellen und die Herrschaft über Frankreich that- sächlich in die Hände der Hierarchie zu bringen! Ohne Bedenken wird die Verletzung des Gesetzes gutgeheißen, offen Gewalt jeder Art angerathen, ja nicht einmal vor der Gefahr blutigen Bürgerkrieges zurückgeschreckt Alleszur größeren Ehre Gottes", unter der heuchlerischen Maske des Eifers für Reli­gion, Sittlichkeit und Freiheit, in Wahrheit aber nur im Jtneresse eigensüchti­ger, ehrgeiziger Pläne.

Was in Frankreich geschieht, zeigt deutlich, weffen wir gewärtig sein müßten, wenn jemals bei uns dieselben finsteren Mächte die Staatsgewalt wie­der zu umgarnen vermöchten. Schon darum seien wir wachsam! Aber noch mehr. Der Sieg jener Partei in Frankreich bedeutet auch für uns nahe Kriegsgefahr. Unumwunden stellt die klerikale Partei die Wiederherstellung des Kirchenstaates als ihr Hauptziel hin, das sie stets verfolgen wird, sobald sie die Zügel der Regierung hält, sollten auch dadurch unabsehbare kriegerische Verwicklungen, von denen das deutsche Reich schwerlich würde unberührt blei­ben können, hervorgerufen werden. Keine andere Partei geht endlich eifriger darauf aus, den seit 1870 immer wieder angekündigten Rachekrieg Frankreichs gegen Deutschland zu beginnen, den wir im Bewußtsein unserer Kraft nicht fürchten, den wir aber für uns so gut wie für Frankreich vermieden sehen möchten, um die Friedensarbeit des Ausbaues unserer inneren Zustände, die Befestigung der Einrichtungen des Reichs und die Neubegründung unserer wirthschastlichen Wohlfahrt, um Arbeit, Handel und Wandel ungestört sort-

PreiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bring, rlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Zum Sedantag.

Abermals ist der Sedantag herbeigekommen. Diesen Ehrentag des deut­schen Volkes zu feiern, der die Erinnerung an den Sieg über den alten Erb­feind in uns wachruft, die Erinnerung an jenen Sieg, aus dem die Einheit und Größe unseres Volkes in feinem neu erstandenen Reich emporwuchs, ist uns ein Herzensbedürfniß.

Unsere Feier soll vor allen Dingen der Jugend gewidmet sein. Diese Überzeugung hat sich immer mehr befestigt. Der Jugend muß immer wieder geschildert werden, was Deutschland vor nicht viel mehr als einem Jahrzehnt noch war und was es unter kraftvoller Leitung, durch muthige Einsetzung seiner Volkskraft geworden ist. Lasset uns das dem Verstände und dem Gemüthe der Kinder einprägen, damit sie dazu erzogen werden, den um hohen Preis errun^ geilen Segen eines einigen, mächtigen, die bürgerliche Freiheit sichernden Vater- landrs sestzuhalten, zu wahren und, wenn es noth thut, mit derselben aus- opfernden Liebe zu schützen, die wir an den Kämpfern von 1870 preisen.

Niemals soll der Tag von Sedan blos ein Tag schwelgerischen Festjubels (ein. Wir vergessen nicht die Gefallenen und ihre trauernden Angehörigen. Wir gedenken jedesmal in Dankbarkeit Derer, die mit der Hingabe des Lebens dem deutschen Volke diesen Festtag bereitet haben. Aber wir dürfen die Feier begehen und begehen sie zugleich mit hoher Freude. In leuchtendem Glanze haben sie uns gebracht jene glorreichen Tage, die wir feiern, wonach lange, lange Jahre deutsche Männer sich sehnten und woran sie oft in der traurigen Vergangenheit verzweifelten. Künftige Geschlechter werden noch Diejenigen be­neiden, denen es vergönnt war, diese Zeit der Wiedergeburt des deutschen Volkes zu seiner vollen Ehre mitzuerleben. Lasten wir uns die rechte Freude daran nicht verkümmern, weder durch die bemitleidenswerthen kleinen Seelen, denen die Begeisterung für die idealen Güter, für das Vaterland und seine Größe, versagt ist, noch durch Diejenigen, denen es nach ihren Parteizwecken ein Lieblingsgeschäft ist, jene große Zeit, ihre Thaten und ihre Erfolge herab­ziehen und mit Schmutz zu bewerfen.

Wir feiern die Erinnerung an das Jahr 1870 nicht mit stolzer Selbst­überhebung, weil es uns gelang, unsere Feinde mit wuchtigen Schlägen so rasch und so ruhmreich für unsere Waffen niederzuwerfen; höhnender Uebermuth gegen die Besiegten ist uns fern. Was wir feiern, ist das unter der Leitung unseres Kaisers, unter Beihülfe seiner erprobten Heerführer und Staatsmänner, durch die Tapferkeit unseres Volkes in Waffen, durch die aufopfernde Hingebung Aller erfüllte Geschick der Nation.

setzen zu können.

Ist es nicht eine Schande, daß die tonangebenden Organe der klerikalen Partei in Deutschland mit den Fortschritten, die ihre Gesinnungsgenossen in Frankreich machen, höchlich zufrieden sind, ihnen im Geiste die Hand reichen ? Wenn es dennoch so ist, wenn es dennoch Verführer und Verführte gibt, die im mißbrauchten Namen der heiligen Religion und der Freiheit ohne Zagen selbst einem neuen Kriege zusteuein, dann ist es gewiß das Rechte, Allen, die wohl meinen mit dem Vaterlande, an dem Sedantage zuzurufen:

S e id wachsam und fest gegen die Feinde draußen und drinnen! heute und immerdar Alles für Kaiser und Reich!

Deutschland.

Berlin, 29. August. Bet seiner Durchreise durch Leipzig hatte Fürst Bismarck vor einigen Tagen mit dem zu seiner Begrüßung herbeigekommeneu Bürgermeister Dr. Georgi eine längere Unterredung, aus welcher, nach dem Brest. Tageblatt", hervorging, daß die Nachrichten von dem blühenden Ge­sundheits-Zustande des Reichskanzlers nicht ganz begründet sind. Fürst Bis­marck bemerkte, daß er sich zwar von eigentlichen Krankheits-Symptomen frei fühle, indeffen habe er stets, wenn er einen Tag angestrengt gearbeitet, m der darauffolgenden Nacht an Schlaflosigkeit zu leiden. Im Ganzen, so bemerkte der Reichskanzler, fei sein Zustand ein ermatteter. Wenn er sich auch von Arbeit frei machen wollte, so verfolge sie ihn doch. Der Fürst erzahltt, daß anläßlich seiner jetzigen Reise nach Gastein eine große Masse von Schreiben und Telegrammen aus Bayern an ihn gerichtet worden seien, welche Einladun­gen in Bezug auf den Aufenthalt des Fürsten an einzelnen bayerischen erteil

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Gießen, am 31. August 1877.

Betreffend: Die Herbstübungen in 1877.

Das Großherzvgliche Kreisamt Gießen

an die Groscherzoqlichen Bürgermeistereien.

Wir machen Sie, zur Vermeidung von Zweifeln, wiederholt darauf aufmerksam, daß die an den Hebungen der 41. und 42. Infanterie- Brigade (21. Division) theilnehmendeu Truppen, deren Zusammenziehung um Grünberg stattfindet, mit Verpflegung einquartiert werden-

Die Vergütung für die Tage der Cantonnements-Ouartiere wird nach neuerer Mittheilung der 21. Division einige Pfennige weniger, als in nuferer Bekanntmachung vorn 18. v. Mts., Nr. 167 des Gießener Anzeigers, annähernd angegeben, betragen.

Dr. Boekmann.

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Und eben deshalb ist es nicht blos festlicher Jubel, der uns erfüllen soll. Das Gedächtniß jener unvergeßlichen Tage mahnt uns zugleich an unsere Pflicht. Pflichttreue, geübt wie immer von unfern Kaiser zum leuchtenden Beispiel für Alle, geübt von Jedem an seinem Platze bis zum Letzten, sie war es, die jum Siege und zum ersehnten Ziele führte. Pflichttreue gegen Kaiser Reich fei von Neuem unser Gelöbniß!

Dazu fordert uns an diesem Jahrestage ganz besonders die Lage Diuge auf. Festzustehen haben wir im Streite mit den inneren Feinden. .....

barum laßt uns an dem Sedantage von Neuem das Versprechen ablegen, wie Jene, die 1870 im heißen Kampfe wider den äußern Feind standen, nicht nach- zilLassen im Streite wider die inneren Feinde der staatlichen Ordnung!

Daran sind wir in diesem Jahre mit doppelter Gewalt gemahnt. Wie es die ultramontane Partei treibt, in welche Verwirrung sie ohne Bedenken an Land stürzt, wenn sie sich nur des Ruders zu bemächtigen Hofft, lehrt unser ÜLchbarland Frankreich zu Genüge. An den Früchten ihrer dortigen Thätig-

' ' Lang - Göuö, Den 30. August 1877.

Betreffend: Die kirchlichen Ergäuzuugswahleu. ,

Das Großherzogliche evangelische Dekanat Gießen

an die evanqelischen Kuchenvorstände des Dekanats.

Diejenigen Kirchenvorstände, welche die vorgeschricbenen Ergänzungswahlen noch nicht vorgenommen haben, werden hiermit erinnert, solches atsbato zu thnu.

Strack.

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