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Sonntag, den 1. Juli

Wo. 14»

Alyche- ob Amtsblatt für den Kms Gießen

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Erscheint täglich mit Ausnahme deS Vtontrrgs. Expedition: Schulstraße, Lit. B. Nr. 18.

gewisse Anzahl von Grundbesitzgütern, deren Einkünfte bisher zur Ctvil-Liste gehörten, in die Hände des Staats übergehen und zur Bezahlung der persön­lichen Schulden des Königs verwendet werden soll.

In Frankreich hat die Krisis den erwarteten Fortgang genommen. Der Senat hat seine Zustimmung zu der Auflösung der Deputirten-Kammer mit verhältnißmäßig bedeutender Majorität (150 gegen 130 Stimmen) gege­ben und die Regierung ein paar Tage darauf die Kammer mit der Bestimmung aufgelöst, daß die Neuwahlen binnen drei Monaten stattfinden sollen. Begreif­licher Weise herrscht betreffs des Ausfalls dieser Neuwahlen eine allgemeine Spannung. Die 363 Mitglieder der Linken der Kammer wollen alle wieder als Eandidaten auftreten und die Linke des Senates hat ein Manifest erlassen, worin sie die Wiederwahl der 363 für eine Ehrensache des Landes erklärt. Die Regierung wird es natürlich nicht unterlassen, die Zwischenzeit sür sich auszubeliten. und ist entschlossen, wenn auch nicht gerade das bvnapartistische System der officiellen Candldaturen zu adoptiren, so dochdie wahren Freunde des Marschalls" zu bezeichnen. Bei dem Hochdruck, den die Derwaltungs- maschine in Frankreich auszuüben pflegt, ist es daher nicht unmöglich, daß- die Regwnmg eine ihr genehme Kannnermajorität erlangt, mag Gambetta auch noch so oft und zuversichtlich, wie jüngst wieder bei dem Banket zum Gedäckt- niß des Generals Hoche in Versailles, Vorhersagen, daß nicht nur die 363 wiederkehlen, sondern noch durch andere republikanische Deputirte verstärkt wer­den würden. Während übrigens die Regnruug das System der Massen­täuschung forlsetzt, indem sie ihre Organe von ihren vortrefflichen auswärtigen Beziehungen fabeln laßt, hat die Linke in der Kammer ihr zwar offen den Vor­wurf in's Gesicht geschleudert, daß sie Frankreich in den Krieg hineintreibe, ihr aber dock die sür militärische Zwecke verlangten 209 Millionen einstimmig

Deutschland.

Darmstadt, 30. Juni. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben 20. Juni allergnädigft geruht:

Den Provinzialdirector der Provinzialdirection Rheinhessen und Kreisrath Kreises Mainz, Dr. Theodor Goldmann, zum Präsidenten des Ober­

bewilligt.

Die englische Regierung hat sich, wie die drei in Einer Woche abge­haltenen Cabiuetträthe beweisen, angelegentlich mit der orientalischen Frage beschäftigt und zugleich dem Publikum durch Veröffentlickung des Depeschen- Wechsels zwischen Lord Derby und dem Fürsten Gortsckakoff über die britischen Interessen im Orient reichlich Gelegenheit gegeben, sich über den Stand der Dinge ein Urtheil zu bilden. Im Allgemeinen geht die öffentliche Meinung jenseits des Canals gegenwärtig dahin, daß die orientalische Frage durch eine Vereinbarung zwischen England und Rußland ihre Lösung finden werde.

Tie russische Regierung hat die alten Städteordnungen in den Ostsee- Provinzen aufgehoben und dort zum 1. Januar 1878 eine neue Städteverfassung eingesührt, durch welche das russische Element der bekanntlich großentheils deut­schen Bevölkerung mehr zur Geltung gelangen soll.

Während die Ultramontanen dieffeits und jenseits des Oceans die Ver­giftung des Erzbischofs von Quito in Ecuador sofort den Liberalen und Freimaurern in die Schuhe schoben, hat sich nachträglich herausgestellt, daß Verbrechen von einem fanatischen Priester verübt worden ist.

Ausdruck. , , _ m ..... .

Oesterreich-Ungarn wird in seiner inneren tote äußeren Politik noch immerfort durch den Widerspruch der Interessen der verschiedenen, im Kaiserstaate vereinigten Nationalitäten gelähmt. Der Ausgleich zwischen den beiden Reichs Hälften kann nicht zu Stande kommen, weil die Ungarn sich nicht nut den Deutschen über das Verhältniß der beiderseitigen Beiträge zu den gemeinsamen Ausgaben einigen können und den neuesten Vorschlag der österreichischen Quoten- Deputation, wonach die ungarische Quote in Zukunft erhöht werden soll, mit Entrüstung zurückweisen. ,

Der Papst hat das an Oesterreich begangene Unrecht wieder gut ge­macht, indem er in dem am 22. Juni abgehaltenen Consistorium auch zwei österreichischen Bischöfen, nämlich dem Fürstbischof Kutschker von Wien und dem Erzbischof Mihalovics von Agram, den Cardinalshut verlieh. Die Summe der demarmen Gefangenen" im Vatikan aus Anlaß seines Jubiläums dargebrach' teu Geldgeschenke wird neuerdings auf nicht weniger als 14 Millionen Franken geschätzt. Die italienischen Kammern haben ein Gesetz genehmigt, wonach eine

Unser Kaiser setzte seine Kur in Ems mit erwünschtem Erfolge fort. Unter den von ihm dort empfangenen hohen Personen befand sich auch der Großherzog von Hessen, Ludwig IV.

Fürst Bismarck wei.lt augenblicklich noch in Kissingen, gedenkt aber bald nach Berlin zurückzukehren. Ter bayerische Minister-Präsident v. Pfretzsch uer sand sich bei ihm ein, um ihn im Auftrage des Königs Ludwig zu begrüßen. Der Besuch des Präsidenten des Reickskanzler-Amts, Staats-Ministers Hof­mann, hat, wie es heißt, den in's Stocken gerathenen Unterhandlungen über die Erneuerung des Handelsvertrags mit Oesterreich gegolten

Auf dem Gebiete der auswärtigen Angelegenheiten dauert die Span­nung in den Beziehungen Dculschlaiids zu Frankreick fort. Man scheint an entscheidender Stelle nur ein bitter ironisches Lächeln sür die Versicherungen des Herzogs Decazes über das Vertrauen, ivelches Europa dem neuen franzö­sischen Ministerium entgegenbriuge, zu haben. Dagegen hat der freundliche Empfangs, den Prinz Heinrich während seines Aufenthaltes in Kopenhagen bei der dänischen Königsfamilie gefunden, in deutschen Hoskreisen frtyr angenehm benührt. Die Ernennung eines Marine-Attachös für die englische Botschaft in Berlin beweist, daß die "deutsche Flotte für England an Interesse zu gewinnen anfängt. Das deutsche Panzergeschwader ist am 25. d. Mts. von Malta nach Aegypten in See gegangen. Kurz vorher traf der neue türkische Bot­schafter, Sadnllah Bey, in Berlin ein.

Der Bundesrath hat den Antrag Preußens betreffs der Stempel­steuer trotz der besonders von Seiten der Hansestädte kommenden Opposition mit geringen Modificationen angenommen und die Einsetzung eines Comites von Sachverständigen aus verschiedenen Bundesstaaten beschlossen^, welches die Frage, ob und in welchem Umfange die Uebernahme gewisser Ltempelsteuern auf die Reichskasse erforderlich sei, erwägen, eventuell einen Gesetz-Entwurf dai über ausarbeiten soll. Auch das Gesetz über die Untersuchung von Seeun­fällen fand die Genehmigung des Dundcsrathes. Zur Ausführung der Reichs- jusiiz-G^ setze wurden im Reichejustiz Amte Berathungen über den Entwurf eines Gerichtskosten - Gesetzes, im Kriegs-Ministerium über Fertigstellung einer M-Iltärproceß-Ordnung gepflogen. In Hamburg hat sich ein neuer Reichs- tagöwahl-Verein gebildet, der schon über 10,000 Mitglieder zählt.

In dem Kulturkampf, den der Hohenzoller Wilhelm wider Rom führt, zeugt die Aufnahme der ehemaligen Bischöfe von Köln und Paderborn in den Vatican von der fortdauernden Unversöhnlichkeit des Gegners. Der Vicar und Reichstags-Abgeordnete Prinz Radziwill ist für seine unbefugte Ein­mischung in die Marpinger Schwindel-Affaire zu einer Geldstrafe, die Anstifter des Wunderschwindels auf der Gappenacher Gaismühle zu 5 bis 16 Monaten Gefängnißftrafe verurtheilt worden.

In B'ayern macht die Zersetzung der ultramontanen Partei weitere Fortschritte.' Die extreme katholische Volkspartei hat in der doitigen niederen Geistlichkeit überraschend an Boden gewonnen und wird, nachdem die Redac- teure ihrer extremsten Blätter in ihren Vorstand wiedergewählt worden den Kampf mit der gemäßigten Partei Jörg's in Zukunft voraussichtlich noch ent­schiedener als bisher führen. Schon jetzt unterliegt es keinem Zweifel mehr, daß letztere nicht mehr die Mehrheit in der Abgeordneten-Kammer haben wird. König Ludwig gab der Fortdauer seines Vertrauens zu dem Minister v. Lutz durch ein hiildvolles Glückwunsch-Telegramm zu dessen Namenstag (am 24. t>.)

Consistoriums,

den Provinzialdirector der Provinzialdirection Ober­hessen und Kreisrath des Kreises Gießen, Ludwig Freiherrn Röder v. Diersburg, zum Provinzialdirector der Provinzial­direction Rhein Hessen und Kreisrath des Kreises Mainz,

den Kreisrath des Kreises Groß-Gerau, Dr. Karl Böckmann, zum Pro­vinzialdirector der Provinzialdirection Oberhefien und Kreisrath des Kreises Gießen,

den Kreisrath des Kreises Erbach, Wilhelm Frciherrn Schenck zu Schweins- bcrg, zum Kreisrathe des Kreises Groß-Gerau,

den Kreisaffessor bei dem Kreisamte Heppenheim, Karl Jost, zum Kreis- rathe des Kreises Erbach,

den Kreisassessor bei dem Kreisamte Gießen, Adolph Spamer, zum Rathe bei der Provinzialdirection Starken­burg mit dem AmtstitelRegierungsrath",

den Kreisassessor bei dem Kreisamte Groß-Gerau, Erwin Freiherrn Löw von und zu Steinsurth, zum Kreisaffeffor bei dem Kreisamte Heppenheim,

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

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P f a r i - C o n f e r e n z. Donnerstag den 3. Juli, Mittags 1 Uhr, aus dem Schiffenberg.

Lang-Göns, den 30. Juni 1877.

Strack, Dekan.