Ausgabe 
31.10.1876
 
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AMige- und Amlsblatt fir den Kreis Gießen.

Erscheint mit Lutaahvx M Mo«t«rgS.

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Prri» vkr^jLhriich 8 Meuek 20 Pf. mit Brinzrrishn. Durch bk Post bezogen virrteljLhrlich Mart N Pf.

politischer T h e i t.

DeutfiSlsnö.

Mainz, 27. October. In der Anklage gegen den Bischof v. Ketteler hat heute daö Ober-Gericht in seinem Urtheil das kaiserliche Decret vom 20. April 1810 als noch zu Recht bestehend und das Bezirks-Gericht nachträg­lich als unzuständig erklärt, das desfallsige Urtheil vernichtet und der Staats' Behörde das Weitere zur Einleitung des gesetzlichen Verfahrens gegen den Bischof anheim gegeben. Rach jenem Decret wäre für den Bischof trotz Ver­fassung und den neueren Straf-Gesetzen nur ein privilegirter Gerichts-Stand, in diesem Falle der Civil-Senat des Ober-Gerichts, zuständig und das Ver­fahren neu zu instruiren. Das Urtheil vertagt weiter die Verhandlung gegen den mitbeschuldigten Caplan Schaider zu Castel bis ztim Austrag des Verfah­rens gegen den Bischof. Eine ganz gleiche Einrede, welche sich auf dasselbe Decret stützte, ist in dem bekannten Excommunications-Proceß gegen den ver­storbenen Bischof von Speyer von den bayerischen Gerichten abgewiesen worden, und es wird von Interesse sein, wie die hessischen Instanzen diese Rechts- Frage erledigen.

Berlin, 27. October. Die Abendblätter enthalten die übereinstimmende Mittheilung: Die feierliche Eröffnung des Reichstages am 30. d. Mts. findet, wie nunmehr definitiv bestimmt, durch beit Kaiser Mittags 1 Uhr im Weißen Saale des königlichen Schlosses statt. Der Eröffnung wird für die evangeli­schen Mitglieder ein Gottesdienst in der Schloßcapelle, für die katholischen in der St. Hedwigskirche vorausgehen.

DemReichs-Anz." zufolge hat der König von Preußen dem königlich württembergischen Minister der auswärtigen Angelegenheiten und des königlichen Hauses, Justiz-Minister v. Mittnacht, das Großkreuz des Rothen Adler-Ordens verliehen.

Berlin, 28. October. (Abgeordneten-Wahlen.) Jetzt sind sämmtliche 433 Wahl-Resultate bekannt. Davon entfallen auf die national-liberale Partei 177, das Centrum 86, die Fortschritts-Partei 66, die Frei-Conservativen 36, die Conservativen 17, die Polen 15, die Neu-Conservativen 10, Abgeordnete unbekannter Parteistellung 14, die Deutsch-Conservativen 7 und Particularisten 5 Mandate.

Vom Mittelrhein, 27. October. Eine aus serbischen Officieren und Militär-Beamten bestehende Commission bemüht sich, Notkäufe von Waffen und Armee-Ausrüstungs-Gegenständen in Deutschland zu L-taude zu bringen. Wie aus guter Quelle verlautet, hat sie bereits in Mainz Lieferungs-Verträge für Mäntel ic. und namentlich auch für Schuhe abgeschlossen. Die Erwerbung von Waffen und Munition aus der französischen Kriegsbeute soll ihnen von süddeutschen Regierungen abgeschlagen worden sein.

Karlsruhe, 27. October. Die General-Synode hat den Gesetzent­wurf über das Einkommen der protestantischen Pfarrer mit den von der Com­mission beantragten Abänderungen angenommen.

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Wien, 27. October. Ueber die Nachricht einiger hiesiger Zeitungen, daß Serbien die Jnterventioit der Großmächte nachgesucht habe und daraufhin zwischen der österreichischen und russischen Regierung eine, telegraphische Corre- spondenz über diese Eventualität eingeleitet worden sei, äußert dieNeue Fr. Pr.", in diplomatischen Kreisen sei bisher nichts davon bekannt. DerPresse" wird ans Belgrad gemeldet, die Stimmting sei im ganzen Lande sehr gedrückt, alle Zeitungen riefen nach russischer Hülfe.

Wien, 27. October. Der Minister-Präsident beantwortete int Abge­ordnetenhause die Interpellation Herbst-Eichhoff-Hoffer und Genossen dahin, daß die cisleithanische Regierung in sofern auf die innere Politik Einfluß ge­nommen habe, als dieselbe auch die inneren Zustände berührt habe. Zu einer positiveren Einflußnahme sei kein Anlaß gewesen, weil das von der cisleithani- schen Regierung gebilligte und von der Delegation wiederholt gutgeheißene Progamm des Ministers des Aeußern streng eingehalten worden sei. Die Politik der Monarchie sei vor Allem auf die Erhaltung des Friedens gerichtet, wodurch das Streben nach Eroberung fremden Gebietes von selbst ausgeschlossen sei. Der Minister des Aeußern wird auch fernerhin int Einverständnisse mit der cisleithanischen Regierung Alles aufbieten, um der Monarchie den Frieden zu erhalten. Aber diese Bestrebungen finden ihre naturgemäße Begrenzung in der Pflicht, die Sicherheit und die Jutereffett der Monarchie unter allen Um­ständen und in jeder Richtung energisch zu wahren. Die Interpellation Fan- derlyk's beantwortend, sagt der Minister-Präsident : Die Aufgabe des Ministers des Aeußern ist es nicht, Politik nach Volksstämmen zu Machen, sondern aus­schließlich die Jntereffen der Gesammt - Monarchie im Auge zu behalten- Die von Beginn der Verwicklung im Orient an in's Auge gefaßten zwei Ziele und zwar die Wahrung des europäischen Friedens und die Verbesserung des Looses der christlichen Bevölkerung auf der Balkan-Halbinsel werden auch fernerhin mit Entschiedenheit und Consequenz festgehalten werden.

IrarrLreich.

Paris, 27. October. Man schreibt derPolit. Corresp." aus Cettinje vom 19. Octbr.: Fast alle General-Consuln der fremden Mächte, die in Ragusa residireu und beim Fürsten Nikolaus accreditirt sind, weilten dieser Tage hier. Der Grund dieser Diplomatenbesuche, für welche das einzige Gasthaus, welches wir hier besitzen, kaum vorgesehen war, lag einzig und allein in dem Versuche, den Fürsten wegen des von der Pforte offerirten scchsmonatlichen Waffenstill­standes zu sondiren. Der Fürst wich aber einer Antwort aus, indem er vor­gab, in diesem Falle nur im vollständigsten Einverständnisse mit Serbien handeln zu können und daß er die bezüglichen Absichten des Fürsten Milan zur Stunde nicht kenne.

Paris, 27. October. In der Budget-Commission trat der Finauz- Mimster den finattziellen Vorschlägen Gambetta's entgegen; ncmentlich be­kämpfte er die Besteuerung der französischen Rente, welche er als eine rechts­widrige bezeichnete. Der Minister kündigte ferner an, er werde beantragen, die Post- und Telegraphen - Gebühren vom 1. Januar 1877 an zu ermäßigen, glaube aber nicht, daß vor dem Jahr 1878 sich noch andere finanzielle Erleich­terungen ermöglichen lassen würden. Sobald es thunlich sei, werde er den Vorschlag machen, die Abgabe von den Eisenb'ahn-Fracht-Sendungen von gerin­ger Geschwindigkeit aufzuheben und die Steuer auf Oele, Seifen und Papiere zu ermäßigen. Was die Conversion der Rente betreffe, so sei solche zwar nicht unmöglich, aber tu der nächsten Zukunft noch nicht durchführbar, den daraus zu erzielenden Ertrag werde man zu einer beträchtlichen Amortisation verwen­den MÜsscU.

Paris, 28. October. DieFrance" will wiffen, daß zwischen England und Rußland in Livadia über eine gleichmäßige Besetzung türkischer Provinzen zur definitiven Lösung der Orient-Frage verhandelt werde.

England.

London, 27. October. Während die Entrüstuugsrufe über die bar­barische Kriegsführung in der Bulgare! noch nicht verhallt sind, erinnern die Berichte desSpecial-Correspondenten auf Forschungsreise" Stanley imDaily Telegraph" stets auf's Neue an die traurige Thatsache, daß die Bulgerei nicht der einzige Schauplatz unmenschlicher Grausamkeiten ist und der Muselmann nicht der einzige Vollbringer derselben. Es mag sein, daß derAuffinder Livingstone's" in seiner Reise- und Forschungs-Methode unter Afrika-Reisenden nicht allein dasteht; jedenfalls aber nimmt er unter den Reisenden, welche die durchwanderten Gegenden mit Feuer und Schwert zu civilisiren suchen, die her­vorragendste Stelle ein. Während Livingstone sich die Neger zu anhänglichen Freunden zu machen wußte, während Cameron sich rühmen kann, ganz Afrika in friedlicher Weise durchwandert zu haben und ein freundliches und friedliches Entgegenkommen als den besten Paß auf Afrikareisen bezeichnet, bringt jeder neue Brief Stanley's einen neuen Bericht über gänzlich unnützes Blutvergießen. DerSpecial-Correspondent" scheint ordentlich etwas darin zu suchen, möglichst vieleverdammte Nigger" niederzuschießen. Möglich, daß ihm ein aus dem freien Amerika mit herübergebrachter Negerhaß dieses kaltblütige Niedermetzeln eingibt. Jedenfalls hat dieses gewohnheitsmäßige Abschlachten hier lebhaften Abscheu hervorgerufen. Heute dürfte Stanley nicht mehr auf den Empfang in London rechnen, welcher ihm bei seiner ersten Rückkehr aus Afrika zu Theil wurde. Jeder Bericht ruft einen öffentlichen Protest hervor.

Valencia (Irland), 27. Ocober. Die britische Nordpol-Expedition unter Capitän Rares ist hierher zurückgekehrt, nachdem sie die Unmöglichkeit er­kannt hatte, den Nordpol zu erreichen.

London, 28. October. Ueber die britische Nordpol-Expedition unter Capitän Rares wird noch Folgendes gemeldet: Die Expedition brachte den Winter unter dem 82. Grade 27 Minuten nördlicher Breite zu und hat wäh­rend 142 Tagen die Sonne nicht gesehen. Eine Abtheilung drang unter großen Schwierigkeiten bis zu 83 Grad 20 Minuten vor. Der Führer Hans Peter­sen und zwei andere Mitglieder der Expedition starben in Folge der ungeheuren Kälte. Jenseits 81 Grad 52 Min. hörten die Spuren älterer Expeditionen gänzlich auf. Rach Berichten aus New-Dor! vom 27. d. Mts. wurde in Folge heftiger Stürme, welche am 3. und 4. d. Mts. wütheten, die Stadt Managna in Central-Amerika überfluthet, wodurch 1000 Häuser zerstört wur­den und viele Menschen ums Leben kamen; der angerichtete Schaden wird auf zwei Mill. Doll, geschätzt. Der der Kaffee-Ernte im Bezirk Blnefield zugefügte Schaden soll sich auf 3 Mill. Doll, belaufen.

AtaNen.

Mailand, 28. October. Ein Rundschreiben des Ministeriums an die Präfecteu versichert, die Regierung habe weder gchciyie Eroberungspläiie, noch würde sie solche unterstützen; die Präsecten werden daher angewiesen, die bc 'stehenden guten Beziehungen zu Oesterreich zu pflegen.