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Berli«, 26. Juli. Nach zuverlässigen Berichten Rußlands ist dort die Stimmung gegen die Deutschen eine aufgeregtere als sonst und der längere Urlaub den ein verdienter Minister deutscher Abkunft in einer Weise erhalten, daß sein Wiedereintritt nicht mehr zu erwarten, ist nur eins der vielen Symp- tome; namentlich ist man der Ansicht, daß di-D-utsch-n" in amtlichen Stellen vorwiegend verwandt und diese somit den Rusten entzogen würden. Wurde schon Nicolaus der Deutschfreundlichkeit verdächtigt, so wird der jetzige Lrar noch mehr von diesem Verdachte versolgt- Daß unter solchen Umständen die schon lange schwebenden, besonders auf den Trenzverkehr bezüglichen Unter- bandlunaen keinen Erfolg haben, ist leicht begreiflich, doch ist, davon abgesehen, Ruüland schon sehr lange gewohnt, Deutschland oder richtiger Preußen gegen- über eine Stellung einzunehmen, die ihm Manches möglich macht.

Münster, 22. Juli. Das heutigeAmtsblatt" enthält folgenden Steckbrief Der wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt zu einer Gefäng- nlßstrafe von einem Jahr vernrtheilte, nachstehend signalisirte ehemalige Redac- teur des Wests. Merkur", Freiherr August v. Wendt aus Münster, ist von Lause flüchtig geworden. Sämmtliche Civil- und Militär-Behörden werden deshalb ersucht, auf denselben Acht zu haben und ihn im Betretungs-Falle verhaften und an uns abliefern zu lasten. Münster, den 8. Juli 1876

König!. Kreisgericht, 1. Abth.

Srtet, 24. Juli. Zur Marpinger Muttergottes-Erscheinung wird der Post" gemeldet: Das Wunder ist bereits entlarvt. Nack hier eingegangenen Nachrichten sind zwei Frauenzimmer, welche die Madonnen-Erscheinung darstell­ten, dem Arme der Gerechtigkeit verfallen und an einen sicheren Ort gebracht worden.

Rumänien.

Bukarest, 27. Juli. Die Deputirten-Kammer hat die Handels' und Schifffahrts-Convention mit Rußland in Erwägung gezogen.

Türkei.

Konstantinopel, 26. Juli. Nach einem heute eingetroffenen Tele­gramme Ali Pascha's aus Mostar vom 26. Juli verfolgte Mukhtar Pascha die zwei Tage früher (am 24. d.) bei Nevesinje geschlagenen Montenegriner bis Stuctenitza. Bei Annäherung der Türken zogen sich die Montenegriner ohne irgend ein Gefecht zurück und ließen in Banjani viele Lebensrnittel und viel Vieh zurück.

Konstantinopel, 27. Juli. Nach einer amtlichen Meldung aus Novi- bazar vom 24. d. Mts. haben die Serben ein Blockhaus bei Sienitza beschoßen- die Türken brachten aber die Reihen der serbischen Truppen in Unordnung unb verfolgten sie bis zur Grenze. Mukhtar Pascha meldet, daß er in Verfolgung der Montenegriner begriffen sei; letztere waren in dem Treffen bei Nevesinje 7000 Mann stark und ihr Verlust zehnmal größer,»als der türkische. Es bestätigt sich, daß die türkische Regierung die Emittirung von Papiergeld be» schloßen hat; davon werden zwei Millionen Livres circuliren, während eine Million für den Staatsschatz reservirt bleibt. Das Papiergeld soll Zwangs- conrs haben und bei allen Staatskaffen, ausgenommen die Zoll- und Telegra­phen Kaffen, angenommen werden. Die bereits früher abgeschloffenen Geschäfte müßen in baarer Münze abgewickelt werden. Die Pforte hat Kadri Bey als Commissär nach Kreta entsendet, um die Beschwerden der Kretenser unter« suchen zu lasten.

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Vermischtes.

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* Fellingshausen, 26. Juli Trotz aller Wühlereien von gegnerischer Sein

ireien von gegnerischer Dem "

mit 49 gegen 9 Stimme- (hhfmn.

und unter großem Jubels

Auch treffe man tn| j^rer Gäste erfreute.

eilig zu haben pflegen.

Italien.

Druck

wurde

England.

neuen

wurde am Montag unser alter Bürgermeister Wagner wiedergewählt. Der ganze Ort befand sich in Aufregung

Angelegenheit betreffenden Frage entgegenftellte.

London, 26. Juli. Die französische Regierung hat in Rußland eine bedeutende Anzahl Pferde (wie es heißt, fünftausend) zu hohen Preisen ankau­fen lasten.. Es wurden dieser Tage hier mit einem großen Rheder Verhand­lungen angeknüpft, um die Pferde zur See nach Frankreich zu schaffen. (Hierzu sei bemerkt, daß aus Dirschau vom 22. Juli berichtet wird - Fast täglich passiren unseren Bahnhof Züge mit russischen Pferden, über Eydtkuhnen kom­mend. Man nimmt an, daß dieselben für Frankreich bestimmt sind),.

Basel, 22. Juli. (Eine Mordscene in -

Bienz von Basel und Bernardo Marcioli von Cagliari, beide im gleichen ArbeitSsadl hatten seit acht Tagen den Plan zur Befreiung in italienischer Sprache verabrelei

Paris, 26. Juli. Hier schwirren zwei Gerüchte vom serbisch-türki­schen Kriegsschauplatz in der Luft: Nach dem einen hätte Tschernajeff die Vertbeidigungslinie von Alexinatz ganz ausgegeben, um die Timok-Armee zu verstärken (dies erscheint im höchsten Grade unwahrscheinlich, da man doch serbischerseits den Türken nicht freiwillig die Straße längs der Morawa zur Donau und nach Belgrad freigeben würde). Nach einer zweiten aus Semlm stammende» Nachricht wäre Tschernajeff geschlagen und gefangen genommen worden, während die Türken Alexinatz bombadirten. I"4' Belgrad Vorkehrungen gegen eine bevorstehende Belagerung. Höchst wahr­scheinlich sind diese Gerüchte nichts weiter als eine vorzeitige Disnotirung der türkischerseits schon längst in Aussicht gestellten großen Schlacht. Sie haben um so weniger Wahrscheinlichkeit, als auf der hiesigen türkischen Botschaft ähn­liche Nachrichten noch nicht eingelaufen sind und Siegeskunden es doch sonst

Nom, 26. Juli. In der heutigen Sitzung des Senats drückte der Minister-Präsident Depretis im Namen des Ministeriums den Wunsch aus, das Vertrauen und die Unterstützung des Senates zu besitzen, wies aber die Annahme »urück, als beabsichtige das Ministerium, auf den Senat einen auszuüben. Der Gesetz-Entwurf über die Errichtung zollfreier Depots sodann vom Senate mit 114 gegen 102 Stimmen angenommen.

London, 25. Juli. Es verlautet, daß Lord Derby mit dem amerikanischen Gesandten in Verhandlung getreten sei, um den Abschluß eines neuen Auslieferungs-Vertrages zwischen England und den Vereinigten Staaten zu erzielen. Diese Nachricht stimmt zu der offen ausgesprochenen Zurückhal­tung, welche Derby vor einigen Tagen im Oberhause einer die Auslieferungs-

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Lokal-Ntotiz.

Gießen, 28. Juli. Wie wir aus dem Jnseratentheil ersehen, wird Herr Prof Duschnöe am Samstag Abend tn Wenzel's Garten eine Vorstellung in mimisch- pbysiognomischen Darstellungen lebender Portraits und Charaktere, sowie Bauchredner­kunst geben. Wir hatten Gelegenheit die Zeugnlsse des Herrn Duschnse zu sehen unb wollen im Interesse unserer Leser und auch des Betreffenden nur das Zeugntß einer anerkannten Persönlichkeit gebt». Es ist dies Herr Dr. phil. et med. Ritterfeld- Co nfe ld zu Wiesbaden. Genannter Herr schreibt:

Herr Professor Joseph Duschnee, welcher schon im Jahre 1866, als ich noü dirigireuder Arzt der N«tur-Heil-AnstaltNerothal" zu Wiesbaden war, Vorstellungen in der Physiognomik, Mimik und Bauchrednerkunst gegeben hat, erregte schon damals durch seine ausgezeichneten Leistungen bedeutendes Aufsehen.

Die große technische Ausbildung des Professors Duschnöe in benannten Künsten erregte Erstaunen. Besonders aber entlockte er den Zuschauern alle Bewunderung durch seine mimischen Productionen, ohne alle äußeren Hilismittel. Professor Duschte versteht mit unglaublicher Schnelligkeit seine Physiognomie zu verändern, um vom Ausdruck des erbabendstt» Charakters zur burlesken Carricatur überzuspringen. Lo sieht man in diesem Moment den ähnlichsten Ausdruck der Physiognomien Friedrich des Großen, Napoleon I., Alexander v. Humboldt, u. a. m-, im folgenden Augenblick vertauscht er das Bild mit dem komischen Gesicht einer Berliner Obstfrau, eines Blöd« sinnigen, eines Professors der Logik oder sonstiger Bilder seines reichen Schatzes.

Hierzu kommt nun, daß ich heute nach fast zehn Jahren Herrn Professor Duschn r in ganz neuen Bildern sah, wie die komischen Darstellungen de- Börsenmannes vor und nach dem Börsenkrach, der lauernde Gastwirth, der Mucker und vorzüglich die Darwin'sche Theorie, nämlich: der Uebergang des Menschen vom Affen rc. und ben$ selben nur in der höchsten Vervollkommnung seiner Kunst hochschätzen kann. Nicht allein für Unterhaltung jedes Kunstliebenden liefern diese Vorstellungen reichen Stoff, sondern auch vom Standtpunkt der Anatomie, der Physiologie und der Psychologie bietet sich dcm Beobachter sehr viel interessantes Material

Die Leistungen des Professors Duschnäe sind Resultate langjähriger Studien und stempeln diesen Künstler zum wirklichen Mimographen und Phystognomisten/

Höffen wir, daß der Künstler auch hier baS Publikum durch seine Leistungen unterhalten und Anerkennung finden möge.

' --Herr Baritonist Becker aus Würzburg wi> d heute (Samstag) Abend im Cch

»Ebel concertiren und machen wir Freunde eines schönen Liedes hierauf aufmerksam.

wurde die Wahl gefeiert.

Darmstadt. DemTagbl." wird aus Bad Kissing en, 23. Juli, gefd)dt ben: Cs darf gewiß als ein erfreulicher Beweis für die günstige Wirkung der Rr. wtlche gegenwärtig der Reichskanzler, Fürst Bismarck zu Kissingen gebraucht, betracht! j Mn . werden, daß derselbe Ende voriger Woche aus seiner bisherigen vollständigen Abze schlossenheit heraustretend für einen engeren Kreis eine musikalische Soiree dcicp: Mascki^ ftaltete, bei welcher die Großh Kammervirtuofin Fraulein Lilli Schulz von Darr- lM)ltttuo stadt (im Verein mit Hrn. tocarta von Wien) mitzuwirken die Ehre hatte, und "0 "Nchinen ur der schmeichelhaftesten Anerkennung ihres Talentes seitens der fürstlichen Familie ml I wuZfanöL i thr#r |f| '

der Strafanstalt.) Die Sträflinge Eri! M /triel yuuin |vu uu/i jouhvu vni vu" gut m uunuiqu/n I I i|| 11

Mittwoch Abend 9 Uhr öffnete Marcioli, nachdem es ihm gelungen, die Klappe feilt: knipßehst e' ZellentsA aufzumachen, mit einem hölzernen Schlüffel feine eigene Zelle unb bann «06^0 in der Nähe befindliche Zelle des Bicnz. Die Nacht brachten sie in der Zelle le, | r Oanj

Marcioli zu und warteten ab, bis der eine der wachthabenden Aufseher auf die obr- 1 Galerie kam, um das Gas zu löschen und unten im Wachtzimmer der zweite Auste^ ;J)

Wien. DerPesther Lloyd" meldet:Die königl. ungarische General- Jnspection für Eisenbahnen hat an sämmtliche ungarische Bahnverwaltungen- em Rundschreiben mit der Aufforderung gerichtet, Angesichts der zu erwartenden bedeutenden Ausfuhrbewegung, sowie des etwaigen Falles einer gleichzeitigen , Jlianspruchnabme für Militärtransporte bei Zeiten für das hinlängliche Vor- 1 yandensein genügender Transportmittel zu sorgen und bei der Deckung des diesfälligen Bedarfs in erster Linie aus jene die Staatsgarantie genießenden Bahnen Rücksicht zu nehmen, welche etwa einen Theil ihrer Wagen entbehren können." In Wiener Blättern hat diese Nachricht in sehr übertriebener Gestalt Einaana gefunden- _ ,,

Wien, 25. Juli. DiePreffe" berichtet ans £>emlin von heute: Tschernajeff befindet sich in Paratschin; direcien Mittheilungeu zufolge herrscht dort nach den letzten offenbaren Niederlagen größte Rrthlosizkeit. Es ist klar, daß die Vorbereitungen zum Feldzug ganz unznreichend waren. Die Truppen leiden Mangel und erhalten ihren Sold nicht regelmäßig; die Freiwilligen werden trotz schlechter Bewaffnung in's Vordertreffcn gestellt, da die eigenen Truppen unzuverlässig sind und ganze Sompagnieen die Gewehre wegwerfen. Jetzt soll eine Defensive organisirt werden."

Wien, 26. Juli. Aur Belgrad wird gemeldet, daß die Stellung des Ministers Ristic start erschüttert sei. DerP-sth-r Lloyd" berichtet, daß in Türkisch-Brod (Bosnien) Niedermetzelüngen der Christen stattsanden.

Wien, 27. Juli. DemTclegr.-Corresp.-Bureau" wird von privater Seite aus Zara gemeldet: Die mit den Montenegrinern verbündeten Kuccia- ner wurden am 24. Juli von 1500 Türken an drei Punkten angegriffen. Die Montenegriner, hiervon benachrichtigt, drängten die Türken nach mehrstündigem Gefechte zurück und verfolgten dieselben bis vor Podgoritza. Die Verlnste der Türken sind bedeutend, die Montenegriner verloren 45 Todte und Verwundete.

Wie«, 27. Juli. Ein Pesther Gerücht spricht von der Ersetzung Tisza's durch Sennyey. Fürst Milan wird in Belgrad erwartet und soll nach Schabatz gehen. Die Belgrader Präfektiir soll den Bürgern die Waffen und Munition abverlangt haben.

Krankrcich.

sich allein befand. Dieser Augenblick trat um 4 Uhr Morgens ein. Sie überßee . auf der Treppe den erstgenannten Aufseher Heß, brachten ihm mit ihren ArbeitSmen^ tödtliche Stiche bei und griffen bann ben zweiten Aufseher Hiller an, welcher auf Lärm mit einem Karabiner aus dem Wachtzimmer herbeigeeilt war. In kurzem Ka^' ) erstach Bienz den Hiller. Marcioli und Bienz bemächtigten sich nun der im Wa> zimmer stehenden (Karabiner und suchten nach Schlüsseln, um in den Hof zu gelangt Heß hatte sich inzwischen bis zur Zelle eines Gefangenen geschleppt und dort in Wn I Armen sein Leben ausgehaucht. Bon dem Wachtzimmer eilte Marcioli mit Carab.iw - unb Messer auf die obere Galerie, öffnete dort mit dem gleichen hölzernen Schluß die Zelle des Gefangenen Karl Nirk, gegen ben er einen persönlichen Haß hegte, w griff ihn, ba ihm Nirk in den Carabiner fiel, mit dem Messer an. Es erfolgte: e s längerer, furchtbarer Kampf, in welchem Nirk schließlich unterlag. Auf fein ötn schenkte ihm Marcioli das Leben und entfernte sich, dem Nirk die Hand reichend, ; Bienz war es tnbeffen gelungen in den Hof zu kommen. Der im Hofe patroutUtre Nachtwächter Pfister hatte nämlich die Thür, an welcher Bienz von innen rulri: , geöffnet, um zu sehen, was los fei. Diesen Augenblick benutzte Bienz und jpv » .>.unb QnV'ltPpl hinaus. Er wurde von Pfister mit der Pistole verfolgt, stellte sich urit dem M I! « Doil ' ere erstach den Pister, sprang bis zu einem bei der Umfassungsmauer oefindlichen vt e' welche der Nachtwächter bei sich gehabt, über die Mauer. Marcioli war nacy Verlassen der Zelle deS Nirk hinabgeeilt und hatte sich, ba er sah, baß ein ttntromw* nicht mehr möglich, aus ber Treppe mit bem Carabiner erschossen. Der suic- Bienz, welcher bte Pistole bes Nachtwächters mitgenommen, würbe von dem Surveck verfolgt unb nach einer langen Jaab enblich im Nachligallenwalbch Z Stehen gebracht. Dort versetzte sich Bienz mit einem Messer einige Stiche, die! er» nicht gefährlicher Natur sind. Er würbe hierauf zuerst in da« Spital und von -o wieder in bie Strafanstalt gebracht. Die Verletzungen beS Nirk ftnb tfim bedeutenb. Marcioli war wegen Ermorbung eines Kameraben verunyeur, 0 wegen Unterschlagungen, bte er zu Pesth unb Frankfurt a. M- begangen.