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fifeer eine- Hauses muß im Verhältniß seines halben Einkommens die Steuer tragen und noch außerdem mit Rücksicht auf seine ganze Grundsteuer, welche 4 Mal so hoch daS gleiche Einkommen belastet, wie es durch Zuziehung der ganzen Etnkommersteuer- caoitalten geschehen würde. Hiernach bezahlte ein Capitalist oder eine nur einkommen- steuerpflichtige Person mit gleichem Einkommen kaum ein Achtel des Betrages des ersteren. Ganz ebenso verhält es sich beim anderen Grundbesitz. Abhilfe wäre also

dringend geboten. ,

Darmstadt, 26. Juni. In heutiger Sitzung zweiter Kammer brachte Abg. Schröder den Antrag ein: 1) Großh. Staatsregierung zu ersuchen, bald- thunlichst die nöthigen Ermittelungen über die Höhe des durch die große lieber-- schwemmung der Gemarkungen von Oppenheim, Dienheim, Guntersblum, Gimbsheim u. s. w. entstandenen außerordentlichen Schaden vornehmen zu lassen und Vorschläge zur Sicherung dieser Gegend für die Zukunft durch ge­eignete Dammanlagen und sonstige bauliche Vorkehrungen unter Zuhülfenahme von Staatsmitteln machen zu wollen; 2) diesen Antrag für dringlich erklären und ihn demgemäß dem Ausschuß zur raschelt Berichterstattung zu überweisen. Der Antragsteller schilderte das außerordentliche Unglück (man schätzt den Schaden auf nahezu 1 Mill. Mk.), welches über einen bedeutenden Theil seines Wahlbezirks hereingebrochen sei und gab dem in seinem Wahlkreise lebhaft aus­gesprochenen Bedauern Ausdruck, daß trotz des Gesuches der Stadt Oppenheim vom Juli v. I., nach Aufhebung des Kreisbauamtes nicht ein tüchtiger Bau­ausseher für die Wasserbauten nicht belassen worden wäre, da Mainz, zu welchem Bezirk diese bedeutenden Dammbauten u. s. w. gehören, zu weit davou ent: femt wäre. Gleichzeitig brachte derselbe Abgeordnete einen Antrag aus Vorlage eines Gesetzes ein, welches die Einrichtung und Befugnisse der Großh. Oberrechnungs-Kammer regelt. Die Erweiterung der Rechte der Oberrechnungs- Kammer und deren selbstständigere Stellung gegenüber der ^Ltaatsregicrung er­leichtere die in Art. 68 der Verfaffungsurkunde angeordnete landständische Prü­fung des Staatshaushalts und garantire eine controlirendc, von der Verwaltung unabhängige Thätigkeit jener Behörde. Diese über die calculatorische Prüfung der Staatsrechnnngen hmausgehende Functionen seien in Preußen dem Oben rechnungshofe bereits verliehen und in Baden beschäftige man sich eben damit.

Darmstadt, 26. Juni. Aus einer gestern in Ober-Ramstadt abgehal­tenen zahlreich besuchten Versammlung beschloß man den Massen-Austritt aus der evangelischen Landes-Kirche, drückte jedoch die Hoffnung aus, daß eine frei­sinnige Reform der Kirchen-Verfassung gewiß bald wieder den Eintritt ermög­lichen werde.

Darmstadt, 27. Juni. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben mittelst allerhöchster Entschließung vom 23. l. Mts. den Ministerialrath in dem Gesammt-Ministeriums Dr. Karl Neidhardt zum außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister am königl. preuß. Hofe zu ernennen geruht.

Darmstadt, 27. Juni. Die zweite Kammer der Stände beendete heute in ihrer 23. Sitzung die Berathung über den Hauptvoranschlag der ordentlichen Einnahmen. Sämmtliche in Aussicht gestellte Einnahmen wurden, soweit die Berathung aus besonderen Gründen ausgesetzt wurde, entsprechend der Regierungsvorlage und den Ausschußanträgen gemäß, in Einnahme zu

stellen beschlossen.

Die Kammer trat sodann in die Berathung des Gesetz-Entwurfs, die Gesinde-Ordnung betr. Rach kurzer Generaldebatte wurde in die Berathung des Gesetz Entwurfs selbst eingetreten und der Entwurf bis zu Art. 3 erledigt. Hierbei wurden diese Artikel mit verschiedenen Abweichungen vom Regierungs- Entwurf, wie den Ausschußanträgen angenommen.

Nächste Sitzung Mittwoch den 28., Vormittags 9 Uhr.

Darmstadt, 27. Juni. In heutiger Sitzung der zweiten Kammer be antwortete die Regierung die Interpellation Edinger's in Betreff der Reichs­bahnen dahin: Sie fei zur Zeit nicht in der Lage, sich über ihre künftige Stellung zu dem Project auszusprechen, da ohne Kenntniß der Bedingungen und künftigen Verwaltungs-Einrichtungen, unter denen für das Reich ein größe­rer Complex von Eisenbahnen dem Eigenthum und der Verwaltung nach über­tragen werden soll, die Prüfung des Projektes weder vom Standpunkte der Reichsverfassung aus, noch aus dem Gesichtspunkte der Jntereffen des Reichs und der beteiligten Bundes-Staaten ermöglicht ist.

Berlin, 26. Juni. Das Herrenhaus nahm das Nothstands - Gesetz und die Vorlage über die Ablösuna der Servituten in Schleswig-Holstein un­verändert an und erledigte die Berichte der Budget-Commission über die Etats- Rechnung von 1873 und die Staats-Einnahmen und Ausgaben im Jahre 1874. Im Abgeordnetenhause erklärte der Minister des Innern auf die Inter­pellation des Abg. Kantak, betr. die Auflösung des landwirthschaftlichen Ver­eins in Eichenberg, wegen Nichtgebrauchs der deutschen Sprache: Die land­wirthschaftlichen Vereine im Großherzogth.um Posen begännen sich von der Politik .sernzuhalten. Die fragliche Maßregel sei durch die Besorgniß vor politischen Ausschreitungen veranlaßt worden. Er habe die Behörden angewie­sen, vorsichtig zu verfahren und nur in dringenden Fällen aus dem Gebrauche der deutschen Sprache in den betr. Fällen zu bestehen. Das Haus nahm so­dann in erster und zweiter Lesung das Gesetz über die Erhöhung der Unter­stützung für Die Veteranen aus den Jahren 18131815 und die Gesetze über die Servituten-Ablösung in Kurhessen und über die Verwaltung der Gemeinde- Holzungen in den alten Provinzen nach der Fassung des Herrenhauses au und erledigte schließlich mehrere Petitionen nach den Anträgen der Commission.

Berlin, 26. Juni. Der Präsident des Reichskanzler-Amts, Staats- Minister Hofmann hat, derMagd. Ztg." zufolge, angeordnet, daß an Sonn­tagen in dem ihm unterstellten Bureaux nicht gearbeitet werden soll.

In Folge der aus dem Elsaß eingegangenen Mittheilungen über den dort in Folge des Hochwassers des Rheins in vielen Gegenden eingetretenen Nothstand hat, wie derReichs- u. Staats-Anz." meldet, der Reichskanzler Anlaß genommen, bei sammtlichen deutschen Regierungen die Veranstaltung von Sammlungen für die uothleideuden Elsässer anzurcgen.

Berlin, 26. Juni. Das deutsche Mittelmeer-Geschwader ist am 25. d. Mts. in Salonichi angekommen. Alles wohl.

Berlin, 26. Juni. Der Reichs-Anz." dementirt die Meldungen ver­schiedener Zeitungen über Aenderungen in der Organisation der deutschen Ausstellungs-Commission in Philadelphia, wobei bedauerlicher Weise sogar die persönliche Ehrenhaftigkeit der deutschen Ausstellungs-Commiffäre völlig grund­los in Zweifel gezogen worden sei. Richtig sei nur, daß eine einheitlichere Organisation der deutschen Vertretung in Philadelphia sich als wünschenöwerth gezeigt, der deutsche Gesandte auf feinen Antrag die Ermächtigung zur Ernen­nung eines General-Bevollmächtigten für die Ausstellung erhielt und demzufolge einen solchen ernannt hat.

Ktssingen, 23. Juni. Fürst Bismarck lebt sehr zurückgezogen, so dar nur wenige Der zahlreich hierher strömenden Neugierigen sich rühmen können ihn auch nur mit einem Blick gesehen zu haben. Zur Promenade ist er bisher noch nicht gekommen, sondern läßt sich den Rakoczi-Brunnen zu seiner etwa eine halbe Stunde von der Stadt entfernten Wohnung holen. Der Fürst ist derA. A. Ztg." zufolge mit dem bisherigen Erfolg der Badekur sehr zufrie­den und Die weitere Kur berechtigt zu den besten Hoffnungen.

Aus Mecklenburg, 24. Juni. Am 6. o. Mts. ist Seitens der Landschaft an beide Großherzöge ein Vortrag, betr. die Reform der mecklen­burgischen Landesverfaffung, gerichtet. Derselbe schließt mit den Worten:Ew. königl. Hoheit getreue Landschaft fürchtet bei dieser Sachlage und bei der hohen Wichtigkeit, welche die Verfassungsfrage für das ganze Land wie auch insbeson­dere für die Städte hat, einer Mißdeutung nicht zu begegnen, wenn sie Ew. königl. Hoheit die ehrfurchtsvolle Bitte vorzutragen ihre Vorderstädte beauftragt hat, derselben gnädigst die beruhigende Versicherung zu erteilen, daß die Ver­handlungen, betr. die Versaffungsreform, von Ew. königl. Hoheit nicht vertagt, sondern ununterbrochen fortgeführt werden sollen."

München, 26. Juni. In Fortsetzung der Berathung des Gesetz- Entwurfs, betr. die Vervollständigung des Staatsbahn-Netzes lehnte die Abge- ordneten-Kammer den Antrag Henemanu's auf Ausbau Der Linie Lundau- Straubing ab. Gegen Art. 2 des Entwurfes, betr. die Beschaffung des Bedarfes, stimmte die ganze Rechte; hierauf wurde der ganze Gesetz-Entwurf bei namentlicher Abstimmung mit 76 gegen 64 Stimmen verworfen. Sodann mürben die Nachweisungen über die Ausgaben für Rechnung des Finanz-Mini­steriums und über tie Ausgaben zu Reichszwecken genehmigt, ebenso der Etat bezüglich letzterer.

Hegerreich.

Wien, 24. Juni. Nach gewiffen Vorbereitungen zu schließen, die bei uns rasch, aber unauffällig in der ehemaligen Militärgrenze in's Werk gesetzt werden, scheint man hier die Ueberzeugung zu haben, daß in Serbien die Entscheidung an der Schwelle stehe. Zur Vermeidung von Mißverständnissen sei vorweg bemerkt, daß diese Vorbereitungen nur verteidigender Natur sind und ausichließend zur Wahrung Der österreichisch-ungarischen Jntereffen für den Fall getroffen werden, daß das Fürstenthnm Schauplatz kriegerischer Ereignisse werden sollte. Man ist hier in der Regel über die Verhältnisse und Zustände in Belgrad gut unterrichtet und hat auch Ursache, dieselbe^ mit aufmerksamen Äugen zu verfolgen. Kenner dieser Verhältnisse und Leute, die an Ort und Stelle thre Anschauungen schöpfen, sind der Meinung, daß die gegenwärtige Lage dort gänzlich unhaltbar sei. Serbien könne das jetzige Spiel mit dem bewaffneten Frieden nicht forttreiben, weil es die ohnehin spärlichen Staats- mittel aufzehre und weil die Ungeduld der Maffen vom Aufschub nichts mehr wissen wolle und zur Entscheidung dränge. Unter den UngeDulDigen aber be­finden sich nicht nur diejenigen, welche Serbien für berufen halten, die Türkei zu beerben, sondern auch jene, welche an diesen Beruf nicht glauben. Selbst die Nichtkriegslustigen, die Gegner der jungserbischen Partei und der serbischen Zukunststiäume, wünschen, daß der unerträglichen Spannung ein Ende gemacht werde. Sie ziehen ihr die Entscheidung vor, mag sie wie immer beschaffen fein. Und diese Stimmung ist begreiflich genug. Danach ist in Den nächsten Tagen zu erwarten, entweder daß Serbien abrüste oder daß es angriffsweise gegen die Pforte vorgehe.

Wien,^26. Juni. DerPolit. Corresp." wird aus Belgrad gemeldet: Alle von der iL-kupschtina im letzten Winter für den Kriegsfall gefaßten Be­schlüsse werden jetzt ausgesührt, und zwar zunächst alle Beamten-Gehalte redu- cirt und der größte Theil der Civilbeamten in das Heer eingereiht; ferner hat die zweite Klasse der Miliz Den Fahnen - Eid abgelegt. Die Morava-Armee wird vom General Zach befehligt; stärker als diese ist die Drina - Armee, bei deren Aufstellung Vorbereitungen für einen Uebergang über die Drina getroffen werden; die hier gegenüberstehenden türkischen Streitkräfte sind ebenfalls sehr zahlreich. Die Süd-Armee, welche gegenüber dem türkischen verschanzten Läger von Nisch ausgestellt ist, befehligt Genera! Tschernajeff. Derselben Corrt- spondenz zufolge würde der bisherige sächsische Gesandte, Geh. Rath v. Bost, von Wien abberufen und zum Nachfolger Herrn v. Helldorf haben.

Arankreich.

Versailles, 26. Juni. Der Senat hat die Vorlage wegen der Sei­tens der Stadt Paris aufzunehmenden Anleihe von 120 Mill. Frcs. angenom­men. In der Deputaten-Kammer hat die Regierung einen Credit von 35 Mill. Frcs. für die Ausstellung von 1878 beantragt. Die Dividende Der Bank von Frankreich für das letzte Semester ist auf 85 Frcs. festgesetzt.

England.

London, 26. Juni. Im Oberhanse antwortete Derby auf eine Anfrage Delaware's, die Zustände in Serbien seien kritisch, in dem Sinne, daß Sei- bien für den sofortigen Beginn des Feldzuges vorbereitet sei. Es übersteig seine (Derby's) Aufgabe, anzugeben, ob Die Kriegs-Erklärung beabsichtigt werte ober nicht. Uebrigens fei es der serbischen Regierung immer noch offen gelassen, zu behaupten, daß ihrer Ansicht nach die obwaltenden Zustände Die getroffencii Vertheibigungs-Maßregeln rechtfertigen. Im Unterhause antwortete Disraeü auf Anfrage Försters, er habe keine Kenntniß von angeblichen Grausamkeiten in Bulgarien, ausgenommen beim Beginne des Aufstandes, in Abwesenheit bet regulären Truppen. Der Krieg werde zwar von den Baschi Bozuk's und dm Ctrkassieru mit großer Grausamkeit geführt, aber ohne Rücksicht auf Raffe oba Religion. Der Unterstaats-Secretär Bourke antwortete Jewell : Es fei rich­tig, baß bie Pest in Bagbab gewüthet unb feit Februar 3639 Opfer gefordert habe; feit drei Tagen fei indessen kein Todesfall mehr vorgekommen. Ei^ Ouarantaine für Reisende sei nicht nothwendig, ba Die Pest bereits ausgehöck habe; Dagegen seien Vorsichtsmaßregeln gegenüber Maaren aus Bagdad erforberlich.

Türkei.

Konstantinopel, 26. Juni. An Der serbischen Grenze sind erhebliche türkische Streitkräfte concentrirt. Die Haltung Montenegros scheint eine fried­lichere. Riza Pascha geht zur Jnspection Der Dardanellen dorthin. Der Marine-Minister Kaisserli Pascha ist von seinen Wunden geheilt. Essad Ba­tst zum Gesandten in Rom ernannt worden.

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