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Mittwoch, den 25. Oktober

No. 949

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vierLeLjä^rltch 2 Mark 20 Pf. mit Vrrnaerlohn. Durch die Post Woogen vierteljährlich 3 Mark SO Pf.

Erscheint täglich mit AuLnahme deL Montag-.

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Darmstadt, 20. October. Die erste Kammer der Stände wird kom menden Donnerstag, den 26. d. M-, zujammentreten, um das Budget und das Finanzgesetz zu erledigen, welch letzteres heute der Berathung der zweiten Kammer uuteiliegt. Da die Bauveränderungen in den Räumlichkeiten der ersten Kammer, namentlich im Sitzungssaale, trotz angestrengtester Thätigkeit der Aus­führenden, noch nicht vollendet sind, wird die Sitzung im Sitzungssaale der zweiten Kammer abgehalten werden. Dem Vernehmen nach wird die zweite Kammer nächsten Mittwoch ihre Sitzungen unterbrechen, da das spruchreife Material bis dahin aufgeaibeitct sein wird, und in etwa 14 Tagen wieder zusammentreten, uni verschiedene von den Ausschüssen in der Zwischenzeit zn bearbeitende Gegenstände zur Erledigung zu bringen.

Darmstadt, 21. October. Die Regierung hat den Ständen einen Gesetz-Entwurf, die Benutzung von Leichen zu wissenschaftlichen Zwecken anf der Landes-Universität betr., zugehen lassen. Es handelt sich hier um einen Gegenstand der Gesetzgebung, dessen befriedigende Regelung auf früheren Land­tagen vergeblich versucht wurde. Dem Entwürfe sind umfassende Motive bei­gegeben, welche namentlich auch die Verhandlungen vorderer Lanttage recapitn- liien. Hier mag hcrvorgehoben werden, daß nach dem Entwürfe Selbstmörder nur dann an die Anatomie abzuleefern sind, wenn sie auf öffentliche Kosten zu beerdigen sind.

Darmstadt, 23. October. Die Kammer beschloß heute einen Steuer- Ausschlag von 19 Pfennigen auf die Einkommen- und Gewerbesteuer und von 17,5 Pfennigen auf die Grundsteuer pro Mark Steuer-Capital.

Berlin, 21. October. Aus der Fülle von Wundern, welche dieGer­mania" fortwährend mit großer Erbauung aus Marpingen berichtet, wollen wir heute nur eines hervorheben, weil es geeignet erscheint, in diesen trüben Zeiten eine ganz ausnahmsweis starke Heiterkeit zu erregen. In der Pfarr­kirche des Dorfes Marpingen verlangten, wie dieGermania" andächtig er­klärt und stellenweise mit dichterischer Begeisterung schreibt, Mittwoch, den 12. Juli, Viele die heil. Sacramente. Der Pfarrer kam deren Wünschen am Vormittag bis gegen 11 Uhr nach. Am Nachmittage aber verweigerte er den Andächtigen die Möglichkeit zur Ablegung der Beichte, um dem Verdachte zu entgehen, als begünstige er die Entwickelung und den Verlauf der andächti­gen Bewegung. Der Pfarrer trieb seine Enthaltung sogar so weit, daß er bei seinen Pfarrkindern Gedanken der seltsamsten Art erregte. Manchem miß­trauischen Blick begegnete er deshalb. Er halte d,e heil. Stelle nur einmal bei Gelegenheit eines Krankenganges auf dem Rückwege angesehen, sonst war er vollständig fern geblieben. An diesem Mittwoch Abend aber, als das Auge vom hochgelegenen Pfarrhause über die von, prächtigen Silberglanze des Voll­mondes überstrahlte Sommerlandschaft, über das stille Dorf hin nach dem jen­seitigen Walde und der heil. Stelle hinschaute, über der gerade der Mond ausgrgangen war und nun in mäßiger Höhe stand als das Ohr deutlich die aus wohl 4000fachem Munde kommende Antwort der Muttergottes-Litanei: Bitte für uns!" trotz der viertelstündigen Entfernung des Pfarrhauses, vom jenseitigen Walde vernehmen konnte und bald darauf der majestätische Gesang:

Wunderschön prächtige, Hohe und mächtige, Himmlische Frau!" die Lüfte erfüllte: da fühlte auch der Pfarrer von Marpingen, der bis dahin noch nicht die geringste religiöse Uebung aus Anlaß der begonnenen reli­giösen Bewegung vorgenommen, die nicht in seiner sonstigen frommen Lebens­ordnung begründet war die letzte Widerstandskraft gegen die Bethätignng seiner außerordentlichen Verehrung der heil. Gottesmutter auch bei diesem Anlaß und an der neuen Stelle gebrochen, in seiner mächtig ergriffenen Seele war der Entschluß gereift, auch endlich einmal als der letzte seiner ganzen Pfarrei an Ort und Stelle die große Menge der Andächtigen zu besichtigen und die heil. Stätte zu besuchen. Das Erscheinen des Psarrers im Dorfe auf dem nächt­lichen späten Hingange gegen 12 Uhr zur heil. Stätte verursachte den begegne­ten Einwohnern Marpingens große Freude. Als aber der Pfarrer in die Nähe des Platzes kam, fühlte er sich plötzlich von unsichtbarer Macht herum­gedreht. Er erkannte darin einen Wink, daß seine bis dahin beobachtete Zu­rückhaltung und deren Fortsetzung gebilligt worden, kehrte auch jetzt wieder um, und sieht seinen LSeruf von diesem Augenblicke noch mehr wie vorher darin, in der ganzen Angelegenheit die größte Zurückhaltung zu beobachten und deren Verbreitung eher positive Hinderniffe zu bereiten, als sördernden Vorschub zu leisten.

Berlin, 22. Oktober. Wie bestimmt verlautet, ist die russische Som- mation, welche eine Waffenruhe von 6 Wochen, administrative Autonomie für die südslavischen Provinzen und Durchführung von Reformen unter Garantie der Großmächte verlangt, abgelehnt worden. Großfürst Michael Nikolajewitsch,

Statthalter im Kaukasus, ist zum Commandenr von zehn vereinigten Armee- Corps ernannt worden.

Berlin, 22. October. Nachdem laut telegraphischer Meldung aus Bern die Regierung von Japan ihren Beitritt zum Weltpostverein vor Kurzem angemeldet h^t, eröffnet sich nunmehr auch die Aussicht, die Correspondenz mit China, so weit sie im regelmäßigen Postaustausch vermittelt wird, ebenfalls an den Vortheilen des allgemeinen Postvereinsvertrages Theil nehmen zu sehen. Die britische Regierung hat nämlich soeben den Beitritt des Gebiets von Hong­kong, welches zur Zeit den wichtigsten Theil jener Correspondenz vermittelt, zum Weltpostverein angenieldet.

Man schreibt von außergewöhnlich informirter Seite aus London: Die britische Admiralität hat, angesichts der Wendung, welche neuerdings die Olientwirren genommen, eine besondere Enquete über die militärischen Trans­portmittel eröffnet, über welche die Regierung gegenwärtig zu verfügen hat. Die Ergebniffe dieser mit der größten Sorgfalt geführten Untersuchung lauten nun dahin, daß mit Hülfe der Dampfer von fünfzehn großen Dampfschiff- Compagnien England heute in der Lage ist, 90,000 Mann binnen 3 Wochen nach dem Archipel zu werfen und zwar mit allem nöthigen Kriegsbedarf, mit Geschützen, Pferden rc. Diese enorme Leistungsfähigkeit hat die britischen Staatsmänner in großes Erstaunen versetzt." In der That, mit gutem Fug. Im Jahre 1854 besaß sie nur 600 Dampfbooie. Nach der Enquete der Ad­miralität besitzt England, wie unser Correspondent meldet, an 5000 viel größere Dampfer. Im Jahre 1854 bedurfte man 6 Monate Zeit, um mit Hülfe der Franzosen 64,000 Mann nach Varna einzuschiffen und dort alifzustellen. Wenn England, was nach alledem sehr wahrscheinlich ist,der ergebene Beschützer" der Türkei bleibt, so dürfte es für den Kriegsfall mit Rußland kaum noth- wendig sein, daß die Muselmänner abermals Hunderte von Meilen zu Fuß zu- tude-egcn, um dem Sultan zu Hülfe zu kommen. Es gibt etwa 140 Millionen. Möhamedaner anf der Erde. Wenn England sich dazu entschließt, dem Sultan etwa 2 Milliarden, sowie Munition und seine Dampfer zur Verfügung zu stellen, so dürfte doch manches Jahr vergehen, ehe der Halbmond von der Sophienkirche in Konstantmopel verschwindet. Die Türken rechnen nun schlech­terdings auf diese Mitwirkung Englands, das, wie sie sagen,nicht nölhig hätte, arich nur einen Tropfen Blutes zu opfern." Wir müssen nun abwarten, ob diese Rechnung nicht ohne den Wirth gemacht ist.

Wien, 21. October. Die bereits erwähnte, von den Abgg. Eichhoff, Herbst, Hoffer und 112 Genoffen unterzeichnete Interpellation wurde heute im Abgeordnetenhause verlesen und dem Minister-Präsidenten übergeben. Dieselbe lautet wörtlich:Hat die Negierung ihren Einfluß auf die Führung der aus­wärtigen Angelegenheiten in der Orient-Frage und in welcher Richtung genom­men? Ist dieselbe bereit, die Verantwortung für die befolgte Politik zu übernehmen? Hat die Negierung ihren Einfluß dabei ausgeübt, daß auch bei einem eventuell ausbrechenden Kriege der Friede für Oesterreich-Ungarn gewahrt und insbesondere jedes Streben nach Erwerbung fremder Gebiete hintangehal­ten werde? Gedenkt die Negierung auch fernerhin in diesem Sinne ihren Ein­fluß geltend zu machen?"

Wien, 22. October. Der König von Griechenland ist heute früh in Folge dringender Depeschen aus Athen, ohne die Rückkehr des Kaisers abzu­warten, nach Triest abgereist.

Wien, 23. October. DieMontags-Revue" schreibt: Die bevor­stehende Entscheidung in Konstantinopel ist allem Ermeffen nach nicht aussichts­los ; wenn die Pforte sich der erneuerten Forderung Rußlands betreffs des sechswöchentlichen Waffenstillstandes rasch und bedingungslos fügt, hat sie damit jeden Vorwand zu weiterem Eindringen auf ihre Entschließungen und neuer Demüthigung ihrer staatlichen Würde abgeschnitten. Unzweifelhaft würde die Annahme des sechswöchentlichen Waffenstillstandes die erste Etappe zum Ab­schlüsse eines wenigstens relativ entsprechenden Friedens bezeichnen.

P-st», 22. October. Heute empfing der Minister-Präsident Tisza eine Stndenten-Deputation, welche die Absicht vortrng, dem hiesigen türkischen Eon- sul einen Fackelzug darzubringen. Tisza erklärte, es könne eine solche Demon­stration vor Entscheidung der schwebenden Fragen leicht mißdeutet und daher nicht gebilligt werden. Die Studirenden möchten die Sache nochmals erwägen und wo möglich von ihrem Vorhaben abstehen. Der Sprecher der Deputation erklärte, er werde morgen der Versammlung der Studenten das Gehörte vor­tragen und zu reiflicher Erwägung empfehlen.

Klüweü.

Basel, 23. Oktober. DenBaseler Nachr." wird aus Bellinzona ge­meldet, daß die politischen Unruhen fortdauern und neue Exceffe vorgekommen sind. Am Sonntag seien in Stabbio von Ultramontanen Schüsse auf Liberale abgefeuert, wodurch zwei Personen getödtet und vier verwundet wurden.