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Vo. 1®1. Donnerstag, den 25. Mai f876.

Aichmer Anzeiger

Anieigc- und Amtsblatt für drn Kreis Gießen.

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1876:

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Expedition r Schul st raße, Lit. B. Nr. 18.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

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Des Himmclfahrtfestes wegen erscheint die nächste Nummer am Samstag srüh.

Amtlicher H h e i l.

Gießen, am 23. Mai 1876.

Betreffend: Die Einführung einer allgemeinen Einkommensteuer, hier die Wahl der Einschätzungs-Commissionen für 1877.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Groscherzoqlichen Bürgermeistereien des Kreises, mit Ausnahme der Bürgermeisterei Gießen.

Nach Art. 33 deS Gesetzes vom 21. Juni 1869 soll behufs der Einschätzung in die Steuerklassen der Einkommensteuer zweiter Abtheilung für jede Gemeinde eine ört­liche Commission ge,bildet werden, welche von dem Ortsvorstand gewählt wird. Von den zu wählenden Mitgliedern dürfen nicht mehr als zwei Dritttheile dem Gemcinde- vorstand selbst angehören; wenigstens ein Mitglied muß aber demselben angehören.

Der Bürgermeister ist wählbar.

Zu Mitgliedern der Commission können nur solche gewählt werden, welche zur Zeit der Wahl volle 30 Jahre alt sind und deren Staatsbürgerrecht weder suSpendtr. noch verwirkt ist.

Nach Verfügung Großherzoglichen Ministeriums der Finanzen sind für Gemeinden bis -u 3000 Einwohnern, sonach für alle Gemeinden deS Kreises Gießen, mit Aus­nahme der Stadt Gießen, 3 Mitglieder und 2 Ersatzmänner zu wählen. Sie wollen sofort den Gemeinoerath versammeln, die Wahl vornehmen lassen und das darüber ausgenommene Protokoll binnen 8 Tagen einsenden.

v. Röder.

politischer H 8 e i t.

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Ikuffdifanö.

Darmstadt, 22. Mai. Der Gesetzgebungs-Ausschuß der zweiten Kam­mer wird am 26. Mai eine Sitzung abhalten. Gegenstände der Tagesordnung sind die Gesetz entwürfe in Betreff der Gesindeordnung und der Gehalte der Volksschullehrer.

Berlin, 22. Mai. Das Herrenhaus genehmigte den Gesetz-Entwurf über Auflösung des schlesischen Lehnverbandes, nahm in der ersten Berathung den Gesetz-Entwurf über die Anfsichtsrechte deS Staates bei der Vermögens- Verwaltung der katholischen Diöcesen an und erledigte die General-Discussion

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vor Kurzem sein Entlassungsgesuch eingereicht hätte, find ebenso unrichtig, wie alle weiteren Angabe» und Combinationen, die an diese angebltche Thatsache

der Staatsbeamten, über Verlegung des Etats für das erste Quartal 1877 werden

über die Vorlage, betr. die evangelische Kirchen-Verfassung in den alten Pro­vinzen. Fortsetzung der Berathung morgen.

Berlin, 22. Mai. Das Abgeordnetenhaus erledigte die erste Lesung des Gesetz-Entwurfs, bett. den Austritt aus den jüdischen Synagogen-Gemein- ben und beschloß die zweite Lesung im Plenum, die aber von der heutigen Tagesordnung abgesetzt wurde. Die Gesetze über den Gewerbe-Betrieb im Um­

verwarf einstimmig den Eölibats-Zwang, erklärte aber mit sehr geringer Majo­rität aus Opportunitäts'Rücksichten es für angezeigt, daß auf der diesjährigen bynode die Aufhebung des Cölibats-Zwanges noch nicht in Vollzug zu bringen sei.

Bremen, 22. Mai. Die Bremer Wollwäscherei in Burglesum ist in der letzten Nacht niedergebrannt; von den Gebäuden sind nur das Kessel- und bas Maschinenhaus, sowie die Schornsteine erhalten geblieben; außerdem wurde nur em kleiner Theil von den Vorrätben ungewaschener Wolle geborgen; sämmtlicke Wasch-, Trocken- und Kamm-Maschinen sind in vollständig beschä- bigten Zustand versetzt. Der entstandene Schaden, woran mehrere Feuerver­sicherungs-Gesellschaften betheiligt sind, retro aus V/a Millionen geschätzt.

Wilhelmshaven, 22.JD?d. Das Panzer-Geschwader ist heute um 4 Uhr unter Kanonendonner in See gegangen; Contre-Admiral Bätsch befindet sich am Bord der Panzer-FregatteKaiser."

Wien, 20. Mai. Die heutigen Blätter betonen die Friedfertigkeit der Antwort des Kaisers aus die Ansprachen der beiden Delegations-Präsidenten. DiePresse ist überzeugt, daß, was auch im Oriente geschehen möge, keine Nnste Störung im Abendlande zu fürchten sei; dieNeue Fr. Preffe" betont namentlich die Schlußstelle, wonach die Souverainetät der Türkei, die Integrität ihres Gebietsstandes auch für die Zukunft gesichert seien und die Mächte ledig- ^ch die Pforte in ihren Bestrebungen in der Beruhigung ihrer Provinzen un*

Reichs-Anz." schreibt: Die von hiesigen wonach einer der preußischen Staats-Minister

herziehen, über die Umzugskosten Etats-Jahres und Feststellung des in zweiter Lesung genehmigt.

Berlin, 22. Mai. Der Blättern gebrachten Mittheilungen,

geknüpft werden.

Berlin, 22. Mai. DasH. T. B." veröffentlicht heute folgende Depesche:Konstantinopel, 22. Mai [inbirect eingetroffen.) Die Pforte er-

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"Tgflvl klärt, daß das in Berlin entworfene Programm der drei Kanzler nichk accep- l||ü(t */ *' i label sei und sie die Insurgenten niemals als kriegführende Partei anerkennen .. TainpsschneU werde."

Köln, 22. Mai. Gestern versammelten sich die Mitglieder der hiesigen altkatholischen Gemeinde in der Nathhaus-Capelle, um ihre Stellung zur Soli» l flontb MS bats-Frage aus der am 7. Juni abzuhaltenden Synode zu präctsiren. Man

terstützen wollten. Die Blätter jedoch, die mit der Militärpartei am Hofe in Beziehungen stehen, warnen die Delegirten, keine Abstriche im Kriegsbudget vorzunehmen und dadurch die Vertheidigungsfähigkeit des Landes zu beeinträch tigen. Andrassy hat laut derNeuen Fr. Presse" in Pesth geäußert,daß wir mindestens wieder für ein Jahr über dem Wasser sind."

Pesth, 22. Mai. Die österreichische Delegation hat das Ordinarium und Extra-Ordinarium des Marine-Budgets votirt, letzteres gemäß der Regie­rungs-Vorlage, ersteres mit einem Abstrich von insgesammt 572,360 fl.

Pesth, 22. Mai. Der Budget - Ausschuß der Delegation deS Reichs­raths setzte heute die Berathung deö Ordinariums des Kriegsbudgets fort. Bet der PostMilitär-Stellvertreterfonds" beantragte Demel, einschließlich der Capital-Zinsen auch 10 Millionen Capital aus diesem Fonds in eigene Einnahme einzustellen. Graf Andrassy bekämpft diesen Antrag, indem er be­sonders darauf aufmerksam machte, daß der Stellvertreterfonds im Falle eine- momentanen Bedarfes die Ausbringung der Geldmittel vor der Votirung der­selben durch die constitutionellen Factoren bedeutend erleichtere, und indem er erklärte, er müsse auf das Entschiedenste Allem entgegentreten, was den Schein an sich trage, als ob die Monarchie unvermögend wäre, die zur Erhaltung der Wehrhaft nothwendigen Lasten zu tragen. Der Antrag Demel's wurde abge­lehnt. Demel und Genoffen zeigen an, daß sie ein Minoritäts-Votum abgeben werden.

Ararrüreich.

Paris, 19. Mai. Die Regierung wird für Frau Ricard eine Pension von 6000 Frcs. beantragen. Eine Fregatte von der Flotte des Admirals Jaurüs hat Befehl erhalten, von Salonichi nach Smyrna zu gehen. Der Moniteur" meldet:Das wichtigste Ergebniß der Conferenzen ist die Ab­fassung der Note, welche der Pforte übergeben werden wird, nachdem sie die Zustimmung der Westmächte erhalten hat. Frankreich und Italien haben be­reits osficiell ihre Zustimmung gegeben, aber man erwartet weniger Raschheit von Setten Englands, das der Pforte Zeit laffen möchte, um ihre Erfolge gegen die Jnstirgenten vor Abschluß des Waffenstillstandes weiter auszunutzen."

Die französische Regierung hegt Befürchtungen wegen der Stimmung in Konstanttnopel. Da die Botschafter auf den einen gemeinschaftlichen Schritt bei der Pforte, um zu erfahren, welche Maßregeln sie zum Schutze der Chri­sten getroffen habe, keine sofortige Antwort erhielten, so haben sie an ihre Regierungen berichtet, um Marine-Streitkräfte zum Schutze zu erhalten. Der französische Botschafter spricht die Besürchtung aus, die Pforte möchte nicht stark genug sein, um die Christen schützen zu können.

Paris, 21. Mai. Gestern sand im Saale Ragache, Rue Lecourbe, ein Banket zu Ehren der fremden Studenten statt, welche zur Leichenfeier Michelet's nach Paris gekommen waren. Eine große Anzahl Reden wurde ge­halten. Unter den Rednern befanden sich ein Pole Namens Godeski und die Rumänen Rosetti und Cantacuzeno. Anfangs herrschte große Ruhe. Als aber ein Student, Mitarbeiter des Journals des Droits de l'Homme, der Amnestie das Wort redete, begann der Scandal, der dann ganz furchtbar wurde, als die Frage zur Sprache kam, ob die deutschen Studenten auf dem internatio­nalen Studenten-Congreß zugelaffcn werden sollten. Die Einen, besonders die Fremden, sprachen sich dafür aus, während die Andere« sie durch die Fenster (natürlich nur, wenn sie sich dieses gefallen laffen) werfen wollten. Der Tumult in Folge der D'scusfion über die Deutschen wurde zuletzt so fürchter­lich, daß die Vernünftigen, und darunter befanden sich die Rumänen und Ita­liener, den Saal verließen, nm gegen die antideutschen Kundgebungen zu protestiren. Die zurückgebliebenen Studenten setzten den Scandal fort und der