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Anmgk- unh AmtsdlM fit brn Kreis Kieken.

Erscheint täglich mit Ausnahme deS Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Expeditionr Schulstraße, Lit. B. Nr. 18. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher HHeil.

Gießen, am 21. März 1876.

Betreffend: Das Behüten der Wiesen.

Das Großhcrzogliche Kmsamt Gicßcn

an die Großherzoqlichen Bürgermeistereien des Kreises.

Wir machen Sie darauf aufmerksam, datz das Behüten der Wiesen nach der Wiesen-Polizei-Ordnung für den Kreis Gießen vom 1. April an untersagt ist. Sie wollen die Schäfer hierauf aufmerksam machen und die Feldschützen strengstens anweisen, etwaige Uebertretungen zur Anzeige zu bringen. Die Gendarmerie ist gleichfalls ongewiesen, Zuwiderhandlungen gegen dieses Verbot zur Anzeige zu bringen.

v. Röder.

politischer Töeil.

Sfuffdilani).

Darmstadt, 19. März. Der Bericht des Finanzausschusses der ersten Kammer über die Regierungsvorlage in Betreff deS Ankaufs der Ober» hessischen Bahnen, erstattet von Herrn Wernher (Nierstein), tst nunmehr er­schienen. Der Ausschuß beantwortet die Frage, ob tue gegebenen Verhältnisse so seien, daß die erste Kammer dem die Regierungsvorlage im Ganzen billigen­den Beschluß des andern Hauses beitreten könne, oder ob politische Verhältnisse und finanziell genügende Ursachen zur Verweigerung des Beitritts vorliegen, in einem der Vorlage günstigem Sinne. Von der Oberhessischen Eisenbahn-Ge­sellschaft zu erwarten, daß sie ihre auf dem Vertrage von 1868 beruhenden Be­rechtigungen und finanziellen Ansprüche an den hessischen Staat aufgäbe oder herabsetze, ohne durch anderweitige Bestimmungen in die Lage versetzt zu wer­den, bie von ihr concendirten Nachgiebigkeiten zu ergänzen sei so fuhrt der Bericht aus in der gegebenen Sachlage nicht vorauszusehen. Die größte Bedeutung der beiden Oberhessischen Eisenbahnen sei, daß sie der Bevölkerung der Oberhefsischen Gebirgslandschaften die Möglichkeit anbahnen, in industrieller Arbeit und Verdienst die Concurrenz anderer durch Eisenbahnen dem Weltver­kehr eröffneten deutschen Gebirge zu bestehen. Die Erfahrung habe gezeigt, daß in den 5 Jahren des Betriebes der Verkehr auf densilben in einer zwar mäßi­gen, aber doch ständigen Zunahme war. Diese Zunahme werde, wie auch die sonstigen Erfahrungen unseres Landes dies beweisen, wenn einmal die indu­strielle Thättgkeit dort sich etablirt haben werde, in größerem Verhältniß vor­wärts gehen. Die vorgesehne Jahresersparniß von 171,000 Mark sei aller­dings im Vergleich mit den vorerst verbleibenden Jahresausgabeu ein nur sehr mäßiger Gewinn dock sei sie eben eine Ersparniß, und besonders bedeutungsvoll erscheine der Umstand, daß durch diesen Ankauf die möglichen Rechtsstreitigkeiten vermieden werden, über deren Ausgang Niemand Bürgschaft zu leisten im Stande sei. Der Ausschuß beantrage deßhalb Beitritt zu sämmtlichen Beschlüssen der zweiten Kammer hinsichtlich des Hauptvertrags, des Ncbenvertrags über die Creirung von Staatsobligationen und deren Umtausch gegen die Oberhessischen Eisenbahnactien und der Ausführungsbestimmungen. Nur hinsichtlich eines Punktes stellt der Ausschuß einen selbstständigen Antrag. Zu Pos. 5 des Ne­benantrags, dessen wesentlicher Inhalt das obligatorische Mandat an die Bank­häuser von Bethmann und von Erlanger in Frankfurt zur Einlösung des Zins­coupons und gekündigten Obligationen des neuen vierprocentigcn Anlehens ist, wurde die Fassung der Regierungsvorlage in der zweiten Kanuner einstimmig obgelehnt und beschlossen, daß diese Einlösung, resp. Rückzahlung bei den von der Regierung bestimmt werdenden Staatskassen stattznfinden habe. Der Aus­schuß der ersten ftammer greift nunmehr einen von der Majorität zweiter Kam­mer gestellten, aber nicht zur Annahme gelangten Antrag wieder auf und will für den Fall eines späteren Beitritts der zweiten Kammer zu dem Vorschlag der Ausschußmajorität die Regierung ermächtigt sehen, je nach Bedürsniß zeitweise auch Bankhäuser zur Einlösung von Coupons Vi % Provision zur Einlösung von Obligationen mit % °/0 Provision, beauftragen.

Darmstadt, 21. März. Der Vertrag wegen Ankaufs der Oberhesst- schen Eisenbahn durch den Staat ist von der ersten Kammer mit 15 gegen 2 Stimmen genehmigt worden.

Darmstadt, 21. März. Die Nr. 14 des Großherzoglichen Regierungs­blatts hat folgenden Inhalt'

1. Bekanntmachung Großherzoglichen Ober-Consistormms, bie Ergebnisse der Verwaltung des evangelischen Kirchenfonds vom Jahre 1874. ,

2. Übersicht der für das Jahr 1876 genehmigten Umlagen zur Bestrei­tung der Bedürfnisse in den israelitischen Religions-Gemeinden des Kreises $le6U38 Uebersicht der von Großherzoglichem Ministerium des Innern für das Jahr 1876 genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Commnnal-Bedurfnissen in den Gemeinden des Kreises Gießen.

4. Ordensverleihungen. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben aller- gnädigst geruht: am 22. Jan. dem Stadtgerichtsdiener bei dem Stadtgericht Gießen, Georg Schäfer, in Anerkennung seiner mehr als 40jahrigen, nut Elser

und Treue geleisteten Dienste, das allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift;': Für langjährige treue Dienste", am 2. Febr. dem Rentamtsdiener bei dem Rentamt Friedberg, Michael Jung, und den Polizeisoldaten i. P. Georg Wil- )e!m Frank, Wilhelm Sohl und Johannes>ardt zu Darmstadt das allge­meine Ehrenzeichen mit der Inschrift:Für langjährige treue Dienste", am 5. Febr. dem Rentamtmann des Rentamts Darmstadt, Domänenrath Ludwig Hauser, das Ritterkreuz 1. Klasse des Philipps-Ordens, am 3. März dem Schullehrer an der Gemeindeschule zu Nonnenroth, im Kreise Gießen, Friedrich Nürnberger, das allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift:Für 50jährige treue Dienste" zti verleihen.

5 Ertheilung eines Erfindungspatentes. Se. Königl. Hoheit der Groß- )erzog haben allergnädigst geruht: am 4. März dem Robert Ormiston Pat­terson und Francis William Brothers in Cheltenham in England auf deren Nachsuchen ein Erfindungspatent für die durch Zeichnung und Beschreibung näher erläuterte Verbesserung in der Darstellung von sog. Hirschhornsalz ans Gaswasser unter dem ausdrücklichen Vorbehalte jedoch, daß durch das verliehene Patent Niemand in der Anwendung bereits früher schon bekannt gewesener Theile der Erfindung gehindert werden soll, während der nächsten drei Jahre für den Umfang deS Großherzogthums zu ertheilen.

6. Dienstnachrichten. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben aller­gnädigst geruht: am 19. Febr. dem evang. Pfarrer Carl Frommann zu Gon­terskirchen die evang. Pfarrstelle zu Dreieichenhain zu übertragen; am 4. März dem Schulverwalter Wilhelm Drentlau aus Weinheim die Gemeinde-Schulstelle zu Neutsch, am 6. März dem Schullehrer Heinrich Rasch zu Freien-Steinau die erste Knabenschulstelle zu Lauterbach, dem Schulverwalter Friedrich Gerold aus Darmstadt die evang. Schulstelle zu Seligenstadt, dem Schullehrer Phi­lipp Stroh zu Hainchen die erste Gemeinde - Schulstelle zu Dienheim zu übertragen.

7. Militärdienstnachricht. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 9. März dem Premierlieutenant ä la suite der In­fanterie Dr. Gustav Ferdinand Ludwig Carl Johann Ernst Freihrn. Schenck zu Schweinsberg zum Hauptmann ä la suite der Infanterie zu ernennen.

8. Versetzung in den Ruhestand.

9. Concurrenzeröffnungen. Erledigt sind: die Gemeinde-Schulstelle zu Grüningen mit einem Gehalt von 771 Mk. 42 Pfg.; dem Ortsvorstande zu Grüningen steht das Präsentationsrecht zu dieser Stelle zu ; die erste Lehr er­stelle an der Gemeindeschule zu Groß-Linden mit einem Gehalt von 1028 Mk. 57 Pfg.; die erste Gemeinde-Schulstelle zu Horrweiler mit einem Gehalt von 771 Mk 43 Pfg ; die siebente Gemeinde-Schulstelle zu Eberstadt mit einem Gehalt von 942 Mk. 86 Pfg.

Berlin, 19. März. Gestern fanden einige parlamentarische Diners statt, namentlich eines beim Fürsten Bismarck, und man nimmt an, daß dort Erörterungen über den Stand der Eisenbahnfrage stattgefunben haben. Durch die Kundgebungen in München und Dresden sind die Absichten der Reichs­regierung, wie ein starkes Feuer durch einen schwachen Wind, eher noch mehr angeblasen als erstickt worden. Die norddeutsche Presse ist ganz überwiegend für die Reichs-Eisenbahnen, namentlich auch in den Hansestädten, und die deutsche St. Petersburger Zeitung vom 17. d. Mts. bringt an ihrer Spitze einen Leitartikel, der sich auf das Entschiedenste für das Project ausspricht. Die Reichsregierung würde nicht schlecht dabei fahren, wenn sie vor der Nation als Vertreterin eines nothwendigen Fortschrittes auftrete. Man erfährt aus München, daß, wenn Herr v. Pfretzschner in dieser Frage so schroff aufgetreten sei, er dabei nur das Mundstück eines höheren Willens gewesen sei. Das Ministerium und die liberalen Abgeordneten befinden sich, namentlich in Bezug auf Wahlen in einer Art Nothlage. Sachlich können daher ihre Aeußerungen nicht sehr in's Gewicht fallen In Württemberg und Baden ist die Stimmung der Bevölkerung keineswegs so sehr wie in Bayern gegen die Reichs-Eise'- bahnen eingenommen. DerSckwäb. Merkur" steht mit seiner Befürwortung derselben nicht allein.

Berlin, 20. März. (Sitzung des Herrenhauses.) Der 'Handels- Minister beantwortete eine Interpellation des Grafen Udo Stolberg: ob die