festgestellten MobilmachungSplans umgearbeitet werden, und daß schon wiederholt aus diesem Vorgänge derartige Gerüchte entstanden sind. Die Umarbeitungen hängen namentlich mit den Personalveränderungen in der Armee jw sammen und bringen es mit sich, daß an verabschiedete Militärs die Anfrage gerichtet wird, ob und inwieweit sie für den Mobilmachungsfall Dienste bei den immobilen Truppen zu nehmen bereit sind.
— Ueber die finanziellen Ergebnisie der Reichspostverwaltung während des Jahres 1875 bemerkt eine bekannte parlamentarische Finanz-Autorität Zwar betrug der Ueberschuß 8,228,499 Mk. oder l1/, Mill, mehr als 1874 gegen den Etat aber bleibt dieser Ueberschuß noch um 11/2 Mell. Mk. zurück Obgleich nämlich die Einnahmen um 2 Mill. Mk. den Etat übersteigen, haben andererseits die Ausgaben um i/2 Mill. Mk. die etatsmäßige Höhe überschritt ten. Im Jahre 1876 sind Post- und Telegraphen-Ctat vereinigt worden, aucl ist eine Erhöhung der Telegraphen - Gebühren im Durchschnitt erfolgt. Dar Etat pro 1876 setzt für beide Verwaltungen eine um 6 Mill. Mk. höhere Einnahme voraus, als das Jahr 1875 in Wirklichkeit ergeben hat. Bis Ende August d. I. war von diesem Puls erst der vierte Theil erreicht. Der Ausgabe-Etat pro 1876 ist dagegen um ii/2 Mill. Mk. höher gegriffen, als die 1874 wirklich entstandenen Ausgaben betrugen.
Köln, 20. Oktober. 283 liberale, 214 klerikale Wahlmänner gewählt.
Thorn, 17. October. Vorgestern wurden hier l1/? Mill. Gewehr» Patronen, welche in Belgien für russische Rechnung gefertigt waren, durchgeführt. Dieselben wurden jenseits der Grenze von russischen Officieren ir Empfang genommen.
Limburg, 19. Oktober. Nach einem Extrablatt des „Nass. Boten" ist heute die Aufforderung an den Bischof Blum, sein Amt niederzulegen, hier eingetroffen.
Karlsruhe, 19. Oktober. Die General-Synode hat beschlossen, den im Jahre 1871 mit dem preußischen Kriegsminister abgeschlossenen Vertrag bezüglich des Militär-Gottesdienstes nachträglich zu genehmigen.
HeSerreK.
Wien, 19. Oktober. An unterrichteter Stelle werden die Gerüchte, daß die Stellung des Grafen Andraffy heute oder gestern oder überhaupt in den letzten Tagen irgend erschüttert gewesen, mit voller Bestimmtheit als unbegründet und als Ausgeburt des Sensations-Bedürfniffes bezeichnet.
— Eine Erklärung der Pforte über den Vorschlag eines sechswöchentlichen Waffenstillstandes an Stelle des vorgeschlagenen sechsmonatlichen liegt noch nicht vor und ist nach Lage der Sache noch nicht zu erwarten gewesen.
— Im Abgeordnetenhause ist eine Interpellation Über die Lage der christlichen Bevölkerung in den benachbarten türkischen Provinzen und über die Vorkehrungen zur Verbesserung derselben eingebracht worden.
Prag, 18. Oktober. In nationalen Kreisen Böhmens wurde die Idee angeregt, dem Führer der serbischen Truppen, General Tschernajeff, durch Uebergabe eines prachtvoll ausgestatteten Ehrensäbels die Sympathieen und Glückwünsche des böhmischen Volkes auszudrücken. — Ein Wiener Blatt meint, ein Paar gute wafferdichte Ehrenstiefel würden dem unermüdlichen Rückwärts- Concentrirer bessere Dienste leisten, als ein Ehrensäbel.
Pesth, 19. Oktober. Der „Pesther Lloyd" dementirt entschieden die Gerüchte über eine Demission des Grafen Andrassy und bemerkt, die Politik Andrassy's erfreue sich an maßgebender Stelle unbedingter Zustimmung.
ArarrLreich.
Paris, 19. Oktober. Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat an die Eisenbahngesellschaften ein Rundschreiben gesandt, in dem er sie auffordert, ihn so bald als möglich von den Preisermäßigungen, die sie gelegentlich der Welt-Ausstellung von 1878 zu bewilligen gesonnen sind, zu benachrichtigen. Er erinnert sie daran, daß schon in den Jahren 1855 und 1867 die Eisenbahngesellschaften solche für Her- und Rückfracht der Güter bewilligt hatten, und hofft, sie würden auch dieses Mal durch diese Erleichterung zum Erfolge des nationalen Werkes beitragen.
Paris, 19. Oktober. Die „Corresp. Havas" theilt mit, daß zwischen den Cabinetten von London und Livadia Unterhandlungen schweben, deren guter Ausgang von ganz Europa dankbar vernommen werden würde. Die gegenwärtige Haltung der Pforte rechtfertige nicht die Besorgniß eines verblendeten Widerstandes von ihrer Seite; man könne sonach ernstlich auf das Zustandekommen eines Einvernehmens hoffen. Die Gerüchte von neuen Allianzen, in Aussicht auf einen Krieg seien, was Frankreich betreffe, absolut falsch. Die französische Regierung habe eine Stellung genommen, welche sie im Nothfalle davor bewahren würde, in die Verwicklungen der allgemeinen europäischen Lage mit hineingezogen zu werden; diese Stellung würde sie unerschütterlich festhalten, zugleich aber fortfahren, sich allen Vorschlägen, welche auf ein Einvernehmen bezüglich der Friedens-Action der Mächte hinzielten, anzuschließen. Frankreich widme sich ausschließlich und mit voller Entschlossenheit seiner inneren Reorganisation und würde sich von dieser auf seine Sammlung gerichteten Arbeit nicht losreißen lassen. Seiner eigenen Uneigennützigkeit sicher, bezweifele dasselbe nicht die Aufrichtigkeit der in gleichem Maße friedliebenden Gesinnungen, welche alle anderen Mächte bekunden, und sei berechtigt, auf die Wirksamkeit der Bemühungen zu rechnen, welchen seine Mitwirkung die beste Förderung verspreche.
-»glarrd.
London, 19. Oktober. „Lloyds" und andere Versicherungs-Gesellschaften beanspruchen im Hinblick auf etwaige Kriegs-Eventualitäten bei Versicherung von Schiffen, die zwischen England, dem Orient und .Australien fahren, eine Zuschlags-Prämie von 5 tL-chilling per 100 L. Versicherungs- Summe.
— Die sensationellen Gerüchte über die bevorstehende Sendung des Generals Napier of Magdala mit Truppen nach Aegypten, sowie über englische Pläne zur Vertheidigung Konstantinopels sind durchaus unbeglaubigt. Ein Zusammentritt des Minister-Conseils, vor welchem solche Maßnahmen überhaupt nicht in Angriff genommen werden, hat nicht stattgefunden. Die „Times", welche diese Gerüchte reproducirt, bezeichnet dieselben eben deshalb als verfrüht und unglaubhaft. Ebendeßwegen sind auch die Wiener sensationellen Meldungen über den beabsichtigten Ankauf der türkischen Panzerschiffe Seitens Englands,!
sowie ähnliche Nachrichten als Combinationen anzusehen. Thatsächlich ist nur die Meldung des „Bureau Reuter", wonach die nach Indien gehenden Truppen angewiesen sind, bis auf Weiteres in Gibraltar und Malta zu bleiben.
London, 19. Oktober. Nächsten Montag wird unter dem Vorsitz der Königin in Balmoral Ministerrath stattfinden.
London, 20. Oktober. Bei Lloyds wurden gestern Zuschlags-Prämien von 10 Schillingen pro 100 Pfund bei Versicherungen deutscher und französischer Schiffe gezahlt, welche zwischen den Ostsee-Häfen und England und zwischen den Häfen des Stillen Oceans und England fahren.
Belgien.
Brüssel, 18. Oktober. Das Journal „Le Nord" meint, die Weigerung der Pforte, sich dem Verlangen der Mächte zu fügen, schließe die Möglichkeit weiterer Verwicklungen in sich und könne Europa dazu führen, Zwang anzu- wenden, um der Pforte sein Programm aufzunöthigen. Jndeß sei die Hoffnung nicht aufzugeben. Wenn die Pforte den Waffenstillstand von kürzerer Dauer oder einen länger dauernden, aber mit gleichzeitiger Zustimmung zu administrativer Autonomie für die drei aufständischen Provinzen unter europäischer Controle aceeptire, würden alle weiteren Verwicklungen wegfällig.
Brüssel, 19. Oktober. Der Ministerrath hat sich für eine feierliche Eröffnung der Kammern durch den König am 14. November, verbunden mit Revue über das Heer und die Bürgcrgarde, entschieden.
Anßland.
Petersburg, 19. Oktober. Der hiesige britische Botschafter Lord Loftus begibt sich demnächst nach Livadia; dies wird hier als Symptom einer möglichen Verständigung zwischen England und Rußland betrachtet.
UürLei.
Konstantinopel, 19. Oktober. General Jgnatieff soll morgen in feierlicher Audienz dem Sultan seine neuen Beglaubigungs-Schreiben überreichen. Man glaubt, die Friedens-Unterhandlungen würden alsbald Seitens der Mächte auf Grundlage der britischen Vorschläge wieder ausgenommen werden.
Keröieir.
Belgrad, 20. Oktober. Die Türken überfielen gestern mit großer Macht Veliki-Schlegowatz, wurden aber von Horvatovic zurückgeschlagen. Novo- seloff überfiel die Türken am Javor, nahm viele türkische Verschanzungen und besetzte den Berg Wassilino.
Amerika.
Washington, 17. Oktober. Der Kriegs-Minister hat die Comman- danten der zur Militär-Division des atlantischen Oceans gehörigen Truppen angewiesen, sich mit General Rager in Süd-Carolina in Verbindung zu setzen, um der ewigen Ruhestörungen im Süden vom General Grant erlassenen Pro- clamatton durch Anwendung von Waffengewalt die nöthige Unterstützung zu geben. Die einzelnen Bundes-Staaken sollen nach Bedürfniß durch Aufgebot der Milizen die militärischen Kräfte vervollständigen.
Washington, 17. October, Abends. Präsident Grant hat nach einem in der letzten Nacht abgehaltenen Ministerrath eine Proclamation erlassen, wodurch gewisse Clubs in Süd-Carolina angewiesen werden, binnen drei Tagen auseinander zu gehen; an alle guten Bürger ergeht zugleich die Aufforderung, zur Erhaltung des Ansehens der Gesetze und des öffentlichen Friedens thunlichst mitzuwirken.
Verwischtes.
München, 20. Oktober. Unlängst ereignete sich in Keilberg, einem Dorfe bei Regensburg, der noch nicht dagewesene Fall, daß einem Wirthe die Bewilligung zur Abhaltung einer Tanzmusik aus dem Grunde vom OriSvorsteher verweigert wurde, weil der betr. Sonntag ein — Quatember-Sonntag sei. DaS in der Sache angerufene Bezirksamt Stadtamthof entschied natürlich zu Gunsten des Wirthes. — Ein Seiten» stück hiezu, wenn auch in anderem Sinne, wurde in Hirschau geliefert Dort hakle man dem kath. Stadt-Pfarramt zugemuihet, einen neuerbauten Tanzboden kirchlich ein» zusegnen (!).
(Vom bayerischen Walde.) Innerhalb drei Monaten sind in der Nähe des Bahn- baueS Deggendorf-Zwiesel sechs weibliche Leichname auf gefunden worden, ohne daß bis jetzt der Mörder trotz der täglichen Streifzüge durch die Wälder und trotz der von der Regierung ausgesetzten Behlohk>ung von WO Mark entdeckt werden konnte. Auch Donnerstag, den 28. September, soll in der Nähe von Viechtag ein Bauerssohn feiner Baarschaft von 514 Mark 29 Pf. beraubt und als erdrosselt liegen gelassen worden sein.
(Milch- und Käseproduction in der Schweiz.) Die Käseproduction in der Schweiz wird in diesem Jahre 20% oder 50.000 mtr. (Str. mehr betragen als im Vorjahre. Die „Milk Condensed'Company" (Milchsiederei Cham) hat fett ihrem Bestände gewaltige Dimensionen angenommen. Sie hat ihre Milchbezugsquellen in zwanzig Lie- ferungSkreise etngetbeilt; dieselben umfassen 578 Lieferanten, welche die Milch vor 3585 Kühn einschicken. Alle Tage wird regelmäßig frische Milch aus einer Entfernung bis aus zwölf Stunden nach Cyam geliefert. Die Milchliefernng renttrt sich sehr gut. Die Fabrik bezahlt dieses Jahr für 50 Kilo 7 Fr. 10 Cent, nnd ungeachtet dieses, für das ganze Jahr betrachtet, hohen Preises macht sie dennoch ein glänzendes Geschäft.
— „Hört, ihr Kinder", sagte die Mama, „wenn heut' Abend der neue Onkel zum Besuch da ist, so dürft Ihr mir nicht von seinen Haaren sprechen — merkt's Euch mobil" — Am Abend bei Tisch sagt nun der kleine Emil, verwundert nach des Onkels Kahlkopf zeigend: „Aber Mama, da hast Du beut’ früh gesagt, wir sollen nicht do» deS Onkels Haaren sprechen — der hat ja gar keine."
(Gründungsmisdre.) In dem Concurse der Baugesellschaft F. Pleßner und Co. in Berlin sind den Gläubigern jetzt l88/ioo Procent ausbezahlt worden.
(Zur Beherzigung.) Den hohen Werth einer guten Obstbaumpflege würdigend, haben viele Staaten die Anordnung getroffen, daß die einzelnen Gemeinden Gelände zur Anlegung von sogenannten Gemeindebaumschulen zu stellen haben, die von beit betreffenden Gemeindelehrern unterhalten und als Lehrmittel benutzt werden sollen. Auch wird fast in allen Seminarien für Lehrerbildung dem Unterrichte über Obstbaumzucht theils mehr, theils weniger Sorgfalt gewidmet. So lobenswerth auch diese Anordnungen genannt werden müssen, so bedauerlich ist eS auf der anderen Decke, daß demselben fast allgemein in ungenügender Weise entsprochen wird. Hervorragende Falle verdienen daher allgemein bekannt gegeben zu werden. Die Gemeinde Moßbach a. H. besaß von jeher an ihren südwestlichen Bergabhängen sehr ausgedehnte Oedungen, meistens aus losem Steingerölle bestehend und ein« kurze Zeit deS Jahres als Schweinetrift dienend. Dem dermaligen Lehrer Müller war es vorbehalten, in die unwirth- schastlichen Verhältnisse Ordnung zu bringen und für die Gemeinde eine Quelle wahrer Wohlhabenheit zu begründen. Er legte eine neue Baumschule an, die bald eine große Auswahl veredelter Kern- und Steinobstsorten in sich faßte und so die Möglichkeit bot, mit der Bepflanzung der Oedungen zu beginnen, ohne daß die Gemeinde Kosten gehabt hätte, denn wie die Veredelung der Stämmchen durch Herrn Müller mit seinen Schülern stattgefunden hatte, so auch die Bepflanzung und zwar in sorgfältigster Weise.
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