Ausgabe 
21.12.1876 Erstes Blatt
 
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>o. VV8. Erstes Blatt. Donnerstag, den 21. December

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Jung, |

Gießen, 18. December 1876.

Erscheint tlglich mit Ausnahme des Montags Expeditionr Schulstraße, Lit. B. Nr. 18.

Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Rode r.

PreiA vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark SV Pf.

Nr. 26 des Rcichs-lIeseMalls, auSgegcbcie den 13. d. M-, enthält:

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Audun le Tiche, und von Rüssingen nach Redingen. Vom 11 Okt- 1876.

Deutschland.

nachgesucht.

Kolland.

Saaa, 18. December, Abends. Die erste Kammer hat mit 16 gegen 11 Stimmen das Münz-Gesetz für Holland verworfen und die B-rathung des Münz-Gesetzes für Niederländisch-Jndien auf unbestimmte Zeit vertagt.

Außland.

Hegerreich.

Pesth, 19. December. Das Unterhaus hat den mit Frankreich und Englaild abgeschlossenen Handelsverträgen zugestimmt.

AranLreich.

Paris. 18. December. DerTemps" bringt folgende osficiöft Mit- tbetluna: Die Botschafter und Bevollmächtigten in Konstantinopel ichickten aestern Abend an ihre Regierungen einen Bericht über die gefaßtenBeschlüsse, um sie ihren Regierungen zur Bestätigung zu unterbreiten. Rußlands Haltung war überaus versöhnlich; Rußland besteht weder auf Besetzung1 Bulgariens durch seiue Truppen, noch auf Entwaffnung der Muhamedaiwr- Italien ahn Frankreich nach und lehnt die Absendung von Truppen zur Beschung ab. Die erste Plenarsitzung der Conferenz wird wahrscheinlich am 21. December statt- fttL, Nach anderen Nachrichten soll diese erste Sitzung erst nach Weihnachten erfolgen DerMoniteur" bemerkt, bis jetzt habe keine der Gonferenzmachte

Nerlanaen kund gethan, in die Balkan-Provinzen cmzurucken; die Mächte das Verlangen kund^y^, Hauptschwierigkeit bestehe darin, die Pfort. ur^Annchme ^der Conferenz-Beschlüffe zu bewegen, indeß diese Schwierigkeit werde sich doch wohl auch noch beseitigen laffen.

Deputaten Miceli und Petrucelli wegen ihrer Haltung in der orientalischen Frage und von Marcora wegen der ersolgten^ Verhaftung em^er Jtarenerlm Trentino interpellirt. In seiner Erwiderung äußerte sich der Minister-Präsident Depretis dahin: bezüglich der orientalischen Frage könne die Regierung gegen­wärtig keine eingehenden Aufschlüsse geben und müsse sich auf ^ Erklärung beschränken, daß Italien sich von dem Pariser Vertrage nicht lossagen könne, auf Grund deffen es sich neben den übrigen Großmächten an allen zur Ver­handlung gekommenen Fragen betheiligte.Die Haltung der Regierung unter den gegenwärtigen Umstanden ist bestimmt durch unser Friedens-Bedurfmß und unsere diplomatischen Beziehungen, ohne indeß die Pflichten der Humanität und Civilisation zu verkennen und angestrengte Bemühungen zur möglichsten ep bessern»q des Looses der christlichen Bevölkerung zu unterlassen. Der Minister sprach schließlich die Hoffnung aus, die versöhnende Mission Italiens werde guten Erfolg haben. Bezüglich der Interpellation Marcora s erklärte Depretis, daß es fick dabei um rein gerichtliche Angelegenheiten handle, über die er iW genau informirt sei; doch würden die verhafteten Italiener sicherlich nach den ^ande^ Gesetzen abgeurtheilt werden, andernfalls werde die Regierung ihre Schuldigkeit thun. Der Minister des Auswärtigen, Melegari, ist von seiner Krankheit noch nicht genesen. , c w

Mehrere Bischöfe haben neuerdings unter Beobachtung der erforder­lichen Formalitäten bei dem Ministerium direct die Ertheilung des Exequatur

Mainz, 18. December. Die Wahl-Bewegung ist in lebhaftem Steigen. I Während die sccial-dimokratischen Agenten von Ort zu Ort ziehen, um in Ver- ! sammlungen Stimmen für Most zu weiben, hatte die ultramontane Partei m ; den letzien Tagen eine hier stark besuchte Versammlung abgehalten, in welcher i die Vertrauens-Männer von hier und den Landorten die Candidatur Moufang s proclamirten. Die liberalen Parteien tagten gestern in Oppenheim in einer ebenfalls sehr stark besuchten Versammlnug, vor welcher Dr. Oechsner w län­gerer Aukeinanderjetzung sich über seine Stellung zu den Tagesfragen erklärte. Die Versammlung genehmigte einstimmig die Eandidatur.

Berlin, 18. December. Zu der auf der Tagesordnung der heutigen Reichstags-Sitzung stehinden dritten Lesung der Justiz-Gesetze machte zunächst der P.äsidenr ben Beischlag, die Gemral-Diseussiou auf sämmiliche Gesetze auszu- dehnen. Da Windihorst hiergegen Widerjpruch eihvb, so wurde die General Discussion vor der Hand aus das Gesetz, beit, die Gericht Organisation, be- icdränkt. Nachdem Miquel die von ihm und seinen Freunden gebrachten Compromiß-Vorschläge eingehend gerechlfertigt, und v. Saucken-Tarpnkschen^>m Namen der Fortsckrilts-Paitei sich gegen dieselben ausgesprochen hatte, nahm Justizmiuister Leonhardt das Wort: Er habe zu erklären, daß, wenn das Liaus die Vorschläge Miqnel's annähme, Aussicht vorhanden sei, daß die Bun­des-Regierungen den Justiz-Gesetzen in dieser Form ihre Zustimmung erchei en würden ; sollten aber jene Vorschläge abgelehnt werden, ,° waren die Gesetze als gescheitert anzusehen. Hierauf empfahl v. Kardorff dte Annahme der Com promiß-Anträge, und auch v. Schöning erklärte für die conservative Partei, dieselbe stehe auf dem Boden des Compromiffes und werde demMen zur An­nahme verhelfen. Im weiteren Verlaufe der Debatte sprachen Reichensperger tOlvel Windthorst, Bebel und Dombrowski, Letzterer Namens der Polen gegen das Kompromiß, Lasker nnd Gneist dasür. Nachdem ein Antrag auf Schluß ver Debatte abgelehnt war, vertagte sich das Haus gegen 5*/2 Uhr auf morgen 11 Uhr.

Petersburg, lieber die Rede Bismarck's vom 5. Decbr. sagt die Mosk Ztq." Folgendes:Die Freundschaft zwischen Rußland und Deutsch- land ist wie früher eng und unerschütterlich. Sehr schon. Aber wir fragen: gibt es setzt eine irdische Kraft, welche dem verbundenen Rußland und Deutsch' and widerstehen könnte? Wäre ihre gemeinsame ernst gestellte «orderung nicht hinreichend, jeden eigennützigen Widerstand zu brechen? Warum 'st man dem Ziele, welches Fürst Bismarck als das gemein ame Ziel von Rußland und Deutschland bezeichnete, noch um keinen Schritt näher gekommen? -j_ie Erklä- rnngen des Fiwsten Bismarck geben auf die so durch sie Prooocirten Fragen keine Antwort. Es ist also etwas Unausgesprochenes Unbestimmtes indem Verhältniffe der beiden verbündeten Staaten. Der Fürst Bismarck spricht die Wahrheit, nur die Wahrheit, aber nicht die ganze Wahrheit.'

Griechenland.

Athen 19. December. Die Depntirten-Kammer hat die Aufnahme einer Anleihe von 16 Mill. Drachmen für die außerordentliche Ausbietung von Streiikräften genehmigt.

Amerika.

Washington, 19. December. Eine aus beiden Häusern des Eon- greffes gebildete Commission ist beauftragt, einen Gesetz-Entwurf »JitaH b-tr. die Regelung der Zählung der Wadistimmen bei der Wahl des Bundes- Präsidenten.------- --------------------------

England.

o 18 December, Abends. In Folge einer bet Newport (Mon-

mautb^r^ st"ttg!habttn Kohlengruben-E;pl°si°n sind viele Menschen ums Lebe?gek°m/en ; die Zahl der bisher aufgefundenen Tod.en beträgt 17 ; noch

London December Gestern hat ein Cabinets-Consell stattgefun­den, welchem 11' Minister beiwohnten.

Atalien.

Rom 19 December. Bei Berathung des Budgets des Ministeriums des Aeußern'in der Depntirten-Kammer wurde die Regierung Leitens der

Vermischtes.

-j- + Steinbach, 18. December. (Auch ein Fortschritt). Daß in unserem Ortsvorstand keine Dunkelmänner sind, hat der zeitgemäße Gememderatbsbeschluß aeben wonach die Straßenbeleuchtung hier m unserem Orte eingefühlt wud. Am 11 ds. wurde die Anschaffung der Laternen öffentlich vergeben und hi der vermin zur Ablieferung auf den 10. Januar 1877 gestellt. An diesem W sollen also zum erNen- male dieielben ihr Licht leuchten lassen und ist, soviel Einsender weiß, Steinbach der erste Ort im Kreise Gießen, der die allgemeine Straßenbeleuchtung emgesuhrt hat- Möchten diese Zeilen auch andere Gemeinden zur Nachahmung anspornen.

---Derdiesj'ähIig^Daheimkalendcr bietet für^l^Dtk^außtt d^Ünentbehrltchen Kalendermaterial und einem reichhaltigen Unterhaltuntzsthetlc uhtttnerFüllrvon Holzschnitten ein vollständiges statistisches Jahrbuch über alle Verhältnisse des deutschen Reichs.