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1876

Dienstag, den 20. Juni

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Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Brinaerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich S Mark W Pf-

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der Verhandlungen wurde nachstehende von dem Vorstande vorgeschlagene Reso­lution verlesen: Die evangelische Conferenz 1) erkennt die Kirchensteuer, nach­dem der Staat die evangelische Kirche finanziell nicht einmal der katholischen gleichgestellt, insbesondere jeden weiteren Beitrag zur Ausbesierung der Pfarr­gehalte verweigert hat, diese Ausbesierung aber nach endloser Verschleppung un­bedingt nothwendig geworden ist, als zur Zeit unentbehrlich; 2) erachtet aber deren Ausschlagung nach dem Communalsteuerfuße für falsch; 3) hält auch deren allmählige Verminderung für möglich und geboten, sofern nur die Ein­ziehung überflüssiger Pfarreien ernstlich durchgesührt wird und 4) beschließt, aus diesem Grunde das Klrchenregiment zu ersuchen, mit deren Einziehung so­fort zu beginnen und die Einführung eines richtigen Steuermodus bei der Staalsregierung zu befürworten. Die evangelische Conferenz weist dagegen die von anderer Seite stattgehabten Versuche die Gemeinden aufzuregen und zum Umsturz der Verfassung zu veranlasien, mit Unwillen zurück. Bei der Abstim­mung wurden sämmtliche beantragte Resolutionen von der Versammlung ange­nommen und dieselbe hierauf geschloffen, ohne daß es, wegen mangelnder Zeit, möglich gewesen wäre, den weiteren auf der Tagesordnung stehenden Gegen­stand (Sonntagsheiligung betr.) noch zu erledigen.

Worms, 17. Juni. Das Hochwasser des Rheins, welches hier fast wieder den Stand vom März d. I. erreicht hat unb noch im Steigen ist, hat die erst theilweise wieder hergestellten Dämme durchbrochen, die ganze Niede­rung überschwemmt und beginnt soeben in die niedrig gelegenen Theile der Stadt einzudringen. Der erwachsene Schaden, welcher auch die Stadt-Gemeinde

Statuten.

Vorstand.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Expedition: Schulstraße, Lit. B. Nr. 18.

betrifft, ist bedeutend.

Berlin, 16. Juni. Von Konstantinopel aus ist an.bie Leiter der aus­wärtigen Politik der Großmächte, also auch an den Fürsten Bismarck ein Dsemnent gerichtet worden freilich schon vor der Entthronung von Abdul Aziz welches von denmuselmanischen Patrioten" unterzeichnet ist. Die Dtsch. Ztg." , welche das Aktenstück veröffentlicht, bezeichnet es als von den Alt.Türken ausgehend, während der Inhalt dasielbe unzweifelhaft als ein Ela­borat der Jung-Türkischen Partei kennzeichnet. Die kraftvollsten Stellen des Dokuments lauten, wie folgt:.....Die Leiden sind gleich für. Alle,

Durchlaucht, und wir leiden nicht weniger als unsere christlichen Mitbürger. Man darf nicht in der Eifersucht, Rivalität oder dem Vorziehen der einen Race oder Religion vor der andern die Gründe für eine Situation suchen, über die Europa selber erschüttert ist. Die Gründe rühren ausschließlich von der Administration her, unter welcher mehr als dreißig Millionen Menschen seufzen. Wenn, anstatt der extravaganten Launen eines Souveräns wie Abdul Aziz preisgegeben zu sein, die Völker der Türkei von einer guten Regierung regiert werden würden, dann würde es keine Klagen der Race oder der Reli­gion geben. Wenn, anstatt von einem Despoten, welcher sich im Ernst als der Stellvertreter Gottes und von ihm erleuchtet dünkt, wie von einer vernünftigen Regierung regiert werden würden, die sich aus eine berathende Kammer stützte, welche aus den Vertretern aller Racen und Religionen zusammengcsetzt wäre, so würde die Türkei, welche heutzutage nicht ohne Grund als ein Hinderniß der modernen Kultur betrachtet wird, ohne Mühe den Platz einnehmen, den zu beanspruchen ihr sowohl die Fruchtbarkeit ihres Gebiete- wie die Intelligenz ihrer Bewohner gestattet. (Hier wird die folgende Stelle aus dem Koran angeführt:Die Gläubigen sollen von ihren nationalen Versammlungen regiert werden.") Die Thronbesteigung der Sultane hängt absolut ab vom Bibat. (Annahme durch die Nation.) Der Koran sagt, daß das Scepter dem Aelte- sten aus der regierenden Familie übergeben werden soll, und daß der Erwählte der Nation im vollen Besitze seiner physischen und moralischen Kräfte sein müffe. Wenn es constatirt ist, daß der Souverän das Gesetz verletzt, muß seine Ab­setzung unverzüglich erfolgen, und wenn dieser ungetreue Mandatar der Nation daran gehen sollte, der Anwendung dieses Gesetzes, welches ihm gebietet, den Thron zu verlasien, Widerstand zu leisten, dann muß er die Consequeuzen des allgemeinen Zornes über sich ergehen lassen. So spricht das Eilige Gesetz. Ist es nothwendig, Eure Hoheit darauf aufmerksam zu machen, daß sich der gegenwärtige Sultan zahllose Verletzung dieses Gesetzes zu Schulden kommen ließ? Seit dem Anfänge der Regierung des Abdul Aziz, das heißt seit fünf­zehn Jahren ist die Türkei durch successive Anlehen dahin gelangt, mebr als sechs Milliarden Francs schuldig zu sein. Nachdem Eure Hobeit von dem Vorangegangknen Kenntniß genommen, würden Eie es wahrscheinlich nicht mehr seltsam finden, daß wir in demselben Augenblicke, wo eS uns das Gesetz ge­stattet, das Land von jedem wahnsinnigen oder lasterhaften Herrscher zu be­freien, die Absetzung des Sultans Abdul Aziz vornähmen, welcher gleichzeitig wahnsinnig und lasterhaft ist. Diese von dem Heile des Landes geforderte Entschließung würde von Jenen, welche diese Zeilen an Sie richten und die Meinung der großen Majorität der Nation vertreten, auf der Stelle zur Aus­führung gebracht worden sein, wenn dieselben nicht fürchteten, von Europa der Entzündung einer Bewegung gegen das christliche Element beschuldigt zu werden. Eine Folge der bisherigen Mißwirthschaft der Pforte ist der Umstand, daß die Christen sich für Opfer halten, gegen die in Zukunft Alles gestattet sein wird.

6 Nächste Sitzung morgen Samstag den 17. Juni, Vormittags 9 Uhr.

Darmstadt, 16. Juni. Aus den Berathungen des Fmanz-Ausschuffes theilcn wir Folgendes mit: Die Regierung verlangt für den Neubau einer Turnhalle im Echullehrer-Semtnar in Friedberg 26,000 Mk. und beantragt der Finanzausschuß dafür 25,000 Mk. zu bewilligen, indem er den Abbruch eines Stückes der Burgmauer und Ersetzung desselben durch eine Stakktenwand mit einem Kostenaufwand von 800 Mk. für zweckwidrig erklärt. Zu dem Neu­bau einer Realschule in Michelstadt wird ein Staatszuschuß von 28,000 Mk., ein Drittel der ganzen Bausumme, verlangt, und beantragt der Finanz-Ausschuß ebenfalls Bewilligung. Für das Universitätsgebäude in Gießen hat der vorige Landtag 301,715 Mk. verwilligt. Die Summe ist nicht zur Verwendung ge. kommen und muß die Uebertragung derselben in das jetzige Budget von den Ständen genehmigt werden. Da außer dieser Summe noch weitere 218,285 Mk. gefordert werden, so beantragt der Ausschuß vorerst weder die frühere, noch die neu verlangte Summe zu bewilligen, sondern abzuwarten, bis ein fertiger Plan vorgelegt sein wird, der sämmtliche bauliche Bedürsnisie der Universität umfaßt Für das landwirthschaftliche Versuchsfeld in Gießen soll eine Scheuer gebaut werden und beantragt der Ausschuß dasür 3000 Mk. zu verwilligen. Für den Neubau eines Gymnasiums in Büdingen werden 150,000 Mk. gesordert und beantragt die Mehrheit des Finanz-Ausschuffes Genehmigung, während ein Mitglied beantragt, diesen Betrag nicht zu bewilligen, weil die Gemeinden auch bet Neubauten von Realschulen sür die Kosten selbst aufkommen müßten, dagegen solle der Stadt Büdingen die Summe geliehen werden, wenn sie es verlange. Für Neubauten im Seminar in Bensheim sind 66,716 Mk. ersor derlich, deren Verwillignng beantragt wird. Die sür neue Hastlocale in Ost­hofen und Schlitz beantragten Anforderungen beantragt der Ausschuß abzulehnen, da erst die Einführung der neuen Gerichtsorganisation abzuwarten und zu er­fahren sei, ob diese Gerichtssitze bleiben oder nicht

Darmstadt, 17. Juni. In der zweiten Kammer haben die Abgeord­neten Schröder, v. Wedekind und Weber einen Antrag aus Abänderung des kirchlichen Besteuerungs-Gesetzes unter Zugrundelegung der Einkommen-Steuer

seilten.

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""^Kriedbera 14. Juni. Die evangelische Confernz für das Grvßherzog- thum Hessen tagte heute im Hotel Trapp dahier und war von Geistlichen aus de« gesummten Lande, von Bürgern, Beamten und Landwirthen aus Friedberg wie der Umgegend äußerst zahlreich besucht. Prof. Dr Köhler eröffnete und leitete die Verhandlungen! Zunächst wurde der erste Gegenstand der Tage «rdnung,die Kirchensteuer-Frage" znr Berathung gebracht. Zum Eingang

Darmstadt, 16. Juni. In der heutigen 15. Sitzung der zweiten Kammer der Stände wurde die Berathung des Ausgabebudgets und zwar zunächst mit Haupt- abtheilung IX. Pos. 2 B. der Ober-Rechnungskammer-Justtficatur II. Abheilung fort­gesetzt. Nachdem Ministerpräsident v. Starck, Exc., sich gegen den Antrag des Aus­schusses, die Regierung um vollständige Vereinigung der beiden ^ustistcaturen zu ersuchen, ausgesprochen hatte, wurden die Ausschutzauträge ohne weitere Di^kuiston einstimmig, vorerwähnter Antrag gegen 2 Stimmen angenommen. Zu Pos. C PoU- zeibehörden (Locol-Polizeibeamte und niedere Polizeiofficianten) wurden gleichfalls, nach­dem Ministerpräsident Frhr. v. Starck, Exc., gegen die Ausschußantrage, das Ersuchen auf Beseitigung eines Polizeicommissärs in Bad Nauheim an die Regierung zu richten, gesprochen hatte, solche angenommen und zwar die beiden letzteren Anträge gegen 4, resp. 2 Stimmen. Bei der Debatte sprachen Abgg. Schröder, Dumont, von Rabenau Maurer, Kugler und Berichterstatter Theobald. Die Ausschuhanträge zu Pas. p. Gendarmerie wurden ohne Debatte einstimmig angenommen. Der Ausschußantrag zu Pos. E. Kriminal- und Polizeikassen und Gefängnißanstalten wurde gegen eine Stimme angenommen Der Ausschußantrag zu 3, Kultus A. Evangelische Kirche wurde, nach­dem Abg. Konradi den Antrag anders formulirt hatte, ebenso dertenige zu B. Katho­lische Kirche angenommen. Gleicherweise wurden zu Pos. 4 Oeffentlrcher "Nrerrtcht. A. Landesuniversität die Ausschußanträge nach längerer Debatte, bei weicher die Abgg^ Hirschhorn, Dittmar, v. Rabenau, Dumont, Büchner, Osann, Matty, Ministerpräsident Frhr. von Starck Exc., sprachen, und bei welcher insbesondere die Frage der Reuregu- lirung der Vorschriften über Doctorpromotionen und die Errichtung eines Lehrstuyls sür Augenheilkunde erörtert wurden, angenommen. Die Anträge gingen insbesondere auch auf ein an die Regierung zu stellendes Ersuchen um thunlichste Verminderung der eigentlichen Beamten der Universität und baldigste anderweite Verwendung dcS Untver- ^^^^ncht^aktuar^ Voranschlags für das Polytechnikum wurde auf Montag vertagt. An der Debatte über dieGymnasien" betheiligten sich Ellenberger, Großh. Ministerialrath Knorr und Wolfskehl. Schließlich wurde der Ausschußantrag ein­stimmig angenommen, ebenso nach einer kurzen Bemerkung des Abg. Scnba der Antrag des Ausschusses bezüglich der Realschulen. Die Ausgaben für dieVolksschulen- und denTurnunterricht" wurden ebenfalls einstimmig gemäß dem Ausschußantrag ohne Debatte angenommen. Eine längere Debatte, an der sich betheiligten: der Abg Kugler, Oberschulrath Greim, die Abgg. Weicker, Hallwachs, Scrtba, Büchner, Wolz, Rackö, Osann, Franck, Theobald, entspann sich über die Ausgaben für Zeichen-Unter­richt. Schließlich wurde der Ausschuß gegen 3 Stimmen angenommen.

Einstimmig wurde angenommen die Pos. 5. Kunst und Wissenschaft nach den Ausschutzantragen. ^isärzte, Medicinalangelegenheiten, rief eine längere Debatte hervor, an der sich betheiligten: die Abgg. Heidenretch und Pfannstiel, der Großh. Ministerialrath Weber, die Abgg. Wolz, Schröder, v- Wedekind (H'ltersklingen) und Schu ze. Schließlich wurde die Pos. einstimmig nach den Ausschußantragen an-

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