Sonntag, den 20. Fkbrnar.
Mo. 43
1876
Anzeige- und AintsAntt für den Kreis Gießen.
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Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Expedition r Schul st raße, Lit. B. Nr. 18.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Amtlicher H h e i t.
Gießen, den 18. Februar 1876. Betreffend: Das Ableben ^des Großherzoglichen RentamtmannS,
Steuerraths Dchuster zu Gießen.
Das Großhcrzoglichc Krcisamt Gießen
an die Großherzoqlichen Bürgermeistereien, soweit solche zum Rentamtsbezirk Gießen gehören.
Wir benachrichtigen Sie, daß in Folge Ablebens des Großh. Rentamtmanns Steuerraths Schuster der Finanz-Accessist Schmitt zum Vicar des Rentamts Gießen ernannt worden ist.
v. Röder.
Aolilischer H h e i k.
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Aentschland.
Darmstadt, 17. Februar. Zwischen dem Verwaltungsrath der Oberhessischen Eisenbahn-Gesellschaft und der Bau-Unternehmung dieser Bahnen bestanden bisher mannigfache Differenzen, welche sich theils auf Forderung der Großh. Regierung wegen Vertrags-Erfüllung bezüglich des Baues und der Aus rüstung der Oberhessischen Eisenbahnen gründeten, theils durch Reclamationen des Verwaltungsraths veranlaßt worden waren. Ein großer Theil dieser Forderungen und Ansprüche an die Bau-Unternehmung wurde von derselben bestritten. Die Regierung hatte von der Erledigung dieser Differenzen die Rückgabe der bei ihr hinterlegten, von der Bau-Unternehmung für die Eisenbahn-Gesellschaft geleisteten Caution von 700,000 st. abhängig gemacht. In jüngster Zeit ist nun zwischen der Eisenbahn-Gesellschaft und der Bau-Unternehmung ein Vergleichs-Abkommen getroffen worden, wodurch die beiderseitigen Forderungen ausgeglichen werden Die Regierung hat diesem Abkommen ihre Zustimmung ertheilt und in die Rückgabe eines Theils der Caution gewilligt, welche denn auch bereits mit etwa 500,000 st. erfolgt ist. (Fr. Journ.)
Darmstadt, 17. Februar. Die Referenten des Finanz-Ausschusses zweiter Kammer haben ihre Budgetberichte fast sämmtlich vorläufig festgestellt. Dennoch dürfte die in der Verfassung resp. Geschäftsordnung vorgeschriebene gemeinschaftliche Berathung mit dem Finanz-Ausschuß erster Kammer, welche der definitiven Abfassung des Budgetsberichts vorauszugehen hat, erst in geraumer Zelt stattfinden.
— Das Ministerium des Innern hat in der zweiten Kammer eine Erklärung abgegeben, laut welcher sich die Regierung mit der Prüfung der im bischöflichen Seminar zu Mainz eingeführten Lehrbücher beschäftigt. Dem Resultate ist mit Interesse entgegen zu sehen und wäre es zu wünschen, daß die Abschaffung des bekannten Lehrbuchs der Moral-Theologie von Gury die nächste Folge dieser Untersuchung ist, nachdem eine Verhandlung des Bezirksgerichts zu Mainz s. Z. auch dem Laien den Werth jenes Machwerks vor Augen führte.
Berlin, 16. Februar. In dem am Samstag abgehaltenen Ministerrath hat eine grundsätzliche Verständigung über die Eisenbahnfrage stattgesunden. Ueber die dem Landtage zu machende Vorlage hat noch kein Beschluß gefaßt werden können, da erst ein Entwurf nach technischen Grundsätzen ausgearbeitet werden muß. Es wird an lebhaften Verhandlungen darüber im Landtage nicht fehlen. Die „VolksZtg." schreibt: „Die Entscheidung des Abgeordnetenhauses wird jedenfalls nur mit geringer Majorität getroffen werden. So wett bis jetzt bekannt, werden, wenn auch aus sehr verschiedenen Gründen, Fortschrittspartei, Cenlrum und Polen die Regierungs-Vorlage ablehnen, während die National-Liberalen — jedoch nicht einstimmig — und Conservativen sür dieselbe eintreten würden. Es wird also darauf ankommen, wie viele Mit« glieder der national-liberalen Partei zu den Gegnern des Projects übertreten werden. Beträgt die Zahl derselben nicht mindestens 15 bis 20, so würde die Genehmigung ertheilt werden."
— Der Zustand des Herrn v. Arnim-Schlagenthin, des Sohnes des Grafen Harry v. Arnim, hat sich in bedenklichster Weise verschlimmert, da zu der ursprünglichen Rippenfell-Entzündung jetzt auch die Diphtheritis hinzugetreten ist.
— Das Dampfkanonenboot „Basilisk" ist aus der Liste der Kriegsfahr- jeuge gestrichen worden.
Berlin, 17. Februar. Der General-Postmeister erläßt folgende Bekanntmachung: „Vom 1. März 1876 ab beträgt die Gebühr für Telegramme im gesammten Reichstelegraphen-Gebiet ohne Rücksicht auf die Entfernung:
eine Grundtaxe von 20 Pfg. für jedes Telegramm, und eine Worttaxe von 5 Pfg. für jedes Wort.
Dieselbe Taxe tritt zu dem gleichen Zeitpunkt für den Verkehr mit Bayern, Württemberg und Luxemburg in Kraft."
Berlin, 17. Februar. Die spanische Thronrede stellt die baldige Be- slegung des Carlistenaufstandes in sichere Aussicht. Man muß zugeben, daß die spanische Regierung bis jetzt hinter ihren Versprechungen, auf das Ende des
Bürgerkrieges mit aller Kraft hinzuwirken, nicht zurückgeblieben ist. Der in einigen englischen Blättern angegebene Termin von 10 bis 12 Tagen für die Besiegung der Carlisten ist natürlich schon wegen des Standes der Witterung mehr als willkürlich. Aber die Regierungs-Truppen sind doch Schritt vor Schritt vorwärts gedrungen und haben den Feind auf ein mehr und mehr engbegrenztes Terrain zurückgedrängt.
Berlin, 17. Februar. Während des letzten Krieges hatten nach diesseitiger Verständigung mit dem Washingtoner Cabinet die diplomatischen Con- sularbeamten der Vereinigten Staaten die Vertretung der deutschen Interessen in Frankreich übernommen, welcher sie sich mit großer Hingebung unterzogen. Als Anerkennung für die dem Reiche und seinen Angehörigen geleisteten Dienste beabsichtigte der Kaiser, den betr. Beamten Ordensdecorationen zu verleihen, deren Annahme jedoch in Folge vorheriger Anfrage vom Congreß der Vereinigten Staaten untersagt worden ist.
Aus Bayern, 16. Februar. Der „Nürnb. Anz." brachte vor einigen Tagen einen Artikel, überschrieben „Nepotismus und die königliche General- Direction" der das Protectionswesen im genannten Ressort geißelte und allgemein Aufsehen erregte. Es hieß darin unter Angabe einer Reihe von That- sachen: „Die Beförderung überhaupt steht trostlos, hoffnungslos für Jeden, der nicht das Glück hat, Schwiegersohn eines Directors, Directions- oder Ministerialraths zu sein oder sonst einer hohen Gönnerschaft, vielleicht einer Hofkammer-Sängerin sich zu erfreuen." Vis jetzt hat die Regierung sich nicht bemüßigt gesehen, auf den ungeheures Aufsehen erregenden Artikel etwas zu erwidern. Die Angelegenheit wird voraussichtlich in der Kammer zur Verhandlung kommen.
München, 16. Februar. Wie die „N. Nachr." vernehmen, erhielt Herr Cultus-Mwister Dr. v. Lutz von dem Könige vor einigen Tagen das photographische Königsbildniß in Lebensgröße mit Allerhöchsteigener Namens- uuterschrift in prachtvollem Rahmen.
Hesterreich.
Wien, 17. Februar. Die „Wiener Presse" meldet: In Ragusa waren am 15. d. Mts. 16 Garibaldianer eingetroffen, welche nach Cettinje gehen wollten; sie wurden aber festgenommen und nach ihrer Heimath zurückgeschickt.
Pesth, 17. Februar. Das Oberhaus hat heute den Gesetz-Entwurf über Jnartikulirung der Verdienste Franz Deak's in die Gesetzbücher des Landes be- rathen und denselben sofort einstimmig und endgültig angenommen.
Ilrankreich.
Paris, 16. Januar. Gambetta's Pariser Rede, Grevy's Rundschreiben, Rouher's Wahlmanifest und Ollivier's Erklärung füllen die Blätter. Die Anstrengungen, die Wähler auf dem Lande „aufzuklären", steigern sich noch fortwährend. Sehr charakteristisch ist folgende Stelle in Emil Ollivier's Brief an die Wähler des Var und speciell an die Bauern. „Lacht die Dorf-Advo- caten aus, die mich beschuldigen, den Krieg gewollt und Euch verrathen zu haben. Diejenigen, die so zu Euch sprechen, lügen, und das wissen sie. Sie wissen, daß ich Alles versuchte, den Krieg zu verhindern, und daß der Preuße uns durch seine Frechheit dazu zwang, daß die Armee bereit war und mehr als jemals, und daß es, wenn unsere Soldaten besiegt wurden, nicht mein Fehler war, da ich nicht General bin."
— In einer kleinen Gemeinde der Oise hat ein Pfarrer damit angefangen, der Agitation gegen die Civilehe praktischen Nachdruck zu geben, indem er ein Ehepaar traute, ehe es bürgerlich verheirathet war. Er wurde deshalb zu 100 Frcs. Strafe verurtheilt.
Italien.
Rom, 17. Februar Der „Opinione" zufolge kehrt Hofrath Schwegel den 18. d. Mts. nebst dem österreichischen Gesandten nach Wien zurück. Die österreichisch-ungarischen Special - Commissäre bleiben behufs Vollendung ihrer technischen Studien hinsichtlich des Handelsvertrags noch, um sodann mit den Delegirten der italienischen Regierung den Text des Vertrages und den Tarif


