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Mittwoch, den 20. September

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Gießener Anzeiger

Artige- W Amtsblatt für btn Kreis Gießen

v^rt^Mrlich 2 Mark 20 Pf. mit Brinaerlohn. Durch die Psst L^-sgen vierteljährlich A Mark W Pf.

Erscheint täglich mit LuLnabme bed Montag. Expeditionr Schulstrape, Lit. B. Nr. 18.

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Wien, 14. September. Die Zuzüge russischer Freiwilligen nach dem serbischen Kriegsschauplätze fangen an, auch der hiesigen Regierung große Ver­legenheiten zu bereiten. Wiederholt ereignete es sich, daß die österreichischen Poftdampfer, auf denen diese Zuzügler als Passagiere von Galatz stromauf- wms reisen, von den türkischen Ufern aus, die sie passiren, beschossen wurden. Neuerlich beabsichtigte die türkische Behörde in Rustschuck gar eine Durchsuchung des österreichischen Dampfers, wozu sie völkerrechtlich befugt war. Die Re- jierung muß dann gegen solche Acte, die ihrer Flagge nicht schmeichelhaft sind, stotestiren, ob zwar sie das Bewußtsein haben mag, daß sie selbst im umge-

Paris, 14. September. Die afrikanische Fremdenlegion, die sich in letzten Zeit vielfache Verstöße gegen die Disciplin zu Schulden kommen ließ, aufgelöst und durch ein neu zu bildendes Zuaven-Regiment ersetzt werden.

Paris, 15. September. Der Bischof von Straßburg hat die Quit- tirung von 24,851 Frs., die er für die Ueberschwemmten des Elsasies aus Frankreich empfangen, dazu benutzt, um demUnivers" ein Schreiben zugehen zu lasten, das von diesem veröffentlicht wurde. - Den Franzosen wird die Schmeichelet gesagt:Nach solchen unerwarteten vielfachen Heimsuchungen, welche Frankreich durchgemacht hat, fragt man sich mit Recht, wie es kommt, daß Frankreich noch den ersten Rang unter allen Völkern Europas durch seinen Reichthum und seine Großmuth einnimmt. Ich nehme keinen Anstand, offen zu erklären: das ist der Lohn für seine unerschöpfliche Wohlthätigkeit. Man sagt von dieser Tugend, daß sic den Personen ein Zeichen wahren Lebens, ein Mittel für die Unsterblichkeit sei. Charitas nunquam excidit; sollte sie nicht auch für eine Nation, bei der sie so tiefe Wurzel getrieben, nicht ein Freibrief der Lauglebigkert sein?" Tactvoll, geschmackvoll und logisch kann man diese Phrase des Bischof» von Straßburg nicht nennen.

Paris, 17. September. Es heißt, daß England das türkische Memoire so auffasse, als enthalte es Annahme des Waffenstillstandes im Principe, und daß cs demgemäß seine Agenten beauftragt habe, die Insurgenten ebenfalls zur Einstellung der Feindseligkeiten zu veranlassen.

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Italien.

Rom, 17. September. DerDiritto" hält die Friedensbedingungen der Pforte für unzulässig. Ein Frieden unter solchen Bedingungen wäre die beständige Aufrechthaltung des Kriegsherdes, eine Verschlimmerung des Standes der Verhältnisse vor dem Kriege und würde statt der Herstellung der Ruhe neue Motive zu Unruhen schaffen. Die einzige Basis zu Unterhandlungen mit Hoffnung auf Erfolg sei derstatus quo Serbiens. ,

Osgkaud.

London, 15. September. Ueber die Wirksamkeit der Vertreter des rothen Kreuzes macht dieDaily News" Mittheilungen, welche nicht zu Gunsten der Engländer ausfallen. Wie in den Tagen des französisch-deutschen Krieges, habe sich die Unfähigkeit der Engländer zur Verwundetenpflege wieder klar ge­zeigt, und der Gegensatz zwischen ihnen nnd den Russen sei in dieser Hinsicht äußerst bemerkenswerth. Während die letzteren in den Friedenszciten ausgiebige Vorkehrungen getroffen und in Folge dessen sofort bei Beginn des Krieges ihre Wirksamkeit mit voller Kraft hätten entfalten können, habe die englische Hülfs- gesellschaft erst vor Kurzem und nur in sehr unzureichender Weise Vertreter auf den Kriegsschauplatz gesandt.

London, 15. September. Ueber die Expedition der englischen Kanonen­boote gegen die widerspänstigen Ortschaften längs des Nigcrfluffes liegen aus­führliche Berichte vor. Sie lasten sich kurz dahin zusammenfasten, daß mehrere Dörfer ganz oder theilweise niedergebrannt, viel feindliches Geschütz weggenom- men, große Pulvervorräthe in die Luft gesprengt worden sind und manche scharfe Scharmützel stattgefunden haben.

London, 18. September. DieTimes" setzt die Besprechungen der türkischen Friedensbedingungen fort und hält an ihrer Ansicht fest, daß dieselben nicht annehmbar sind. Eine Wiedcrbesetznng der serbischen Festungen durch die Türken sei rein unmöglich, weil dieselbe eine ständige Drohung für den europäischen Frieden bilden würde. DieTimes" plaidirt für die Regelung der Friedensbedingungen durch eine Conferenz der europäischen Mächte.

-panie».

Madrid, 17. September. Die Nachricht, daß ein Noten-Austausch über die an die protestantischen Pfarrer in Spanien erlastenen Verfügungen wegen Rücknahme ihrer Anschläge bezüglich Ausübung des Cultus stattgefunden ; habe, wird als unbegründet bezeichnet; die spanische Regierung hat keinerler ' Depeschen über diesen Gegenstand erhalten. Der englische Gesandte hatte blos eine vertrauliche Unterredung mit dem Minister des Aeußern; dieselbe habe aber keinerlei Folge gehabt, da die Regierung der Derfastung gemäß ge- : handelt habe.

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ihr Urtheil über die Friedensbedingungen abgegeben haben werden, wird die Pforte in 24 Stunden den Befehl zur Einstellung der Feindseligkeiten geben.

Wien, 18. September. Wie verlautet, haben die Großmächte in Konstantinopel erklärt, die Friedensbedingungen in Erwägung ziehen zu wollen, wenn die Pforte eine definitive Waffenruhe gewähre. Die Pforte ist angeblich hierzu bereit. Der Schah von Persien hat in Konstantinopel für den Fall eines ernstlichen Angriffs auf die Türkei seine Allianz angeboten. Tschernajeff's Armee hat den Fürsten Milan zum König von Serbien proclamirt. Die Ein­willigung des Fürsten ist fraglich.

Frankreich.

steht dahin.

Berlin, 16. September. DieNordd. Allg. Ztg." sagt, an Meldungen ihei die türkischen Friedensbedingungen auknüpfend, daß die Pforte durch die w einfache Jgnorirung der wichtigsten auf den Austrag der orientalischen Frage bet« *.wi bezüglichen Punkte und bezüglich Serbiens, durch die Maßlosigkeit der auf den tr in gtahi» quo des Jahres 1857 zurückgreifenden Mächte geradezu den Fehde- " haqdschnh hinwerfe, die Mächte von allen Rücksichten entbinde, welche sie aus gründen politischer Delicateffe bisher der Pforte gegenüber beobachten zu müssen glaubt haben möchten. (Fürst Bismarck hat wiederholt erklärt, daß die Reichsregierung ein officiöseS Organ nicht besitze, namentlich dieNord. Allg. ( Zig." osficiöse Mittheilungen aus dem Auswärtigen Amte nicht erhalte. Doch (48 läutet überall der Eindruck, daß die orieutaUsche Frage in ein entscheidendes

.,1t. swtesttren, ov zwar sre oas-oerotißijeui yaoeu mag, vup jit pup *mhv nft Meißkl» hchten Falle kaum anders vorgehen könnte. Andererseits steht^ihr kein Mittel |u Gebote, dem Transport vonReisenden aus Rußland," die in Galatz, also

(7 auf nichtösterreichischem Boden, einstiegen, Einhalt zu rhun.

Wien, 16. Sept. DiePol. Corr." meldet von bestunterrichteter Sicherheit f gejte aug Konstantinopel vom 16. Sept. : Die von der Pforte den Vertretern i Großmächte mitgetheilten Friedensbedingungen sind in einem Memoire ent-

halten, in dem die Pforte vorerst die Gründe auseinandersetzt, aus denen ihr ' auf einen Waffenstillstand einzugehen unmöglich erscheine, und weßhalb sie es Erziehe, einen definitiven Frieden zu schließen. Die Bedingungen sind folgende : 1) Die Darbringung der Huldigung deö Fürsten von Serbien in Konstantinopel. 2) Die Besetzung der vier durch den Ferman des Jahres 1238 der Obhut Serbiens anvertrauten, in türkischem Besitz von Alters her gebliebenen Festungen «ach den Bestimmungen des Protokolls vom 8. Sept. 1862. 3) Abschaffung ter Milizen. Die Militärmacht zur Aufrechthalrung der Ordnung im Innern teirb 10,000 Mann und 2 Batterien nicht übersteigen. 4) Gemäß Ferman Don 1249 wird Serbien die aus den Nachbarprovtnzen dahin ausgewanderten Einwohner zurücksenden und, ausgenommen die von Alters her in Serbien bestandenen Festungen, die später errichteteir Befestigungen vollständig demoliren muffen. 5) Wenn Serbien nicht im Stande ist, die noch näher fcstzustellendc Kriegsentschädigung zu bezahlen, so wird der gegenwärtige Tribut um die Zinsen der Kriegsentschädigung erhöht. 6) Das Recht der türkischen Regierung, " eine Belgrad mit der Rischer Eisenbahn verbindende Bahnlinie zu bauen und dieselbe durch türkische Agenten oder eine Gesellschaft ihrer Wahl betreiben zu lasten. Weiters erklärt die Pforte sodann: In dem Wunsche, jedem Verdachte ilnes Hintergedankens zu entgehen, und um einen Beweis ihres Vertrauens in W Vermittelungswerk der Mächte zu geben, verläßt die Pforte sich wegen der aufgezählten sechs Bedingungen ganz auf das erleuchtete Urtheil der sechs vermittelnden Mächte, überläßt die Pforte ihnen ganz die Sorge, die Gründe |u erwägen, welche diese sechs Bedingungen als Mittel dictirten, um der Wiederkehr der gegenwärtigen Calamitäteir zu begegnen. Bezüglich Monte­negro'» wird man sich an dem status quo ante halten. Sobald die Mächte

rten Anschluß JtCBfftßfanh.

lkanten-Vett Berlin, 15. September. In hiesigen militärischen Kreisen, namentlich unter jenen Offizieren, welche sich bei den Manövern des 4. Armeecvrps (Provinz Sachsen) in der Umgebung des Kaisers befunden haben, ist seit gestern Abend das Gerücht verbreitet, man stehe unmittelbar vor der Kriegserklärung Rußlands an die Türkei. General-Feldmarschall v. Manteuffel habe eine Er­klärung des Kaisers von Rußland überbracht, wonach derselbe dem Verlangen seines Volkes nach Rache für die Grausamkeit der Türkei gegen die Christen rnchr widerstehen könnte und vorgehen müßte, sobald die Pforte den billigen Ziiedensforderungen Widerstand entgegensetzen würde, wie es seitdem tbatsäch- m geschehen sei. So weit das Gerücht. Jedenfalls ist in den gedachten (reifen eine ungemein erregte Stimmung bemerkbar, welche sich auch seit gestern im hohen Maße bei den Diplomaten zeigt. Unter diesen heißt es, Deutschland labe bereits strenge Neutralität zugesagt. Wie weit das Alles richtig ist,

Stabilem eingerückt ist.)

> Berlin, 17. September. Die Vertreter der Großmächte erklärten die

uuu-im abZürkischen Bedingungen für unannehmbar zur Unterhandlungs-Basis. England nnefteflcn. @ verharrt in der Rolle eines Beschützers der Pforte.

»»555858 Stuttgart, 17. September. Staatsminister v. Golther ist heute Morgen halb 6 Uhr gestorben.