zum 81. I. Mts.
I. V- d. K-:
vr. Hoffmann, Regierunasrath-
Gießen, am 14. October 1876.
Betreffend: Die Aufnahme des Erndte-ErtragS im Jahre 1876.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Großherzoglichen Bürgermeistereien.
Wir beauftragen Eie, die Aufstelluug der Erndte-Ergebnisse des Jahres 1876 in der nämlichen Weise, wie dies im Jahre 1875 erfolgt ist, oorzunehmen und werden wir Ihnen zu diesem Behufe die erforderlichen Formularien mit nächster Post übersenden. , r ,,, , „ , .... .,
Wir machen Sie jedoch darauf aufmerksam, daß in den Formularien für die Ausstellung der Gemarkungs-Ucbcrsrchten, auf Wunsch des deutschen- Landwirthscha ts, raths Behufs Erlangung einer Hagel-StatistikZ einige wettere auf daS Vorkommen von Hagelschlägen, deren Ausdehnung und den dadurch verursachten Schaden bezügliche Erbebunacn neben den bisher darin vorgemerkten vorgesehen sind. = , ... D D m
Ebenso ist in den erwähnten Uebersichten zur Dervollstäudigung der Wein-Statistik noch die Frage nach dem Durchschnittspreis eines Hectoliters des in der Ge- markung in 1875 producirten Weines — und zwar des weißen und des rothen — beigefügt worden. m , ,, , . . n,
Indem wir Ihnen dringend anempfehlen, bei dieser Aufnahme, der Wichtigkeit des Gegenstanoes entsprechend, mit der größten Genauigkeit zu verfahren und sich der Unterstützung aller intelligenten Kräfte dabei zu bedienen, erwarten wir die Einsendung der von Ihnen aufzustellenden Gemarkungs - Uebersichten spätestens bis
politischer
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den
JMWanh.
Aks dem Großherzvgthuur Hessen, 13. October. Der Kanzler der Universität Gießen, Geh. Justiz-Rath Prof. Dr. Wasserschleben, hat sein Mandat als Abgeordneter der hessischen Landes-Synode niedergelegt. Das Wiederzusammentreten der Landes-Synode dürfte dem Vernehmen nach schwerlich vor der zweiten Hälfte des November, vielleicht erst im December, zu erwarten sein.
Darmstadt, 13. October. Die Regierung hat den Ständen einen Gesetz-Entwurf zugehen lasten, wonach die im Besitz des Staats besindlichen Eisenbahnen der Besteuerung nicht unterliegen sollen. Bezüglich der Oberhessischen Bahnen soll diese Bestimmung erst mit dem nächsten Jahre in Kraft treten, und dermalen sind auch diese Bahnen die einzigen, bezüglich deren das Gesetz eine praktische finanzielle Bedeutung haben wird, da die übrigen im Staatsbesitz befindlichen Bahnen durch Special-Gesetze, Staats-Verträge rc. bereits steuerfrei sind.
Darmstadt, 13. October. Durch Allerhöchstes Decret vom 7. l. Mts. wurde der Oberappellations- und Cafsationsgerichtsratb, Geh. Rath Dr. Jacob Dernburg, unter Anerkennung seiner mit Eifer und Treue geleisteten, ausgezeichneten Dienste, auf sein Nachsuchen in den Ruhestand versetzt.
Darmstadt, 13. October. Die erste Kammer ist dem von der zweiten Kammer einstimmig gefaßten Beschluß: „Die Kammer will nach dem Antrag des Ausschusses die Rechte des Landes auf die als Surrogat des im Jahre 1664 vom Lande bezahlten Homburgischen Deputat-AblAsungskapitals heimgefallenen Haus- und Landes-Domanialgüter Hötensleben und Oebisfelde nebst Zubehör ausdrücklich wiederholt wahren und die Regierung ersuchen, baldigst zum Behufe einer Verständigung über dieselben die geeignete Proposition an die Stände gelangen zu lasten" — mit allen Stimmen nicht beigetreten. Der Finanz-Ausschuß der zweiten Kammer schlägt in seinem von dem Abg. Königer erstatteten weiteren Bericht vor, bei dem gefaßten Beschluß zu beharren. da der Ausschuß der ersten Kammer für die von ihm beantragte und hiernach auch erfolgte Ablehnung neue Gründe nicht vorgebracht habe, für den Ausschuß der zweiten Kammer aber die Gründe sortbestehen, auf welche die frühere Kammer ein gleiches Ersuchen beschlossen hat. „
1 Darmstadt, 14. October. Einer von Großh. Centralstelle für bte Landesstatistik ausgestellten „Uebersicht der Gemeinden, Gemarkungen und Wohnplätze des Großherzogthums Hesten, mit den Zahlen ihrer Bewohner und der bewohnten Gebäude, nach der Aufnahme vom 1. December 1875" entnehmen wir die folgenden Bevölkerungs-Angaben:
Die ortsanwesende Bevölkerung des Großherzogthums betrug am ge- nannteü Tage 884,218 Köpfe; sie vertheilt sich auf die Provinzen, Kreise :c. wie nachstehend: - _ . .
1) Provinz Starkenburg 370,170 Einwohner. Kreise: Darmstadt 73,561, Bensheim 45,398, Dieburg 52,222, Erbach 47,583, Groß-Gerau 35,697, Heppenheim 41,905, Ostenbach 73,804 Einwohner.
Gemeinden mit über 3000 Einwohnern: Darmstadt 37,273, Ostenbach 26,012, Bestungen 6834, Lampertheim 5617, Bensheim 5408, Pfungstadt 4962, Heppenheim 4781, Neu-Isenburg 4432, Viernheim 4427, Langen 4087, Dieburg 3927, Lorsch 3777, Griesheim 3730, Seligenstadt 3385, Michelstadt 3282, Gernsheim 3277, Eberstadt 3116, Bürstadt 3067 Einwohner.
2) Provinz Oberhesten 254,036 Einwohner. Kreise: Gießen 65,603, Alsfeld 36.767, Büdingen 37,313, Friedberg 58,619, Lauterbach 28,639, Schotten 27,095 Einwohner.
Gemeinden mit über 3000 Einwohnern: Gießen 13,985, Friedberg 4391, Alsfeld 3730, Vilbel 3411, Lauterbach 3233.
3) Provinz Rheinhessen 260,012 Einwohner. Kreise: Mainz 93,728, Alzey 35,636, Bingen 32,940, Oppenhein 41,853, Worms 55,855 Einwohner.
Gemeinden mit über 3000 Einwohnern: Mainz 57,020, Worms 16,594, Bingen 6403, Kastel 6099, Alzey 5278, Oppenheim 3228, Weisenau 3110, Ostbofen 3011 Einwohner.
Berlin, 14. October. Das Abgeordnetenhaus ist heute aufgelöst worden. Die Wahl-Termine sind der 20., bezw. 27. October. Die Landräthe sind als Wahl-Commistäre bestellt.
— Die Diplomatie betrachtet die Lage als ernst. Die Truppen-Häufung an den Süd-Grenzen Rußlands bestätigt sich. Das Gerücht von der Abdankung Kaiser Alexanders tritt wiederholt auf.
Karlsruhe, 14. October. Die General-Synode hat einen Antrag des Siadtpfarrers Schellenberg von Heidelberg angenommen, wonach das Reformationsfest und der Bußtag als allgemeine protestantische Feiertage in allen evangelischen Kirchen an denselben Tagen und zwar an Sonntagen zu feiern ist.
Oesterreich.
Wien, 13. October. Dem „Tageblatt" wird aus diplomatischer Quelle die Erzielung eines austro-russischen Einverständnisses gemeldet- Demnach wird Rußland nnlitärisch einschreiten, ohne daß Oesterreich dagegen protestirt. Oesterreich wird vorläufig nur Zuschauer bleiben.
Wien, 14. October. Heute soll in Belgrad Seitens der Consuln ein
zu versuchen haben wird."
London, 13. October. Die türkischen Waffenruhe-Bedingungen sind aunoch weder dem auswärtigen Amte noch den Botschaftern zugekommen. Die Pforte stellte wahrscheinlich gar nicht formelle Bedingungen, um deren etwaige Verwerfung zu vermeiden, sondern exponirte in ihrem Rundschreiben ihre-Ansichten über die Grundlagen einer allseits billigen fünfmonatlichen Waffenruhe. Mittlerweile herrscht peinliche Stimmung. Die gesammte Diplomatie betrachtet die Lage als äußerst ernst, zumal die starken Rüstungen Rußlands Thatsache sind und der in neuester Zeit sehr gedrückte Gemüthszustand Alexanders den Gerüchten von seiner Abdankung Plausibilität verleiht. Die Zeitungen schreiben bernhigend, trotzdem ist Glaube an Krieg vorherrschend. England würde jedwedem Vormarsch Rußlands zuversichtlich die Vorrückung seiner Fwtie gen Stambul und eventuell in den Pontus folgen lassen.
Loudon, 14. October. Bei Besprechung der Verhandlungen über Waffenstillstand äußert die „Times,,: Von keiner Seite könne man wagen, die durch das Anerbieten der Pforte gebotene Gelegenheit für die Regelung der
Collectivschritt wegen des Waffenstillstandes geschehen; die Hoffnung, daß er von Serbien angenommen wird, ist sehr gering. Die „Deutsche Zeitung" meldet Einzelheiten von großartigen russischen Rüstungen und behauptet, entgegen einem officiösen Dementi, es werde ein zweiter Brief des Czaren an den Kaiser erwartet. Sonst circnliren hier aufregende Gerüchte über eine Revolution in Konstantinopel, die natürlich hier nicht zu controliren sind. Aus Athen werden große Rüstungen gemeldet, dennoch hoffen die officiellen Kreiie den Frieden zn erhallen. Der diplomatische Verkehr zwischen Wien, Berlin, London und Liva- dia ist äußerst lebhaft, Fürst Bismarck soll nachdrücklich vermitteln.
KrarrLreich.
Paris, 13. October. Nach Privat-Berichten aus Konstantinopel zeigte sich die türkische Regierung bei ihren Mittheilungen an die dortigen Botschafter der Mächte sehr entgegenkommend. Danach bestätigt es sich auch, daß die Mächte von der Pforte ersucht worden sind, Eommissäre zu ernennen, welche die Demarcations-Linien der Armeen während des Waffenstillstandes zu bestimmen hätten; letzteren würde die türkische Regierung sogleich nach Ernennung der Commissäre eintreten lassen. Die bereits mehrfach gemeldeten, in Form von Wünschen und nicht als ausdrückliche Bedingungen aufgestellten Waffenstillstands-Normen würden nach Auffassung der Pforte die Wirksamkeit des Waffenstillstandes sichern und die Wiederkehr bedauerlicher Zwischenfälle verhüten.
— Die „Corresp. Havas" glaubt zu wiffen, daß in Folge der Erörterungen zwischen den Eabinetten der Wunsch der Pforte nach Ernennung von Commissären erfüllt werden zu wollen scheine. Es habe bereits ein Gedanken- Austausch hierüber unter den Mächten stattgefunden und sollten die Militär- Attaches bei den Botschaften in Konstantinopel als Commiffäre designirt werden.
— Der „Moniteur" erachtet die von der Pforte bezüglich des Waffenstillstandes gestellten Bedingungen für sehr verständig; das Reform-Programm derselben scheine darauf angelegt, den früher von den europäischen Mächten geäußerten Wünschen und Vorschlägen Rechnung zu tragen, und verdiene demnach eine ernstliche und wohlwollende Prüfung.
Paris, 14. October. Die „Agence Havas" meldet: Rußland hat den Waffenstillstand von 6 Monaten abgelehnt und von Neuem verlangt, daß den Kriegführenden ein Waffenstillstand von sechs Wochen auferlegt werde; es kommt somit auf die der Türkei von England vorgelegten und von den Großmächten unterstützten Vorschläge zurück.
— Der „Temps" schreibt: Indem Fürst Gortschakoff den sechsmonatlichen Waffenstillstand, der nach seiner Meinung keinen dauerhaften Frieden bringen könnte, verwirft, setzt er die Unmöglichkeit auseinander, Serbien und Montenegro zu verpflichten, ebenso lange in einer kritischen Situation zu verbleiben; er gibt zu bedenken, daß Europa während dieses Zeitraums in Bezuz ans Handel und Verkehr schwer leiden würde und schließt seine Argumentation, tu« dem °er sagt, der Waffenstillstand von sechs Wochen könnte verlängert werden, wenn der Gang der Verhandlungen solches als nöthig darthun sollte. Der „Temps" glaubt, daß die Türkei Verhandlungen über die Dauer des Waffenstillstandes nicht ablehnen würde; die Pforte habe in London versöhnliche Erklärungen in diesem Sinne abgegeben.
-Ugland.
London, 12. Octbr. Der „Times"-Corresp. in Belgrad telegraphirt vom 9. Octbr. bezüglich der Einwanderung russischer Freiwilligen: „Gestern passirtea 300 Kosaken durch Rumänien auf ihrem Wege nach Serbien. 100 von ihnen waren beritten. In Rumänien besteht ein Einfuhrzoll auf Pferde. Die berittenen Kosaken kamen beim Einrücken in das Fürstenthum in Trupps von vier bi) fünf Mann zu dem Grenz-Zollamt und bezahlten den Pferde-Einfnhrzoll mit der Abmachung, daß ihnen das Geld beim Erreichen der entgegengesetzten Grenzstation zurückerstattet werde — eine Verpflichtung, die richtig erfüllt wurde. Dieser Durchzug von 300 Mann und 100 Pferden war ein Versuch. Sein vollständiger Erfolg macht die rumänische Hochstraße frei für eine vollkommene Kosakenhorde, welche ihr Glück gegen Baschi-Bozuks und Tscherkeffen
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