Donnerstag, den 17. August
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Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Brinaerlohn. Durch die Post »(zogen vierteljährlich 8 Mark & Pf.
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Ä , Die beschränkenden Bcstimmungen des § 43 des Reichsbankgesetzes vom 14. März 1875 sind (nach den im Reichs-Gesetzblatte' erschienenen Bekannt- Söller jjfrufS jungen) bezüglich nachstehende^ Privat-Notenbanken als nicht anwendbar erklärt worden und es dürfen daher die Noten dieser Banken in ganz Dcutsch-
SlSSSi Staates, welcher denselben die Befugniß zur Notenausgabe ertheilt hat, zu Zahlungen gebraucht werden:
1. Badische Bank in Mannheim. o .....
Badische Bank in Mannheim,
9.
Hannoversche Bank in Hannover,
Frankfurter Bank in Frankfurt am Main.
16.
Württemberger Notenbank in Stuttgart.
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Bayerische Notenbank in München, Bremer Bank in Bremen, Breslauer Bank in Breslau, Chemnitzer Stadtbank in Chemnitz, Kölnische Privatbank in Köln. Danziger Privatbank in Danzig,
Leipziger Kassenverein in Leipzig, Lübecker Commerzbank in Lübeck, Magdeburger Privatbank in Magdeburg, Posener Privatbank in Posen, Sächsische Bank in Dresden.
Bank für Süddeutschland in Darmstadt,
(4305 , geb. Leser, i.
Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Röder.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Expeditionr Schulstraße, 8iL B. Nr. 18.
Jo. 190.
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.., , D-e V-rwendiiiig der Noten anderer deutscher Privat-Notenbanken oder Korporationen zur Leistung von Zahlungen außerhalb desjenigen Landes- ^ckeies, für welches dieselben zugelasien sind, wird mit Geldstrafe bis zu 150 Mark bestraft.
Um das Publikum vor Nackthcil zu bewahren, wird dies hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht.
Gießen, am 8. April 1876.
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6 Uhr, statt-
Die Creditreformbewegung in Deutschland.
enthält folgenden hochbeachtenswerthen Artikel aus
Die „Neue Fr. Pr."
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Ereignisses erregte bei competenter Stelle Aufsehen. Der Fallite wußte sich aber vollkommen zu rechtfertigen. Seine Hauptkundschaft zählte zur Aristo- ! kratie. Dieselbe hält in England mit einer fast freimaurerischen Festigkeit die 6 Sitte aufrecht, die Buchrechnungen nur ausnahmsweise, bei sehr geordneten ■ Häusern schon am Ende, bezw. Anfangs des nächsten Jahres zu zahlen. Die Meisten lassen ihre Buchschulden jahrelang stehen. Mit einer ebenso zähen, ; stillschweigenden Verabredung wird jeder Gläubiger, der es wagt, einen Mahn- 1 brief zu schreiben, zwar sofort bezahlt, aber dafür unfehlbar von allen Stanbes- ’ ftenofsen in die Acht erklärt, so daß er seine aristokratische Kundschaft verliert. - Der Geschäftsmann befindet sich also zwischen Scylla und Charybdis. Aus - dieser doppelten Gefahr hat sich der besagte Buchhändler durch seinen regelmäßigen Bankerott gerettet. Denn einerseits übernahm das Gericht die Eintreibung seiner Ausstände, und die aristokratische Kundschaft konnte ihm dies ■ nicht verargen, weil er unschuldig daran war. Er erhielt sein Geld, behielt : seine Kundschaft und konnte, da die gerichtliche Liquidation einen namhaften Ueberschuß ergab, regelmäßig mit vermehrten Kräften wieder ansangen. Dieses Beispiel mag recht wirksam und humoristisch gewesen sein. Man muß aber zugeben, daß es als allgemein anzuwendendes Auskunftsmitlel nicht zu empfehlen ist.
Zwei concrete Forderungen sind es, welche von den Creditreformen, an deren Spitze insbesondere Handelskammern stehen, aufgestellt werden: Baarzahlung und Deckung aller übrigen Forderungen im Kreislauf des Verkehrs durch kurze Wechsel von zwei, höchstens drei Monate Laufzeit. Dieses ist das Ziel, welches angestrebt wird. Ueber die anzuwendenden Mittel machen sich verschiedene Ansichten geltend. Viele glauben, daß Angesichts der Indolenz, welche bisher von den Consumenten beobachtet wurde, nur durch ein Eingreifen des Staates geholfen werden könne, indem derselbe die Verjährungsfrist für die kleinen Forderungen im Handel und Wandel auf sechs Monate reducirt. Die Meisten erklären sich aber gegen jede Staatseinmischnng und wollen die Reform durch den spontanen Entschluß der Bevölkerung zu einer allgemeinen Sitte emporgehoben wisten. Ein sehr anerkennenswerther Anstoß, welcher gewiß bald Nachahmung finden wird, ist bereits in München gemacht worden, indem dort gegen 2000 Personen aus den wohlhabenden Classen sich zum Aufgeben der Buchschulden verabredet haben. Als Uebergangsbrücke muß man sich der Einrichtung bedienen, daß die Baarzahler eine Prämie erhalten, welche in einem Sconto am Kaufpreis bestehen solle. Wir würden es für zweckmäßiger halten, wenn diese Vereinigung umgekehrt darauf hinwirkt, daß die Geschäftsleute ihre Preise auf Baarzahlung einrichten und von den Nichtbaarzahlenden einen starken Zuschlag abfordern, welcher gleichsam als Abschreckungsmittel dienen würde. Mag man bei den Uebergangsversuchen auch noch im Einzelnen zuweilen fehl- greifeu, im Ganzen scheint der richtige Weg eingeschlagen und die Bewegung mächtig genug zu sein, um nicht wieder im Sande zu verlaufen.
Durch das Aufgeben der Buchschuldeu würde nicht blos der geschäftliche Verkehr der Bevölkerung ein soliderer werden, sondern dieselbe würde auch von einem großen moralischen Druck befreit und mehr zur Sparsamkeit und Ordnung hingelenkt werden. Dem leichtsinnigen Schuldenmachen, der Verschwen-
Mittwoch den 23. August, Morgens 10 Uhr: Pfarrconferenz zu Gießen. Lang-Göns, den 14. August 1876.
Strack, Deka?
^Handwerkern getrieben wird. Viele derselben wagen es erst am Schluß d Wahres, ihre Generalrechnung einzureichen, und sind dann sehr froh, sofort Viele müssen sich aber auch dann noch zu weiteren Fristen ’t einem Bliche voll Ausständen nicht selten in Ver-
Es ist seit Jahrzehnten in Deutschland über den Mißbrauch geklagt wor- d«, welcher mit dem Buchcredit bei Kaufleuten, Krämern und insbesondere bei
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- lb__Feder des in diesen Dingen als erste Autorität geltenden National-Oeco« ^Tflrbeitdn mm Max Wirth, welchen wir unfern Lesern bei der hohen Wichtigkeit der
Mm? 6Siche dem Wortlaut nach mittheilen. Max Wirth schreibt:
_____— „Die unerhört lange Dauer der Nachwehen der Krisis, welche in Deutsch- läind wahrscheinlich ebensoviele Opfer gefordert hätte, wie in Oesterreich, wenn ^8Wochen Meß' |j$ unter der Herrschaft des Zwangscurses befände, hat den Anstoß zu einer r volkswirthschaftiichen Agitation gegeben, welche, obwohlanspruchslos auf-
und ein bescheidenes Ziel sich steckend, doch eine Verbesierung des Zah- I lüngöverfahrens zu bewirken geeignet ist, durch welche der Geschäftsverkehr au solidere Basis zurückgeführt und künftigen Krisen, wenn auch nicht gänzlich »öwgrbeugt, so doch ein großer Theil ihrer Gefährlichkeit genommen wird. Wenn es gelingen sollte — und es ist alle Aussicht vorhanden, daß diese Be- wlrguiig nach vieljährigen frommen Wünschen diesmal wirklich ihr Ziel erreicht — die angestreble Ausdehnung Baarzahlung und Verkürzung der Creditfristen
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—irten breiten Schichten der Bevölkerung einzuführen, dann wird eine wohlt'hä- ?-un l ,eunb in Beziehung auf die Bevölkerungszahl, welche sie umsaßt, hoch be-
; - biiStiP1 >mhme volkswirthschaftliche Reform verwirklicht.
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/"'"'uTtAtV Wit zu werden. Viele r Riemen und kommen mit (
**& l’Wjcit, so daß sie häufig selbst wieder theuren Credit zu Hülfe nehnun und ihre Vorräthe nicht rechtzeitig, also nicht so vortheilhast als mög- f*„ .f;nt W' ö« erneuern können. Außerdem bringt dieser lange Buchcredit auch noch an- - cwe ^xrluste mit sich. Die Geschäftsleute sind daher genöthigt, ben Preis / iid»en, $ i rn Maaren mit Zinsen und mit einer starken Versicherungs - Prämie zu be- N, wodurch wieder ihre Concurrenzfähigkeit mit dem besser situirten Auslande ' hindert und überhaupt die industrielle Kraft des Inlandes geschwächt wird, ’steit daß die wohlhabenderen Classen, welche die Uebelstände dieses Verfahrens JjMepen einsehen sollten, die Hand dazu geboten hätten, den Buchcredit ab- 11 Haffen, sind sie vielmehr fast überall die Hauptstützen desielben und stehen p ihre Indolenz der Reform am meisten im Wege. Es ist nicht blos tohnt) und Oesterreich, wo über diese Unsitte geklagt wird, sondern auch ! denjenigen Ländern, deren Creditsystem im Allgemeinen geordneter ist, finden Hi) sehr deutliche Ueberbleibsel dieses Mißbrauches. Namentlich ist es die We Aristokratie, welche den weitgehendsten Buchcredit, gleichsam wie eine ^s'ache, aufrecht erhält, so daß die Geschäftsleute oft jahrelang nicht bezahlt In dieser Beziehung wurde mir schon vor Jahren von einem sicheren MSmann eine überaus merkwürdige Thatsache erzählt. Ein angesehener, wenber Buchhändler in London zeigte in regelmäßigen Perioden von un- - fünf Jahren seinen Bankerott an. Das regelmäßige Wiederkehren dieses


