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Berlin, 14. Juni. Fürst Bismarck ist heute früh nach Kissingen abgereist.

Ems, 14. Juni. Der Kaiser ist heute Vormittag 10 Uhr hier einge­troffen und vom Kaiser von Rußland herzlich begrüßt worden.

Ems, 14. Juni. Es heißt, Kaiser Alexander treffe auf seiner Rückreise über Warschau mit dem Kaiser Franz Joseph zusammen. Erzherzog Albrecht wird hier erwartet.

Cannstatt, 14. Juni. Im ganzen Neckarthal entluden sich heute schwere Gewitter mit gewaltigem Platzregen. Das Wasser des Neckars ist in bedenklichem Steigen begriffen und die Fluth-Höhe von 1872 bereits erreicht An vielen Stellen ist das Neckarthal in ganzer Breite überfluthet. Der Scha­den ist groß. Unglücksfälle sind bisher nicht gemeldet.

Friedrichshafen, *4. Juni. Das Wasser des Bodensee- ist noch immer im Steigen begriffen und steht 3 Meter über dem Nullpunkt des Pegels. Der Sckloßdamm ist überfluthet; in Den Kellern steht das Wasser theilweise 8 Fuß hoch. Die Zoll-Halle in Langenargen ist vom Wasser umspült, du Dampfschifffahrt unterbrochen, der Bahnverkehr zwischen Ravensburg und Friedrichshafen noch gestört.

Wien, 12. Juni. Die österreichische Regierung hat, wie dieKreuze Zeitung" mittheilt, bei der rumänischen Beschwerde geführt wegen des Ueber- falles, den bulgarische Aufständische am 29. Mai aus den DampferRadetzky" der Donau-DampfschifffahrtS-Gesellschast ausgeführt haben. Die Leute waren auf dem rumänischen (linken) Donauuser eingestiegen und zwangen den Capitän zur Landung an einer bestimmten Stelle des türkischen (rechten) llfers, wo feine Station war. Der Handstreich scheint also von Mannschaften ausgeführt zu sein, die aus rumänischem Boden für den Aufstand in Bulgarien angeworbeu waren.

Ararckreich.

Paris, 12. Juni. Diesen Morgen fand bei Mac Mahon in Ver­sailles ein großes Frühstück zu Ehren des Großfürsten und der Großfürstin Michael von Rußland statt. Der Kriegs-Minister hat die militärischen Meffen auf dem MarSfelde verboten, die der commanbirende General der Ca- vaüerie angeordnet hatte, weil die Kirchen der Stadt und die Capelle des Schlosses für die religiösen Bedürfniffe der Garnison ausretchen.

Paris, 12. Juni. Bei Gelegenheit der Beisetzung der sterblichen Ueber- reste der zehn im Exil verstorbenen Mitglieder der Familie Orleans in der Schloßkirche von Dreux fand dort ein Familienrath statt, welchem fast alle Prinzen von Orleans anwohnten und in dem auch die Politik zur Sprache gebracht wurde. Man war allgemein der Meinung, daß die allein praktische Politik diePolitik der augenblicklichen Entsagung" sei; daß manzur Mo­narchie gelangen werde, indem man die Republik bestehen laste und den Augen­blick abwarte, wo die gemäßigten Republikaner enttäuscht seien und sich zu anderen Verhältnisten zurücksehnten." Der Herzog von Aumale bestand beson­ders auf der Bildung einer Gruppe, die sich der gemäßigten Linken nähere und dazu bestimmt sei, in einem gegebenen Augenblicke dieenttäuschten Republikaner" zu sich zu berufen. Die Prinzen von Orleans wollen demnach eine Politik verfolgen ähnlich der, welche Napoleon III. vor seinem Staats­streich in Anwendung brachte. Dieselbe Haltung haben sie übrigens auch ein­genommen, als das Kaiserreich noch bestand. Sie gingen damals Hand in Hand mit den Republikanern, in der Ueberzeugung, daß sie nach dem Sturz des Kaiserreiches durch die Republik, wenn dieselbe erst einmal abgenutzt sei, wieder an die Gewalt kommen würden.

Paris, 13. Juni. Der Senat berieth heute über den Antrag Parieu's, betr. die Einhaltung der Ausprägung von Silbergeld. Der Finanz-Minister erklärte, er habe die Absicht, die weitere Ausprägung zu sistiren, wenn die Ur­sachen der Silber-Entwerthung andauerten. In der heurigen Sitzung der Budget-Commission gab der Herzog v. Decazes Aufklärungen über die franzö­sische Politik bezüglich der neuesten Ereignisse. Er sagte, er habe große Zu­rückhaltung beabsichtet, dabei aber für die Aufrechthaltung des guten Einver­nehmens zwischen den Großmächten im Sinne der Erhaltung des Friedens gewirkt. Das Werk der inneren Restauration müste das hauptsächlichste Bestreben Frankreichs bleiben.

Paris, 13. Juni. Es wird jetzt osficiell die Nachricht, daß der Sohn und die Mutter von Abdul Aziz umgebracht worden seien, für falsch erklärt; ihr Leben ist keineswegs bedroht. Der türkische Botschafter theilte heute dem Herzog v. Decazes die Depesche über die Reformen in der Türkei mit. In hiesigen officiellen Kreisen ist man gegen diese so rasch ertheilten Zusagen sehr mißtrauisch, da man fürchtet, die Pforte werde nicht im Stande sein, constitutioneüe Formen, die mit Religion, Sitten und Vorurtheilen der Moha- medarier stritten, durchzuführen. Seit heute Abend 6 Uhr tobt ein schweres Gewitter über Paris.

England.

London, 12. Juni. Ans Malta wird telegraphisch berichtet, daß der Herzog v. Edinburgh auf Befehl der Admiralität mit, fehlem SchiffSultan" gestern früh nach der Levante aufgebrochen ist. Andererseits haben die Panzer­schiffeSwiftsure" undJnvincible" Befehl erhalten, in Bälde vom Mittel­meer heimzukehren. Beide Schiffe bedürfen einigermaßen gründlicher Ausbesie- rung. Ein Tag zu ihrer Rückkehr ist noch nicht bestimmt. Die Leuchtschiffe an der norsolker' Küste sind nunmehr mit Brieftauben versehen worden.

Malta, 11. Juni. Das britische Canal-Geschwader hat nach Madrider Depeschen am 10. Juni in unbekannter Richtung den Hafen von Pigo ver­lassen. Eine Anzahl anderer englischer^ Panzerschiffe kreuzt bei Cap Finisterre. Der Contre-Admiral Luard und sein Stab trafen vorgestern auf dem Nepaul hier ein.

Serbien.

Belgrad, 13. Juni. Wegen häufig vorkommenden Grenz-Verletzungen entsandte die Negierung zwei Commiffäre nach Widdin, mit dem Auftrage, über Maßnahmen zur Abhülse mit dem dortigen Pascha zu verhandeln.

Türkei.

Konstantinopel. Ein Rundschreiben des Großvezirs befiehlt den Gouverneuren der Provinzen, sich fernerhin nicht mehr nach den Anordnungen

der abgetretenen Regierung zu richten, sondern neue Weisungen abzuwarten Abermals sollen an 2000 Bosnier auf österreichisches Gebiet geflüchtet fein Wie man in Ragusa versichert, trifft Mukhtar Pascha wieder Vorbereitungen' zu einem Verproviantirungszuge nach Niksic.

Afrika.

Algier, 13. Juni. Das deutsche Geschwader, aus fünf Panzerschiffen bestehend, ist gestern in östlicher Richtung in Sicht von Algier vorübergefahren. Der Aviso Pornrnerania lief in den Hafen ein, um Kohlen an Bord zu nehmen.

Amerika.

Washington, 14. Juni. Der republikanische Präsidentschafts-Can. didat Blauie ist nach ärztlichem Ausspruche auf dem Wege vollständiger Gene­sung. Derutte zeigte dies der Convention in Cincinnati persönlich an. Auf letzterer kommt daher Blaine's Candidatur zuerst in Frage; darnach Bristow's, dann Morton's, dann Conkling's. Nach Berichten aus Mexico wären dir Insurgenten bei Queretaro vollständig geschlagen._______________________

Lokal-Notiz.

Gießen, 15 Juni. Bei dem gestern stattgehabten Gewitter schlug der Blitz in einen Stall in Wieseck ein und tödtete 2 Ziegen, ohne weiteren Schaden an btm übrigen Vieh anzurichten.__

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Vergangenen Sonntag, am 11. d. M-, feierte der kiesige Turnverein sein N StisungSseft aus der romantisch gelegenen Badenburg. Obschon der Himmel am 2J2or;eo trübe und sich zur Abhaltung eines Festes nicht günstig zeigte, so marschtrten trotzdir Punkt 1 Uhr unsere jugendlichen Turner mit fröhlicher Stimmung von der Tuiti' Halle ab.

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Am dritten Pfingstfeiertage hatte sich ein blinder Geiger dicht am Hin- ganqe zum Gesundbrunnen in Berlin aufgestellt und conccrtirte daselbst, während zwei Kassirer daS von den vorübergehenden verabreichte oder hingeworfene Geld ein­sammelten. Der blinde Geiger spielte und sang unterdeß die wehmüthi-ften, klagend­sten Lieder, doch plötzlich hielt er inne, hieb mit seinem Geigenbogen auf de« einen Kassirer ein und brüllte diesen mit den prosaischen Worten an:Dett Bemogeln hört aber nu uff, Oskar, ich hab' ett nu schon dreimal gesehen, bett Du die Pfennige in de Büchse un die Groschens in Deine Westentasche steckst." Kassirer OSkar stand wie versteinert da und vielleicht, weil sein blinder Geiger gesehen hatte, daß er mogeln warf er ihm die Geschäftsbüchse vor die Füße und entfloh eiligst ohne sich von btm ihm gemachten Vorwurf zu reinigen. Das durch diesen Zwischenfall verblüffte Pu­blikum fing nun feinerfeit* an, den blinden Spielmann so scharf zu b.sehen, daß bieitr cs für gerathen hielt, sich mit seinem zweiten ihm treugebliebenen Gehilfen schleunig aus dem Staube zu machen.

(Die Rache der Schwiegermutter.) Berliner Blätter erzählen: Von einer mit dem Ehemann ihrer verstorbenen Tochter sehr unzufriedenen Schwiegermutter war testamentarisch angeordnet worden, daß ihre Enkel, die Kinder der tobten Tochtn, zwar das ihnen aus dem Nachlasse der Großmutter zustehende Erbtheil erhalten sollte^ dasselbe solle jedoch niemals in die Hände des Vaters dieser Kinder, also des Schmit- gersohnes der Testatorin, gelangen, Letzterer solle auch nicht den Nießbrauch des Erbt« seiner Kinder erhalten, die Zinsen sollten vielmehr zum Gericht gezahlt und dort aus- gesammelt werden, bis die Erben großjährig. Sterbe eines der Enkel vor erlangter Majorennität, so sollten die Übrigen Geschwister dessen Erben sein: falls sämmtliche Enkel der Erblasserin vor diesem Zeitpunkt sterben würden, sollte ein Sohn der ries­teren dieselben beerben. Der Schwiegersohn sollte also absolut nichts aus dem Ber- mögen der Schwiegermutter erhalten, so weit dies in deren Macht stand. Der Zufall wollte nun, daß alle fünf Enkel der Testatorin vor ihrer Großjährigkeit starben, der letzte, ein hoffnungsvoller Student, wenige Tage vor dem 21. Jahr an einer auf dem Fechtboden erhaltenen Wunde. Für diesen waren Kapital, Zinsen und Zinseszinsen beim Gericht angesammelt worden und zu einer ganz beträchtlichen Höhe angewachsen. Der Vater, dem die Erziehung der Kinder viel Geld gekostet hatte, verlangte jetzt von dem Nachlaß seines Sohnes wenigstens das ihm gebührende Pflichttheil, weil bie Großmutter seiner Kinder ihm dies gesetzliche Recht durch ihre testamentarischen Be­stimmungen nicht dabe entziehen können. Der Vater ist aber abgewiesen und dal ganze, fast zwanzig Jahre angesammelte Geld dem Onkel des letztverstorbenen Studenten ausgehändigt worden, weil der Vater, da er sich gar nicht hatte denken können, bag alle seine blühenden Kinder vor erlangter Großjährigkeit sterben würden, das Testament seiner Schwiegermutter, als natürlicher Vormund seiner Kinder, vorbehaltlos vor Gericht anerkannt und sich damit das Recht vergeben hatte, für seine Kinder statt M belasteten Erbtheils das Pflichttheil aus dem Nachlaß der Großmutter zu fordern. Er hatte seinen Kindern das ganze Erbtheil erhalten wollen, dafür hatte weder er, noch eins seiner Kinder etwas, vielmehr der feindliche Onkel Alles erhalten. Du Vater hatte sogar versäumt, vom Gericht aus dem Vermögen der Kinder einen ange­messenen Zuschuß zu deren Verpflegung und Erziehung zu verlangen, der ihm sicherlich bewilligt worden wäre. Jetzt nach dem Tode seiner Kinder konnte er nachträgllch andi nicht einmal mehr diese Forderung stellen und- mußte mtt ansehen, wie sein Fein» lachend das große Erbe seiner Kinder einstrich und so die Rache der Schwiegermutter zur Vollendung brachte.

(Gin seltsamer Mensch.) DieGeraer Zig." berichtet: Am 10. d. gegen Abmd erhängte sich hier in seiner Wohnung, Töpfergasse 10, der Hadernsammler Wunder Derselbe trug in gewisser Beziehung seinen Namen mit Recht; er besaß nämlich u eine Brustdrüse und das Herz hatte er nicht, wie die Übrigen Sterblichen, auf k linken, sondern auf der rechten Seite. Diese anormale Bildung sinneS Körpers n* auch die Veranlassung, daß er vor einer längeren Reihe von Jahren ip bet Jenaisäe^ Klinik längere Zeit zur Untersuchung und Beobachtung untergebracht war, und soll ü Fachkreisen der Körper des Verstorbenen alS einzig in seiner Art bezeichnet wo de' sein. Bet der in (Sera tagenden Versammlung der Aerzte wurde Wunder öfters requirr!

Am 7. Juni, Abends, ist Emrlie Jahn, geb. Hentsch, Wittwe des £ut osterS Jahn, in Freiburg a. d. Unstrut nach kurzem Leiden entschlafen. Sie binurlif: eine Tochter und deren zwei Söhne als Nachkommen. Die erste Gattin Jahn's, Helm! Kollhos, war eine Mecklenburgerin, deren Sohn Siegfried Jahn in Nordamerika unter nicht glänzenden Verhältnissen lebt Die jetzt verschiedene Gattin lernte Jahn io Solberg kennen, als er dort internirt war. Sie, war geboren am 2. Mai 1802, olß 74 Jahre alt geworden.___

Eingesandt.

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Halle ab. ' JtC I"®Garfin,

Auf der Badenburg angekommen, wurden sofort durch den Turnwart Demut! 25q

die Frei- und Ordnungsübungen vorgenommen, welche mit größter Präcifion au3|<:mofo(r. Jen 11. führt wurden. Hierauf hielt der erste Sprecher Philipp Uhl die mit Begeistert h 0U(H

auf genommene, unten folgende Ansprache. Turnwart Demuth, unterstützt von W $ I- B. « ei wählten Preisrichtern ließ nun die zum Preisturnen sich gemeldeten Turner antrfI, und mit den Hebungen beginnen. Dieselben wurden mtt der größten Gewandtheit att- i geführt und ernteten sämmtliche Preisturner allseitigen Beifall- Auch spielte die hiesig j«. Regiments-Musik, unter Leitung ihres tüchtigen Eapellmeister Krausse, in W Zwischenpausen recht wacker und brav, unb wurde zum Schlüsse beim Heimmaria. $Ont $eni( auf der Wellersburg ein brillantes Feuerwerk abgebrannt. Der Zug bewegte sich in , wS $0 Den ly, . größter Ordnung, unter den Klängen der Musik durch die Stadt nach der Wohnvns ; . «i $ W von R des ersten Sprechers, woselbst die Vereinsfahne abgegeben, und von da zurück w ,e-j^cr (Sflh Pöschel 'S Bierhalle. Auch hier hielt die Musik noch einige Vorträge, bis enbM®lDtrft.i, e

in der gehobensten Stimmung sämmtliche Festtheilnehmer auseinandergingen.

Ansprache:

Euch allen, von Ferne und Nahe, ein herzlich und fröhliches Gut Heil! Turner! J

Die Ursache, sowie der Zweck unseres so zahlreichen Zusammenseins, ist, Ihnen wohl allen bekannt sein dürfte, unser 29. Stiftungsfest, welches wir heute in einer würdigen, von echt turnerischem Geiste beseelten Weise feiern wollen Gerrtp, ein erhebendes Gefühl muß uns alle, speciell aber Gieß enS Turner, beschleichen, wem