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16.4.1876 Zweites Blatt
 
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1896

Zweites Blatt. Sonntag, beit 16. April

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Spedition r S ch u l st r a ß e, Lit. B. Nr. 18. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

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Darmstadt, 13. April. Im Finanz-Ausschuß zweiter Kammer scheint sich die Ansicht, daß eine gründliche Revision unserer, in mehr wie einer Be­ziehung mangelhaften Einkommensteuer-Gesetzgebung nur dann durchführbar sei, wenn man das Princip der allgemeinen Declarations-Pflicht annehme, Bahn brechen zu wollen, wenn auch die Regierung vorerst noch an dem Standpunkt festhält, daß die Declarations-Pflicht nur auf die neu einzuführende Cap'tal- Steuer zu beschränken sei.

Darmstadt, 13. April. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben zum Besten der Waflerbeschädigten in Heiderheim und Umgegend die Summe von 1700 Mark aus der Cabinetskaffe allergnädigst zu bewilligen geruht, welcher Beitrag dem Hülsscomito zugestellt worden ist.

Berlin, 13. April. DieNeue Fr. Pr." vom 12. d. Mts. bringt einen sehr heftige^ Artikel gegen Rußland. Es heißt in demselben:Rußland wünscht nicht nur die Fortdauer des Ausstandes, sondern dessen Verallgemeine- rnng, und, wie wir positiv zu wisien glauben, ist in jüngster Zeit in Peters­burg beabsichtigt worden, durch einen Regierungs-Erlaß die Einfuhr von Waffen nach Serbien durch russisches Gebiet ausdrücklich zu gestatten. Es soll dem dmtschen Reichskanzler bis jetzt gelungen sein, das Petersburger Cabinet von dieser officiellen Parteinahme für den Aufstand in den türkischen Provinzen ab­zuhalten. Sicher ist, daß die Verstimmung in Petersburg gegenwärtig sich in Leitartikeln russischer Blätter ganz in derselben Weise wie gegen Oesterreich gegen Deutschland Luft macht." So das Wiener Blatt, dem die Verbürgung feiner Nachrichten überlassen bleiben muß. Auch der russischeGolos" führt eine keineswegs beruhigende Sprache und sagt, Rußland wird fortfahren, der treueste, uneigennützigste Beschützer der christlichen Unterthaueu der Türkei zu bleiben. Diese seine uralte Rolle kann Rußland keinerlet Bündntffen zum Opfer bringen.

Worms, 13. April. Der hiesige Gymnastal-Lehrer und Hülfs-Pre- diger Dr. Dender ist als ordentlicher Professor der Theologie, insbesondere als Lehrer der Dogmatik, nach Bonn berufen und wird bereits mit dem näch­sten Semester seine Lchrthätigkeit dortselbst beginnen.

Hirschberg in Schlesien, 11. April. Vorgestern haben die hiesigen Altkatholiken zum letzten Male in der heil. Geistkirche Gottesdienst gehalten, der nächste soll in der ihnen durch Ministerial Entscheid vom 27. v. MtS. zu- gesprochenen Annakirche stattfinden, deren Uebergabe binnen drei Tagen dem katholischen Kirchen-Vorstaude unter Androhung von Zwangs-Maßregeln aufge­geben worden ist.

Wien, 13. April. Die gestern verbreiteten Gerüchte von einer unga-^ rischen Mnnster-Krisis sind sicherem Vernehmen nach unbegründet.

Wien, 13. April. Gegenüber den beunruhigenden Voraussetzungen eines Wiener Blattes kann diePolit. Corresp." auf das Bestimmteste versichern, daß die Cabinette voll Wien und Petersburg in ihren Pacifications-Bestrebun- gen nach wie vor Hand in Hand gehen und bisher weder in den Anschauungen noch im Vorgehen der beiden Regierungen die geringste Differenz zu Tage ge­treten sei.

Ilrankreich.

Paris, 12. April. Wie ich aus guter Quelle erfahre, werden biS Ende dieses Jahres alle neuen Festungsbauten und die ganze Neubewaffnung der Armee beendet sein. Die für diesen Zweck auf dem gewöhnlichen Budget eher der Liquidationsrechnung eröffneten Credite reichen selbstverständlich nicht «us; man verschaffte sich aber die nöthtgen Hülfsquellen dadurch, daß man linen Theil der Soldaten beurlaubte und die gemachten Ersparnisse auf die »ußerordentlichen Arbeiten und Rüstungen verwandte. Schon seit längerer Zeit ein großer Theil der einzelnen Compagnieen nur 20 bis 25 Mann stark.

Paris, 13. April. DieSemaine Religieuse" und nach ihr das .Uilivers" bringt das Ergebniß der fünf bis jetzt erschienenen Listen der für die katholische Universität Lille aufgebrachten Zeichnungen. Dieselben betragen 3,175,675 Frcs., was dieSemaine"mit gerechtem Stolze" meldet, und es lihrt allerdings, wie gewaltig die Ultramontanen in den Geldklsten der Nord- sranzosen sind. Die Zahl der frommen Zeichner beträgt im Ganzen 3043, unter demn einzelne Posten Gesellschaften von 5, 500 und 1000 Personen an- -ch^ren. Mit vorzüglichem Stolze bezeichnet dieSemaine Religieuse" die huee, die auf diesm Listen neben der Verwaltung und dem Rlchterstande dränge.

Fiußland.

Petersburg, 12. April. DerGolos" äußert sich voll Anerkennung übe-r die deutsche Politik und sagt in Bezug auf das Verhältniß Deutschlands W Rußland, die best hende Freundschaft entspreche den Jntereffen beider Län­

der und sichere den allgemeinen Frieden. Verschiedene Zeitungen besprechen den Artikel derArmy- and Navy-Gazette" über die Ausweisung des britischen Eapitäns Burnaby aus Khiwa und verweisen auf die Mittheilung einer Peters­burger Correspondenz derNordd. Allg. Ztg." vom 9. April, der zufolge die Ausweisung auf die Beschwerde des Khans von Khiwa erfolgt ist und Durnaby mit allen Paß- und Legitimations-Eventualitäten ausgewiesen war.

Petersburg, 13. April. DasJournal de St. Petersbourg" ist auf Grund amtlicher Mittheilung von Wien zu der Erklärung ermächtigt, daß die dem General-Feldzeugmeister v. Rodich zugeschriebenen Aeußerungen üb«r Rußland aller Unterlage entbehren.Golos" unterzieht die Friedens-Kor- schläge der Insurgenten einer eingehenden Prüfung und stimmt der von ihnen angeregten Einsetzung einer internationalen Executiv - Commission an Ort und Stelle zu.

Serbien.

Belgrad, 12. April. Ein Volkshause machte vorgestern eine Demon­stration vor dem österreichischen Consulats-Gebäude. Zwei Bewohner desselben wurden durch Steinwürfe verletzt. Die österreichische Regierung hat sofort Genugthuung verlangt.

Rumänien.

Bukarest, 12. April. In Folge des Ausfalles der Senats-Wahlen überreichte das Ministerium dem Fürsten sein Entlassungs-Gesuch.

Türkei.

Konstantinopel, 13. April. Nach einerkDepesche Haydar Effendi's an die Pforte vom 11. April hatten die türkischen Truppen bei Kayain an der Save ein Gefecht mit einer Schaar von ca. 1000 Insurgenten; nach einem dreistündigen Kampfe seien letztere mit Zurücklassung von 150 Todten und eben­soviel Verwundeten geflohen und hätten sich teilweise in das Gebirge zurück­gezogen ; der Verlust der Türken betrug nur 3 Todte und 6 Verwundete. Ghabb Bey ist zum Finanz-Minister ernannt und zum Range eines Pascha er­hoben ; Duffuf Pascha ist zum Minister der Staars-Archive ernannt.

Kriechenland.

Athen, 12. April. In dem bekannten Simonie-Processe ist das Ur- theil verkündet worden. Der Exminister Nikolopulos wurde zu zehnmonat­lichem, Exminister Valasopulos zu einjährigem Gefängniß, Letzterer außerdem zu einer Geldbuße von 52,000 Drachmen und zum Verlust der Ehrenrechte auf drei Jahre verurtheilt. Die drei Erzbischöfe haben an den Armenfonds das Doppelte der resp. Bestechungssumme zu entrichten. Der König reist am 22. v. Mts. ab und begibt sich über Triest zuerst nach Kopenhagen.

Aegypten.

Alexandrien, 12. April. In einer gestern abgehaltenen Versammlung von Inhabern ägyptischer Obligationen wurde ein Comitö ernannt, welches den Khedive um Aufklärung hinsicktlich der Finanzlage bitten soll. Heute findet eine Versammlung der französischen Colonie, morgen eine internationale Ver­sammlung statt, um die Intervention der Mächte nachzusuchen.

Amerika.

New - Nork, 12. April. Wie hiesige Zeitungen melden, ist gestern Newlarods (?) auf dem rechten Ufer des Rio Grande von den mexicanischen Insurgenten eingenommen worden.

Washington, 12. April. Das Repräsentantenhaus hat die Bill, bett- die Silber-Scheidemünzen, mit den vom Senat angenommenen Amende­ments genehmigt.

Lokal-Notiz.

Gießen, 13. April. Der Schwurgerichtshos der Provinz Oberhessen hat weiter in seinen bis heute fortgesetzten Sitzungen in den nachbemerkten Anklagesachen erkannt:

Am 7. April, gegen ßabemetfier Johannes Kautz zu Gießen, wegen Ver­brechens und Vergehens int Amte, Gefängnißstrafe von 7 Monaten.

Denselben, gegen Fvrsiwart Heinrich Christ au von Echzell, wegen Forst­frevels und Verbrechens im Amte, Gtsängnißstrafe von 1 Monat; wegen der auf Bestechung gerichteten Anklage wurde derselbe von den Geschworenen fürNichtschuldig- erklärt, weshalb durch den Gerichtshof Freisprechung erfolgte.

Nm 8. April, gegen Johann es Siebert vot Rommelshausen, wegen ein­fachen Diebstahls, Gefängnißstrafe von 8 Tagen.

Den 13. April, wegen Bettugs, Utkundenfälschung nnd Meineids wurde etkannt: 1 flegen Wilhelm Jeckel von Büdmgen, Zuchthausstrafe von 41/3 Jahren und

Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 3 Jahren,

2. gegen Heinrich Bär H. von Wenings, Gefängnißstrafe von l'/s Jahr und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 2 Jahren,

3. gegen Johannes Hiltz von Gelnhaar, Zuchthausstrafe von 1 Vs Jahr und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 2 Jahren,

4. gegen Conrad Löffler III. von da, Zuchthausstrafe von l'/r Jahr, Aber-