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AravLreich.

Paris, 8. December. Die Erklärungen des Fürsten Bismarck, Parla­ments- wie Tischreden, werden eifrigst besprochen und haben das seltene Glück, von allen Seüen mit Beifall ausgenommen zu werden, vielleicht gerade des­halb, weil ihre beiden Theile einander so das Gleichgewicht halten, daß Deutsch­lands nentrales Wohlwollen nach allen Seiten gesichert erscheint. Selbst russische und türkische Kreise unserer Stadt sind gleichmäßig von ihnen befriedigt. Daß bei den vielen Auslegungen so Manches mit unterbelegt wird, kann nicht fehlen.

Paris, 10. December. Dufaure hat Jules Simon das Ministerium des Innern angeboten. Dieser beruft sich aber auf die Beschlüsse der Linken und verlangt den Rücktritt des Kriegsministers Berthaut. Die Bildung des Cabinets wird in Folge dessen sehr schwierig.

Die ministerielle CombinationDufaure-Jules Simon" scheint gescheit tert. Die Linke wird morgen über die Minister Krisis interpelliren.

Paris, 10. December. Der Schritt Dufaure's bei Jules Simon ist gescheitert, da die Linke den Rücktritt Berthaut's vom Kriegsministecium und den Dufaure's vom Justizministerium verlangt.

Versailles, 9. December. Die Deputirten-Kammer setzte heute die Berathung des Einnahme-Budgets fort. Die äußerste Linke sprach sich gegen das Verbleiben Dufaure's und Berthaut's im Ministerium aus.

England.

London, 8. December, 3 Uhr Nachm. Soeben schloß die erste Abthei- lung der sogenannten nationalen Conferenz; die Fortsetzung wird in einer Stunde ausgenommen und mit einer Rede Gladstone's schließen. Der Saal war über­füllt. Der Herzog von Westminster führt den Vorsitz. Viele Geistliche waren anwesend. Nur Unterzeichner des Conferenz-Programms wurden zugelasien, Gegenreden blieben ausgeschlosien. Der Vorsitzende bemerkte, die Versammlung sei zwar kein Partei-Meeting, doch werde sie zeigen, daß die Nation wenig Vertrauen zu dem Ministerium, insbesondere zum Premier, habe; sie solle den Türken beweisen, daß dieselben als Verletzer des Pariser Vertrags dessen Zu­sagen betreffs der Unabhängigkeit und Selbstständigkeit verwirkten, daß England nicht für sie kämpfen werde, sich mit Rußland eher gegen als für sie verbün­den solle. Sämmtliche folgenden Redner, darunter die Parlaments-Mitglieder Campbell, Richard, Simon, Asheley, Bischof von Oxford, nebst anderen Geist­lichen und Laien, sprachen in demselben Sinne. Der Charakter der Conferenz war genau der früherer ähnlicher Versammlungen.

Loudon, 9. December. Ein Supplement derAmts-Gazette" bringt eine königliche, von heute datirte Proclamation, die das Parlament zum 8. Februar einbruft.

DasReuter'sche Bureau" meldet aus Athen vom 9. December den Sturz des neuen Ministeriums, da in Folge der Abstimmung über ein Ver­trauens-Votum 85 Stimmen gegen und nur 57 Stimmen für das Ministe­rium fielen.

Neigten.

Brüssel, 9. December. DerNord" bespricht die augenblickliche Lage und constatirt, daß die Haltung der Mächte der russischen Politik große Actions­freiheit gewähre, aber gerade dies erlege Rußland die doppelte Verpflichtung auf, sowohl die Aufgabe, deren Lösung Rußland begonnen, durchzuführen, als auch nicht eher zum Kriege zu schreiten, außer wenn es kein anderes Mittel gibt, zum Ziele zu gelangen. Rußland trete in die Conferenz ohne eine von vornherein gefaßte Entschließung, es sei vielmehr bereit, sich jeder Combination anzuschließen, welche thatsächlich seine Vorschläge zu ersetzen im Stande ist. Rußland betrachte die Occupation nicht als conditio sine qua non. Der Nord" dementirt ferner die Nachricht derDaily News", nach welcher Ruß­land an die Bulgaren eine Manifest erließ, durch welches es die Occupation Bulgariens ankündigte.

Türket.

Konstantinopel, 10. December. Am Mittwoch wurden zwei Mon­tenegriner bei Midhat Pascha, den sie ermorden wollten, verhaftet und am Dienstag ein Complott, die Entführung des Ex-Sultans Murad nach Odeffa bezweckend, entdeckt und vier Individuen verhaftet. Es scheint nicht unmög­

lich, daß die Mächte über die Organisation Bulgariens, Bosniens und der Herzegowina ein Einverständuiß erzielten, nur betreffs der Garantie-Frage be­stehen divergirende Anschauungen.

Der Marquis v. Salisbury wurde heute vom Sultan in Gegenwart aller hohen Würdenträger des Reiches in Prwat-Audienz empfangen. Salis­bury war vom Botschafter ^>ir Elliot begleitet und wurde ihm vom Sultan ein sehr herzlicher Empfang bereitet. Zwischen Salisbury und Janatieff Zerriebt bis jetzt vollkommene Übereinstimmung. " 9 W

Griechenland.

Athen, 10. December. Das Eintags-Cabinet Deligeorgis wurde von seinen Anhängern im Stich gelassen. Die Kammer erklärte mit 85 gegen 57 Stimmen das Cabinet für die gegenwärtigen Verhältnisse als unzulänglich und erteilte demselben ein Mißtrauens - Volum. In Folge dessen trat das Cabinet zurück.

Amerika.

Mexico, 1. December. Porfirio Diaz ist nach einer am 16. November gewonnenen Schlacht am 30. November in die Stadt Mexico eingerückt und hat sich zum provisorischen Präsidenten erklärt. Der Präsident Lerdo de Te- jada und die Mitglieder der Regierung sind nach Morelia geflohen. Gegen den Präsidenten des obersten Gerichtshofes, Jos6 Maria Iglesias, der in Guana.Juato eine Regierung gebildet und sich zum Präsidenten erklärt hatte, hat Porfirio Diaz Truppen abgeschickt.

New-Aork, 10. December. Nachrichten aus Matamoras zufolge ist der durch Porfirio Diaz abgesetzte Präsident Mexicos, Lerdo de Tejada, nebst seinen Cabinets-Mitgliedern von den Insurgenten gefangen genommen worden. Der Kriegs-Secretär, sowie auch mehrere Anhänger Lerdo's, sollen erschossen worden sein.

Vermischtes.

Mainz, 6. Dec. Von der Gefahr, sichSchmidt" zu nennen, berichtet der Anzeiger" m launiger Weise:Gleichgiltig, ob man sich einen Vater dieses Namens vorher gewählt hat ober nicht, bleibt der Name unter allen Umständen ebenso gefähr­lich für den Usurpator wie für den legitimen Besitzer, rote ein flottes Bürschchen aus der Umgegend erfahren mußte. Der Vater hatte denselben auf die Universität Leipzig geschickt uv-b um wettere zeitraubende Geldsendungen per Post zu ersparen, sofort, ro e man sagt, 600 Thaler rnitgegeben. Der Jüngling dachte wahrscheinlich :Was fchadet's wenn du auch drei Tage spater Doctor wirst, so viel Geld hast Du wohl sobald nicht wieder in der Tasche und das goldene Mainz auch nicht so nahe." Er ging also statt nach Leipzig an dem linken Rheinufer vor Anker und begann lustig und guter Dinge zu fein. Als Rücksicht für feine Familie schrieb er sich aber hier im Gasthofe als Dchmidt" ein. Nun geschah es gleichzeitig aber, daß von Baden her ein Beamter verfolgt wurde, der allerdings den Namen Schmidt mit Recht führte, aber zur Mtt- nabme von 22,000 Mark aus einer Kasse nicht die gleiche Berechtigung erlangt hatte. Das Leben in Lust und Freude des falschenSchmidt" lenkte die Aufmerksamkeit der Polizei auf ihn. ^Man holte ihn sich und befragte ihn, wie er angesichts des graviren- den Umstandes Schmidt zu heißen zu so viel Geld komme. Da stellte sich denn der Zusammenhang heraus und der junge Doctor in spe dürfte sich den Fall zur Lehre nehmen und wenn er 'mal wieder einen kleinenAbstecher" macht, besser thun, durch Studium der verschiedenen Steckbriefe zu vergewissern, welcher Name am unge­fährlichsten ist.

Der König von Birma hat 24 neue Kanonen auf den Schanzen feiner Haupt­stadt Mandalay aufgepflanzt Eine dieser Kanonen ist eine Krupp'sche, auf welche Se. Majestät desGoldenen Fußes" natürlicherweise stolz ist. Neulich ergötzte er sich damit, Geschosse aus diesen Kanonen in den Fluß Jrrawaddy zu feuern. Einige dieser Schüsse waren wohl gerichtet und gewährten demHenn der sieben Regenschirme" be­trächtliches Amüsement. Em Schuß traf einen mit Reitz befrachten Kahn, der sammt seinem Führer versank. Der König war entzückt, denn er schien die Kanone selber ge­richtet zu haben. Nachher wurden Schießversuche auf lange Schußweite vorgenommen. Die Zielscheibe bildete ein Dorf am gegenüberliegenden Ufer des Jrrawaddy. Ganz Mandalay war auf den Seinen, um das Resultat zu beobachten. Nach einigen un­wirksamen Schüssen wurde man gewahr, daß das Dorf in Flammen steht. Die Ein­wohner rannten wie toll umher, und zwar in io komischer Weise, daß der König wie­derum herzlich lachte. Dann kam Se. Majestät auf die kostbare Idee, den Zuschauern auf der Stadtseite der Bucht eine Dosis von Kartätschen zu geben. Die Menge stob augenblicklich auseinander, aber 20 Männer, Frauen und Kinder blieben tobt ober schwer verwundet auf dem Platze, ©e. Majestät war hochvergnügt. Die Kanone entspricht vollständig feinen Erwartungen. Der nächste Verbrecher soll von ihrer Mündung weggeblasen werden. Er hört, daß die Engländer diese summarische Hin­richtungsmethode adoptirt haben. Er will diese Methode so bald als möglich selber prüfen. Nachdem sich Bomben, Granaten und Kartätschen als ziemlich erfolgreich er­wiesen, fühlt sich S. Majestät den Erfordernissen eines Krieges nach Europäischer Art gänzlich gewachsen.

Besondere Aekanrttmachurrgen Bekanntmachung.

Nicht angezeigte Forderungen an den Nachlaß des Valentin Bechtols­heim er, zuletzt in Großen - Buseck, sind binnen 14 Tagen vorn Erscheinen dieses, bei unterfertigtem Gericht anzumelden, bet Meidung Nichtberücksichtigung bei der Nach- laßregulirung.

Gießen, den 30. November 1876. (6456 Großherzogliches Landgericht Gießen.

Erdmann, Landrichter.

Bekanntmachung.

Donnerstag den 21. d. Mts., Morgens 9 Uhr, sollen vor Hachborn, dickt an der Straße nach Fronhausen, 250 Eichen-Bau- und Nutzholz-Stämme von 516 Mtr. Länge und 1736 Centimtr. Durchmesser, alles schon gewachsenes Holz, öffentlich meist­bietend versteigert werden.

Justushütte, den 11. December 1876.

Schulz & Wehrenbold. (6459

Bekanntmachung.

Zur Bezahlung der Zinsen, welche von den bei der hiesigen Spar- und Leihkasse angelegten Kapitalien am Ende dieses Jahres fällig werden, sind nachstehende Termine festgesetzt, und zwar:

Allgemeiner Anzeiger.

1) Mittwoch den 13. December 1876,

2) Donnerstag 14.

3) Samstag 16.

4) Dienstag 19.

5) Mittwoch 20.

6) Donnerstag 21.

7) Samstag 23.

8) Mittwoch 27.

9) Donnerstag 28.

10) Samstag 30.

sowie

11) Dienstag den 2. Januar 1877,

12) Mittwoch 3.

13) Donnerstag 4.

14) Samstag 6.

15) Dienstag 9.

16) Mittwoch 10.

17) Donnerstag 11.

18) Samstag 13.

Die Interessenten werden daher aufge fordert die Zahlungen an diesen Tagen in Empfang zu nehmen und hierzu durch Vor­zeigung der Schuldscheine sich zu legitimiren.

Zugleich wird bemerkt, daß die auf den Donnerstag fallenden Zahltage für die In­teressenten der Stadt Gießen, dagegen die übrigen Zahltage für die Auswärtigen be­stimmt sind.

Die Herren Bürgermeister werden ersucht, dieses in ihren Gemeinden auf ortsübliche Weife bekannt machen zu lassen.

Gießen, am 28. November 1876. (5160 Der Kechner der Spar- und Leihkajse:

Ä e h r.

Versteigerungen.

Donnernag den 14. December, Nachmittags V22 Uhr,

Arbeitsversteigerung zu Garbenteich.

Zur Unteibaltung der Wege zu Garben­teich sollen auf dem Ratbhaus bafelbft Montag den 18. December, Nachmittags 3 Uhr,

50 Cbmtr. klein zerschlagener Steine zu liefern, zu messen und breiten in Accord gegeben werden.

Gießen, den 11. December 1876. (6457 I.

Körner, Bezirksbauaufseher.

werden in der Wohnung des I. Strack an der Wallthorstraße nachverzeichnete Mobilien öffentlich gegen Baarzahlung versteigert:

1 Decoupirsäge, 1 elegantes Buffet mit Aufsatz, 2 dreiarmige Kronleuchter, 2 Bett­stellen, 1 Kleiderschrank, Stühle, 1 Treppen­stuhl, 1 Rauchtisch, 1 Pfeilertisch mit Marmorplatte, 1 Velocipcde, 1 Wasch­tisch , 1 Regulatoruhr, 1 Copirpresse, 1 Kassenschrank, 1 Partie Werkholz, und sonstige Gegenstände.

Gießen, den 10. December 1876. (6446 M. Pilger, Masftverwalter.

Dienstag den 12. und Donnerstag den IZt. December,

Nachmittags 1 Uhr:

Fortsetzung der Versteigerung

6437~)bei A« Culdan, Löwengaffe 106.

Keiigeöotenes.

250 Stück veredelte Birnstämmchen können abgegeben werden im

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