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Dienstag, den 13. Juni

1876.

Mchener Wrzeiger

Aimige- und Amtsbllltt für den Kreis Gießen

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Sammlung (damals vielleicht aus innerer Ueberzeugung) seine Unterschrift gegeben bat, dieselbe nun auch (sei's immerhin nur, weil er eben muß) dem jetzt vottrten Tesetz geben wird. Wir haben schon bei den Wahlen hervorgehobcn, daß der träger des Septennats eben nur der Vollstrecker des Volkswillens, eine KepräsentationSfigur ist, die sich alle Parteien gefallen lassen. Der Marschall- ?räsideut fügt sich eben in die Umstände; er hat weder das Temperament noch die Neigung, sich auf die ungewissen Chancen eines Gewaltstreiches zu ver- laffm, zu dem die Mäßigung der Führer der liberalen Parteien ihm auch absolut jeden plausiblen Vorwand geraubt hat, und so consolidiren sich allmälig die Inneren Verhältnisse Frankreichs und versprecken eine weitere gedeihliche

Groll zu bethätigen, eine erneute Gefahr über Frankreich heraufbeschwören würde. Jenes eitle Selbstvertrauen, das den Krieg von 1870 provocirte, ist längst der Erkenntniß in die wirkliche Sachlage gewichen. Wie weit entfernt die französische Regierung unter diesen Umständen davon ist, auch nur einen Vorwand zu Differenzen mit der deutschen Regierung zu suchen, das zeigte die sofortige Zustimmung des Herzogs Decazes zu den Ergebnissen der Berliner Dreikanzler-Eonferenz, im Gegensatz zu Englands Haltung. Freilich schien es, als ob diese Haltung Englands momentan wieder eine chauvinistische Gegen­strömung zu der Politik des Cabinets erzeugen solle, das Gerücht tauchte auf, der Herzog Decazes wolle seinen Abschied nehmen. Allein sehr bald ist da- Gerücht wieder verstummt und es steht zu hoffen, daß England eine isoltrte Stellung unter den Mächten in Bezug auf die orientalische Angelegenheit ein­nehmen wird. Gerade diese Zurückhaltung Frankreichs wird das Gewicht seine- Votums erhöhen und jede Gefahr einer Entwickelung, bet welcher der zu er­hoffende Gewinn in keinem Verhältntß zur Größe der Opfer stehen würde, die eine Action nothwendig erfordern müßte, beseitigen. Was diese Opfer betrifft, so hat man in Frankreich noch sehr wohl die Ergebnisse des Krimkriegs im Gedächtniß, welche zwar diegloire deS zweiten Empire begründeten, aber an wirklichem Nutzen für die französische Nation herzlich geringfügig waren. Im Innern wie nach außen beobachtet Frankreich zur Zeit eine in hohem Grade weise Mäßigung und das Verdienst derselben gebührt vor allen Dingen den Führern der liberalen Partei, die aus den Ereignissen gelernt haben, sich zu beherrschen und die öffentliche Meinung in ruhigere Bahnen zu lenken.

Das ist nun freilich ganz anders geworden. In aller Ruhe, aber auch in aller Entschiedenheit hat sich in Frankreich eine totale Umwandlung voll­zogen. Man kann wohl behaupten, daß noch niemals in diesem Jahrhundert eine radicale Wandlung der politischen Verhältnisse so geräuschlos stattgefunden hat. Die Parteien haben in diesen Zeiten viel gelernt und das Erlernte trefflich anzuwenden verstanden. Durch die Mäßigung ihrer Führer hat die liberale Partei einen entschiedenen Sieg bei den Wahlen und nach denselben davon­getragen. Aber der größte Erfolg, den sie, den die Sache der Civilisation durch sie erzielte, ist das jüngste Votum der Nationalversammlung, durch Wei­hes das letzte Werk des langen Parlaments, durch welches das Gesetz wegen derFreiheit des Unterrichts" gründlich umgestaltet worden ist und durch reiches der Staat wieder erhalten hat, was des Staate- ist, da- ausschließliche Recht der Ertheilung der academtschen Grade, das Recht der Aufsicht über die Lchule. Dieser Erfolg zeigt, daß die republikanischen Institutionen begonnen haben in Fleisch und Blut der Franzosen überzugehen, daß man seiner Kraft brwußt, entschlossen ist, auf dem betretenen Wege ruhig fortzuschreiten. Man hat längst aufgehört, die Staatsform als solche zu discutiren, man drückt beide Äugen zu über die reactionären Neigungen des Präsidenten Mac Mahon; genug, daß derselbe Präsident, wie er dem Votum der früheren Nationalver-

Geueralvicar Reusch referirte über die Vorlage der Repräsentanz bezüg­lich deS deutschen Rituale. Demgemäß wurde beschlossen, daß das Rituale in allen altkatholischen Gemeinden zu gebrauchen sei, daß aber, wo besondere Ver­hältnisse obwalteten, mit Genehmigung der Repräsentanz andere, in dem Rituale nicht enthaltene Formulare, namentlich solche au- dem Wessenberg'schen Rituale gebraucht werden dürften.

Reusch referirte ferner über die im Auftrage der Repräsentanz herauSge- gebenen Bücher für den altkatholischen Religions-Unterricht. Es wurde be­schlossen, daß die Genehmigung der Repräsentanz erforderlich sei, wenn andere Bücher gebraucht werden sollen, wofern solche nicht staatlicherseits bereits vor­geschrieben seien.

Mehrere Anträge bezüglich Ausarbeitung einer biblischen Geschichte und Einführung der deutschen Sprache bei der heil. Messe wurden abgelehnt. Je-

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Expedition: Schulstraße, Lit. B. Nr. 18.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Poft bezogen vierteljährlich > Mark M Pf.

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Mtn empfehlen sich'- richt Unio-VuchhanU! mann, 3- Ricker.

Darmstadt, 9. Juni. Die erste Kammer der Stände tritt am 17. I. Mts. zu einer Sitzung zur Berathung der Prorogation deS Finanzgesetzes zusammen,, vorausgesetzt, daß dieser Gegenstand bis dahin an dieselbe gelangt sein wird. Weitere Sitzungen finden bis zur Erledigung des Budgets durch die zweite Kammer nicht statt.

Bonn, 7. Juni. Die dritte Synode der Altkatholiken des Deutschen Reiches wurde heute 71/3 Uhr durch einen feierlichen Gottesdienst von Herrn Bischof Neinkens eröffnet. r'

Die erste Sitzung begann um 9 Uhr mit einer Ansprache des Bischof-, in welcher er die Pflicht hervorhob, allseitig an die zu Recht bestehende Ordnung und Verfassung gewissenhaft sich zu binden und bei vorkommenden Differenzen stets aller Erregung sich zu enthalten.

Hierauf fand die Eonstituirung der Synode statt. Zu derselben hatten sich bereits 31 Geistliche und 76 Delegtrte von Gemeinden eingefunden. Zum stellvertretenden Vorsitzenden würde der Generalvicar Reusch ernannt, zu Schrift­führern Bankrath Reusch, Dr. Zirngibl und Pfarrer Höchstem.

Geh. Rath v. Schulte erstattete Bericht über die Ereignisse und den Zu­stand der altkatholischen Bewegung vom vergangenen Jahre.

Diesem Berichte gemäß zählt Preußen 35 Gemeinden und Vereine, Ba­den 44, Hessen 5, Fürstenthum Birkenfeld 2, Bayer« 31, Württemberg 1. Die gejammte Seelenzahl beträgt in Preußen gegenwärtig 20,524, in Baden 17,203, in Bayern 10,110, in Hessen 1042, in Oldenburg 249, in Württem­berg 223. Die Zahl der altkcttbolischen Geistlichen in Deutschland beträgt augenblicklich 60, hat sich also seit der Wahl des Bischofs (Juni 1873) ge­rade verdoppelt.

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Bereit* über

die auswärtigen Beziehungen der Republik? Auch in dieser Be­jahung haben wir die weise Mäßigung anzuerkennen, deren sich wechselseitig MlÖO tit Regierung und die Parteiführer befleißigen. Längst ist das wüste Revanche- isichrei verstummt. Im Innern mag hier und da der Groll gegen den Sieger H 1870 und 1871 weiter gähren, aber allmählig wird auch dieser innere mvll schwinden, je mehr die Einsicht Platz greift, daß jeder Versuch, diesen

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& £ m Durchschnittspreise im Monat Mai 1876.

Hafer M. 18,33, Heu M. 8,31 und Stroh M. 7,08 per 100 Kilogramm.

Gießen, den 10. Juni 1876.

Grotzherzogliches Kreisamt Gießen, v. Röder.

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_ Frankreich, nach Innen und nach außen.

Seitdem die Orientalischen Angelegenheiten die Blicke auf sich gelenkt haben, nehmen die Verhältnisse der Französischen Republik, die bis dahin im Vordergrund des Interesses der politischen "Belt standen, nicht mehr jene ge­spannte Aufmerksamkeit in Anspruch. Und dvu) ist Alles, was seit den Wahlen in Frankreich geschehen, in hohem Grade bedeutsam, freilich nicht in jenem Sinne wie bisher, wohl aber in einem höheren. Was an den Französischen Zuständen unter dem zweiten Kaiserreich hauptsächlich nagt, das war für polt« tische und sociale Feinschmecker der haut gout, der leise Geruch der Verwesung, den da- öffentliche, wie das gesellschaftliche Leben ausströmte, der sich überall in den Journalen, in den Theatern vor Allem kundgab, bis endlich nach dem Sturze des Kaiserreichs in der Commune die Fäuluiß der Zustände in so drastischer Weise zur Erscheinung gelangte.

Aber dar Frankreich der Commune war nur ein Bruchtheil des wirklichen Frankreichs und die entsetzlichen Uebertreibuugen jener Episode, in der das 't oou A. Erhabene den verhängnißvollen Schritt zum Lächerlichen gemacht hatte, riefen -V <lK< heilsame und wirksame Reaction hervor. Nach den Gesetzen der Bewegung,

iJSStafll di! von der Mechanik sich auf das politische Gebiet übertragen lassen, folgte der Ausschreitung nach links, die Ausschreitnng nach rechts, aber diese Aus­schreitung war doch bereits gemäßigt und nickt entfernt an Heftigkeit mit jener |U vergleichen, die ihr vorangegangen. Die schlimmste That der politischen Reaction in Frankreich war das Gesetz über die sogenannte Freiheit des Unter­richts, d. h. über die Trennung der Schule vom Staat oder richtiger der Ucberlieserung der Schule an den Klerus. Mit diesem Gesetz glaubt Rom eine vollwichtige- Entschädigung für alle Kränkungen gefunden zu haben, die ihm der Culturkampf in Deutschland zugefügt hatte; nun war die Zukunft Frankreichs in seiner Hand, jenes Frankreichs, das sich unter dem siegreichen Zeichen des Kreuzes gleich einem Phönix aus der Asche erheben würde.