so ist, mag nur aus den ersten Blick Wunder nehmen. Wenn man sich dagegen vergegenwärtigt, daß auch bei uns in Europa, wo das Schutzzollsystem doch überall nur mit verhältnißmäßig unendlich schwächerer Kraft und während kurzer Perioden geherrscht hat, heute, nachdem die überwiegende Mehrzahl der Gebildeten und durchweg alle regierungsfähigen Parteien der verschiedenen Länder mit jener Theorie längst gebrochen haben, noch immer das Princip der Schutzzölle über eine zahlreiche stets kampfgerüstete und immer neue Abwehr fordernde Anhängerschaft gebietet, so wird man leicht begreifen, daß in China, wo die Abschließung vor den Fremden durch ein Jahrtausend und vielleicht länger die alleinherrschende Theorie gewesen, dieselbe sich in dem Bewußtsein des Volkes so festgewurzelt hat und so sehr zu einer Art patriotischen Dogmas geworden ist, daß die Regicrungsgewalteu und die Behörden des himmlischen Reiches nahezu die Fähigkeit verloren haben, sich der ererbten Tradition zu entäußern. Nur die blutige Sprache der Kanonen wird diese Mauern brechen. Portugiesen und Niederländer haben vor Jahrhunderten mit trotziger Gewalt die Pforten zu öffnen gesucht, aber nur halbe und vorübergehende Erfolge erzielt. Als später England die übermächtige Herrschaft in Indien gewann und auch im östlichen Asien als die einzige surchterweckende europäische Macht gelten durste, fiel diesem Staate die Aufgabe w, Breschen in die Chinesische Mauer zu legen. Die britische Politik aber konnte jedes Zugeständniß nur mit den Waffen in der Hand auf die Dauer Vertheidigen; der Opiumkrieg und der englisch-französische Feldzug gegen China sind redende Beispiele noch in der Erinnerung der Zeitgenoffen. Man mag dabei immerhin zugeben, daß Portugiesen, Briten und Franzosen sich auch gewissenlos über manche Verträge und völkerrechtliche Gebote hinwegsetzten und so die verzweifelte Abneigung der Bewohner des Reiches der Mitte noch steigerten. Andererseits haben die Chinesen für ihren Theil die eingegangenen Verträge gleichfalls oft genug gebrochen und ihnen auf directem oder indirectem Wege zuwidergehandelt. Die Seeräuber, welche europäische Kauffahrteischiffe überfallen, gingen vor den chinesischen Behörden oft genug straflos aus; sie wurden von dieser L-eite in ihrem Handwerk nicht gehindert, wurden vielmehr heimlich wohl häufig begünstigt. Die Mörder europäischer Reisender, Ansiedler oder diplomatischer Vertreter fielen mngesühnt zum Opfer eines Fanatismus, für den jeder chinesische Beamte im eigenen Herzen volle Sympathie trägt; die Verbrecher werden nur nominell verfolgt, thalsächlich vor der Vergeltung geschützt. Die Klagen endlich, welche von den europäischen Firmen gegen die Parteilichkeit der Landesgerichte für die chinesischen Compatrioten in allen Civilproceffen erhoben werden, wiederholen sich Jahr aus Jahr ein und mögen, wenn zuweilen ungerechtfertigt, doch meistens wohl vollauf begründet sein. Mit einem Worte: jene internationale Gleichberechtigung, welche in Europa und Amerika in Handel und Wandel durchweg Geltung hat, wird deutscherseits ihatsächlich nicht anerkannt. Und eine Wandelung dieser Zustände kann man nicht etwa von einem Regierungswechsel oder dem Siege einer einzelnen Partei im Reiche der Mitte erwarten, sondern einzig von der Anwendung eines nachdrücklichen Zwanges. Beschränkte Preffalien, wie die Verfolgung^der Piraten, genügen hier nicht. Es gilt vielmehr einen Kampf gegen den L-taat China selbst, nm ihn zu nöthigen, daß er seine Grenzen dem Handel Europas und Nordamerikas eröffne. Vor einiger Zeit hatte es den Anschein, als ob England für sich allein in eine derartige Verwickelung gerathen würde. Es ist dazu nicht gekommen und das ist gut, weil die Jntereffen anderer concurrirender Völker es nicht vertragen, wenn das britische Handelsmonopol einseitig noch weiter ausgedehnt wird; die Zeit, wo neben dem Colonial-„Kaiserreich" Indien noch ein Kaiserreich China für Ihre Majestät in Windsor erobert werden konnte, ist vorüber. Es handelt sich überall nicht mehr um die blutige Unterwerfung fremder Nationen, sondern einzig um die im gegebenen Falle allerdings nur durch kriegerische Operationen mögliche wirthschaftliche Ausschließung Chinas. Daß diese Grenzen innegehalten werden, dafür bürgt gerade die Vereinigung der fünf Großmächte, deren Jntereffen nur in der dargelegten Wirthschaftspolitik gemeinschaftliche sind, aber in allem Anderen sofort weit auseinandergehen. Und nach alledem würden wir es bedauern, wenn die gegenwärtige Demonstration im Sande verliefe, da hiermit nichts als eine Vertagung des früher oder später unvermeidlichen Kampfes erreicht wäre. Daß durch die „Anna"-Affaire im Einzelnen auch Deutschland in die Verwickelung hineingezogen ist, beziehentlich die deutsche Regierung sich hat hineinziehen lasten, das vermag dem Handel und der Industrie unseres Landes nur zum Vortheile zu gereichen, wie es andererseits dem deutschen Reiche die Stellung wahrt, welche ihm gebührt.
Deutschland.
Darmstadt, 7. April. Das gesummte Großherzogliche Ministerium hat sich heute per Extrazug nach der Unglücksstätte Heidesheim begeben.
Darmstadt, 8. April. Die Nr. 18 des Großherzoglichen Regierungsblatts hat folgenden Inhalt •
1. Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums des Innern, das Maß- und Gewichts-Wesen betreffend.
2. Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums der Justiz, über Abänderung der in der Instruction für die Großherzoglichen Stadt- und Landgerichte, das Hypothekenwesen betreffend, vom 23. April 1859 vorgeschriebenen Formulare Nr. 4, 6 und 7, zur Aufstellung einer Taxation nebst Frazenbeantwortung, Errichtung einer Obligation und Cautionsurkunde (Regierungsblatt Nr. 2 t vom Jahre 1859).
3. Bekanntmachung Großherzoglichen Ober-Consistoriums, die Ergebniste der Verwaltung der allgemeinen geistlichen Wittwenkaffe vom Jahre 1874 betreffend.
4. Dienstnachrichten. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben aller- gnädigst geruht: am 17. März den Lehrer an der Realschule zu Alsfeld, Dr. Otto Schneider, zum Lehrer an der Realschule zu Darmstadt, mit Wirkung vom 15. Aprll l- I. an, zu ernennen; am 22. März dem Schullehrer Bernhard Rapp aus Groß-Zimmern; am 24. März den Hauptsteueramts- Assistenten erster Klaffe bei dem Hauptsteueramte Offenbach, Johannes Rippert, in gleicher Diensteigenschaft an das Hauptsteueramt Darmstadt, den Hauptsteueramts-Assistenten zweiter Klasse bei dem Hauptsteueramte Worms, Johannes Müller, in gleicher Diensteigenschaft an das Hauptsteueramt Offenbach, zu versetzen.
5. Concurrenzeröffnung. Erledigt ist: die zweite Gemeinde-Schulstelle zu Lang-Göns mit einem Gehalt von 771 Mk. 43 Pfg.
Berlin, 8. April. Dem Vernehmen der „Post- zufolge hat der Justiz-Ausschuß des Bundesraths die großen Schöffengerichte für unannehmbar erklärt.
Berlin, 9. April. Man spricht davon, daß Feldmarschall Graf Moltke beabsichtige, sich von seiner anstrengenden Thätigkeit ganz zurück zu ziehen, da 'eine Gesundheit erheblich angegriffen ist und sie ihm wahrscheinlich eine -Wiederaufnahme der Arbeit in ihrem vollen Umfange nicht gestattet. Es heißt daß der Kaiser den Grafen Moltke nicht gern aus der Stellung scheiden sieht' welche der verdiente Feldmarschall so lange Jahre zum Ruhme Deutschlands inne gehabt hat. Wie aber Graf Roon seiner Zeit den Rechten der Natur gehorchen mußte, so wird das auch schließlich bei dem Grafen Moltke der Fall sein. Als der eventuelle Nachfolger des Grafen wird der Generalmajor Graf Wartensleben bezeichnet, welcher zur Zeit als Chef der historischen Ab- theilung des großen Generalstabes fungirt und den Chef des Generalstabes während seines Urlaubes bereits vertritt. Graf Wartensleben hat sich als militärischer Schriftsteller wie in der Ausübung des praktischen Generalstabsdienstes einen berühmten Namen erworben.
Wiesbaden, 8. April. Herzog Adolf zu Nassau hat der hiesigen römisch-katholischen Gemeinde aus Veranlassung des vorläufigen Verlustes ihrer Kirche am Louisenplatze, deren Errichtung der Herzog namentlich durch kosten- rete Überlassung des höchst werthvollen Platzes, sowie durch namhafte Geld- spenden wesentlich gefördert hat, sein Palais am Kursaale, resp. die darin befindlichen Lräle zur Abhaltung von Gottesdienst zur Verfügung gestellt. Dai inzwischen gemiethete Lendle'sche Local an der Fnedrichsstraße wird dadurch nicht überflüssig, da jenes Palais für die große Zahl Katholiken (ca. 13,000 außer den Kurfremden) doch nicht ausreichen würde. Die Katholiken beabsich. tigen nun, ihren Dank noch besonders in einer Adresse an den Herzog zu bethätigen.
Wiesbaden, 8. April. Die altkatholische Gemeinde wählte Herrn Pfarrer Klein aus Linz zum Geistlichen. Morgen erfolgt seine Einsetzung.
Dresden, 8. April. Das „Dresd. Journ." bezeichnet die Nachricht des „Hannöv. Cour." von einer partiellen Minister-Krisis in Sachsen anläßlich der Eisenbahn-Frage als unbegründet und vollständig erfunden.
Hegerreich.
Wien, 7. April. Beunruhigende Nachrichten aus Belgrad, welche dem „Pesther Lloyd" zugehen, finden in hiesigen unterrichteten Kreisen keinen Glauben. Feldzeugmeister v. Rodich erwartet heute die Antwort der Jnsurgenten-Chefs auf die Pacifications-Vorschläge.
Wien, 8. April. Die „Polit. Corresp." enthält authentische detaillirte Meldungen aus Serajevo vom 7. d. Mts. über unerhörte Grausamkeiten, welche Seitens bosnischer Insurgenten an Mohamedanern verübt worden seien. Mehrere Dörfer in Chledna seien von den Insurgenten angezünder, zwei türkische Gensd'armen, sowie ein Wirth mit Frau und vier Kindern in Perzavor lebendig verbrannt, ein gegen die Zumuthungen der Insurgenten widerspenstiger Christ sammt seiner ganzen Familie niedergemetzelt; ferner wurden angeblich in Grahovo zwei Zapties von den Insurgenten lebendig verbrannt, in Pasnitza 200 Häuser sngezündet und die unschuldigen Bewohner derselben verbrannt. Dieselbe Correspondenz widerspricht im Weiteren den Meldungen über ein Scheitern der Verhandlungen mit den Insurgenten; die Einwirkungen auf letz« tere zur Niederlegung der Waffen würden vielmehr fortgesetzt und hoffentlich zu dem gewünschten Ergebnisse führen.
Wien, 8. April. Die Minister-Conferenzen über die Erneuerung det Zoll- und Handels-Bündnisses wurden heute in Anwesenheit des Grafen An- drassy während einer Dauer von nahezu 6 Stunden fortgesetzt.
Kossand.
Haag, 7. April. Die zweite Kammer hat einen Antrag angenommen, wonach die Regierung ersucht wird, mit Frankreich, Belgien und England wegen Abschlusses einer neuen Zucker-Convention Verhandlungen einzuleiten, jedoch nur unter der Bedingung, daß für Holland die volle Freiheit, die Zuckersteuer ganz aufzuheben, gewahrt werde.
England.
London, 7. April. Die Geschworenen haben den Capitän Keyn von der „Franconta" schuldig gesunden. Der Richterspruch wurde vertagt bis das Appellgericht die Competenzfrage entschieden hat.
London, 8. April. Das Oberhaus hat in dritter Lesung die Titel- Bill ohne Amendements angenommen; das Haus hat sich bis zum 27. April vertagt.
Nußland.
Petersburg, 8. April. Die, wie hier angenommen wird, definitiv bevorstehende Zufügung des Titels „Kaiserin von Indien" zu dem Titel der Königin von Großbritannien und Irland wird in politischen Kreisen als in den Verhältnissen vollkommen begründet angesehen, und es heißt, sobald die betr Proclamation erfolgt sei, werde man diese Anschauung von officieller Seite durch entsprechende Aeußerung in London kuudgeben.
Türkei.
Konstantinopel, 7. April. Wie versichert wird, wäre in einer gestern stattgehabten Conferenz zwischen dem Großvezier und dem Finanzminister einerseits und dem französischen und englischen Delegirten andererseits die Grund läge für ein finanzielles Uebereinkommen definitiv feflgestellt.
Ragusa, 7. April. Die Führer der Insurgenten haben heute dem Feldzeugmeister v. Rodich die Bedingungen mitgetheilt, unter welchen sie sich zur Niederlegung der Waffen verstehen würden. Danach verlangen dieselben ein Drittheil von dem Grundbesitz der Begs, Aufbau der Häuser und Kirchen, Versorgung mit Sämereien, Rindvieh und Ackerbaugeräthen, Errichtung von Kornmazazinen mit Vorräthen für ein Jahr, Befreiung auf 3 Jahre von der Zehnt-Steuer, Abzug der regulären türkischen Truppen mit Belassung kleiner Garnisonen in Nicsic, Stolac, Fotscha, Mostar,- Trebinje und Plewje; in jedem der letzteren Orte- sollen russische und österreichische Agenten als Ueberwachungs- Organe refidiren. Ferner wird noch die Garantie seitens aller Großmächte und die vorherige Entwaffnung der eingeborenen türkischen Bevölkerung gefordert.
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