Rothen Kreuzes Mißbrauch treibenden Ruffen habe die russische Regierung auf Verständigung Andraffy's energische Verfügungen getroffen und habe weitere Beurlaubungen verboten. Betrefft der Ausrufung des Fürsten Milan als König von Serbien hätte der Fürst sowohl wie das serbische Cabinet amtlich erklärt, sie wünschten nur den Status quo vor dem Kriege. Das Bestreben der ungarischen Regierung sei: Erhaltung des Friedens ohne Gefährdung der eigenen Interessen und Einvernehmen mit den Mächten, um den Völkern der Türkei ein besseres Loos zu sichern. Die Antwort des Minister-Präsidenten wurde vom Hause beifällig zur Kenntniß genommen.
Pesth, 7. October. Die ungarische Regierung hat die Betheiligung Ungarns an der Pariser Welt-Ausstellung beschlossen; zumeist sollen landwirth- schaftliche, Forst- und Bergwerks-Erzeugnisse ausgestellt werden; die Kosten für die Vorarbeiten sollen durch freiwillige Beiträge der Großgrundbesitzer aufgebracht und von Seiten des Staates ein kleiner Zuschuß gewährt werden.
Hrglarrd.
London, 6. October. Der Rath des Vereins der City'Conservativen hat Anträge angenommen, worin Vertrauen zur Regierung ausgedrückt und die Einberufung des Parlaments für unuöthig erklärt wird.
London, 7. October. Das „Reuter'sche Bureau" erhielt folgende telegraphische Meldungen: Athen, 6. Oct. In Patras, Nauplia, Zante und Piraes haben Demonstrationen zu Gunsten dec griechischen Bevölkerung in der Türkei stattgefunden, wobei auch gefordert wurde, die Regierung solle inilitärische Vorbereitungen treffen; die Bewegung ist noch im Wachsen. Die gegen mehrere frühere Minister erhobene Anklage wegen Wahlumtrieben wurde vom Gerichtshöfe fallen gelaffen. — Belgrad, 7. Oct. Der Zwiespalt zwischen der liberalen serbischen Partei und der Militärpartei, welche letztere sich namentlich aus Russen rekrutirt, ist auf dem Ptinkte angelangt, daß mau einen Ausbruch befürchtet. Die Anhängerschaft der Königs-Proclamirung nimmt in den einzelnen Landes- theilen immer mehr zu; man glaubt, der erste Sieg der Serben könne eine allgemeine Mrnitestation für das Könizthum herbeiführen. Es wird versichert, Ristic thue im Geheimen neue Schritte bei den Vertretern der Mächte in Belgrad, um Serbien zum Waffenstillstand zu nöthigen.
London, 7. October. Das auswärtige Amt veröffentlicht eine Depesche Lord Derby's an den Botschafter in Konstantinopel, Elliot, betreffend die von den Türken verübten Greuelthaten. Die britische Regierung spricht darin ihr Bedauern aus, daß durch die eingegangenen amtlichen Berichte diese Greuelthaten, welche durch keinerlei politische Rücksichten sich rechtfertigen lassen, vollauf bestätigt seien, und ertheilt Elliot die Anweisung, dem Sultan das Ergebniß der Untersuchungen des Botschafts-Secretärs Baring und die Namen der Urheber dieser Misscthaten mitzutheilen; auch solle Elliot auf Bestrafung bezw. Entschädigung, sowie auf Gewährung von Garantien für künftige Sicherheit der christlichen Bevölkerung dringen. Schließlich wird in der Depesche die Ernennung eines energischen Special-Gouverneurs von Bulgarien befürwortet, welcher, wenn auch nicht selbst christlicher Religion, doch das Vertrauen der Christen genieße.
— Der „Times" wird aus Shangai vom 5. Oct. gemeldet: Die chinesische Regierung hat am 17. v. M. die Convention ratificirt, durch welche die Jünnan-Angelegenheit geregelt wird. Das chinesische Amtsblatt drückt das Bedauern der Regierung über die Ermordung Margary's aus und veröffentlicht die Bestätigung des Rechtes der Ausländer, das Innere China's nur unter dem Schutze der Regierung zu bereisen. Diese Proclamation soll im Auszüge bekannt gemacht werden. Die Abgeordneten, welch» das Rechtfertigungsschreiben der chinesischen Regierung an die englische Regierung überbringen, begeben sich direct nach England.
Spanien.
Madrid, 6. October. Alphonso Martinez, früherer Justizminister, hat eine geistvolle Interpretation des Art. 11 der Verfassung in einem für die Protestanten günstigen Sinne geschrieben.
Türkei.
Konstantinopel, 7. October. Die Beschlußnahme der Pforte auf die Friedens-Vorschläge der Mächte ist Letzteren am 6. d. Mts. mitgetheilt worden. — Der russische Botschafter, General Jgnatieff, wird am Montag hier erwartet.
Rumänien.
Bukarest, 7. October. Zur Begrüßung des Kaisers von Rußland begibt sich eine aus dem Minister-Präsidenten, dem Kriegsminister, dem Hofmarschall und einem Flügel-Adjutanten des Fürsten bestehende Gesandtschaft nach Livadia.____________________________________________________________________
L o k a l, N o t i z.
(Schluß des Berichtes aus voriger Nr. über die Dekanatssynode zu Gießen.)
Nach dieser Rechenschaftsablage wurde die Rechnung der Kosten des Dekanats- Ausschusses im Betrog von 62 Mark als richtig anerkannt und das Budget des Dekanats für 1877 im Betrag von 403 Mark 96 Pfennig genehmigt. Der Mehrbetrag ist nur scheinbar, da bisher die Vergütung für die Abgeordneten zur Dekanatssynode von den Lokalkirchenfouds bestritten wurden, während solche in Zukunft aus der De- kanatskasse bezahlt werden sollen.
Ueber den weiter auf die Tagesordnung gesetzten Gegenstand: .Was kann und soll zur Hebung der Katechismuslehre geschehen," lieferte Pfarrer Briegleb von Heuchelheim ein sehr ausführliches Referat, welches den Werth der Katechismuslehre und die darüber in unserem Lande in alter und neuer Zeit gültigen Ver- ordnnngen gründlich beleuchtete- Man erkannte daraus, welche strenge Bestimmungen in der alten hessischen Agende und durch frühere Verordnungen gegeben worden sind. Seine Ansichten stellte der Res. in 3 Thesen zusammen. Bevor an die Discussion über dieselben geschritten wurde, wurde auf Veranlassung des Herrn Superintendenten Habicht die Frage erörtert, ob die Katechismuslehre, wie sie seither üblich gewesen sei, auch fernerhin beibehalten werden solle. Es erhob sich keine einzige Stimme zur Verneinung dieser Frage. Man wies vielmehr darauf hin, wie gerade seit Einführung "^ obligatorischen Fortbildungsschule die Erhaltung der Katechismuslehre von doppelter Wichtigkeit sei. Beseitige man diese während die jungen Bursche zur Befestigung und Erweiterung ihrer Kenntniste in weltlichen Dingen angehaltcn würden, so fördere man den Wahn, als ob religiöse Bildung weniger wichtig sei, als daß Rechnen, Schreiben, die Kenntniß der Naturwissenschaften u. s. w. Gerade in den ersten Jahren nach der Constrmatlon bedürften die jungen Leute der Stütze durch die Religion am meisten, um nicht den mannigfachen Versuchungen, welche an dieselben von allen Seiten ent- gegentretcn, widerstehen zu können- Werde in dieser Zeit der Glaube nicht befestigt, so ser Getahr vorhanden, daß dieses im ganzen Leben nicht geschehe. Einstimmig sprach man sich für die Erhaltung der Katechismuslehre aus.
die Ka echismuslehre bisher besucht haben, e ne große Verschiedenheit in unser?« Lande selbst in unserem Dekanate stattstndet — in manchen Gemeinden hat sich dl- au»ö alte Sitte erhalten, daß der Besuch bis zum 19. und 20 Lebensjahr dauert wäbrend in anderen Gemeinden kaum ein dreijähriger Besuch stattfindet — so wünschte ^er Re? daß 3 Jahre als obligatorisch festgesetzt würden, während den @lmdnben in wetom sich ein längerer Besuch erhalten hat, empfohlen werden möchte bei dieser 'autenfiittr zu bleiben. Von anderer Seite mürbe hinzugefügt, diese Gemeinden könnten ^und sollten durch em Localstatut den längeren Besuch feststellen, dagegen wurde auch bemcr t es würde wohl mehr geleistet werden, wenn man nur einen zweijährigen Besuch verlang, dagegen die Katechisinuslehre von Ostern bis Advent und zwar mit beiden Geschlechtern zusammen halte. Rach längerer Debatte wurde mit Majorität beschlossen man soll, im Allgemeinen bestimmen, daß in allen Gemeinden der biShcriae Usus erhaltenwerden möge. e 1
In den folgenden Sätzen legte es der Ref. den Geistlichen dringend an's Herr den größten Fleiß aus die Katechismuslehre zu verwenden, durch liebevolles Heranbllden der Schuljugend im pfarramtlichen, gewissenhaften Religions- und Confirmanden- Unterrtcht die Jugend zum fretwilligen und freudigen Besuch der Katechismuslehre heranzubilden, und unerläßlich sei weiter ein recht treuer, seelsorgerischer Wechseloer- !^ ^?S-n mit den Eltern, Vormündern, Meisternu^d Vrrscha ttn d kalechismuspfllchttgen Jugend, gelegentlich ermahnender Hausbesuche und sonstigem Umgang. “
Sehr wichtig erschien allen anwesenden Rednern die These, welch- also lautete1
»Ein ganz unumgängliches Bedürfniß ist strenge Mitüberwachung der Katechumenen von Seiten der weltlichen Kircben- oorstandsmitglieder in und außer der Kirche nach den denselben übergebenen schriftlichen Verzeichnissen."
Ref. bemerkt dabet, daß dieses Mittel in seiner Gemeinde überaus wohltbätia gewirkt habe und daß die Mitglieder des KirchenoorstandeS sich auch mit Freuden dieser Obliegenheit unterzogen hätten. Von anderer Seite wurde dagegen Klage geführt daß die Mitglieder des Kirchenvorstandes die Katechismuslehre gar nicht besuchten' Der Commissär des Kirchenregiments bemerkte hierbei, nach § 47 b. der Verfassung gehöre diese Mitwirkung bei der Aufsicht über die Katechismuslehre zu den Dienst- vbliegenh fiten des Kirch-nvorstandes, und diejenigen Mitglieder, welch - darin beharrlich. vielleicht hartnäckig lässig wären, könnten selbst ihres Dienstes durch den Dekanatsausschuß entlassen werden. Man sprach schließlich den Wunsch aus das ffirchenregnn.-nt möge vor Beginn der Katech,smuslehrc im folgenden Jahr eine Ansprache an die Gemeinden und di-Kirchenvorstände erlassen, und denselben diele Anne- Legezeit recht dringend aa's Herz legen.
Die letzte Thes- wurde in folgender Fassung angenommen: „Aufs aUerbrinienbit> zu wünschen ist das endliche Erscheinen des in § 47 der Kirchenoerfassung die Kirchen- zncht regelnden Gesetzes wobei auch die nöthigen Maßregeln gegen die säumige katechis- muspflichtige Jugend festgesetzt ro.rb- ö w
Wie »ohl von einigen Mitgliedern detaillirte Bestimmungen über die Kirchen- iucht vorgeschlagen wurden, so glaubte doch die Mehrz,hl hierauf nicht eingehen zu dürfen, da man über einen so wichtigen Gegenstand nicht nebenbei berathen und beschließen könne.
, . Um so mehr wurde dies erkannt da die meisten Mitglieder der Synode durch beinahe 4stündigen Aufenthalt in der Kirche abgespannt waren. Es wurde deßhald auch die Besprechung über die andere vom Obereonsistorium vorgelegte Frage- Was zur Förderung einer würdigen S o nnta g s fe ie r geschehen könne und I o 11 ? auf bte nächste Synode vertagt.
Schluß wurde noch die Wahl eines Mitglieds b.-s Dekanatsausschusses an bie Steüe oon Pt^roicar O es - r vorgenommen. Pfarrer vr. Seel von Gießen erhielt die absmute Miioritat mit 2t Stimmen. Dabei ist zu bemerken, daß in diesem Falle ebmso gut ein Weltlicher als ein Geistlicher nach der Verfassung hätte erwähl" werden können und daß nicht eine einzige Stimme für einen Weltlichen abgegeben Ede. Gewiß em schönes Zeichen für das einträchtige Zusammenwirken der Geist- lichen und Weltlichen im Dekanat Gießen. Dekan Strack schloß die Verhandlungen mit Gebet.
Vermischtes.
Friedberg. Die Aussichten auf den am 23. und 24. Octvber d. F dahier stattstndenden Fohlen- und Pferdemarkt gestalten sich s e h r g ü n st t g Schon jetzt ist eine große Anzahl von Fohlen und Pferden für den Markt angemeldet und gehen tagtäglich Anfragen von rcnommirtcn Pferdehändlern (Käufern und Verkäufern) ein
Frankfurt, 2. Oetobr. Gestern konnte man auf der Zeil, Allerheiligengasse am Zoologischen Garten Brödchen an Bindfaden an der Hausthürc aufgehängt sehen Dieselben waren so klein ausgefallen, daß die Empfänger sich gedrungen fühlten sie mit RamenSangabe des Backers dem größeren Publikum zur Ansicht zu bringen— Abermals innerhalb Wochenfrist ist aus dem Bezirk des AppellationSgerichts Frankfurt ein Mord zu melde«. Ein Schuhmachergeselle stich nämlich gestern Mittag in einem Wtrthshause zu Rödelheim einem Manne, der ihn ob seines im Zimm-r mit Anderen verführten SeandalS zur Ruhe mahnte, ein Messer in die Brust; der Tod war die Folge dieser Brutalität. - In der Fischergasse mißhandelte ein roher Mensch auf offener Straße seine Frau mit ihren beiden nebenher trollenden Kinderchen. Dies wüste Treiben wurde ihm von einigen Leuten nachdrücklichst untersagt; plötzlich zog er ein Messer und drang auf diese ein. Ein gerade aus einem Hause tretender Metzger fiel dem wüsten Gesellen zum Opfer, denn er stach ihn in den Arm. — Vor dem Ober- mainthor geriethen zwei Arbeiter in Streit, der ebenfalls durch Blut — Messerstich in der Hand — geschlichtet wurde. — In Bockenheim stach ein Arbeiter einem Ändern in einer durch Neckerei entstandenen Rauferei mit dem Messer in daS linke Knie während er von dem Widerpart eine ziemlich große Kopfwunde mit einem stumpfen Instrumente beigebracht bekam. — In Sachsenhausen lebt ein vierblätteriges Kleeblatt, welches zusammen 308 Jahre zählt. Es ist die» nämlich eine Familie H, wovon der älteste Bruder 80, der zweite 78, der dritte 76 und der jüngste 74 Jahre zählt. Sämmtliche erfreuen sich noch einer derartigen Gesundheit, daß sie ihrem Berufe als Gärtner noch bis zur Stunde nachgehen. — Verkauft wurde der „Württemberger Hof" sammt Inventar für 175,000 fl. an Herrn Reuß. — Wie wir vernehmen, soll auf der Reichsbank- Filiale dahier ein Defect von circa 10,000 Mk entdeckt und der Thäker ermittelt worden sein, — Unter Leitung des Impresario Weiser aus Wien wird die berühmte Sängerin Charlotta Patti im Vereine mit Camillo Sivori, Rafael Joseffy und Jules de Swert in den Monaten November, December und Januar in Deutschland con- certiren. (F. A )
Newy ork, 6. October. (Per transatlantischen Telegraph.) Das Postdamvf- schiff des Nordd. Lloyd Main, Capt. G. Neichmann, welches am 23. September von Bremen und am 26. September von Southampton abgegangen war, ist heute 6 Uhr Morgens wohlbebalten hier angekommen.
Für Brückenau.
Unsere Leser wissen von der furchtbaren Feuersbrunst, welche am 14. v. Mts. das Städtchen Brückenau heimsuchte. Nach amtlicher Erhebung sind 144 Wohnhäuser und 80 Nebengebäude zerstört worden und von 1800 Menschen sind 782 obdachlos Der Jammer und das Elend ist nicht zu beschreiben. Mit dem Herannahen der falten Jahredzett wird die vorhandene Noth noch größer. Wenn irgendwo, so ist hier
schnelle und kräftige Hülfe
dringend geboten.
m , ^ir?Jtf£!barum' Kleider, Weißzeug, Betten und namentlich Geld und Nahrungsmittel für die Abgebrannten in Brückenau schleunigst sammeln und an
Herrn Anton Würth, früheren Bürgermeister in Brückenau,
senden zu wollen.
Zur Entgegennahme von Geldbeiträgen sind wir gern bereit.
Die Expedition des Gießener Anzeigers.
Für die Abgebrannten in Brückenau sind ferner bei uns etngegangen: c Fraulein G. 3 M.; Fabrikant Jughardt 10 M-; Balth. Lenz 5 M.; S- 3 M.; v- 5M ; von 4 Kindern P. öl. «. L- durch W- K- 10 M-; Frau Pfarrer Kißner 9 M-; Is/. E). 2 tue.
Um weitere Gaben bittet dringend
Die Expedition dieses Blattes.
77
78
109 96 118 25
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