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Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Expedition: Schulstraße, Lit. B. Nr. 18;

Pi«ris vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Brinqerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

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Darmstadt, 6. Mai. Die Nr. 23 des Gcoßherzoglichen NeqierungS-

iatts hat folgenden Inhalt *

1. Oeffentliche Anerkennung einer edlen That. Am 1. Februar l. I. >lach Albertine Hartmann aus Frankfurt a. M-, wohnhaft zu Mainz, beim Schlittschuhlaufen auf dem Rhein in der Nähe der Gustavsburg ein und würde wahrscheinlich ertrunken sein, wenn sich nicht der Großh. Gymnasiallehrer Pro-- jesjor Dr. Stigell zu Mainz muthvoll und entschlossen auf die dünne Eisdecke zmagt und dieselbe glücklich gerettet hätte.

Se. König!. Hoheit der Großherzog haben dem Professor Dr. Stigell für tiefe muthoolle, mit eigener Lebensgefahr verbundene That das Allgemeine Ehrens pichen mit der InschriftFür Rettung von Menschenleben" allergnädigst zu verleihen geruht.

2. Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums des Innern, die kirch­liche Verordnung über die Taggebühren der Mitglieder der Dekanats-Synode

und der Dekanats-Ausschüsse betreffend.

3. Uebersicht der von Großherzoglichem Ministerium des Innern für das Jahr 1876 genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Communal Bedürfnissen in den Gemeinden des Kreises Heppenheim.

4. Bekanntmachung Großherzoglichen Kreisamts Gießen, die für das Jahr 1876 zur Bestreitung Der Commnnal - Bedürfnisse der Gemeinde Londorf zu

trhebenden Umlagen betreffend.

5. Ordensverleihung.

6. Namensveränderungen.

7. Militärdienstnachricht. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben sllergnädigst geruht: am 21. April den Direktor des Landeszuchthaujes Marien- schloß charakleriflrten Major Scriba zum wirklichen Major zu ernennen.

8. Coucurrenzeröffnungen. Erledigt sind: die zweite Gemeinde-Schulstelle zu Stadecken mit einem Gehalt von 771 Mk. 43 Psg.; die erste evang. Psarr- ßelle zu Gießen, dotationsmäßiger Gehalt 4381 Mk. Dem Stadtvorstande in Gießen steht das Präsentationsrecht zu dieser Stelle zu.

Berlin, 6. Mai. Das Reichskanzler-Amt hat die Absicht, ein gleich­mäßiges Format des Papiers von 32 Centimeter, 1 Millimeter Höhe und 2U Zentimeter Breite für den Gebrauch bei sämmtlichen deutschen Reichs- und Staatsbehörden einznführen.

Das spurlose Verschwinden eines Frachtgutes, welches der Eisenbahn zm Transport übergeben ist, verpflichtet die Eisenbahn Gesellschaft nur zu einer, nach dem reglementsmäßigen Normalsatz zu berechnenden Entschädigung Nur in dem Falle, daß der Beschädigte durch Thatsachen nachweisen kann, daß las spurlose Verschwinden die Folge einer böswilligen Handlungsweise der Nahnbediensteten sei, ist die Eisenbahn-Gesellschaft zum vollen Schadenersatz verpflichtet. Erkenntniß des Reichsoberhandels - Gerichts , 2. Senats , vom 29. März d. I.

Berlin, 7. Mai. Ein höchst eigenthümliches Gerücht macht in diesem Äugenblicke die Runde in der Türkei, nämlich das plötzliche Verschwinden des ilteflen Sohnes des Sultans Abdul-Madschid, welcher nach dem ottomanischen Gesetz der Erbe des Thrones sein würde. Man schreibt dasselbe einer Flucht zu, welche durch die schlechte Behandlung Seitens des Sultans unt> durch du Furcht vor Vergiftung veranlaßt wurde.

Durch den Special-Berichterstatter derJndöp. beige" soll angeblich vährend der Schlacht im Duga-Paß constatirt worden sein, daß die Türken He völkerrechtlich verpönten explosiven Gewehrkugeln schossen. Der Special- Aerichterstatter derJnd6p. beige" überbringt angeblich vom Schlachtfelde Ge- ihosse als corpus delicti an den Präsidenten der Gesellschaft des rothen Kreuzes '.m Genf.

München, 8. Mai. Graf Pocci, königlicher Oberst-Kämmerer, ist Hern Abend in Folge eines Gehirnschlages plötzlich gestorben.

München, 8. Mai. Die sechste Abtheilung der Kammer hat einstim­mig beschlossen, zu beantragen, daß der Reclamation gegen die Wahl in Kandel Walz) nicht Folge zu geben fei.

Wien, 6. Mai. DiePolit. Corresp." theilt die wesentlichsten Punkte H8 Ausgleichs mit Ungarn mit: Das Zollbündniß wird auf zehn Jahre, wesentlich in der gegenwärtigen Fassung, erneuert. Kündigung vor dem neun- tn Jahre ist ausgeschlossen. Bezüglich des allgemeinen Zolltarifes wurde ver­wart, für einige Industrie-Artikel, insbesondere zum Schule der Tcxtil- teuftrie, die Zollsätze den wirklichen Bedürfnissen entsprechend zri erhöhen; hi einigen landwirthschaftl'chen Erzeugnissen die Zollsätze theilweise zu erhöhen W auf eine Reihe von Eonsumtions Artikeln höhere Zollsätze einzuführen. In Oktreff der Verzehrungs-Steuern ist vereinbart, die Verhandlungen über Reform Hs Gesetzes betreffs der Zucker- und Branntwein-Steuer ehestens abzuschließen M den landwirthschaftlichen Brennereien Begünstigungen zuzuivenden. Das

bisherige Quoten - Verbältniß, sowie der Abzug der Steuer-Restitutionen von dem gemeinsamen Zollirträgnisie, werden beibehalten mit der Modifikation, daß beide Reichshälften an der Restitution für exportirten Zucker, Branntwein und Bier in dem Verhältnisse der jährlichen Brutto-Erträgnisse der resp. Steuern participiren. Die Regierungen erkannten sich gegenseitig das Recht auf Errich­tung einer selbstständigen Zettelbank während der nächsten zehn Jahre zu, jedoch soll unter principieller Anerkennung der Einheit der Noten und der Bedeckung in beiden Länder-Gebieten zur ausschließlichen Noten-Ausgabe nur eine Bank- Gesellschaft mit zwei coordinirten Bank-Anstalten in Wien und Pesth und mit einem paritätisch zusammengesetzten Central - Organ ermächtigt werden. Die Bank-Anstalt in Wien erhält 70, die in Pesth 30 pCt. der emittirten Noten zur ausschließlichen Verwendung im Bank-Geschäfte. Die Regierungen formu- lirten ein Programm zur Ausführung dieser principiellen Abmachungen, welches sie in den Verhandlungen mit der betr. Bank-Gesellschaft zur Geltung zu brin­gen bemüht sein werden. Das Programm enthält Punktationen über die Or­ganisation beider Bank-Directionen, sowie einer Central-Organisation über die örtliche Aufbewahrung des einheitlichen Metallschatzes, über welchen nur das Central-Organ verfügt, sowie über die Bildung eines außerhalb der Bank stehenden Control-Organs zur Ueberwachung des Bestandes des Deckungs- Schatzes.

Wien, 8. Mai. Ueber die Ereignisse in Salonichi (siehe unten) wird dem hiesigenTelegr. Corresp.-Bureau" aus Salonichi berichtet: Ein bulgarisches Mädchen, welches zum Islam übertreten wollte, sollte auf Anftif- ten des nordamerikanischen Consuls von einigen Christen mit Gewalt entführt werden. Der französische und der deutsche Consul wurden, als sie auf dem Wege nach der Moschee waren, von dem fanatisirten türkischen Pöbel trotz der schützenden Anstrengungen des Gouverneurs getödtet. Von Konstantinopel ist eine Fregatte mit dem neuernannten Gouverneur Echref Pascha, dem Commiffar Vaha Effendi, dem zweiten Dr.-goman der französischen Botschaft und dem dortigen deutschen Consul nach Salonichi abgesegelt. Es wird versichert, daß die Schuldigen exemplarisch bestraft werden sollen.

Wien, 8. Mai. In Folge einer Erkrankung des Grafen Andraffy ist dessen Abreise bis morgen verschoben worden. Begleiten werden den Minister Freiherr Depondt, Hofrath Teschenberg und Legationsrath Hübner.

Pesth, 8. Mai. Eine imHon" veröffentlichte Erklärung Jokay's fordert die Abgeordneten der liberalen Partei auf, bei der Entscheidung Über den neu abgeschlossenen Ausgleich sich offen und unzweideutig pro oder contra zu erklären, da weder die Regierung noch die liberale Partei sich bei der Ab­stimmung mit einer kleinen Majorität unter Fernhaltung der eigenen Partei- Genossen genügen lassen dürften; er selbst acceptire den Ausgleich, da Niemand etwas Besseres erzielen könnte.

Arankreich.

Paris, 7. Mai. Nach einer Meldung derAgence Havas" aus Salonichi vom 6. d. Mts. wären der dortige französische und der deutsche Consul von Türken ermordet worden; veranlaßt sei das Verbrechen dadurch, daß eine junge Christin, welche zum Islam überzutreten gedachte, durch Griechen gewaltsam den Türken entrissen wurde. Es werden weitere Unruhen befürch­tet ; die Behörden haben noch keinerlei Maßregeln ergriffen und keinen Schul­digen verhaftet.

Paris, 7. Mai. Nach derAgence Havas" hat eine Division der Flotte Befehl erhalten, nach dem Meerbusen von Salonichi abzusegeln.

Paris, 8. Mai. DerAgence Havas" wird aus Konstantinopel tele­graphisch gemeldet: Sofort nach Bekanntwerden der in Salonichi begangenen Verbrechen haben der französische und der deutsche Botschafter gemeinsam voii der Pforte Genngthuung gefordert, welche auch im weitesten Umfange znge- sichert wurde.

Staften.

Rom, 7. Mai. Die vierte und die achtelAbtheilung der Deputirten- Kammer haben die Berathung über die Baseler Convention bereits beendigt; erstere wählte Panini zum Eommiffär mit dem Auftrage, sich für die Ablehnung der Convention anszusprechen, letztere beauftragte Sella, sich für die Annahme zu erklären. Die übrigen Abtheilungen haben ihre Berathung noch nicht ab- geschloffen.

Rom, 7. Mai. Die parlamentarische Rechte (140 Mitglieder) wählte Sella zum Partei-Führer; die parlamentarische Majorität (außer den Ministern 140 Depntirte) überließ dem Munster-Präsidenten Depretis die Ernennung ihres Führers.

Hngsand.

London, 6. Mai. Die Kosten der indischen Reise des Prinzen von Wales belaufen sich, lautVanith Fair", nicht höher als 60,000 Pfund; eine neue Geldbewilligung wird daher nicht nötbig sein.