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Freitag, den 9. Juni

1876

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Anzeige- nnb AmlsblM für den Kreis Gießen

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Badische Bank in Mannheim,

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Die Gefahren für den Frieden.

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Bank für Süddeutschland in Darmstadt, Württemberger Notenbank in Stuttgart.

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Bayerische Notenbank in München, Bremer Bank in Bremen, Breslauer Bank in Breslau, Chemnitzer Stadtbank in Chemnitz, Kölnische Privatbank in Köln.

Danziger Privatbank in Danzig, Frankfurter Bank in Frankfurt am Main.

Hannoversche Bank in Hannover, Leipziger Kassenverein in Leipzig, Lübecker Commerzbank in Lübeck, Magdeburger Privatbank in Magdeburg, Posener Privatbank in Posen, Sächsische Bank in Dresden,

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Brinaerlohn. Durch dis Post bezöge» vierteljährlich 1 Mark M Pf.

fühl dieser Nothwendigkett, dal Gefühl der Unhaltbarkeit der bestehenden Zustände war es, das den Funken des Aufstandes in der Herzegowina zur ver­heerenden Flamme anwachsen ließ. Bei keiner anderen Frage stehen sich die Interessen so diametral entgegen, wie bei dieser und keine birgt daher die Ge­fahr eines kriegerischen Conflictes in sich. Trotzdem gelang es dem Einvernehmen der drei Kaisermächte lange Zeit, einen inodus vivendi für eine gemeinsame Behandlung ^der Angelegenheit zu finden. Wird auch der nunmehr gründlich veränderten Situation gegenüber Oesterreich der einmal eingenommenen Haltung treu bleiben? Cs ist das eine heikle Frage. Graf Andrasiy freilich wird mit der russisch-deutschen Allianz stehen und fallen, aber man hat Beispiele, daß im entscheidenden Augenblicke österreichische Minister nicht allzu fest stehen. Hier liegt eine Gefahr, die nicht unterschätzt werden darf und diese Gefahr ist durch die Haltung Englands heranfbeschworen. Wie die Sachen bisher lagen, zeigte Rußland keineswegs die Absicht, seinen alten Appetit auf Konstantinopel jetzt zu stillen, es war bereit, zu Gunsten der Erhaltung des Friedens die Ausfüh. rung des Testaments Peters bis auf gelegenere Zett zu vertagen. Aber mitt­lerweile ist England sehr zur Unzeit in Action getreten und sehr leicht kann, was es verhindern wollte, die Folge von dem sein, was es gethan. Nun wird es sich wesentlich darum handeln, ob der Kitt, der Oesterreich mit dem ert. Petersburger und Berliner Cabinet verbindet, so haltbar ist, daß die alten traditionellen Wege der österreichischen Orientpolitik verlassen werden oder ob es Einflüffen aller Art, an denen es nicht fehlen dürfte, gelingen wird, eine Wandlung des wandelbaren Wiener Cabinets herbeizuführen. In jedem Fall gehen wir mancherlei Verwickelungen entgegen, deren Tragweite sich heute kaum noch übersehen läßt. Das Mittelmeer wird in diesen Tagen eine Flotte tragen, wie sie in gleicher Ausdehnung bisher schwerlich in seinen Gewässern gesehen worden ist. Es ist das schon sehr bedenklich, dennhart im Raum, stoßen sich die Dinge", und der Anlaß der Zwistigkeiten wird nicht lange auf stch warten lassen. Das aber glauben wir, daß von Oesterreichs Haltung sehr wesentlich die Entscheidung der Frage, ob Krieg, ob Friede, abhängen wird, denn selbstständig werben (selbst -.en Anschluß Frankreichs an England voraus­gesetzt) die Westmächte nicht noch einmal für die Integrität in die Schranken treten.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags Expeditionr Schulstraße, Lit. B. Nr. 18.

Mainz, 6. Juni. Nachdem die Militärbehörde den Angriff der Arbei­ten auf allen Punkten gestattet, wird an der Umsührung der Bahn unter den Festungswerken rüstig gearbeiket. Statt mehrerer Tunnels ist ein einziger adop- tirt worden, so daß das Bahn-Planum innerhalb des Tunnels gerade so hoch wie außerhalb deffelben liegen wird. Der ganze Tunnel wird gegen 1300 Meter lang. Im Haupt-Graben der Citadelle ist bereits der erste Schacht in Angriff genommen, während an dem entgegengesetzten nördlichen Ende, in dem Haupt-

Die besckränkenden Bestimmungen des § 43 des Reichsbankgesehes vom 14. März 1875 sind (nach den im Reichs-Gesetzblatte erschienenen Bekannt- machungen) bezüglich nachstehender Privat-Notenbanken als nicht anwendbar erklärt worden und es dürfen daher die Noten dieser Banken in ganz Deutsch­land, auch außerhalb desjenigen Staates, welcher denselben die Besugniß zur Notenausgabe ertheilt hat, zu Zahlungen gebraucht werden:

Die AussercoursseHung der Scheidemünzen der Thalerwährung betreffend.

TRnu!5 x?0 ?ro9c!ntifc £crJ£$<HenDäbrunfl, der V30, Vis, Vir Thalerstücke, sowie aller übrigen auf nicht mehr als Vir Thaler lautenden Silberscheide- vornlittaa«stunden^^von^8^bis^Itt^Uhr^be?unscredKasse ®rofi^O8l,den Ministeriums der Finanzen °°m 29. Mis. (in Nr. 129 d. Bl.) täglich, in den Gießen, am 6. Juni 1876.

Großherzogliches Haupt - Steueramt.

......., .. . , Die Verwendung der Noten anderer deutscher Privat-Notenbanken oder Korporationen zur Leistung von Zahlungen außerhalb desjenigen Landes. ®(if6letc5, fur WeI|M dieselben zugelafsen sind, wird mit Geldstrafe bis zu 150 Mark bestraft. 10

»RarSanb Um bas Publikum vor Nachtheil zu bewahren, wird dies hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht.

Gießen, am 8. April 1876. c

'III Großherzogliches Kreisamt Gießen.

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Seltsame Erscheinung ! Niemand wünscht den Krieg ; alle Mächte bestreben W ihn zu vermeiden, ihre gegenseitigen Beziehungen günstig zu gestalten, alle trhltfhmni Diplomaten sind übereinstimmend in der Absicht den Frieden zu erhalten; alle ' 1 Men betheuern ihre ernste Absicht in dieser Hinsicht und alle officiellen und Ei»lficiösen Organe widerhallen von friedlichen Versicherungen und dennoch leit Monaten geht gleich einem Gespenst die Kriegsfurcht um : keine Beschwörung ttrmag sie zu bannen, kein Angriff sie zur Ruhe zu bringen. Im Gegentheil, km Tag zu Tage gewinnt sie greifbarere Gestalt, größere Dimensionen. Wenn ikgend eine Angelegenheit erkennen läßt, daß die Dinge stärker sind als die Menschen, so ist es der Verlauf, den die orientalische Angelegenheit genommen

Aus den unscheinbarsten Anfängen hat sie sich entwickelt; eine Handvoll Ksttlbinder empörte sich gegen den Uebermuth türkischer Zollbeamten, aber aus «er Handvoll Schnee wurde im Laufe der Zeit eine Lawine, die sich mit «mierähnlichem Lärm in's Thal stürzt und den Frieden des Welttheils in Irem Sturze zu begraben droht. '

Wenn sonst die Ausdehnung der disponiblen Wehrkräfte diese in allen Maaten Europas zu unerträglicher Höhe gesteigerte Kriegsbereitschaft im tief» |tn Frieden eine stete Gefahr für den letzteren bildet, so ist das bei der orien- >ilischen Frage nicht der Fall. Hier ist es wesentlich ein anderer Umstand, der «stimmend wirkt. Das, waS man gemeinhindie orientalische Frage" zu Wn pflegt, befindet sich seit langer Zeit auf der politischen Tagesordnung mopas. 1856 mißglückte es, diese Frage definitiv zu lösen, man fand im ; Erster Frieden vielmehr lediglich einen modus vivendi für den Augenblick und ® den Kernpunkt der Angelegenheit unerledigt. Ob nun Napoleon III., wie Im« meinen, absichtlich ob er unbewußt gehandelt hat, genug, all' die Men, die ihn beschäftigten, ließ er unerledigt, nie hatte er den Muth seiner -Überzeugung, den Muth der Consequenz: Alles packt er an, hier mit unleug- äuTmW' P" Geschick, dort mit Ungeschick, aber gründlich zu Ende führte er nichts.

- .'M, 7 einen sagten, es sei das weise Absicht, um seiner Politik überall noch wettern Einfluß und die schließliche Entscheidung zu sichern, aber wir heute, wo wir seine Wirksamkeit zu übersetzen im Stande sind, doch nicht Jber Lage, da- Urtheil zu unterschreiben. Uns will vielmehr diese Scheu vor Eonsequenzen seiner Handlungsweise, diese Unklarheit in den Endzielen tor Politik als ein Zeichen jener Schwäche erscheinen, dem das zweite Em- r "ud seine Träger schließlich zum Opfer gefallen sind.

I Die orientalische Frage gehört auch zu den von Napoleon UI. angegriffe- F und unerledigten Angelegenheiten Statt die Ruhe Europas zu sichern, schuf J RrimfrUg nur unhaltbare Verhältniffe und der Pariser Friede leitete eine u ein, die freilich fast zwei Jahrzehnte währte, aber von vornherein wenig 1 Wce auf Dauer bot. So blieb die Lösung der orientalischen Frage ein 1 [Wen, der immer im Hintergründe der politischen Ereigniffe stand. Noth« : PWJ war diese Lösung, nothwendig ist sie in diesem Augenblick und das Ge- j

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