beschlossenen Verfahrens; 5) Betheiligung Verletzter beim Verfahren; 6) besondere Verfahrensarten; 7) Strafvollstreckung und Kosten, in der Commissions- Fassung genehmigt. Zu § 41 lu wird der Antrag Neichensperger's, wonach während der Session kein Abgeordneter verhaftet werden soll, und ein ähnlicher Antrag Ausseld's abgelehnt. Ebenso wird der Antrag Reichensperger'S, den von der Commission gestrichenen § 414a wieder Hermstellen, worin den Verur- theilten das Recht eingeräumt war, sich über ungesetzliche Strafvollstreckung beim Gerichte beschweren zu können, abgelehnt. Hierauf wird auch das Einführungs-Gesetz zur Strasproceß-Ordnung in zweiter Lesung nach den Anträgen der Commission und die Concurs-Ordnung in zweiter Lesung en bloc angenommen. Nächste Sitzung Dienstag.
Berlin, 2. December. Einem .Kreuz-Zeitungs"-Telegramm zufolge hätte England eine Verstärkung der Demarcations-Commisflon auf dem serbischtürkischen Kriegsschauplätze wegen Arbeitssülle beantragt.
Hesterreich.
Wien, 2. December. Ein Petersburger Correspondent der amtlichen „Abendpost" spricht die Hoffnung aus, daß Lord Salisbury von der Pforte auf friedlichem Wege die allseitig gewünschten Garantieen erreichen werde. Die Gemüther der Börsen und Europa möchten beruhigt sein. Rußlands Finanzlage gestatte nicht die Führung eines unnützen Krieges.
Wien, 2. December. Das „Tageblatt" meldet aus Deligrad, daß nach heftigen Debatten im Schooße der zuletzt in Alexinatz tagenden Commission betreffs der neutralen Zone am Timok und an der Morawa eine Einigung erzielt wurde. In den letzten Sitzungen fand namentlich eine sehr erregte Debatte statt wegen der Räumung von Alexinatz und von vier durch die Türken nördlich von Alexinatz während der Waffenruhe errichteten Schanzen. Alexinatz bleibt den Türken, die Schanzen müfien aber geräumt werden. Die Türken zeigten große Gereiztheit gegen den russischen, italienischen und deutschen Com- missar, und ließen dieselbe dadurch fühlen, daß sich die genannten Commiffare mit Etappenkost und einem Heulager begnügen mußten, während die Vertreter Englands, Oesterreichs uud Frankreichs bei Nedjeb Pascha mit allem Comfort einquartirt wurden.
Wien, 3. December Die heutige Versammlung der Verfassungs-Partei hat mit Einstimmigkeit einen Antrag angenommen, wonach dieselbe unter vollständiger Offenhaltung ihres Votums über die anderen den Ausgleich mit Ungarn betreffenden Vorlagen die in dem vor Kurzem veröffentlichten Statuten- Entwurs ausgesührten Grundsätze für die Organisation des Bankwesens als unannehmbar bezeichnet.
Pesth, 2. December, Abends. Im Unterhause erklärte der Minister- Präsident v. Tisza bei Beantwortung einer Interpellation, eS sei nicht seine Aufgabe, das Verfahren der österreichischen Regierung zu kritisiren; solche Kritik würde außerhalb seiner Befugniffe liegen. Die im Mai mit der gedachten Regierung getroffenen Vereinbarungen seien seines Erachtens vortheilhaft für Ungarn und werde er daher fdne Veranlassung suchen, diese Vereinbarungen rückgängig zu machen. Bezüglich der Frage, ob die Regierung geneigt sei, mit der gegenwärtigen österreichischen Regierung in Unterhandlungen zu treten äußerte sich Tisza folgendermaßen: Zum Zwecke einer Aenderung der Gruud- Principien der getroffenen Vereinbarungen werde er mit der österreichischen Regierung allerdings nicht unterhandeln, indessen sei es seine Pflicht, bei solchen Angelegenheiten, welche beide Reichshälsten betreffen, mit der Regierung in Verbindung zu treten, welche vom Kaiser in der anderen Reichshälfte eingesetzt sei Das Haus nahm diese Auslassungen des Ministers beifällig zur Kenntmß, mit Ausnahme der unabhängigen Liberalen und der äußersten Linken.
Arankreich.
PariS, 2. December, Nachts. Mit Dufaure haben auch die übrigen Minister heute Vormittag in Folge der Beschlüsse der Deputirten-Kammer und des Senats ihre Entlassung eingereicht. Marschall Mac Mahon hat dieselben zwar ersucht, ihre Portefeuilles zu behalten, doch ist die Schwierigkeit der Lage vergrößert durch die Meinungs-Verschiedenheiten unter den Ministern wegen der heute in der Deputirten-Kammer beschlossenen Tages-Ordnung.
Paris, 3. December. Das amtliche Blatt wird morgen den Rücktritt des Ministeriums melden, welches jedoch vorläufig im Amte bleiben wird, bis Marschall Mac Mahon über die Ersetzung desselben Verfügung trifft. Dem „Moniteur" zufolge hätte der Herzog Audiffret-Pasquier die Bildung eines neuen Cabinets abgelehnt.
Paris, 4. December. Das „Journal osficiel" meldet, daß die Minister ihr Enllassungs Gesuch überreicht hätten; der Präsident Mac Mahon habe sie gebeten, die Geschäfte weiterzusühren, bis er über das Entlaffungs-Gesuch Beschluß gefaßt hätte.
BersailleS, 2. December. Der Conseil-Präsident Dufaure hat heute Vormittag seine Entlassung gegeben. Die Deputirten-Kammer hat mit großer Majorität bezüglich der Angelegenheit der Civilbegräbnisse eine Tagesordnung angenommen, welche vom Minister des Innern im Namen der Regierung gutgeheißen wurde; jedoch hätte, einem beglaubigten Gerüchte zufolge, nach Schluß der Kammer-Sitzung der Kriegsmister sich über die Motivirung der beschlossenen Tagesordnung, welche einen Tadel gegen ihn enthalte, mißbilligend geäußert. In parlamentarischen Kreisen herrscht große Aufregung.
England.
Loudon, 3. December. Die „Times" schreibt, der Aufsatz Gladstones in der Contemporary Review sei eine Ermunterung Griechenlands, die Türkei anzugreifen, während Rußland gegen die Donau vorrückt. England aber sollte unter den jetzigen verwickelten Verhältnissen die Verantwortung, ja, selbst den Schein solcher Aufmunterung vermeiden. „Spectator" und „Daily News" zollen dem Aufsatze Gladstone's Beifall. Der „Standard" liefert den historischen Nachweis, daß Gladstone die Politik Canning's falsch dargestellt hat. — Der „Economist" spricht bei einer Betrachtung über den ägyptischen Finanz- plan Göschen's seine großen Zweifel an dessen erfolgreicher Wirksamkeit aus.
London, 4. December. Seit Sonnabend wüthen furchtbare Stürme auf der ganzen Insel und an den Küsten, auch wurden bereits zahlreiche Schiffbrüche mit sehr beträchtlichen Verlusten an Menschenleben gemeldet. Der Stand der Themse ist durch die andauernden heftigen Regengüsse stark überschritten, so daß man einen Uebertritt der Themse befürchtet.
— Die Aeußerungen des Fürsten Bismarck bei dem parlamentarischen Diner am letzten Freitag bilden den Hauptgegenstand der Besprechung der heutigen Morgenblätter. Die „Times" legt besonderes Gewicht auf die Aeußerungen des Reichskanzlers über Oesterreich und meint, daß der damit an Rußland gegebene Fingerzeig mächtig dazu beitragen werde, den Krieg zu localisiren. Zugleich empfiehlt das Blatt ein Bündniß mit Deutschland behufs Erhaltung des Friedens, event. Localisirung des Krieges. „Daily News" sprechen sich ganz entschieden gegen die Führung eines „officiösen" Krieges gegen Rußland aus.
— Die „Times" sagt in ihrem Leitartikel: Es gibt Männer, deren einfache Meinungs-Aenßerung werthvoller ist, als umfangreiche Anführungen anderer Männer, welchen ihr stets von Erfolg begleiteter Lebenslauf besondere Stärke verliehen. Ein solcher Mann sei Fürst Bismarck, weil sein Urtheil bei allen internationalen Streitigkeiten, an welchen er sich betheiligte, sich niemals irrte. Er ist die größte lebende Autorität für auswärtige Politik, nur ein gemeiner Argwohn könnte glauben, Bismarck wolle England zum Kriege gegen Rußland treiben, um beide Mächte zu schwächen. Es wäre ein Mangel seines gewohnten Scharfsinns gewesen, wenn der deutsche Reichskanzler eine Macht schwächen wollte, welche tiefe Sympathie für Deutschland hegt, aller Erobe- runassucht vollständig bar ist und, da sie die erste Heimath politischer Freiheit, auch die stärkste Abwehr gegen die Revolution ist.
Türkei.
Konstantinopel. Was die militärischen Maßnahmen Rußlands anbetrifft , so bringt die „Now. W." eine von den Berechnungen des „Golos" abweichende Ordre de bataille. Demnach umfaßt die mobilisirte russische Armee in ihren vier Corps 144,000 Mann, 32,000 Pferde und 438 Geschütze; die aus zwei Corps bestehende Küstenarmee 72,000 Mann, 16,400 Pferde und 219 Geschütze. Die Gesammtstärke der Armee würde sich demnach aus 216,000 Mann bei 49,200 Pferden und 648 Geschützen stellen. Die türkische Armee, welche nach Ablauf des Waffenstillstandes — Alles in Allem — in's Feld rücken könnte, berechnet dasselbe Blatt folgendermaßen:
1) Active Truppen 186i/2 Bataillon, jedes zu 800, 142 Schwadronen, jede zu 136, und 104 Batterieen, jede zu 100 Mann; 1 Pionierregime it, im Bestände von 2 Bataillonen, jedes zu 800 Mann; die Festungs-Artillerie mit einer Bedienung von 16,000 Mann — im Ganzen beliefe sich die Stärke der activen Armee also aus 194,000 Mann. 2) Die Landwehr des ersten Aufgebots 156 Bataillone — im Ganzen 124,800 Mann. 3) Die Landwehr des zweiten Aufgebots 140 Bataillone — im Ganzen 120,000 Mann. 4) Das Corps der Gensd'darmen 65 Bataillone — 52,000 Mann. 5) 1 Bataillon Palast-Grenadiere — 500 Mann. 6) 30 neu formirte armenische Bataillone — 24,000 Mann. 7) 20 neu formirte Bataillone aus dem Vilajet von Sidin — 16,000 Mann. 8) Beduinen aus Damaskus und Palmira — 8000 Mann. 9) Hülfstruppen aus Tunis, Tripolis und Aegypten — 4000 Mann. 10) Baschi- Bozuks, Tscherkessen und Arnauten — 100,000 Mann. Im Ganzen würde demnach die Truppenzahl der Pforte 644,512 Mann betragen.
Konstantinopel, 3. December. Die Minister haben gestern betreffs der Verfassung Berathung gepflogen; die Publication derselben steht nahe bevor. Die französischen Bevollmächtigten zur Conserenz haben mit dem Groß- vezir, dem Minister des Auswärtigen Savfet Pascha und dem als Confereuz- Bevollmächtigten hier weilenden'türkischen Botschafter in Berlin, Edhem Pascha, Besuche gewechselt.
Konstantinopel, 4. December. Die Pforte sandte ihren Vertretern im Auslande folgende Mittheilung zu: Von der europäischen Presse wird die Nachricht von der Meinungsverschiedenheit verbreitet, welche zwischen dem Groß- vezir und zwischen dem Präsidenten des Staatsraths bezüglich der Reformen zu Tage getreten sein soll. Diese Nachricht ist ganz und gar unbegründet, die Ausarbeitung des Neformen-Entwurfes zu Ende; unter den Mitgliedern des Cabinets bestand bezüglich derselben stets das vollständigste Einvernehmen.
Jara, 3. December. Die Mirtditen haben die Waffen zu Gunsten Montenegros ergriffen; türksscherseits ist deshalb die eingeleitete Wegsendung der Truppen vom albanisch-herzegowinischen Kriegsschauplätze eingestellt worden.
Kriechensand.
Athen, 3. December. Der neu ernannte französische Gesandte am hiesigen Hofe, Tissot, ist eingetroffen und hat seine Creditive überreicht. In der Schlußsitzung des außerordentlichen Staats-Gerichtshofes wurde das Urtheil in dem Processe gegen die ehemaligen dem Cabiuet Bulgaris angehörigen Minister verkündet; dasselbe lautet freisprecheud, enthält jedoch den Ausdruck strengen Tadels gegen die Beschuldigten. — Der Alterrhumssorscher Schliemann hat bei Mykenae in dem angeblichen Grabmale Agamemnon's noch neuerdings viele Pretiosen aufgefunden.
Amerika.
New- Uork, 2. December. Im Minister-Conseil wurde gestern über die Situation Süd-Carolinas berathen. Nach einer Depesche deö Generals Ruger unterließ derselbe jede Einmischung in die Organisation der Legislative. Er besetzte das Sitzungs Gebäude auf die Requisition des Staats-Gouverneurs militärisch. Lediglich um den Frieden zu erhalten, beorderte er keine Soldaten zur Ueberwachung des Sitzungs-Saales, sobald der Thürhüter den beanstandeten Abgeordneten den Zutritt verweigert hatte, und zog überhaupt alle Soldaten zurück, sobald ihm die hierauf bezügliche Mittheilung gemacht worden war. Die Beschlüsse des Minister-Conseils sind unbekannt. General Ruger erhielt weitere Instructionen. Der Feuerschaden in New-Orleans wird auf circa 350,000 Dollars geschätzt.
r m i f ch 1 e s. ...... "
Herborn, (an der Köln-Gießener Eisenbahn), den 4. December. Auf den heutigen hiesigen Markt wurden gebracht: 4)1 Ochsen, 304 Kühe und Rinder, 692 Schweine. Der diesjährige WeihnachtSmarkt wird am 22. December und der Neujahrsmarkt am 29. December abgehalten.
* * Ein neues Muster von gedruckten Geburtsanzeigen kam uns heute zu Besicht. Dasselbe lautet: „Verwandten und Freunden meiner Eltern diene zur freudigen Nachricht, daß ich heute Mittag, den 26. November, gesund und wohl das Licht der Welt erblickte. Die Mutter befindet sich den Umständen entsprechend wohl und empfiehlt sich Ihrem geneigten Wohlwollen N. N.
— Ein Kreisphvsikus wollte eine statistische Tabelle über die Sterblichkeit in seinem Bezirke aufftellen und wandte sich deshalb an alle Ortsvorfteher mit der Bitte, sie möchten ihm doch gefälligst mittheilen, wie viele Personen wohl jährlich in ihrem


