Berlin, 4. October. Die „Voss. Ztg." veröffentlicht ein Schreiben des Grafen Hompesch an das Berliner Stadtgericht, wonach die Aussage des Zeugen Matthiä in Sachen Arnim's falsch sei- Hompesch erklärt an Eidesstatt, den Grafen Arnim fast gar nicht zu kennen, mit dem Verleger des Buches „Pro Nihilo“ gänzlich unbekannt zu sein und daffelbe erst, nachdem es erschienen, gelesen zu haben. Daffelbe erklärt Graf Waldbott-Baffenhei« Der Buchhändler Schabelch entkräftet sämmtliche Aussagen deS Matthiä. Dieser sei bei dem Druck des genannten Buches gar nicht beschäftigt gewesen. Schabelch bedauert, daß Matthiä zu falschen Angaben verleitet worden sei und solche beschworen habe.
München, 3. October. In Parkstein (Oberpfalz) wurde von der patriotischen Partei für die cassirte Snlzbacher Wahl ein Wahl-Aufruf angenommen, wonach bei der Landtags-Wahl für Sulzbach nur solche ächt katholische, ächt bayerische Männer aufzustellen seien, die versprechen, der sog. baye- rtsch-pattiotischen Kammer-Fraction fern zu bleiben.
Wien, 2. Octbr. Der „Pol. Eorresp." wird aus Konstantinopel gemeldet: Seitens der türkischen Negierung ist bereits am 27. v. Mts. dem britischen Botschafter die auf die Friedens-Vorschläge der Mächte zu ertheilende Antwort vertraulich mitgetheilt worden ; der hauptsächliche Inhalt derselben wurde hierbei wie folgt angegeben: In Bezug auf Serbien und Montenegro slatus quo Einführung einer Verfassung für das ganze Reich mit Anwendung der in der Note Andraffy's aufgezählten Reformen auf alle europäischen Provinzen der Türkei. Die Grundlagen dieser Verfaffung sollen sein: In Konstantinopel tritt eine Versammlung zusammen, welche aus Wahlen hervorgeht; das Wahl- System gliedert sich in der Weise, daß daS Volk Deputirte für einen Sand- schakats-Rath wählt; die Mitglieder des Lrandschakats-Raths wiederum Deputirte für einen Provinzial-Rath wählen, und dieser sodann die Delegirten für die National-Versammlung in Konstantinopel wählt. Sonach würde Bosnien 6, die Herzegowina 4 und Bulgarien 8, je zur Hälfte mohamedanische und christliche Vertreter in Konstantinopel haben; während der Ferien des Parlaments hätte eine permanente, zur Hälfte aus Christen, zur Hälfte aus Mohamedanern bestehende Ueberwachungs - Commission die Acte der Local-Regierung und die Entscheidungen des National-Raths zu controliren. Endlich sollen alle Zweige der Verwaltung reorganisirt werden.
Wien, 3. October. Sicherem Vernehmen nach wird die Antwort der Pforte auf die Friedens-Vorschläge der Mächte morgen hier officiell mitge- theilt werden.
Wien, 3. October. Der General-Adjutant des Kaisers von Rußland, Graf Sumarakow, ist heute Vormittag nach Livadia abgereist.
Frankreich.
Paris, 4. October. In politischen Kreisen heißt es, daß Unterhandlungen wegen einer Conferenz der europäischen Mächte bevorstehe. Die Mächte sollen in Belgrad und Konstantinopel gleichzeitig auf eine effective Einstellung der Feindseligkeiten hinwirken.
Kelgieu.
Brüssel, 4. October- Der Kongreß und die Ausstellung für Gesund- heitS-Pflege und Rettungs-Wesen ist geschlossen worden.
Türkei.
Konstantinopel, 3. October. In der gestrigen Sitzung des außerordentlichen großen Rathes wurde der Entwurf betreffs der zu verleihenden Reformen und Einführung eines Rational-Rathes von 120 Mitgliedern mit Einstimmigkeit angenommen; dieser Beschluß ist der Genehmigung des Sultans unterbreitet. Nunmehr soll die amtliche Mittheilung der Antwort der Pforte an die Mächte erfolgen.
Kriechentand.
Athen, 4. October. Gegenüber einer von der kürzlich stattgehabten Volksversammlung entsendeten Deputation erklärte der Minister-Präsident Kn- munduros, die geforderten Vorbereitungen erheischten Opfer, welche das Cabi- nct von der Kammer verlangen werde. Eine kluge Politik rathe zur Neutralität; Europa könne die Rechte der griechischen Nation nicht verkennen; ein Abgehen von der Neutralität würde Gefahren nach sich ziehen.
Spanien.
Madrid, 3. October. Die Insurgenten auf Cuba haben am 25. Sept, ein Detachement Soldaten von 200 Mann überfallen und gefangen genommen. Nächstens werden neue Verstärkungen nach Cuba abgehen.
Lokal, Notiz.
Gießen, 5. Octob In der Sitzung der Stadtverordneten vom 20. September wurde Folgendes zur Verhandlung gebracht:
1. Wegen der ferneren Benutzung der durch den Uebcrzug in das neue Realschul- gcbäudc frei werdenden alten Realschule wurden die Commissionsanträge genehmigt und soll nach denselben der untere L-tock für Schulzwecke und die übrigen Räume für die Großh Bürgermeisterei, daS Großh Ortsgericht, da« Großb- Standesamt und für das Siadtbauamt verwendet werden.
2. Zur Correciur der Straße auf dem SelterSberg ist auch Gelände des Herrn Friedrich Büng er erforderlich. Auf den von demselben vorgefchlagenen Tausch gegen dasjenige städtische Gelände, aus welchem sich der f. g Jughards- brunncn befindet, wurde nicht etngegangen.
3. Bei dem Straßenbau zwischen Seltersthor und Neustadt kommt auch ein kleiner Theil des Cigenthums von Herrn Rechner Wittich in Betracht, von dessen Erwerbung aber vorerst abgesehen werden soll-
4. Dem Herrn Kaufmann Wilhelm Seuling ist bet der Genehmigung seines Gesuchs wegen Erbauung eines Hauses im Gartfild an der Schoor zur Bedingung gemacht worden, daß er feinen Neubau 20 Fuß von der projectirten Straße entfernt in die Linie deS im Bau begriffenen Wohnhauses von Herrn Wilhelm Schäfer zu stellen habe und auf die von ihm in Folge hiervon geforderte Zu< sicherung, daß auch bei weiteren Gesuchen die Genehmigung nur für dieselbe Linie ertheilt werde, wurde beschlossen, an Großh Kreisamt zu berichten, daß dem Bauen deS Herrn W- Seuling an die Straßenlinie von Seiten der Stadt nichlS entgegen stehe.
5. Der Bauplan über das von Herrn Fabrikant Bernhardt an der Schoor im Gartfeld zu erbauende Wohnhaus findet Zustimmung und soll das Gesuch befürwortet werden.
6- Herr Jacob Helfenbein hat bei der Ausführung seines Baues in der Schwarzlach die Baulinie um 20 Cmtr. überschritten und auf deSfalls erhobene Anzeige ist beschlossen worden, daß auf Niederreißung deS Hauses und auf Bestrafung bestanden werden soll, weil die abgestcckte Baulinie absichtlich umgangen worden sei.
7. Durch die Feier des 2. September waren von den entstandenen Kosten noch 180 M- 36 Pf. zu decken, welche auf die Stadtkasse übernommen wurden.
8. Als Bürger der Stadt Gießen wurde Herr Schreinermeister Philipp Bauern von Pfaffenschwanheim aufgenommen.
9. Nachdem das Ausweißen der städtischen Schullokale vollendet ist, muß eine außergewöhnliche, nicht zu den Obliegenheiten der Schuldiener gehörige Reinigung vorgenommen werden, über welche Arbeiten die abgeschlossenen Handaccordc vorgelegt und genehmigt wurden.
10. Handaccorde, in Betreff der Anfertigung von Schultischen in die neue Realschule kamen zur Vorlage und erhielten die Genehmigung der Stadtverord- neten-Versammlung.
--Das Gerücht, daß das am Montag in Groß-Buseck ausgebrochene Feuer vorsätzlich angelegt worden, hat sich bestätigt. Es brannten eine Scheune ganz und ein Haus zum Theil ab. Der Brandstifter steckte erst die Scheune und dann sein Haus an. Bei dem Löschen desselben fand man ihn auf dem Boden erhängt Derselbe war vor mehreren Jahren schon wegen desselben Vergehens in Untersuchung, mußte aber wegen mangelnden Beweise« freigesprochen werden.
Vermischtes.
(Main-Weser-Bahn). Das Gesammtresultat des Betriebes gestaltete sich im Jahre 1875 günstiger als im Vorjahre. Die Bahn beförderte im Jahre 1875 19,496 Personen in der ersten Classe, 207,632 in der zweiten Classe, 767,668 in der dritten Klasse und 539,395 in der vierten Classe, sowie außerdem 65,240 Militärs, im Ganzen also 1,599,431 Personen. Außerdem wurden befördert 5522 Tonnen Gepäck, 97 Equipage«, 5174 Hunde, 3815 Pferde, 12,204 Tonnen Eilgut, 1,156,810 Tonnen frachtpflichtiges Frachtgut, 8914 Tonnen Viey, 26 Locomotioen und Tender und 4310 Achsen. Für diese Transporte sind im Ganzen 9,382,242 M. eingenommen, und zwar 307,381 M. mehr als im Vorjahre. Diese an sich geringe Mehreinnahme würde indetz eine bemerkliche Besserung des Betriebsresultates nicht hervorgehoben haben, wenn nicht gleichzeitig die Betriebsausgaben um 1,780,198 M. gefallen und auf 6,846,128 M vermindert wären. In Folge dieses Umstandes hat sich denn ein (Überschuß von 2,536,114 Mark, und für das 51,666,622 M. betragende Anlage-Capital der Main-Weser-Bahn eine Verzinsung von 4.91 Procent ergeben. Der Ueberschuß ist zu 1,736,503 M- der preußischen Staatskasse, zu 811,529 M. der großh- Hess. Staatskafie zugefallen. Zu bemerken ist noch, daß die Einnahmen aus dem Güterverkehr sich niedriger stellen a!8 im Jahre 1874, die Mehreinnahme ist deshalb lediglich aus dem Personen-Berkehr gewonnen.
Gießen. Um Pfingsten l- I veranlaßte die hiesige Feuerwehr die Gründung eines ProvinzialverbandeS, auf Förderung und Ausbreitung des LöschwesenS in Ober- Hessen gerichtet. Letzterer Zweck ist von hier aus lebhaft verfolgt worden In Ermanglung irgend welcher Anregung und Anträge von außen erübrigte dem Vorort lediglich die statutarisch vorgesehene Verbandsversammlung zu berufen, welche mit her Haupt- und Echlußübung verbunden werden und am 22. l- M- stattfinden soll- Die in diesem Blatt wiedergegebene Anschuldigung angeblicher Lässigkeit ist demnach eine schlechthin grundlose.
Der Verbandsvorort.
Temperatur tit Gießen.
September 1876.
Niederste..................+ 1,0 « El.
mittlere................... -s-10,40 „
Mittel früherer Jahre..............+ 10,91 „
höchste...................+18,7 „
Niederschlag: an 23 Tagen........... 4,75 Par- Zoll,
„ im Mittel früherer Jahre an 12 Tagen . . 1,79 „ „
Der stärkste September-Niederschlag, so lange hier beobachtet wird-
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Besondere Bekanntmachungen Bekanntmachung.
Drei Erheb-Register über nachträglich berechnete Communalsteuer für das Jabr 1876 liegen acht Tage lang im Rathhause zur Einsicht eines jeden Interessenten offen.
Gießen, den 4. October 1876. (5155
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. ____________A Bramin._____________
5073) Das Hotel Westendhalle zu Frankfurt a. M., in unmittelbarer Nähe der Westbahnhöfe belegen, soll vom 1. November cr ab auf unbestimmte Zeit im Wege der Submission anderweit verpachtet werden.
Die bezüglichen Pachtbedingungen können in unserem Secretariat, sowie bei der diesseitigen BetriebS-Jnspection zu Frankfurt a. M. eingefehen, auch auf portofreies Ersuchen gegen Einsendung der Cspialgebühren von 40 von uns bezogen werden
Pachtlustige wollen ihre Offerten mit der Aufschrift:
Allgemeiner Anzeiger.
„Verpachtung des Hotel Westendhalle zu Frankfurt a. M."
versiegelt bis zum 14. October cr. hierher einsenden, an weichem Tage, Vormittags 10 Uhr, dieselben im Beisein der etwa erschienenen Submittenten eröffnet werden. Etwa später eingehende Offerten bleiben unberücksichtigt.
Cassel, den 30. Septbr. 1876.
Königliche Direktion
der Mai« Weser-Bahn.
Acilgebotenes.
Feinste
Gothaer Cervelatwurst
empfiehlt (5175
_____Emil Elschbach.
5172) Eleganter Wagen, Verdeck zum versetzen, ein- und zweispännig, ist preiswürdig zu verkaufen bei F. Textor,
a. d. Hardt bei Gießen.
5169) Einen Morgen schönes Grummetgras und Winterlattigpflanzen verkauft ______L. Hartmann, in der Schanz.
Gummi-Schutzmittel.
Feinstes dieser Art- (5163
A. Hirselimann, Hamburg*
Bückinge
Rohesten, <4968
per Stück 12 Pfg., find wieder eingetroffen bei
J. A. Busch Söhne.
5121) Ein getragener, aber noch in gutem Zustande befindlicher Militärrock, ist billig zu verkaufen. Wo? sagt die Exped. d. Bltts._______________________________________
4851) Eine Partie gut erhaltener Fenster, sowie zwei Oefen für Steinkohlen- brand, werden billig abgegeben bei
Zinßer & Schmidt-
5161) Ein der Frau Chr- Meyer gehörender, 7/4 Morgen haltender Acker am ©leiberger Weg, ist zu verkaufen, eoent. zu verpachten- Näheres bei
A. Noll, Mäusburg
5166) Ein neuerbautes dreistöckiges Wohnhaus mit Mansarden und Garten ist unier sehr günstigen Bedingungen zu einem Preise von 34300 Mark zu verkaufen-
Ferner: „ . _ .
Ein Wohnhaus mit geräumigem Laden, mitten in hiesiger Stadt, unter sehr günstigen Bedingungen-
Eine^ü/gutem Zustand befindliche Mühle, zugleich Schlagmühle, mit 3 Mahlgängen und jederzeit reichlichem Wasservorrath, nebst 40 Morgen gutem Ackerland unmittelbar an der Mühle, ist unter günstigen Bedingungen mit sämmtlichem Inventar zu dem Preise von 42,000 Mark zu verkaufen.
Nähere Auskunft ertheilt
I. Blitz in Gießen.


