Wo. TSS Domierstag, ben 5. Oktober 1876.
Kichener Anzeiger
Anzeigk' usd Amtsblatt für -en Kreis Gießen.
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Darmstadt, 2. October. Der gegenwärtige Stand der Beratbungen über den Hauptvoranschlag der Staats-Einnahmen und Ausgaben pro 1876—78
sprüche an den Staat zur Bestreitung der in dem angezogenen Hanptvoranschlag specificirten, seither von dem Staat getragenen Ausgaben für die evangelische lkirche, sowie zur Befriedigung etwaiger Pensionsansprüche der Angestellte» des Predigerseminars der Kirche beseitigt und von der evangelischen Kirche, bezw. dem evangelischen Kirchenregiment vertreten werden, und weiter, daß bei Fest setzung der Pensionen von Angehörigen des Obereonsistoriums und der Superintendenten zu Lasten der Hauptstaatskasse keine höheren Gehalte, als die seither für die betr. Stellen nach den bestehenden Gehaltsbestimmungen zulässigen zu Trund gelegt werden dürfen, und endlich, daß in Betreff der Verwaltung des iju bildenden evangelischen Centralkirchenfonds und oes Staatsznschnsses von 175,000 Mk. jährlich die hinsichtlich der Verwaltung des evangelischen Kirchenvermögens überhaupt bestehenden Bestimmungen Anwendung fiilden; und weiter mit Ausnahme von zwei Mitgliedern: Hohe Kammer wolle: 3) Großh. Negierung ersuchen, baldthunlichst dafür zu sorgen, insoweit etwa uöthig, durch eine Vorlage »och an diesen Landtag, daß die Verwaltung des evangelifcheu Kirchen- vermögens durch rein staatliche Behörden erfolgt und damit die dermalige Doppelstellung des Obereonsistoriums und seiner Mitglieder und Beamten überhaupt und namentlich auch in der Richtung beseitigt wird, daß diese Behörde mit ihren Mitgliedern und Beamten keinerlei staatliche Functionen mehr zu verrichten hat, auch wegen solcher Functionen keinerlei besondere Ansprüche au ben Staat und staatliche Institute und Einrichtungen mehr erheben kann.
Darmstadt, 1. October. Nach den früheren Bestimmungen deö Civtl biener-Wittwen-Jnstituts mußten bei zweiten und weiteren Verehelichungen von
Nack neueren Mittheiluntikn ift die Einwanderung junger Deutschen nach Frankreich seit einiger Zeit wieder in Zunahme begriffen. Bet der fortdauernden Ungeneigtheit der Franzosen, deutsche Arbeiter zu beschäftigen, fallen jedoch diese Leute, welche meist ohne Existenzmittel und kaum der sranzösischen Sprache'mächtig sind, in der Negel nach wenigen Tagen vergeblichen Suchens den dortigen Behörden ober den Hillfsoereinen zur Last. Wir sehen un5 deßhalb wiederholt veranlaßt, Angehörige des deutschen Arbeiterstandes von einer Ueberfiebelung nach Frankreich dringend zu verwarnen.
Gießen, den 3. October 1876.
Grobherzogliches Kreisamt Gießen.
v Röder.
mit den Ausschüffen beider Kammern läßt dem Vernehmen nach erkennen, daß es zur Bestreitung der Staats-Ausgaben wohl nicht erforderlich sein wird, die vermehrten Staats-Einnahmen in Anspruch zu nehmen, welche aus der Einführung der dem gegenwärtigen Landtage vorgelegten Gesetz-Entwürfe, die Kapitalsteuer und die Revision des Einkommensteuer-Gesetzes betreffend, erwartet werden. Die Großh. Regierung hat es daher, wie man uns mittheilt, für wünschens- werth erachtet, daß die Berathung der gedachten Gesetz-Entwürfe nicht bei dem bevorstehenden, sondern bei einem für das nächste Frühjahr in Aussicht genommenen Wiederzusammentritt der zweiten Kammer stattfinden möge und ist dieser Wunsch in einem an den Präsidenten der zweiten Kammer in diesen Tagen gerichteten Schreiben des Großh. Präsidenten bei Gesammt-Ministeriums mit dem Anfügen ausgesprochen worden, daß die Großh. Regierung beabsichtige, auf Grund dec durch die erstatteteu Ausschußberichte gegebenen Anregungen weitere Prüfungen und Erwägungen hinsichtlich der erwähnten Gesetz-Entwürfe eintreten zu laffcu.
Darmstadt, 2. Octbr. Bereits unter dem 16. Mai 1874, beziehungsweise 8. April 1875, hat das Ministerium des Innern durch Verfügung der Central-Stelle für Landwirthschaft angezeigt, daß es die Errichtung einer Landes - Culiur-Jnspectiou und die Anstellung besonderer Landes-Cultur°Jn- specioreii als ein Bedürfnis; anerkenne, und daß beabsichtigt sei, den Ständen die Bewilligung der dazu erforderlichen Gelder auzusinnen, sobald die Organe für die Vertretung der Kreise und Provinzen, denen eine Mitwirkung bei der Organisation des Instituts zufallen müsse, vollständig in Thätigkeit seien. Da nun eine solche Vorlage bis jetzt noch nicht erfolgt ist, so soll der Gegenstand demiiächst in der zweiten Kammer wieder in Erinnerung gebracht werten. — Es werden dermalen Erhebungen angestellt, um Material für eine Vorlage wegen anderweitiger Regelung der Zeugen- und Gang - Gebühren zu sammeln, da die dermaligen Sätze nicht mehr den heutigen veränderten Verkehrs- Verhältnissen entsprechen.
Wiesbaden, 3. Qctober. Profeffor Adolph Stahr ist heute Morgen gestorben.
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r. Gießen. Als Rector der Landesuniversität fungirt von Michaelis 1876 bis dahin 1877 der von dem akademischen Senate erwählte nnb von Sr. Königlichen Hoheit dem Großherzog bestätigte Professor Dr. Bürkel.
Darmstadt, 1. October. Ueber die Vorlage des Großh. Gesammt- Ministeriums, den Gesetz-Entwurf, die Regelung des finanziellen Verhältnisses zwischen dem Staate und der evangelischen Kirche des Landes betreffend, hat
~ ~ her Berathung über den Hauptvoranschlag der Staats-Einnahmen und Aus-
' / , ' ^qil! gaben, vorbehaltlich der Beschlußfassung über den vorbezeichneten Gesetz-Entwurf l ‘ qir'mTiot Un^ der aus dieser Beschlußfassung folgenden Consequenzen, unter „Cultus ,ob,L [D° 5706] A. Evangelische Kirche
Mark 20 Pf. mit Briuaerlohn. vierteljährlich 8 Mark W Pf-
eingestellten Summe von 174,257 Mk- 42 Pfg. an die evangelische Kirche, bezw. an den zu bildende» evangelischen Kirchenfonds, für diese Finanzperiode einen Staatszuschuß von 175,000 Mk. jährlich als Pauschsumme mit der Maßgabe verwilligen, daß damit für diese Zeit alle An-
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Wien, 1. October. Augenblicklich bildet die Sendung Sumarakow's hierher das hervorragendste Tagesereigniß. Die Blätter besprechen dieselbe in Leitartikeln und über den möglichen Inhalt des russischen Handschreibens zerbrechen sich die Uneingeweihten täglich zweimal die Köpfe. Daß es dabei nicht an weitgehenden Eombinationen und kühnen Vermuthungen fehlt, können Sie sich denken. Alle aber stimmen darin überein, daß es sich um hochwichtige Dinge handle. Oesterreich wird zu zwei Krisen noch eine dritte erhalten. Selbst die Officiösen, obwohl noch alle Allarmnachrichten ableugnend und allseits beschwichtigend, vermögen nicht ihre Beklemmung zu verbergen. Das Fremdenblatt charakterisirt die Lage folgendermaßen: „An Oesterreichs Politik ist die unzweifelhaft ernsteste Aufgabe, die ihr seit Jahren beschieden gewesen, herangetreten. Entscheidenden Ortes ist man übrigens über die Grenzen, die unserem „Können" gesteckt sind, sich wohl klar, und es wäre gut, wenn auch das Publikum derselben niemals vergäße. Die innersten eigentlichsten Absichten Bismarck's kennt vermuthlich er mir selbst. Daß aber die competenten Facto- ren Deutschlands wiederholt sich auf's Bestimmteste dahin ausgesprochen haben, Deutschland werde sich unter feiner Bedingung und keinerlei Eventualität zur russischen Politik in feindlichen Gegensatz bringen lasten, das vermögen wir zu versichern. Wir haben keinen Grund anzunehmeu, daß in diesen Dispositivnen eine Aenderung eingetreten ist."
Mittwoch ben 1. November b. I. beginnt der Unterricht in der Winter-Ackerbauschule zu BlSfeld. Derselbe beschränkt sich auf Elementar-Gegenstände, Fortbllbungs- sicher, verschiedene Zweige der Naturkunde und LanbwirthschaftsUhre. Der Unterricht wird durch Besichtigungen benachbarter Güter unter der Leitung eines Lehrers, sowie burcb zahlreiche Lehrmittel unterstützt- De- Abends von 7 bis 9 Uhr finden unter Aufsicht eines Lehrer- Arbeitsstunden statt. Das Verhalten der Schüler in und außerhalb btt Schule wird strenge überwacht-
Aufnahmefähig sind Knaben vom 14. Lebensjahre an. Das Schulgeld beträgt 25 Mark. Bei Unvermögenden findet eine unentgeltliche Aufnahme statt- Anmeldungen zur Aufnahme werden von unterzeichnetem Curatorium entgezengenommen, dessen Mitglieder zur Vermittelung der Wohnungen gerne bereit sind.
Alsfeld, im September 1876.
»Das Curatorium der Ackerbauschule Alsfeld
Hoffmann, Kreisrath. Ramspcck, Bürgermeister. Bücking, Beigeordneter.
tn Gasanstalt' an- crrn Emil M,
■ --। Namens des Finanz-Ausschusses der zweiten Kammer der Abg. Theobald Be-
III erstattet. Der Ausschuß beantragt hiernach einstimmig: Hohe Kammer
LU 11(11 IlldlUUlf s0Qe. i) jhre verfassungsmäßige Zustimmung zu dem Entivurf des Gesetzes,
illlllftCn • betreffend die Regelung des finanzielle» Verhält»isses zwischen dem Staat und
, P /ßfomik der evangelischen Kirche des Landes, nicht ertheile» ; an Stelle der gelegentlich Sflv Kott a« tSxfrKrWAii a a hör fr a A frdt-ß?t 11 «i .ihm Oll mih 11 oi
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1® ^Zl? Ttaatsdienern wiederholt Eintritts-Gelder entrichtet werden. Nachdem diese Üorschrift durch neuerqs Gesetz aufgehoben worden, wurde in einer Petition darum nachgesucht, eine Rückvergütung der seit 1861 mehrfach gezahlten Ein- iritts-Gelder eintreten zu lasten, allein die zweite Kammer lehnte cs ab, in dieser Richtung an die Negierung ein Ersuchen zu richten, und wie wir jetzt ms dem soeben ansgegebenen Bericht des Ausschusses der erste» Kammer ent nehmen, wird auch von diesem Ausschuß beantragt, der Petition keine Folge
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