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graphirt, daß der Fürst von Montenegro sich von Cettinjk aus zur Armee begeben und vor seiner Abreise den gefangenen Osman Pascha habe in Freiheit fetzen lasten.

Wien, 30. Septbr. DiePolit. Corresp." meldet, daß die Eröffnung des Reichsraths auf den 19. October anberaumt ist.

Wien, 30. Septbr. Aus Belgrad meldet dieNeue Fr. Pr.", Tscher- najeff habe in einem aus Deligrad vom 25. d. datirten, an den Fürsten Milan gerichteten Bericht die Legion Mascha Vrbitzas der Verletzung der Waffenruhe angeklagt. Nikolitsch ist nach Belgrad zurückgekehrt. Gegen Tschernajeff ist die Armee sehr aufgebracht, da er sie als undiSciplinirte Horde bezeichnet hat. Fürstin Natalie ist sehr krank. Profestor Bamberger von Wien ist zur (Soiv sultation in Belgrad eingetroffen. DemWiener Tagebi." zufolge ist Ran- kow Alimpitsch, nicht Novoseloff, zum Commandanten der Iba.-Armee ernannt.

Aus Dalmatien, 22. Septbr., wird derNeuen Fr. Pr." geschrie­ben:Die Bocche sind in den letzten Tagen von montenegrinischen Familien geradezu überflutet. Diese Familien suchen Schutz und Sicherheit ans öster­reichischem Territorium vor den gegen die Schwarzen Berge anrückenden türki­schen Colonnen. Auch die Fürstin hat sich beeilt, die kleine Ortschaft Bianca wieder aufzusuchen, wo sie diesen Sommer längere Zeit verweilte, um die See­bäder zu gebrauchen. Eine ungewöhnliche Zahl von Lastthieren folgte ihr diesmal. Die Thiere trugen sämmtliche Kleinodien und Kostbarkeiten des montenegrinischen Hofes, neun Zehntel davon Angebinde, welche die Czaren und Czarinnen den Fürsten Montenegros zum Zeichen ihrer Huld und Freundschaft verehrt hatten."

KranLreich.

Paris, 29. Septbr. DerAgence Havas" znfolge wird in diplomati­schen Kreisen angenommen, daß weder die Note Ristic's noch die Wiederauf­nahme der Feindseligkeiten die Friedens-Action der Mächte aufhalten werden. Der Haltung Serbiens werde nur die Bedeutung einer indirecten Pression zur Erlangung günstigerer Friedens-Bedingungen zugeschrieben. Die am Sonntag zu erwartende, bereits im Wesentlichen bekannte Antwort der Pforte auf die Vorschläge der Mächte hinsichtlich der Friedens-Bedingungen werde voraussichtlich die Herstellung des Friedens beschleunigen. Die Pforte wünsche nur, daß in dem Abschnitte des zu unterzeichnenden Vertrages oder Protokolles, welcher von den Reformen handele, die in Betracht kommenden Provinzen nicht genannt werden, während umgekehrt die Mächte die ausdrückliche Bezeichnung von Bosnien, Herzegowina und Bulgarien in das bezügliche Document ausgenommen sehen wollten.

Paris, 29. Sept. Laut Nachricht derAgence Havas" aus Wien be­stehe in dem Briefe, welchen der Kaiser Franz Joseph von dem Kaiser von Rußland erhalten, Letzterer auf einem formellen Waffenstillstände. Oesterreich werde ersucht, dem Vorschläge einer Konferenz, welche Rußland auf Grund der Bestimmungen des Friedens-Vertrages vom Jahre 1856 verlange, beizu­zutreten. Es heißt, Oesterreich sei geneigt, dem Wunsche Rußlands sich an- zuschließen.

Paris, 29. Septbr. Auch die Türkei hat, wie ich höre, den Mächte», auf ihren Waffenstillstands-Antrag geantwortet, daß sie denselben nicht bewilli­gen könne, weil er nur eine Zeit der Sammlung für ihre Feinde bilden würde, und daß derselbe übrigens nicht nöthig sein werde, weil ja die Friedensverhand- lungen ihn bald überflüssig machen würden. In dem ersten Punkt geben ihr die Thatsachen nicht ganz Unrecht. Tschernajeff und Genoffen beschließen den Krieg auf eigene Faust, drängen ihren Willen der serbischen Negierung auf und beginnen die Feindseligkeiten. Sie stellen die Friedensverhandlungen und Alles in Frage. Was nun zu thun, unterliegt wohl keinem Zweifel: Europa kann sich nicht Hinhalten taffen von einer Bande von Abenteurern, die froh sein soll­ten, daß man ihren Rücken vor den verdienten Schlägen geschützt, und es wird eine Ehrensache für die Mächte, daß sie jetzt den Serbenden Standpunkt klar machen." Welcher Art die türkischen Gegenvorschläge zu dem Friedensantrag der Mächte sein werden, ist noch nicht bekannt; doch nimmt man nach wie vor an, daß eine Einigung zu Stande kommen werde. Der Wiederbeginn der Feindseligkeiten in Serbien erschüttert freilich auch die Grundlage dieser Verhandlungen.

Dem General Lebrun, Ober-Commandanten des dritten Armee-Corps, begegnete bei den letzten Manövern ein Unfall. Derselbe hatte als Feind das vierte Corps und vergaß, als er vor demselben znrückweichen mußte, seine Lebensmittel mitzunehmen, so daß er genöthigt war, einen Waffenstillstand zu verlangen, um sich in den Besitz derselben zu setzen. Der Commandant des vierten Corps ging auf das Anerbieten ein, da er, wie er bemerkte, den ans Franzosen bestehenden Feind nicht verhungern lasten könne. Es ist der nämliche Lebrun, welcher sich mit Jarres Beide waren die Beigeordneten des Mar­schalls Leboeuf, Chef des Generalstabs der französischen Rhein-Armee während des letzten Krieges so sehr compromittirte, da sie es nicht einmal für gut befanden, nach der ersten Niederlage derselben einen Plan für den Rückzug aus­zuarbeiten, sondern Alles dem Zufall überließen.

-itgland.

London, 30. Septbr. Der ehemalige Schatzkanzler in dem liberalen Ministerium, Löwe, führt in einem Briefe an dieTimes" aus, daß der Zu­sammentritt des Parlaments nothwendig sei zur Entscheidung der Frage, ob die gegenwärtige orientalische Politik der Regierung fortdauern solle oder nicht. DerPall Mall Gazette" wird aus Chefoo vom 13. Septbr. gemeldet, daß der britische Gesandte Wade und der chinesische Staats-Secretär Lihung- tfchang nunmehr die Convention zur Regelung der Wnnan-Angelegenheit unter­zeichnet haben.

Nußland.

Petersburg, 30. Septbr. Die Behauptung, daß im serbischen Mini- sterrathe beschlossen worden sei, die Friedens-Vorschläge der Mächte abzulehnen, ist unrichtig; bis jetzt sind dieselben Serbien noch nicht vorgelegt. Die Ant­wort der Pforte auf die Friedens-Propositionen steht noch aus, wenngleich die Geneigtheit der Pforte, auf Grund derselben zum Frieden zu kommen, geäußert worden ist.

Türkei.

Konstantinopel, 29. Septbr. Ein außerordentlicher Ministerrath wird

sich morgen unter dem Vorsitze des Großvezirs versammeln, um die endgültige Antwort auf die Vorschläge der Mächte festzustellen. Es heißt, die Anzahl der Mitglieder des zu wählenden Nationalraths behufs Einführung von Refor­men solle auf 120 gebracht werden. Eine Depesche aus Alexinatz meldet, daß die Türken einen bedeutenden Sieg bei Deligrad erfochten und die Serben große Verluste erlitten hätten.

Konstantinopel, 29. Septbr. Ein telegraphischer Bericht Ejub Pascha's bestätigt, daß die Türken vorgestern einen bedeutenden Sieg vor Alexinatz erfochten haben. Die Serben, welche auf der ganzen. Morawa-Linie die Feindseligkeiten wieder eröffnet hatten, wurden geschlagen und überall mit großen Verlusten znrückgedrängt.

Pera, 29. Septbr. Hier verlautet, daß sich an der russischen Grenze Freischaaren bilden, welche in das unbesetzte Donau-Delta einfallen sollen. An Bord des in Smyrna ankernden russischen Kriegsschiffes Svetlana soll ein kaiserliches Handschreiben verlesen worden fein, welches das Vertrauen auf die Bereitschaft, die Ausdauer und die guten Dienste der Flotte ausspreche. Sir Henry Elliot und Graf Zichy hatten heute gleichzeitig eine Conferenz auf der Pforte, über deren Ergebniffe noch nichts verlautet.

Nagusa, 30. Septbr. Der Fürst von Montenegro wird die Verlän­gerung der Waffenruhe bis zum 1. October respectiren, eine weitere Verlän­gerung jedoch nicht annehmen.

Seröim.

Belgrad, 29. Septbr. (Amtliche Meldung.) Gestern wurde eine zwölf Stunden dauernde Schlacht am linken Morawa-Ufer geliefert. Die Serben überschritten den Fluß bei Bobowischte und Bnimir und besetzten diese Orte. Horvatovic, welcher im Rücken der türkischen Armee operirte, nahm Be­sitz von Krnschje. Somit sind die Stellungen der Türken eingeschloffen.

Belgrad, 29. Septbr. Nachdem der letzte Versuch der Türken, die Morawa zu überschreiten und sich zwischen Deligrad und Alexinatz keilförmig vorzuschieben, in Folge der Zerstörung der Brücken bei Trnjani gescheitert war, hat General Tschernajeff gestern früh auf der ganzen Linie den Angriff er­öffnet. Der Kampf dauerte den ganzen Tag über fort. Die Stellung der Türken ist eine sehr ungünstige, da die Rückzugslinie auf Risch durch das CorpS von Horvatovic bei Supovac verlegt ist.

Spanien.

Pampeluna, 29. Sept. In Navarra und Biscaya sind Aufrufe zu den Waffe», behufs Vertheidigung der Fueros in Circulation.

M'äJ.lW. ' i_ » i» i.y!R

Vermischtes.

Darmstadt, 25. Sept. Die Abgeordneten-Versammlung Hess. Feuerwehren fand gestern imHotel Drexel" in Frankfurt statt, lieber Den ersten Punkt: Einführung des Metz'schen Gewindes als Normalgewinde für das Groß- Herzogtum wurde zur Tagesordnung üdergegangen, da diese Angelegenheit bereits durch Beschluß eines früheren Feuerwehrtages erledigt ist. Der Antrag Offenbachs hingegen: Ernennung eines Feuerinspectors für jeden Kreis rief eine lange und lebhafte Debatte hervor. Von allen Seiten wurde das Nützliche und Zweckmäßige einer solchen Einrichtung anerkannt, namentlich aber von Offenbach und Groß - Umstadt hervor- gehoben, wie die Löschanstalten in vielen Gemeinden in einem erbärmlichen Zustande seien und sich Jahr aus Jahr ein kein Mensch hierum bekümmere. Die Abstimmung ergab einstimmige Annahme und soll eine desfallsige Vorstellung demnächst bei Großh. Regierung eingeretcht werden. Ebenso wurde Antrag 3: Aufstellung einer genauen Verbandsstatistik, angenommen und Darmstadt mit der Ausführung beauftragt. Der von dem Vertreter Darmstadts erstattete Bericht über die Unterstützungsfrage zeigte, daß deren Lösung dadurch einen Schritt vorwärts gekommen ist, daß der Abgeordnete Dr. Osann bet der zweiten Kammer einen die Regelung dieser Sache betreffenden Antrag eingebracht, der alle Aussicht auf Annahme hat. Welche Stellung alsdann die Regierung nehmen wird, bleibt abzuwarten I Bedauerlich ist es unter allen Um­ständen, daß dieselbe se:t 8 Jahren sich stets ablehnend zu dieser für das Löschwesen im Großherzogthum überaus wichtigen Frage verhält, in birctem Gegensätze zu anderen Staaten, die Unterstützungskassen schon längst eingeführt und damit einen enormen Aufschwung des Löschwesens erreicht haben. Aus der hierauf folgenden Berichterstat­tung über den Stand der Provinzial-Verbände entnehmen wir, daß sich dieselben in Starkenburg und Rheinhessen trotz mancherlei Hindernissen kräftig entwickeln, dagegen wurde d o n den anwesenden Vertretern Oberhessens allgemeine Klage über die Lässigkeit des Vororts Gießen geführt und gründliche Abhilfe in Aussicht gestellt- Weil aus Offenbach berichtet zum Schluß über seine mit dem Relchskanzleramte bezüglich kostenfreier Beförderung von Hülfsmannschaft und Löschgeräthschaflen nach einem auswärtigen Brandplatze durch die deutschen Bahnen, welches Ersuchen leider abschlägig beschreden wurde. Auf eine frühere denselben Ge­genstand betr. Eingabe an die Oberhess Bahnen ist damals keine Antwort erfoUt da dieselben mittlerweile in den Besitz des Staates übergegangen sind, verspricht man sich besseren Erfolg und wird Hierontmus von Friedberg mit Erneuerung obigen Gesuch- beauftragt, worauf, da hiermit die Tagesordnung erledigt, die Versammlung mit dem Wunsche auf fröhliches Wiedersehen bei dem nächsten Feuerwehrtag in Bestunden geschlossen wurde. Nachmittags machten die Abgeordneten einen Besuch auf der Haupt- Feuerwache der Berussfeuerwehr am Klapperfeld. Herr Branddirector mann er­klärte mit der größten Bereitwilligkeit die verschiedenen mitunter höchst praktischen Ein- nchtungen, ließ, um den Beweis zu liefern, was die Frankfurter Wasserleitung im Stande sei, an den vorhandenen Hydranten einen Schlauch anschrauben und erzielte mit einem 20 Millim. breiten Mudstück eine Strahlhöhe von mindestens 20 Meter, ein wahrhaft überraschendes Resultat. Als Herr mann gerade dabei war, Den Telegraph zu erklären und spielen zu lassen, drückte er plötzlich auf einen am Apparate angebrachten Knopf, in demselben Augenblicke lautes Anschlägen der Alarmglocke int Hofe, gleichzeitig Feuerruf im Mannschaftslocale und heraus in fliegender Eile stürzten die Feuerwehrmänner, um die Thore zu öffnen und Bereitschaftstelluug zu nehmen. In kaum einer halben Minute machte der Führer die Meldung: Alles fertig zum Ab­marsch und nimmt bei einem wirklichen Feuer die Mittheilung entgegen, wo sich die Brandstelle befindet, worauf sich der ganze Löschzug in eilige Bewegung setzt, so daß zwischen der Feuermeldung und der Ankunft auf der Brandstelle selten mehr wie einige Minuten vergehen. Diesesmal war es freilich ein blinder Alarm und konnte die Mannschaft alsbald wieder wegtreten. Man sieht hieraus, daß in Frankiuch ebensowohl wie in anderen Städten, die Berussfeuerwehren besitzen, der allergrößte Werth darauf gelegt wird, rasch zur Stelle zu sein, um ein ausvrechendes Feuer wo­möglich im Keime zu ersticken. Freilich kosten derartige Einrichtungen Geld und zwar viel Geld, in Frankfurt z. B. 138,000 M. jährlich. Kleinere Städte dürften also schon des Kostenpunktes halber von Berufsfeuerwehren absehen, zumal eine tüchtige, von einem richtigen Geiste beseelte freiwillige Feuerwehr,wenn sie auch nach Lage der Dinge nicht so rasch am Platze sein kann", immerhin einen hinreichenden Ersatz bietet

Baltimore, 28. Sept Das Postdampfschiff des Nordd. Lloyd Nürnberg, Eapt A. Jäger, welches am 13. d. Mts. von Bremen und am 16. d. Mts. von Southampton abgegangen war, ist heute wohlbehalten hier angekommen.

Newyork, 29. Sept (Per ttansatlantlschen Telegrauph.) Das Postdampfschiff des Nordd. Lloyd Oder, Eapt. C- Leist, welches am 16. September vvn Bremen und am 19. September von Southampton abgegangen war, ist heute 2 Uhr Nach­mittags wohlbehalten hiee angekommen.

New orleanS, 29. Sept Das Postdampfschiff des Nordd. Lloyd Straß­burg, Eapt. I. Barre, welches am 7. d- Mts. von Bremen abgegangen war, ist heute hier angekommen.

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