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Folge dessen wagten die Türken eS nicht, seine Aussage sofort auszubeuten. Da spielte Mustaphc. seine letzte Karte aus. Er ließ am 8. d. den Medjliß (Untersuchungsausschüssen) melven, Zoko sei in verwichener Nacht zu ihm gekommen (Beide waren in demselben Khan eingesperrt) und habe ihm zehn Lire gegeben, damit er schweige; später sei ihm dieselbe Summe zugesichert. Der Richter soll außer sich vor Aufregung gerathen sein:Seht diesen Mann, er ist so arm, daß er nicht einmal Flöhe auf seinem Leibe beherbergt; wie sollte er anders zu diesem (Selbe kommen?" Die christlichen Geschwornen aber machten Einwendungen, und als der Richter auf das Zeugniß Mustapha's nicht Verzicht leisten wollte, drohten sie mit ihrer Abdankung. Bul­garen, Griechen, Armenier und Juden, alle standen gegen Selim Effendt. Dies war der Zu­stand der Dinge, als der Fretlassungsbefehl aus Konstantinopel eintraf.

Ueber die Arbeiten der geheimen Voruntersuchung ist genug an die Oeffentlichkcit

Leserkreis erobert, ber mit jedem Jahre sich vergröberte. Unerschüttert blieb dieJllu- strirte Welt" auf ihrer Höhe, obgleich umdlängt von Mitbewerbern; man hatte sie Uebgewonnen, man hatte in ihr nach Form und Inhalt, Text und Bild ge-

Literarische-.

Fünfundzwanzig Jahre ein Vierteljahrhundert sind im Lebenslauf eines Journales ein langer Zeitraum, und zumal in unseren bewegten Tagen, in btnen die Ereignisse sich so gewaltig drängen und überstürzen, mehr denn je. Aber um so freudiger begrüßen wir auch solch' denkwürdigen Abschnitt, wenn er gestattet, aus eine schöne Vergangenheit zurückzublicken, wenn alle Anzeichen auf eine nicht minder glück­liche Zukunft deuten. Vor fünfundzwanzig Jahren mit bescheidenen Hoffnungen und Erwartungen gegründet, hat sich dieJllustrirte Welt" rasch einen auSgebreiteten

Auszug aus dku Mändksamlsrkgistkrn brr Stabt Gicßkn.

Dom 25. August bis 1. Sept. 1876. Eheschließungen.

Am 1. Sept. Georg Deibel, Maurer, ein Wittwer, mit Helene Appel.

Joseph Heid, Schneider, mit Margarethe Diesfenbach.

eine Mittheilung zu machen, und gelegentliche bescheidene Vorstellungen wies er ab unter Vorwande, daß die Dringlichkeit der Geschäfte nicht solche Umständlichkeiten gestatte. Es steht sich von selbst, daß ihn die mohamedanischen Mitglieder hierin unterstützten, zumal der Pro­phetensohn mit dem grünen Turbane und dem Dantegesichte, Hodti Sadeh Hadji Mehmcd Effendi, der seinen Collegen, den Softa in dem weißen Turban aus Basardjik, gelegentlich einen Comitadjih" nannte, wenn er sich günstig für einen Bulgaren aussprach. Doch schließlich bracy den christlichen Mitgliedern die Lammesgevuld, als man einen Renegaten Namens Mustapha, ber früher schon wegen falschen Zeugnisses im Gefängniß gewesen, als Mobir (Angeber) gegen Zok<> und die übrigen Notabeln von Philippopel ins Feld führte. Mustapha hatte sich eine Geschichte zurechtgelegt, welche eine Menge der hervorragendsten Bulgaren vom Exarchen in Konstantinopel angefangen, in's Netz zog. Er erzählte, wie er im vorigen Jahre mit Theodorali Jskrow zu Konstantinopel im Exarchat zusammengetroffen, wie man ihm eine Reihe von Briefen an Klöster, Kirchen und Dörfer mitgegeben, angeblich um Geld zu Mtssionszwecken zu sammeln. Lange Zeit verweilte er auf dem Gute Zoko's, der sich aus weichen Backsteinen eine Mauer baute. Er stellte ihn zur Rede, warum er so schlechtes Material nehme, und erhielt zur Antwort, es schade einstweilen nichts, denn er werde nächstes Jahr die Mauer auS Türkenschädeln neu aufbauen u. s. w. Ueber die Höhe der gezeichneten Beiträge sowie andere Umstände gab Mustapha aus­führliche Aufschlüsse, doch litten alle an handgreiflichen Unwahrscheinlichkeiten, ganz abgesehen davon, daß sich die Bulgaren nicht eines Renegaten zu Aufstandszwecken bedienen würden. Jr

-wir feinen Tropfen Regen) etwas klein unb haben nur bescheiden angesetzt; jedoch sind sie äußerst edel. Von der Kartoffelkrankheit ist keine Spur vorhanden. Kohlrüben und Runkelrüben, seit Wochen in der Entwickelung stillstehend, haben jetzt kaum die Hälfte ihrer Normalgröße; indessen kommt ihnen, sowie den Spatkartoffeln der der- malige Regen noch sehr zu gute. Die Heuernte war eine mittlere; Grummet gibts wenig. Der erste Schnitt Klee war mittelgut; der zweite ist kaum nennenswerth und die Klee-Aecker müssen, so weit dies bereits nicht schon geschehen, umgeackert werden. Es ist sonach dieses Jahr als ein streu- und futterarmes zu verzeichnen und es steht jetzt schon fest, daß im Laufe des Culturjahres sich der Biehstand sehr verringern muß. Die Kernobstbäume hingen sehr voll; aber in Folge der lang andauernden Hitze und Trockenheit ist eine Unmasse Früchte herabgefallen und die noch hängenden sind ver- bältnitzmäßig klein; immerhin steht jedoch ein leidliches Aepfelweinjahr in Aussicht- Steinobst gibt es im Allgemeinen wenig. Resums: Wäre das Jahr nicht ein streu- und futterarmes geblieben, so könnte der Landmann der naflauischen Mainebene vorerst mit Ruhe der Zukunft entgegensehen.

Ohligs, 29. Aug. Am 23. d. (Nachts) ist die piefige Actien-Dampfschlerserei total niedergebrannt. In derselben waren etwa 140 Schleifer beschäftigt, die ihre Geräthschaften größtentheils eingebüßt haben. Wie das Feuer entstanden, ist nicht bekannt. QU nQ]^m sich ^er Artillerie-Feuerwerker Karl Einhorn, ein Wiener,

auf eine eigentümliche Art das Leben. Er stellte sich vor das Rohr einer Kanone, welche eine Kartätschenladung enthielt, rief einen Freund herbei, indem er sagte, er wolle ihm was Interessantes zeigen, und in diesem Augenblick legte er die Lunte an. Die 48 Kugeln, aus denen dte Ladung bestand, zerriffen seinen Körper in Stücke. Der Vorfall ereignete sich vor der an der Weichsel gelegenen Kaserne.

Aus Helgoland schreibt man vom Freitag: Unser einförmiges Badeleben ward gestern durch ein aufregendes Ereigniß unterbrochen. Um 1/i5 früh bemerkte man nach stürmischer Nacht einen großen Dampfer im Süden der Insel, nahe den Klippen, der augenscheinlich leck war. Das Vordertheil lag tief in See, die Schraube ütbeitete in der Luft und das Fahrzeug war steuerlos den Wellen preisgegeben. Da die voraussichtliche Katastrophe mit unbewaffnetem Auge, und ganz deutlich mit dem Fernglase sichtbar war, so wurde natürlich von Hunderten von Badegästen unb den Insulanern selbst das Schiff (fünf Stunden lang) ängstlich beobachtet. Selbftrebenb war sofort der Lootsmkutter in See gegangen. Aber wunderlicher Weise wiesen die Bedrängten zweimal die Hilfe zurück. Ob noch berechtigte Hoffnung zur Rettung des Fahrzeuges, ob finanzielle Bedenken dietz verursachten, ist vorläufig nicht festgestellt. Um 8 Uhr begann ein lebhaftes Zwiegespräch zwischen dem Schiff und dem Mann auf der Klippe. Für diejenigen, die nicht in die Geheimnisse des Seelebens eingeweiht sind, genüge es zu sagen, daß man durch Aufhissen verschiedener Flaggen einen ganzen Roman erzählen kann, der aber meistens tragischen Inhalts ist. So auch hier. Es stellte sich heraus, daß das SchiffTunsei" hieß, Capitän Hall, mit etwa 500 Tonnen Kohlen in Hamburg gewesen und Mittwoch Nachmittag 3 Uhr von dort auf dem Heimwege nach Sundland sei; Besitzer Herr Barnick in Sundland. DaS Fahrzeug mar also ohne Ladung, hatte aber 17 Mann an Bord. ES gingen nun Depeschen nach Hamburg und England ab; vier Boote stachen in See, da die Noth von Stunde zu Stunde sichtlich größer wurde und die Aufregung wurde durch das Klarmachen der Rettungsboote am gefährdeten Schiff auf§ Höchste getrieben. Die Brandung umtobte das Fahrzeug aber so stark, daß auf doppelte Büchsenschußweite inzwischen nahegekom- mene Boote wenig Aussicht auf augenblickliche Hilfe boten. Um HVi Ubr versank das Schiff plötzlich in die Tiefe der Nordsee. ES entstanden ein Paar sehr bange Mi- ruten, beim auch der schwer arbeitende Lootsenkutter unserer Insel war plötzlich ver­schwunden. Bald aber löste sich die ängstliche Erwartung das Lootsenbsot und die 2 Rettungsboote des Tunsei erschienen. Mannschaft, Papiere u. s. w. war gegen 3 Uhr gerettet am Strande. Der Tunsei ist erst fünf Monate alt. Heute gehen die 17 Ge­retteten nach Hamburg.

(Eine abenteuerliche Seefahrt.) Alfred Johnson, der kühne dänische See- mann, der am 15. Juni in einem kleinen BooteCenterinial" Gloucester Massachusetts verließ, um den Atlantischen Ocean zu durchfahren, ist am Montag den 21. Aug. nach einer Fahrt von 67 Tagen in Liverpool angekommen und daselbst warm empfangen vorden. Johnson hat einen Bericht über seine abenteuerliche Reffe erstattet, aus dem erhellt, daß er oft fürchterlichem Unwetter zu trotzen hatte. Am 2. Aug. auf der Höhe des Cape Clear schlug sein Schifflein während eines heftigen Sturmes plötzlich um, und erst nach unsäglichen Anstrengungen gelang es ihm, dasselbe wieder aufzurichten. Er legte täglich 70 englische Meilen zurück. Sein Gesundheitszustand war im Allge­meinen ein guter, obwohl er an Schlaflosigkeit und häufigem Gliederkrampf litt.

(Amerikanisch.) Ein amerikanischer Tourist, welcher kürzlich einige Monate in Rom verbrachte, jeden Winkel durchstöberte, an allen möglichen Festlichkeiten theil- nahm, wurde schließlich auch vom Papste empfangen. Pius IX., der stets außeror­dentlich liebenswürdig gegen Fremde ist, läßt sich von dem Iankee allerlei über feinen Aufenthalt in Rom erzählen, fragt, ob er dies oder jenes gesehen hat.....O hei­

liger Vater, ich habe alles gesehen, was Rom bietet, das Monumentale, die Galerien, die Ceremonien; nur eine einzige bleibt mir zu sehen übrig " Und welche? fragt der Papst.Ein Conclave," erwiderte der Amerikaner.

(Glycerina.) Ein Mann in Newyork hat sein neugeborenes Töchterlein Glycerina" getauft. Er meint, dasNitro" könne man später hinzusetzen, falls un­glücklicher Weife ihr Charakter dem ihrer Mutter ähnlich werden sollte (N- H--Z-)

gedrungen, um sie als ein Jnquisitions Tribunal der schlimmsten Art zu brandmarken. Sie war mit allen Erforderniffen eines solchen ausgerüstet, Folter und Heimlichkeit der Verhand­lungen. Der Folter ist zum Theile die widrige Angeberei zuzuschreiben, deren sich die Bulgaren gegeneinander schuldig machten. Wenn der Vorsitzende den Angeklagten durch den Zaptiey ab­führen ließ, so erkannte dieser schon an Ton und Ausdruck, ob es zum Folterschranke ging. Es war dies ein Behälter von Mannshöhe mit einem kleinen Luftloche, welcher das Aufrechtsteben, aber nicht das Sitzen gestattete. Dort fand sich der Angeklagte bald zu jeder gewünschten Aus­sage erbötig. Das früher schon erwähnte sinnreiche Aufhängen, bei dem die Füße den Boden leichthin berührten, bestätigte sich; und in einzelnen Fällen zog man ihnen Zähne aus, hing sie an den Füßen auf oder steckte petroleumsgetränktes Papier zwischen die Zehen und ließ es lai-.g- sam verkohlen. Daneben machten sich die Zaptiehs sehr um das Mürbemachen der Gefangenen verdient, indem sie dieselben unbarmherzig durchprügelten; viele starben schon auf dem Wege nach, der Stadt in Folge von Anstrengungen und Mißhandlungen. Die Verklagten von Tschirpan hatten die Reise nach Philippopel mit schweren Ketten um den Hals zu Fuße zurückzulegen und die Maritza zu durchwaten; die Rücksichtslosigkeit ging sogar so weit, daß man fünfzig Bulgaren in Fesseln von Philippopel nach Sofia marschiren ließ, um sie dort mit vier andern zu confrontiren. Ermattet, elend, gleichgültig, ergab-n sie sich endlich in ihr Schicksal, verriethen ihre Brüder, enthüllten auf Verlangen weitverzweigte Revolutionspläne, von denen sie vor dem Verhöre keine Ahnung hatten. Wahr ist es, oaß die Bulgaren bet diesem Aufstande keine eigentliche Helden­natur aufzuweisen haben, daß sie sich im Unglücke verließen und verriethen. In der Unter­suchungshaft sollen sie sich gegenseitig mit Vorwürfen überhäuft und beschimpft haben. Es ist leicht möglich. Doch darf der Grund dazu nicht allein wie es die Griechen thun in der angeborenen Feigheit des bulgarischen Charakters gesucht werden. Die Behandlungsweise der Türken hat das Ihrige dazu gethan.

In dem eben erwähnten Tschirpan schwang und schwingt noch ein gewisser Saiv Aga das Scepter der Willkür mit souveräner Verachtung alles Rechts und aller Gerechtigkeit. Er ist ein Verwandter des Kriegsministers, darin liegt das Geheimniß. Als die von ihm denuncirten Ortseinwohner in's Verhör kamen, stutzte Selim Effendi und versuchte, sie dem Gerichtshöfe zu Adrianopel zu überweisen. Aber die Geschworenen fanden sich in ihrer Würde gekränkt,da sie doch eben so gute Medjliß seien, wie jene", und wiversetzten sich diesmal so entschieden, daß Selim die zwei Notabeln, um die es sich zumeist handelte, gegen Bürgschaft frei ließ und die Prozeßakten nach Adrianopel sandte. Sie hießen Hadji Medeldju und Mehalaki und waren Gläubiger Said Aga's. Zur Zeit, da der Aufstand eben ausgebrochen war, ließ Said Aga von ihnen eine Schuldverschreibung von 50,000 Piastern zurückfordern, widrigenfalls er sie als Comi tadjihs angeben werde/ In ihrer Noth verstanden sie sich wirklich zu einer Ermäßigung von 10,000 Piastern. Dies war aber Said Aga nicht genug. Er nahm drei Bulgaren dar­unter einen Priester fest, nöthigte ihnen Flinten, Pulver und Blei auf und zwang sie durch Mi ßhandlungen, die beiden Notabeln als die Häupter einer Verschwörung anzugeben. Mit dieser Zeugenaussage in der Tasche eilte er nach Philippopel, brachte den Fall zur Anzeige und ward daraufhin zum Untersuchungsrichter für Tschirpan ernannt, mit der Befugniß, die übrigen Mit­glieder seines Ausschusses selbst zu ernennen. In kurzer Zeit befanden sich nicht weniger denn 53 Einwohner des Ortes in schweren Ketten auf dem Wege nach Philippopel. Indessen ent­hüllten dort die drei Ankläger das Verfahren Sald Aga's und brachten Selim Effendi in ein schlimmes Dilemma, aus dem er sich auf die angegebene Art rettete. Said Aga aber herrschte fort wie ein Sultan in seinem Dorfe. Er besitzt dort drei große Tschifliks ^Landgüter), auf denen er die Bulgaren Frohndienste thun läßt, ohne ihnen die geringste Entschädigung zu geben. Christen wie Türken bedrückt er ohne Unterschied, wenn es seinen Zwecken dienlich ist; aber die Klagen verhallen ungehört, denn er ist der Verwandte des Kriegsministers.

Behörden vorsprachen, gab einige wohlgemeinte Ermahnungen und verfaßte darauf einen Bericht über den Aufstand und seine Unterdrückung, der an Verlogenheit fast den Revolutionsgertchtshof In Philippopel übertraf. Dieser Bericht verkleinert die Zahl der abgeschlachteten Bulgaren ins Lächerliche und vergrößert die der getödteten Türken auf vierhundert, von denen sich beim besten Dillen nicht mehr denn hundert zusammenrechnen lassen. Selbst Hafus Nuri Effendi, ein Mit­glied der Untersuchungs-Commission zu Philippopel, versteigt sich nur auf die Zahl 151, darunter 12 Frauen und Kinder. Gesteht man diese Summe zu obwohl sie sich sehr bemängeln läßt, so ist die dafür genommene Rache immer noch himmelschreiend groß. Achilles hat den Manen seines Freundes Patroklos nicht so viele Troer geopfert, als Bulgaren abgeschlachtet wurden. Man tödtete sie, verbrannte sie, verunehrte Weiber, versengte ihre Häuser und Kirchen, stahl ihre Kinder, warf die ausgegrabenen Leichen den Hunden vor, zwang sie, an den leergebrannten Stätten ihres früheren Glückes weiter zu leben, zu jammern und zu hungern. Und als endlich W Land, aus tausend Wunden blutend, zuckend daniederlag, gab ihm die Gerechtigkeit, die hier zur Dirne des Despotismus geworden, in dem Gerichtshöfe Selim Effendi's den letzten Schlag.

Da dieses Institut glücklicher Weise am Verenden ist, so soll ihm hier die Leichenrede gehalten werden. Es war, mit einem Worte, ein türkischer Gerichtshof. Von den europäischen hatte er sich die Formen und Gewänder gestohlen, der Rickter sprach französisch und das Ganze war im Stande, den Beobachter für eine Weile durch den modernen Zuscknitt zu blenden. Aber ^urch Risse und Fetzen lugte bald die gewissenloseste Vergewaltigung allenthalben hervor. Es wurde früher schon eine Gerichtssitzung beschrieben und auf die zweifelhafte Handhabung des versprochenen Programms hingewiesen. Seit der Zeit häufen sich die Beweise von der völligen Unfähigkeit des Gerichtshofes, die Wahrheit zu finden und zu beurtheilen Er bestand aas zwei Hauptthcilcn, der gehet,nen Voruntersuchung und der öffentlichen Verhandlung. Letztere war eine bloße Komödie, die dem Publikum und der öffentlichen Meinung zu Liebe gespielt wurde. Die zwölf Geschwornen wenn man sie so nennen kann, die daselbst fungirten, hatten mit der geheimen Voruntersuchung nichts zu schaffen. Ihnen und dem Angeklagten wurden d-e Anklageschnft und die Geständnisse vorgelesen, und darauf überwog bei der Urtheilssprechung Persönliche Autorität des Richters die individuellen Meinungsäußerungen. Selim behandelt sle wie Puppen, mechaniche Wachsfiguren, denen man zuweilen gestattete, den Kopf zu bewegen zu nicken. Telegramme und Briefe empfing er, schickte er ab, ohne sie zu Rathe zu ziehen; Utter Urkunden, dte in ihrem Namen abgefaßt waren, setzte er seine Vollmachtssiegel, ohne ihnen

Die Barbarei in Bulgarien.

Der Correspondent berKöln. Ztg." fährt fort, in oem genannten Blatte Schilderungen der von den Türken in Bulgarien begangenen Gräuelthaten zu geben. Seine letzte, aus Ttrno w a vom 14. August datirte Mitthetlung betrifft tm Wesentlichen den officiellen Bericht und das Tribunal Edib Effendi's. Wir geben aus demselben folgendes wieder:

Der Pforte fings an vor der Aufklärung zu grauen. Die englische Commission hatte ßch, trotz aller Turkophilie, in Batak entsetzt; der amerikanische Generalkonsul hatte seiner Gesandtschaft die Wahrheit ungeschminkt telegraphirt, und der Großvezir, dem schon früher ein Bericht des Preßdirectors Blacque Bey Thränen ausgepreßt, machte diesmal in der elften Stunde der weiteren Blutarbeit ein Ende. Die Welt ließ sick nicht länger Sand in die Augen streuen und mit officiellen Schönfärbereien sich abspeisen. Das Maß war voll, der Rückschlag auf die öffentliche Meinung in Europa stand drohend vor der Thür. Anfangs Juni hatte man einen Regierungs-Commissar, Edib Effendi, zur Abfassung eines Berichts in die Vulgarei entsandt., _ , T ,

Derselbe fuhr auf der Eisenbahn nach Basardjik und Jamboli, hörte zu, was ihm die türkischen funben, roa§ man zu seiner geistigen Erholung brauchte unb wünschte, unb flbfmrhoti bnri^YArbon nnk pinirtoWh pUip» Rpricko blieb ihr treu; anerfannte man doch aud), baff sie sich mit bem Gegebenen nicht

genügen liefe, nicht läfeig wurde, fonbern immer Neues zu bieten suchte unb wufete. So ist sie benn im Verlauf ber Zeit nicht nur größer, fonbern auch in Text unb Silbern reicher und abwechslungsvoller geworben, unb feiert nun ihr sün fu nbzwanzig - jährigeö Jubiläum in einer Vollkommenheit unb Ausstattung, Fülle unb innerem Werthe, wie sie in Anbetracht ber enormen Billigkeit von feiner andern Zeitschrift

überboten wirb.

Nach bem abgegebenen Prospect wird dieJllustrirte Welt" auch künftig, ihrem Programm getreu, neben Roman nnb Erzählung, neben unterhaltenden unb belehren- ben Artikeln,au« Natur unb Leben, Wissenschaft unb Kunst," in ihrer Rubrik: auS der Gegenwart ein volles und durch Illustrationen belebtes Bild ber Zeit und ihrer Ereignisse bringen; in der Gerichtszeitung durch die pikantesten und spannendsten Kriminalgeschichten Einblicke in die Krankheiten ber menschlichen Gesellschaft und in die verirrten unb verderbten Charaktere derselben geben; durch die Humorist,scken Blätter aufeer originalen Beiträgen eine Auswahl all' des glücklichen Humors bieten, der sich in lokalen Zeitschriften zerstreut findet; endlich wird dieJllustrirte Welt" Mittheilungen auS ben Gebieten der Volks-, Land- und Hauswirthschaft, ber Erfin- bungen unb Gewerbe bringen und eine Fülle von nützlichen Winken für4 HauS unb die Gesundheitspflege einflechten, sowie durch einen Gedenktagskalender an die Gröfeen unb grofeen Ereignisse deS Vaterlandes erinnern. DaS fesselnde kleine Allerlei von Räthseln, Rösselsprüngen, Rebussen, Schachaufgaben wird auch wie bislang nicht fehlen, dieKleine Corrrespondenz" lebendigen Verkehr mit den Lesern unterhalten. Wir wünschen diesem wahren Familienblatte auch ferneres blühendes Gedeihen.