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Aießener 'Anzeiger

Amelge- unb Amtsblatt str den Kreis Gießen.

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Erscheint tLgttch mit Kuänabmt bei Mo«tstgS.

Grpsditio»r Vchukstratze, M. S. Nr. IS.

Preis vierLeljichrlich - Äark 20 Pf. mit Brinaerkohn. Durch die Post Hezo-en vierteljährkch S Mart W Pf

Amtlicher H h e i t.

Betreffend: Die Einsendung der Waisenbüchsengelder für 1875/76. ,

Das Großherzogliche Krelsamt Gießen

an die Großherzoqlichen Bürgermeistereien.

Wir erinnern Sie an Einsendung der Waisenbüchsengelder binnen 8 Tagen, v. Röder.

Gießen, am 1. September 1876.

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Darmstadt, 31. August. Die Mehrheit des Finanz-Ausschusses der Zeiten Kammer macht gegen den Entwurf des Capital-Steuer-Gesetzes in erster tuiie geltend, daß dadurch theilweise das Capital zur Anlage in's Ausland gedrängt und somit der Hypothekar Eredit empfindlich geschädigt werde, weist sodann auf das geringfügige Erträgniß (kaum ein Procent der gesammien dnecten Steuern), sowie die Unräthlichkett, unserem ohnehin schon complicirten Steuer-System (Grund-, Gewerb- und Einkommen-Steuer) noch ein weiteres dinzuzusügen, hin und kann sich nicht dazu entschließen, das Gebiet der Parti- lailar-G^etzgebung für ein so kleines Land wie Hesien zu beschreiten.

Darmstadt, 31. August. Eine für unser Polytechnikum wichtige Ver- sügunz ist vom preußischen Handels-Minister am 23. d. erlassen worden. Hier­nach sollen in Zukunft die polytechnischen Schulen zu Dresden, München, Stuttgart, Karlsruhe, Darmstadt, Zürich und Wien den inländischen technischen 1 . Der Uebergang von einer Anstalt auf die

mehr beschieden sein.

Berlin, 31. August. Es lst in letzter Zeit vielfach über die Mißstände in dem Gefängnißwesen, über die Beschäftigung der Strafgefangenen k. ge­sagt und Abhülfe auf dem Wege der Gesetzgebung in Aussicht gestellt worden. Wie wir erfahren, soll die längst geplante Regelung des gesammten Gefängniß- wesens nach einheitlichen Normen für ganz Deutschland jetzt ihrer Verwirk­lichung endlich näher gebracht werden. Ein sogenanntes Gefängnißgesetz war schon vor etwa einem Jahr beschlosiene Sache. Man hatte damals, nachdem man die großen Schwierigkeiten in Erwägung gezogen, welche die Verschieden­artigkeit der bezüglichen Bestimmungen in den einzelnen Bundesstaaten dar­boten, sich mit allgemeinen Normativbestimmungen beschränken wollen , wie sie das preußische Justiz-Ministerium dem Reichskanzler-Amt durch Einsendung eines Entwurfs nahe gelegt hatte. Seitdem war die Angelegenheit etwas in den Hintergrund getreten und man will nun jetzt, an der Hand der bis dahin gemachten Erhebungen, neue Aufstellungen machen zu einer mehr grundsätzlichen durchgreifenden Reform. Die morgen stattfindende Enthüllung des L>tand- bildes Friedrich Wilhelm's III. wird zwar ohne große Feierlichkeit erfolgen, aber doch einen gewissen militärischen Charakter tragen. Nach einer ausdrück­lichen kaiserlichen Anordnung sollen sämmtliche zur Zeit in Berlin anwesende active und inactive Generäle morgen Nachmittag 2 Uhr sich an dem Denkmal versammeln, wo der Kaiser in Begleitung sämmtlicher Prinzen erscheinen wird.

Serif*, 1. Septbr. Der gestrige Zapfenstreich verlief, von klarem Himmel begünstigt, vollständig dem Programme gemäß. Die Ordnung war überall vorzüglich.

Wien, 31. August. Wer hat eigentlich bis jetzt vor Alexinatz gesiegt? Die Serben oder die Türken? Belgrader Telegramme lassen die Türken auch am 28. d. wieder geschlagen werden; die türkische Regierung erklärt die Nach­richt von einer Schlappe vor «lexinatz fürvollständig erfunden" und behaup­tet, daß die Truppenbis daher eine ununterbrochene Reihe »on Erfolgen

unter den deutschen Gymnasien ein Unterschied nicht gemacht. Wegen der cußerpreußischen, den Realschulen erster Ordnung gleich zu stellenden,Anstalten ist eine weitere Bestimmung Vorbehalten. Diese von einem liberalen Gerste ge- tragenen Bestimmungen werden unzweifelhaft einen günstigen Eindruck machen.

Alles das hat sich herrlich erfüllt. So feiert die Nation am 2. September nicht nur das Gedenken an die Ehren des Krieges und des Friedens, sondern zugleich das Fest ihrer eigenen Wiedergeburt. Die Dankbarkeit des Volkes hält in frommer Sitte an der Wahl fest, die es in der aufwallenden Glut seiner Begeisterung getroffen hat. Es ist ein Fest, bei dessen Feier alle patrio­tischen Herzen sich in weihevollster Stimmung und im Gefühl innigster Gemein­schaft zusammenfinden können, weil jener Tag neben den unmittelbaren Früchten des Waffensieger der Nation das sichere Bewußtsein brachte, daß ihr Einheits­gefühl mächtig genug sei, um alle Prüfungen zu bestehen und alle Gegner zu überwinden. Ein Fest voll von so freudigen und 'erhebenden Erinnerungen wird in alljährlicher Wiederkehr naturgemäß für die Nation zu einer theuren Ge­wohnheit, aus welcher dem Volksgeist der Quell reiner Vaterlandsliebe mit belebender, reinigender und versöhnender Kraft stets in neuer Frische zuströmt.

Serif*, 31. August. Aus Erlangen geht uns die betrübende Nach­richt 4 .. daß hie deutsche Wissenschaft, welche in jüngster Zeit so viele hervor­ragende Vertreter verloren, nun auch den Tod Rudolf v. Raumer's zu beklagen hat. Dieser Träger eines auf den Gebieten der Staatskunst und der Wissen­schaften vielgenannten Namens war geboren 1815 in Breslau als der Sohn des Geologen, Geographen und Pädagogen Karl Georg und der Neffe des berühmten Geschichtsschreibers Friedrich v. Raumer. 1846 wurde Rudolf v. R- zum außerordentlichen, 1852 zum ordentlichen Professor der deutschen Sprache und Literatur ernannt. Von seinen Werken nennen wirAspiration und Lautverschiebung,"Die Einwirkung des Christenthums auf die hochdeutsche Sprache,"Vom deutschen Geiste,"Deutsche Versuche.' In dem berühmten Werke seines Vaters, derGeschichte der Pädagogik", bearbeitete er die den Unterricht im Deutschen betreffende Abtheilung. Als bewährter Forscher auf dem Felde der Rechtschreibung wurde er von dem preußischen Unterrichts- Minister eingeladen, einen Entwurf zur Reform der deutschen Orthographie auszuarbeiten, welcher den Berathungen einer nach Berlin zu berufenden Ver­sammlung von Fachmännern als Grundlage dienen sollte. Diese Conferenz hat im Anfänge des laufenden Jahres ihre Aufgabe erledigt; zu sehen, welche praktische Frucht sie tragen wird, sollte ihrem hervorragendsten Mitgliede nicht

Darmstadt, 30. August. Die schon früher anberaumte, aber wegen ter baulichen Veränderungen im Ständehause vorerst ausgesetzte Sitzung des Kinanz-Ausschusses der zweiten Kammer zum Staats-Budget gefaßten Beschlüsse, soweit solche von denen der zweiten Kammer abweichen, berathen werden soll, it nunmehr auf den 7. nächsten Monats festgesetzt. Bis dahin hofft man das entsprechende Sitzungs-Zimmer fertig zn stellen. Der im Wahlkreis Darm- rc9 Kit« ßadt-Großgerau gewählte Landtags-Abgeordnete Dr. Stüber hat sich tu Folge t seiner Ernennung zum ersten Hofgerichts-Director und Geheimerath einer Neu-

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andeltl^ Hochschulen gleichgestellt werden. Der Uebergang von einer Anstalt auf die cnbere während des Studiums ist zuzulaffen. Candidaten, welche das deutsche Jndizenat besitzen, werden hinsichtlich der Zulaffung zur Prüfung den preu^

SB (I i4en Staatsangehörigen gleichgestellt. In Bezug auf die Vorbildtmg werd (803 P*

Mafnz, 29. August. Nach demMainzer Tagebl." waren bei dem «in vorigen Sonntag hier abgehaltenen Delegirten-Tag der altkatholischen Ge­meinden und Vereine des Großherzogthums Heffen und der Provinz Heffen- Nasfau u. A. Mainz, Bensheim, Hanau, Heßloch, Ober-Ursel, Offenbach und Wiesbaden vertreten. Es wurde beschloffen, einen Bezirks-Verband Heffen und Heffen-Nassau zu gründen und einen Abgeordneten zu dem Mitte September in Breslau stattfindenden großen Altkatboliken-Congreß zu senden.

Berlfn, 31. August. Mit der Wiederkehr unseres nationalen Festtages .find auch alle jene weisen Berather wieder auf dem Plan, welche mit tausend schweren Bedenken das Volk von der Feier abzuwenden ober wenigstens ihm ien Frohsinn zu stören trachten. Grund- und Eckstein ihrer Deklamationen ist diesmal die andauernde Krisis auf gewerblichem Gebiete, das allgemeine Dar­niederliegen von Handel und Verkehr.In solcher Zeit feiert man keine Feste , se hallt es überall aus der ultramontanen wie aus der social-demokratischen Presse. Wenn diegläubigen Katholiken" am päpstlichen Geburtstage allerlei demonstrative Feierlichkeiten in Scene setzen, wenn sie zu den Lustbarkeiten prunkvoller Processionen zahlreicher herbeiströmen, wenn andererseits dassocia- listische Proletariat" sich lustig aus den unaufhörlichen, zu agitatorischen Zwecken tusgebeutetenArbeiterfesten" tummelt das ist Alles durchaus in der Ord- 'p nung; aber daß das deutsche Volk einmal in festlicher Stimmung froh werde ber so lange vergebens ersehnten nationalen Einheit, das verbietet die schwere * Noth der Zeit I Es wäre überflüssige Mühe, solche Reden zu widerlegen. I Die heutigeProv.-Corresp." schreibt zumZum Septemberfeste" u. Nach Vollendung eines sechsjährigen Zeitraums hat die Begeisterung der Nation " _|- r 2. September sich in voller Lebhaftigkeit erhalten

. ... nachHn Setten'^hin festere Wurzeln geschlagen. Was der Volkssinn so-

M fort ahnungsvoll voraussah, als vor den geeinigten Waffen Deutschlands unter 1 Führung des preußischen Heldenkönig« die gewaltige Streitmacht Napoleons III. 1,l- in den Staub sank; das ruhmvolle Ende des Krieges, die Sicherung der vater- ländischen Grenzen, da« Erstarken Deutschlands nach Außen und nach Innen

H Vollendung eines sechs / v**r für das Ennnerungsfrst des W1 und nach allen Seiten hin s (tjttF"