Zweck die Occupation erforderlich erscheine. Wollen sich andere Mächte hieran betheiligen, so wünscht Rußland auch jetzt noch nichts Besseres; wenn nicht, so muß Rußland zur Erreichung derselben Zwecke, welche im Berliner Memorandum gebilligt sind, seinerseits executorisch vorgehen.
Petersburg, 30. November. Die Aeußerungen der Berliner „Post" über die jüngsten Kundgebungen der russischen Politik in der Depesche Gort- schakofsis an Schuwaloff vom 19. Novbr. haben in hiesigen maßgebenden Kreisen Erregung verursacht. Aus dem zweiten Schreiben wird eine abgerissene Bemerkung (es ist wahrhaft peinlich, zu sehen, wie zwei große Staaten, die vereinigt den Frieden Europas zu ihrem gegenseitigen Bortheil und zum Vor- theil Aller regeln könnten, sich selbst und die Welt durch einen auf Vorurtheile und Mißverständnisse begründeten Antagonismus beunruhigen) von der „Post" herausgegriffen und als Prätension bezeichnet. Bei dem Bestehen des Drei' Kaiser-Bündnisses, welchem Rußland jederzeit seine volle Treue bekundet bat, kann dieser Paffus nur bedeuten, daß der Antagonismus der zwei Machte das allgemeine Etnverständniß erschwert. Die Parallele, welche die „Post" in einem besonderen Artikel mit der Sprache Rußlands von 1873 zieht, ist vollständig unzutreffend einer Sachlage gegenüber, die einerseits durch die Stellung Rumäniens eine völlig andere ist als dazumal, und der andererseits die der jetzigen Situation vorangegangenen, von den Mächten vereinbarten gemeinschaftlichen Schritte ein vollständig anderes Gepräge gegeben haben.
Warschau, 29. November. Die hiesige Einwohnerschaft hat an den Kaiser eine fast gleichlautende Adreffe mit den von Petersburg, Moskau, Tambow überreichten abgesandt. Die Stimmung ift überall russenfreundlich und für die Slaven-Sache. — Sierock wird befestigt.
Türkei.
Konstantinopel, 29. November. Die französischen Bevollmäch- tigten zur Conferenz, Grafen Chaudordy und Bourgoing, sind heute Morgen hier angekommen.
Pera, 29. November. Gutem Vernehmen nach ist eine Minister-Krisis ausgebrochen, indem der Großvezir seine Zustimmung zu Midhat Paschas Ver- faffuugs-Entwurf aus principiellen Gründen verweigerte und auf die Entscheidung des Sultans drang.
Aumänien.
Bukarest, 30. November. Die Position der Minister erscheint durch die Haltung des Senats erschüttert, doch verlautet von der Demission des Ministeriums bisher noch nichts.
Amerika.
New-Aork, 29. November. Die öffentliche Ruhe in Süd - Carolina ist bisher noch nicht gestört. Sämmtliche demokratische Abgeordnete nebst zwei von ihren republikanischen Collegen sind in einem öffentlichen Local der Stadt Columbia zusammengetreten und haben sich als legale legislative Versammlung constituirt, deren Anerkennung sie fordern.
New-Uvrk, 30. November. Die Mitglieder des Senats von Süd- Carolina, welche der demokratischen Partei angehören, haben gegen die Legali- tät der durch die Republikaner dieses Staates constituirten Repräsentanten- Kammer Verwahrung erhoben.
Lokal-Notiz.
- Gießen, 1. Dec. Auf der hiesigen Aktienbrauerei wurden heute Morgen große Lagersässer gepecht. Eines derselben zerplatzte mit einem furchtbaren Knalle und zerschlug einem vor dem Faste stehenden Küfer den Oberschenkel- Die brennenden Faßdauben flogen haushoch und zum Theit bis an die schöne Aussicht- Infolge der riesigen Feuergarbe stürmte es vom Thurme, doch war in kurzer Zeit jede Gefahr beseitigt. Der schwer Verletzte wurde in die Klinik verbracht.
_ -Heute Recht wurde in einem Hause der Wehsteingasse ein Einbruch vrsucht.
A ursche, durch die Hausleute gestört, nahm ohne irgend etwas mitzunehmen durch das Fenster, wo er auch eingestiegen, seinen Rückweg.
. gestrige 4 Abonnements-Co. cert war wieder so ftarf besucht, daß fast
kein Platz mehr in dem großen Saale zu haben war. — Wenn auf der einen Seite das Publikum der Musik durch zahlreich s Besuchen der Concerte seine Anerkeniung zollt- so darf man andererseits aber doch erwart n, daß etwas mehr Ruhe herrschen sollte. Z. B. die erste Polonaise von Chopin konnte absolut nicht zur Geltung komnen weil der Lärm und das Getöse der Art war, ban, wenn Referent Musiker gewden wäre, er das Podium im Stich gelassen hätte. Daß ferner Hunde in den Concertseal mitgebracht werden, ist gelinde gesagt, eine Ungezogenheit, die nicht strenge genug gerügt werden kann. Hoffen und erwarten wir, datz für die folgenden Concerte bie\e Uebelstände Wegfällen.
Literarisches.
Fünftig Fabeln für Kinder, von Wilhelm Hey. In Bildern gezeichnet von Otto S p e ck t e r. Nebst einem ernsthaften Anhänge. 2 Bände. Gotha, Friedrich Andreas Perthes. Gr. Ausg. ä Bd. c/ft. 3. 50- kl Ausg. ä Bd. clL 1. 50. '
»Das ist ein Jugendbuch bester Art, wie es für Kinder von fünf bis acht Jahren fein schöneres gibt. Es ist schwer zu sagen, wer hier das meiste Verdienst hat ob der Dichter ober der Künstler; beide haben so Vortreffliches geboten, daß die Kinder und bi_e Alten ihre Freude daran haben. In keinem Haus, in dem frische Kinder he! umspringen, sollte dies Buch fehlen."
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Kalender Welche Anhänglichkeit unsere deutschen Landsleute jenseits des Meeres für die alte Heimath haben, zeigt nachstehender Brief aus den Vereinigten S'aaten, dessen Schreiber über einen Dollar für einen Kalender bezahlte, der in Deutschland in jedem Städtchen für wenige Groschen verkauft wird. Der Brief lautet: „Mit dem tapfern nnd ehrlichen Lahrer Kalender bähe ich dieses Jahr wenig Glück gehabt Er kostet mich schon über einen Dollar. Ich sah den Kalender, den „Lahrer hinkenden Boten", advertig ed by Schaefer und Koradi in Philadelphia für 25 Cts., und sandte diese dahin; — keine Antwort! — Unser Postmeister hatte hier Hunderte von Dollars gestohlen und Massen von Briefen, blos der Post stamps wegen, vernichtet und er sitzt jetzt im Schnitzlebutzhäusle. Ich sandte nochmals 25 Cts. nebst Porto und bekam einen „Deutschen Reichsboten" mit einem großen Blutfleck.il an der Nase, welcher aber stark nach Frömmelei und Heuchelei riecht, gedruckt in Leipzig. Endlich sandte ich 50 Cts. an Theod. Bernhard in New-Aork, von dem ich dann den echten Tabak bekam." (Konstanzer Zeitung.)
Frijchbäcker ju Gießen.
Sonntag, den 3. December 1876. W. Lang in der Neustadt. H. Kuhn am Kreuz. L. Keil in den Neuen Bauen
Kirchliche Anzeigen der evangelischen Gemeinde zu Gießen. Gottesdienst.
Sonntag, den 3. December.
I Advent. Morgens: Pfarrvicar Schöner. (Feier des heil. Abendmahles) Nachmittags: Pfarrverwalter Schlosser. (Am Dor- und Nachmittag wird eine Collekte für die Stadtkirche erhoben.) (Die Pfarrgeschäfte für die Woche vom 3. bis 9. December besorgt Pfarrer Dr. Seel.)
Kaufmännischer Verein Frankfurt a. M.
Unser Bureau, das die Herren Chefs kostenfrei bedient, vermittelte im abgel Jahre (auch Nichtmitgliedern) über 1000 Commis- und LehrlingSstellen. (3765
Frucht- und Mehlpreise in verflossener Woche von nachbenannten Orten und Fruchtmärkten.
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Waizen 200, Korn 180, Gerste 160, Spelz und Hafer 120, Erb
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en, Linsen, Wicken 220, Kartoffeln 200, Mehl 140 Pfund.
•Sk1 Die Mainzer und Lauterbacher Preise verstehen sich zu 200 Pfd.. die von Grünberg zu 50 Klgr.
Hafer.
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Allgemeiner Anzeiger.
Bekanntmachung.
Zur Bezahlung der Zinsen, welche von den bei der hiesigen Spar- und Leihkasse angelegten Kapitalien am Ende dieses Jahres fällig werden, sind nachstehende Termine festgesetzt, und zwar:
2) Dienstag den 5. December 1876,
3) Mittwoch , 6. „ „
4) Donnerstag „ 7.
5) Samstag „ 9.
6) Dienstag „ 12. „
7) Mittwoch „13.
8) Donnerstag „ 14. „
9) Samstag „ 16.
10) Dienstag „ 19.
11) Mittwoch „ 20. „ "
12) Donnerstag „ 21. "
13) Samstag ,, 23.
14) Mittwoch „ 27.
15) Donnerstag „ 28. „
16) Samstag „ 30. „ „
sowie
17) Dienstag den 2. Januar 1877,
18) Mittwoch „ 3. „
19) Donnerstag „ 4. „ „
20) Samstag „ 6. „ „
21) Dienstag „ 9. „ „
22) Mittwoch „ 10. „
23) Donnerstag „ 11. „ „
24) Samstag „ 13. „ „
Die Interessenten werden daher aufge- forbeit die Zahlungen an diesen Tagen in Empfang zu nehmen und hierzu durch Vor zeigung der Schuldscheine sich zu legitimiren.
Zugleich wird bemerkt, daß die auf den Donnerstag fallenden Zahltage für die Interessenten der Stadt Gießen, dagegen die übrigen Zahltage für die Auswärtigen bestimmt sind.
Die Herren Bürgermeister werden ersucht, dieses in ihren Gemeinden auf ortsübliche Weise bekannt machen zu lassen.
Gießen, am 28. November 1876. (5160
Aer Kechner der Spar- und Leihkaffe:
Kehr.
Köln - Gießener - Eisenbahn.
6196) Die Ausführung der Erd- und Maurerarbeiten zu einer Centesimal- Brückenwaage auf Bahnhof Gießen, nebst Lieferung aller Materialien soll vergeben werden Zeichnungen und Massenberechnungen sind auf dem Bureau des Bohnhofs'Jnspectors der Köln-Gießener-Bahn zu Gießen einzusehen, woselbst Offerten innerhalb 8 Tagen abzugeben sind.
Wetzlar, den 27. November 1876.
Der BetrLebs-Jnspector:
_________ Bolko.
Bekanntmachung.
Für die Großherzoglichen Oeconomie- gebäude zu Neu Ulrichstein bei Homberg ist die Anlieferung von 5700 gewöhnlichen Plattziegeln an Ort und Stelle oder eine Station der Oberbeff Bahnen nöthig und werden baldige Offerten entgegen genommen.
Grünberp, den 29. Nov. 1876. (6203
Großherzoglichks Kreisbauamt Grünberg.
Dr. Diffenbach
Im Firmen-Register des unterzeichneten Gerichts ist heute folgender Eintrag vollzogen worden:
Louis Rothenberger zu Gießen betreibt dahier feit 1. Juli d. I. unter der Firma „Louis Rothenberger" ein kaufmännisches Geschäft.
Gießen, den 28. November 1876. (6230
Großherzogliches Stadtgericht Gießen. Bötticher.


