aber sind zum ersten Male im bisherigen Verlauf dieses nunmehr dreiwöchentlichen Feldzuges übereinstimmende Nachrichten von dem Rückzug der serbischen Armee — die von letzterer stammenden Meldungen sprachen von einer durch die Umstände gebotene Frontveränderung der Armee des General Tschernajeff, — eingetroffen und die natürliche Frage, zu der diese Nachricht Veranlassung giebt, ist die, ob eine etwaige Niederlage der serbischen Armee als ein, den Jnteresien des Friedens günstiges oder ungünstiges Ereigniß anzusehen sein würde. Wenn die Türkei und Serbien allein auf der Welt wären, würde die Antwort auf diese Frage nicht zweifelhaft sein können. Ein wirklich entscheidender Sieg der Türkei würde den Feldzug alsdann wahrscheinlich beenden, denn Serbien wäre aus eigener Kraft schwerlich im Stande, die Folgen der ersten großen Niederlage zu überwinden. Dagegen würde ein Sieg Serbiens, der an Hilfsmitteln mächtigen Pforte schwerlich sobald den Garaus machen und nur eine Verlängerung des Krieges zur Folge haben. So liegen die Sachen r.un aber nicht, denn Serbien und Montenegro einerseits, und die Türkei andererseits, find eben nicht allein aus der Welt. Hinter Serbien steht ein Höherer und wenn es demselben auch noch nicht beliebt, die Gardine zu heben, die ihn den Blicken des verehrlichen Publikums entzieht, so sehen doch die Leute auf den vorderen Plätzen die Strippen, an denen seine mächtige Hand die Puppen lenkt. Und wird die siegreiche Türkei etwa Neigung haben, die Forde- Tungen Rumäniens zu erfüllen, wird dieses, erschreckt durch das serbische Beispiel, die Flinte ins Korn werfen? Alles dies sind Fragen, die sich im jetzigen Augenblick jeder Politiker vorlegen muß, ohne daß man im Stande wäre, dieselben präcis zu beantworten. Die Situation ist oben unklar und dies vornehmlich dadurch, daß die Mächte mit einander Versteckens spielen, daß die Kaiser sich küsien, während die Völker die Fäuste ballen. Jndeß dürfte eine Entscheidung nicht mehr fern sein, denn das Gefühl ist allgemein, daß der jetzige Zustand ber Dinge unhaltbar ist.
Aus dem Großherzogthurn Hessen, 27. Juli. Der Artikel 4 des Gesetz-Entwurfes über die Ehe-Verlöbnisse in den Provinzen Starkenburg und Oberhessen bestimmt: „Aus einem Verlöbnisse kann nicht auf Eingehung der Ehe geklagt werden. Die bestehenden Vorschriften über die vermögensrechtlichen Folgen des Bruches eines Verlöbnisses bleiben unberührt." Es soll sonach auch zukünftig wegen einseitigen Rücktritts von einem Verlöbnisie eine Schadens- Ersatz-Klage auf Leistung einer Geld-Summe zulässig sein, welche Bestimmung bisher zu einer Reihe unangenehmer Procesie Anlaß gab, die mit dem idealen Charakter des Verlöbnisses wenig harmonirten. Es ist daher in der juristischen Literatur die Frage angeregt worden, ob jene bisher verfolgten Grundsätze nicht zu ändern seien.
Darmstadt, 29. Juli. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben dem Präsidenten des Oberconsistoriums, Friedrich Kritzler, in Anerkennung seiner fünfzigjährigen treuen und ersprießlichen Dienste das Comthurkreuz erster Classe des Philipps-Ordens allergnädigst zu verleihen geruht.
Berti«, 29. Juli. Die Bezirkstage in Elsaß-Lothrtngen find, wie der „Relchs-Anz." meldet, auf den 21. August einberufen und werden spätestens am 22. September geschloffen. Die erste Sitzungs-Periode der Kreistage beginnt am 7. August, die zweite am 14. September; jede derselben dauert höchstens fünf Tage.
München, 29. Juli. Heute Mittag um 1 Uhr wurde die Session des Landtags in feierlicher Weise vom Prinzen Luitpold geschloffen. Inhaltlich des hierbei verkündigten Landtags-Abschiedes behält sich die Krone mit Rücksicht auf die über den Forst-Unterricht zu Aschaffenburg, den obersten Schulrath und die fünfte Classe der Latein-Schulen gefaßten Beschlüsse das Recht, organisatorische Bestimmungen zu treffen, vor. Hierauf werden diejenigen Beschlüsse und Anträge, welche von der Krone genehmigt sind, speciell aufgeführt. Mit Bedauern wird ferner hervorgehoben, daß die Aufbesserung der Beamtengehalte nicht in zureichender Weise beschlossen, und der Widerstreit der Meinungen beklagt, welcher in einigen während des Landtags gehaltenen Reden selbst auf die Form nicht ohne Einfluß gewesen sei, doch wird schließlich die Hoffnung ausgesprochen, daß die Gegensätze sich mehr und mehr ausgleichen
Dresden, 29. Juli. Die hier zusammengetretene allgemeine Conferenz der deutschen Eisenbahnen zur Berathung über die Einführung eines einheitlichen Tarif-Systems wurde vom Finanzrath Wolff (Braunschweig) eröffnet. Der bisherige Verlauf der Verhandlungen läßt hoffen, daß eine Einigung zur Annahme eines gemischten Systems auf Grund des bayerischen Local-Tarifs und des bayerisch-sächsischen Tarifs erzielt werde. Das preußische Handels-Ministerium ist bei der Conferenz durch einen Commiffär vertreten.
6)tfi<rrd4.
Wien, 29. Juli. Sultan Murad hat vorgestern seine Abdankung unterzeichnet; sein Bruder Abdul Hamid ist zu seinem Nachfolger berufen. Die Mächte sind hiervon bereits vertraulich verständigt mit dem Beifügen, daß die Politik der Pforte dadurch nicht alterirt werde. — Aus Belgrad wird gemeldet, daß Ristics und Gruics gestern nach Alexinatz zum Fürsten Milan gereist find. Ristics hatte vorher eine mehrstündige Unterredung mit dem österreichischen Vertreter Fürsten Wrede. Kolokotronis, der Abgesandte der griechischen Hetärien, ist in Belgrad eingetroffen. Derselbe war vorher in Paratschin und Kragujevatz. Die serbische Armee bleibt an der Morawa und am Timok in der Defensive. Die Jbar- und Drina-Armeen werden die Offensive fortsetzen' Alimpics soll den russischen Oberst Kanaroff zum Nachfolger erhalten.
Wien, 29. Juli. Dem „Telegr.-Corresp.-Bureau" wird von Zara aus „besonderer Quelle" gemeldet: Bei Vrbiza hat ein siegreiches Gefecht der Montenegriner unter dem Fürsten Nikita über die Türken unter Mukhtar Pascha stattgefunden, in welchem Osman Pascha und viele andere Türken gefangen genommen wurden.
AranLreich.
Paris, 28. Juli. Die Deputirten-Kammer setzte die Discussion über das Budget des öffentlichen Unterrichts fort; 30 Artikel sind angenommen.
Paris, 28. Juli. Das „Journal officiel" meldet, daß zwei Reserve- Lloffen zu großen Manövern einberufen wurden. Die türkische Regierung hat im Pariser Leihause für zwölf Millionen Diamanten, die dem letzten Sultan gehörten, versetzt.
Zum Schützenfest
unter der Presse. Diese Thatsache bekundet die lebhafte Theilnahme, welche die Mairiel 'M,Häcksxu^ !*e01 Bevölkerung dem Schützenfest entgegenbringt. Es wurde uns auch dieser Tage 1
legenheit geboten, einen Blick auf die bis jetzt dem Comitä zu Gebote stehenden Fst'
gaben zu werfen. Wir waren überrascht von dem Anblick, der uns hier geworden um Jjii ß>one Früh beneideten insgeheim den glücklichen L-chützen, der sich als Siegespaline eine dieM j
werthoollen Gaben erschießt- Selbst das Reichsland hat Mainz nicht vergessen uw k J
t Aen fcU^erfaü(
Die erste Auflage der Abonnements-Festkarten für das Schützenfest wäre ut griffen, und im Augenblick, als wir diese Zeilen niederschreiben, ist eine neue Aufl gi
— Stadtherr, auf ein im Bau begriffenes großes Gebäude zeigend: „SiW Du, Bauer, das ist das neue Narrenhaus für die Bauern." — Bauer: Dell' Hali mi schon denkt, für die Stadtherra wär's eh z' kloan."
Baltimore, 28. Juli. Das Postdampfschiff des Norddeutschen Ll-rff „Braunschweig", Capt. C- Undütsch, welches am 12. Juli von Bremen und am 15- Juli von Southampton abgegangen mar, ist gestern wohlbehalten hier angekommen.
Newyork, 29. Juli. Das Postdampfschiff des Norddeutschen Lloyd „Mosl' Capt. H. A. F. Neynaber, welches am 15. Juli von Bremen und am 18- Juli iw Southampton adgegangen war, ist heute 5 Uhr Morgens wohldehalten hier an>t kommen.
(ßedanfc^
Vermischtes.
— Die Kölnische Zeitung vom 17. Juli enthält folgende Annonce: Zur Ador- tion, Kind, welches per 15. August geboren wird, abzugeben. Fr.-Offerten uikt O. Z 141 an die Exped. d. Bl. Hierauf ist das bekannte Alles schon dageweirn, noch nicht anzuwenden.
Breslau, 23. Juli. lVerfolgung eines Auswanderungs-Agenten.) Wie H „Brl. Tagbl." erfährt, tft gegen den früher zu Hamburg ansässigen Auswanderer- Agenten Lobedanz, der später sein schmutziges Geschäft aus Furcht vor den deutsch«! Gerichten nach Antwerpen verlegte, jetzt von dem Kreisgericht zu Neustadt OS- em Steckbrief erlassen worden. Lobeoanz hatte schon verschiedene Male Rencontres nit den Gerichten; das Hamburger Gericht sprach ihn aber, wie verlautet frei. Nunmeir scheint sich auf Grund der von ihm in Oberschlesien und Westpreußen stark betrieben«! Auswanderung nach Brasilien einer unserer schlesischen Staatsanwälte der Skandalangelegenheit anzunehmen.
Nußrand.
Petersburg, 29. Juli. Dem „Golos" wird aus Bisano vom 28. Jul: gemeldet: Die Armee Mukhtar Paschas hat am 25. Juli die bei Konto stehenden Montenegriner unbemerkt umgangen und ist bereits bei Bilek angelangt; unter diesen Umständen ist die Lage des Fürsten Nikita und seines Generalstabs-Chefs Radonitsch eine verzweifelte.
Serbien.
Belgrad, 28. Juli. Das „Amtsblatt" veröffentlicht eine Verfügung 1 wonach alle fremden Unterthanen Communal-Steuer zahlen müssen.
Belgrad, 29. Juli. (Amtliche Meldung.) Leschjanin meldet, bii Osman Pascha, in seinem Lager bei Veliki Jzvor von der serbischen Artillerie heftig beschossen, am 27. Juli seine Positionen verlassen und sein Hauptquartier um 4 Kilometer rückwärts verlegt hat.
Türkei.
Konstantinopel, 28. Juli. (Amtliche Meldung.) Die Serben versuchten am 26. d. abermals, den Timok zu überschreiten, wurden aber mit Ver« tust von 50 Mann zurückgeworfen. Mukhtar Pascha meldet aus Stutanißz vom 26. d., er habe nach seinem Abmarsch von Nevesinje die Montenegriner unter Fürst Nikita's Befehl zur Zerstreuung gezwungen.
Konstantinopel, 28. Juli. Das Anerbieten der österreichischen Regierung, die Garnison des Forts Klek nebst Munition und Kriegsmaterial aus einem Llovd-Dampfer nach Antioari überführen zu lassen, ist von der Pforte angenommen worden.
Cettinje, 28. Juli, Abends. Der gegenüber der türkischen Aufstellung bei Podgoritza befehligende montenegrinische Führer Bizo Petrovits hat an die Gemahlin des Fürsten Nikita folgendes Telegramm gerichtet: „Gott half un| wie niemals früher. Die türkische Heeresmacht unternahm gestern Nacht und heute früh einen fürchterlichen Angriff aus die Knccianer bei Medun. 2500 Kuccianer und Montenegriner sammelten sich, griffen alsdann ihrerseits den Feind an, schlugen denselben aufs Haupt und nahmen ihm Kanonen, Munition und viele Waffen ab. Hoch lebe der Fürst, Ew. Hoheit, und der Erbprinz sowie unsere heldenmüthigen Truppen!"__
, ., Paris, .29. Juli. Dem M-fluger d- Paris» zufolge haben di- Der- b-ndlimgen bezüglich der Consol.dirung der schwebenden answärtiqen Sckul» Spaneeus zu einem endgültigen Resultat geführt. Die Fundirung dieser Sckulb deren Höhe auf 250 Mill. Fres. angegeben wird, würde durch bk
00,1 bprocentigen Obligationen bewerkstelligt, deren Emission ein einflusireickel Syndicat zum Course oon 85 nebst einer Bank.Commission übernehme Tbeil nehmer dieses Syndicats seien: die Banque d'Espagne, bas zaaus Rothschild eine leistungsfähige Vereinigung von spanischen Bankiers und' eine ebenial^ von französischen Bankiers.
Versailles, 29. Juli. Bei Berathung des Cultus- Budgets hat die Deputirren-Kammcr die theologische Fakultät zu Bordeaux aufrecht erhalten da- gegen die theologischen Fakultäten zu Rouen und Aise nicht ferner bestehen lasten. In einem Schreiben des Erzbischofs von Paris wird gegen die von der Budget-Commission beschlostene Streichung mehrerer für die Geistlichkeit oder geistliche Anstalten angesetzten Ausgabe-Posten Verwahrung eingelegt
außer einer bereits übersendeten Ehrengabe werden auch eine Anzahl L>lraßbur§rr ,
Schützen in unfern Manern einkehren. Ferner sind Ehrengaben sowohl eingetrofler, J
als auch noch angemeldet und werden schützen erwartet aus Düsseldorf, Aachen, Funo
bei Nürnberg, Stuttgart, Bamberg, selbst aus Wien sind Anmeldungen eingetroM. gj. ötoei Also weit hinaus über die Grenzen des Verbandes hat das Mainzer Schützenfest snur it» Mn „ treuen Anhänger gefunden. Die Hessische Luwigsbahn ist dem Festcomitä des Schutzs Vereins in bereitwilligster Weise entgegengekommen. Nicht allein, daß auf allen Streikes während der Dauer des Festes der einfache Fahrpreis in Anrechnung kommt, es neu den auch außerdem noch eine näher zu bestimmende Anzahl von Extrazügen nacü allen Stationen abgelassen werden- Außerdem hat die Verwaltung der Gesellschaft tl>r eigenes, mit dem Kastenwesen vertrautes Personal für einige Festtage zur VerfügM gestellt. Das Programm für den am Sonntag Punkt 11 Uhr vom Schloßplatz aiL? - gehenden Festzug ist endgültig festgestellt und bewegt sich derselbe vom Schloßplatz au»' durch die Rheinstraße, Fischthor über den Markt durch die Schusterstraße, Flachsmarr^ straße, Große Bleiche, Schillerstraße, Ludwigsstraße, Theaterplatz, Schöfferstraße, wj ■ Hof, Augustincrstraße durch das Neuthor nach dem Festplatz. Eine wohlthätige Einriß' tung, besonders für die fremden hier einlreffenden Schützen, ist auch auf AnregAvz des Comitäs eingeführt. Sowohl an den Bahnhöfen, als auch an den Landungspla^ - der Dampfboote werden besonder« bevorzugte Realschüler aufgestellt sein, welche Die hier ankommenden Schützen entweder in ihre betreffenden Quartiere, ober aus 2UUM
*n der Obersörstm . , ^"nerstag den 10 ji in den Domani -Mkops Dörnei lderhaidi.naLve' werden:
J27 Rmtr. Nadel-S
» : 1 y Welten „ N «äÄi'g a6» •• .«^'aminenkunft 9
! G e o
-Ä Will, GS
Kttßeige «rbeitsver ' iu Rutt->
DonnuM b! Morgens
JlMe V-rst-'S-w rnden, als:
1 Maurerarbeit, ve z, Zimmerarbeit, »ßldiif-rd-ck-l-rb- j Pumpenmacde.arc 5) Steinlieferung un derselben, veranst Gießen, den 29. y
Körner, Bez
Mittwoch den Nachmitt wird auf hiesigem R des Georg Chri! 1-030-119 Meter in tnalS öffentlich o-rsb
Gießen, den 11. I
________Lüde
Donnerst ig den 3.
! kugnsi, Nachmittags : Löhnung des Glaser II« Neustadt der N 'M, bestehend iu 5 I Nein, Haus- und Kü I lii meistbietend versteh
Hieße», den 31. Juli Großherzogliches
__Lüdeki
Mittwoch den 2. : Nachmittags
' 1!^n Im Gasthaus zui zwei Pf


