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Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Hießen.
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Aus Hessen. Ein wenig tröstliches Bild gibt ein Mainzer Blatt von den Verhältnissen auf dem Lande. „Daß der ländliche Wohlstand in stetigem Abnehmen begriffen ist", heißt es in einer Ernteübersicht des Blattes, „zeigen die maffenhaften Zwangsversteigcrungei'. Das Oppenheimer Kreisblatt vom 21. Juli verkündigt nicht weniger als 17 Zwangsversteigerungen. Dies ist der gewöhnliche Anfang des gänzlichen Rnines der Vermögen-Verhältnisse der kleinen Bauern. Wer die ländlichen Verhältmffe einigermaßen kennt, der weiß, daß, wenn einn.al einem Dauern Kühe oder die sämmtliche Crescenz seiner Felder versteigert wird, die Unmöglichkeit vorliegt, sein Budget in Ausgaben und Ein- nahmen in das Gleichgewicht zu bringen. Ist dabei das kleine Gut nicht frei von Belastungen, dann fallt er in die Hände der Wucherer, der Vampyre, die ihn umkrallen, bis die unglückliche, jammernde und händertngcnde Familie aus ihrem sauer erwvidenen Desire verdrängt ist. Fälle man fein kaltes egoistisches Unheil; denn die Mißgeschicke treffen oft den fleißigsten Arbeiter, ohne daß er sie abwenden kann. Er kommt ohne Verschulden mit Weib und Kind an den Bettelstab Wo findet sich für einen solchen bedrängten Landmann eine helfende Hand? Nirgends 1! !*
Darmstadt, 27. Juli. Die Nr. 35 des Großherzoglichen Regierungsblatts hat folgenden Inhalt:
1. Allerhöchste Verordnung, die Verbüßung der Forststrafen durch Arbeit und Hast betreffend.
2. Ucbcrsicht der für das Jahr 1875 genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Communal-Bedürsniffe in den Gemeindcii des Kreises Oppenheim.
3. Bekanntmachung Großherzoglichen Kreisamts Alzey, betreffend die Besoldung des Großherzoglichen Rabbiucn zu Alzey.
4. Ordensverleihungen.
5. Ermächtigungen zur Annahme und zum Tragen fremder Orden.
6. Namcnsveränderung.
7. Dienstnachrickten. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben aller- gnädigft geruht: am 29. Juni den von dem Herrn Fürsten zu Dsenburg und Büdingen auf die Gemeinde-Schulstelle zu Rieder-Mockstadt präsentirten Schnl- lchrer Philipp Adam Bechtold zu Gedern für diese Stelle zu bestätigen; am 2. Juli den Lehrer an der dritten Elementarschule zu Büdingen, Wilh. Schwarz, zum Lehrer an dem Schullehrer-Seminar zu Friedberg und den in der Eigen- schäft als Volksschullebrer angestcllten Seminarlchrcr Johann Friedrich Schmidt zu Friedberg zum Lehrer an dem genannten Seminar zu ernennen und dem Letzteren die Rechte eines Civil-Staats-Beamten zu verleihen; am 3. Juli dem Schullehrer Friedrich Förster zu Maar die Gemeinde-Schulstelle zu Nieder- Breidenbach, am 5. Juli dem Buchhalter bei der Hauptstaatskasse, Rechnungsrath Karl Hahn, die Stelle des Rechners der Brandversicherungskaffe als Nebenstelle zn übertragen; am 6. Juli den Friedrich Hecht von Darmstadt zum : Ministerin! Kanzlisten zweiter Klaffe bei der Kanzlei des Ministeriums der | Finanzen zu ernennen; am 8. Juli den von dem Herrn Grasen zu Solms- Laubach auf die vierte Gemeinde Schulstelle zu Laubach präsentirten Schulamts- Lspiranteu Jacob Spilger ans Bonsweiher für diese Stelle zu bestätigen; an ! demselben Tage dem Schullehrer Johannes Knauß zu Bischofsheim die erste Gemeinde Schulstelle daselbst zu übertragen.
8. Dienstenthebung. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben aller- k gnädigst geriiht: am 5. Juli den Hauptstaatskaffe - Director Ernst Feidel von der iym als Nebenstelle übertragenen Stelle eines Rechners der Brandversiche- 11 rungskaffe zu entheben.
9. Versetzuiig in den Ruhestaiid. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 5. Juli den Tistrictseinnehmer der Districts- riilnehmerei Bingen, Friedrich Stroh, unter Anerkennung seiner treugeleisteten Dienste auf sein Nachsuchen in den Ruhestand zu versetzen, sowie demselben den Charakter als „Rendant" zu verleihen.
10. Concurrenzerösfnungen. Erledigt sind: die Pfarrstelle zu Wixhausen mit einem jährlichen Gehalt von 2851 Mk. 37 Pfg.; die erste Psarrstelle zu Babenhauseii mit einem Gehalt von 2398 Mk. 9 Pfg.; die erste Gemeinde- Echnlstelle zu Reichenbach mit einem Gehalt von 771 Mk. 43 Pfg.; dem Herrn Grafen zu Erbach-Schönberg steht das Präsertationsrecht zu; die Ge- meinde-Schulstelle zu Schlierbach, im Kreise Bensheim, mit einem Gehalt von 771 Mk. 43 Pfg.; die 2. Gemcinoe-Schulstelle zu Bischofsheim mit einem Gehalt von 771 Mk. 43 Pfg.; die Gemeinde-Schulstelle zu Rodau, im Kreise Bensheim, mit einem Gehalt von 685 Mk. 71 Pfg.; dem Kreisratbe des Kreises Bensheim und dem Orlsvorstande zu Rodau steht das Präsentationsrecht auf die. selbe zu; die dritte Gemeinde-Schulstelle zu Bischofsheim, im Kreise Groß- Gerau , mit einem Gehalt von 771 Mk. 43 Pfg.; die Gemeinde-Schulstelle zu Heegheim mit einem Gehalt von 685 Mk. 71 Pfg.; dem Herrn Fürsten zu Isenburg und Büdingen steht das Präseutationsrecht zu; die dritte Schulstelle zu Westhofen mit einem Gehalt von 771 Mk. 43 Pfg.; die zweite Sckul- stelle zli Sprendlingen, im Kreise Alzey, mit einem Gehalt von 771 Mk. 43 Pfg.; dem Herrn Fürsten zu Asenburg-Birstein steht das Präsentationrecht zu.
Berlin, 28. Juli. Die Verfügung des Unterrichts-Ministers, daß es einer Einreichung der in den einzelnen Provinzen erschienenen Bücher an die
hiesige kömgl. Bibliothek nicht mehr bedarf, läßt vielleicht an die Abschaffung der Einrichtiing schließen, wonach die Buchhändler im preußischen Staate ein sog- Pflichtexemplar aller in ihrem Verlage erscheinenden Bücher an die Landes- und ein »weites au die Universitäts-Bibliothek ihrer Provinz unentgeltlich her- geben müffen.
— Ter „Deutschen Zeitung" wird telegraphirt: Prag, 26 Juli. Telegramme vom Lande melden Ukberschwemmungen durch starke Wolkenbrüche in der Iungblmzlauer Gegend. In Jungbunzlau mußte das Militär zur Hülfe- leistilug gegen den Wafferandraug commandirt werden.
Berlin, 28. Juli. Tie „Prov-Corresp." bespricht die jüngste Wendung im Verhalten der Bischöfe und erklärt, daß dieselbe weit über das Gesetz über das Kirchen-Vermögen hinausreiche. Zum ersten Male hätten die Bischöfe thatsächlich den Grundsatz aufgegeben, daß die Kirche nicht die Hand zur Aus- führung der vom Staate einseitig erlaffenen Gesetze über kirchliche Angelegenheiten bieten dürfe. Die Zuversicht der Regierung, daß die Bischöfe erkennen würden, daß sie Gewiffciis halber ihren die Kirche zerrüttenden Widerstand aufgeben müßten, sei unbedingt in Erfüllung gegangen.
AugSbttrg, 29. Juli. Die Augsburger „Allg. Ztg." bestätigt, daß der Domcapitular Hohn in Würzburg in der That.wegen mißliebiger Ausübung seines Wahlrechts von dem bischöflichen Ordinariat zur Verantwortung gezogen ist Auf seine Antwort, daß er glaube, in Ausübung dieses Rechtes wie alle Staatsbürger unbehindert zu sein, wurde Hohn von dem Bischof von Würzburg jeder Dienstleistung und Mitwirkling bei der Diöcesan-Verwaltung bis auf Weiteres enthoben Hohn hat gegen diese Maßregel bei dem Staatsministerium Beschwerde eingelegt.
Oesterreich.
Wien, 29. Juli, gulcon Efendi, erster Secretär der türkischen Botschaft, zog in Vertretung des türkischen Botschafters Raschid Pascha vertrauliche Erkundigungen ein, ob wirklich croatische und dalmatinische Local-Behörden öffentliche Sammlungen zu Gunsten der Jiisurgenten in der Herzegowina zulaffen.
Frankreich.
Paris, 27. Juli. Das amtliche Blatt veröffentlicht heute das Gesetz über den Universitäts-Unterricht. „Univers", das befürchtete, Vorstellungen des Auslandes könnten Mac Mahon bestimmen, eine nochmalige Berathung dieses Gesetzes zu verlangen, begrüßt mit Freuden die Veröffentlichung und fordert die Katholiken auf, mit der Gründung katholischer Universitäten, welche in Frankreich die katholische Lehre und die katholische Wiffenschaft wieder aufrichten würden, rasch vorzugehen. Ter Antrag Häntjen's auf Vornahme der Ersatzwahlen in der Nievre wurde vom Ausschuß verworfen.
Paris, 27. Juli. Tie bonapartistischen Blätter fahren mit großem Eifer fort, den Marschall Mac Mahon und Buffet als ihre Bundesgenossen darzustellen. So sagt der „Girondin" in seiner letzten Nummer: „Vonapar- tisten ! Es gibt deren in Frankreich acht Millionen. Wenn Herr Buffet, wenn der Marschall, wenn Herr de Broglie und wenn Herr Fourtou es sind, so wird man bald die Wenigen zählen können, die es nicht sind. Wenn das dritte Kaiserreich proclamirt sein wird, so wird es Jedermann fein wollen, und Jeder sicher fein , es vorher gewesen zu sein. Die Richter, die Präfekten und die Maires sind es, die Geistlichkeit und die Armee sind es, die Gensd'armen sind es, und ich bin es also sicherlich auch; ich, der wie sie, die Ordnung will, schreibe, was Andere denken, nämlich daß das Heil nur noch im Kaiserreich zu suchen ist."
Paris, 28. Juli. Nach einer hier eingegangenen carlistischen Depesche aus Vourg-Madame vom 27. d. Mts. hat der Carlistenführer Saballs den Regierunge-General Arrondo geschlagen und beabsichtigt, denselben bei Vic einzuschließen. Arrondo hat seine gesammte Cavallerie verloren. Viele Verwundete der Regierungstruppen sind nach Puycerda dirigirt, wohin Martinez Campos sich zurückgezogen hat.
Paris, 28. Juli. Nach Briesen aus Buenos-Ayres vom 27. Juli verweigert Paraguay die Ratification der mit der argentinischen Republik getroffenen Vereinbarungen, verlangt vielmehr von letzterer die Auslieferung seiiies Vertreters, um denselben als Verräther zu bestrafen. Man befürchtet einen neuen Krieg. — Aus Bahia vom 6. Juli werden ernste Conflicte zwischen den Truppen und der Nationalgarde gemeldet, wobei ein Mann getöbtet und mehrere verwundet wurden. (S£ herrscht große Feindseligkeit gegen die Regierung und geuen die Armee.
Versailles, 28. Juli. Tie National - Versammlung nahm heute den Gesetz-Entwurf, betr. die Bestrafung der Verletzung des Monopols der Zünd- Hölzer-Fobrikation, an und begann darauf die Berathung des Marine-Budgets. Tie einzelnen Fractionen der Versammlung haben sich bereits über die Zusammensetzung der Permanenz-Commission während der Vertagung der National- Versammlung verständigt. Erstere wird danach, wie auch in früheren Jahren, saus 13 Mitgliedern der Rechten und 12 Mitgliedern, welche der Linken ange- ören, bestehen.


