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Gießener Anzeiger

Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Hießen

SoiiilW den 30. Mai

Gießen, den 29. Mai 1875.

chenverwalttt 3. i

politischer Theis

Deulschlaitü.

Darmstadt, 26. Mai.

Köhler, Dr. Seel und Weber, als Stellvertreter Clemrn, Müller, Pauly und

Buchner.

sich Disraeli's Erklärung im Parlament, England habe seine guten Dienste

nach einer in polizeilichen Dingen verläßlichen Corrcspondenz folgende detaillirte

Gebäude des hiesigen Jesuiten - Collegiums (Universitälsplatz) wohnende Pater

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beruhigen wollte.

Berlin, 27. Mai. Die Wiener Blätter geben heute übereinstimmend

Bülow ein versiegeltes Schreiben, welchem in einer Enveloppe ein Papier bei« geschlossen war, das die Mitteilung enthielt, daß sich der unterzeichneteWie- singer" am 15. d. Mts., präcise 1 Uhr Mittags, persönlich die Antwort auf die in dem versiegelten Briese gemachten Anträge holen werde. Diesen zufolge sollte Pater Bülow die Vermittlung mit dem Jesuiten - General Pater Beck; in Rom übernebmen. Ter Unbekannte machte sich anheischig, wenn ihm die Summe von 200,000 Fl. zu Vorbereitungskosten eingehäudlgt würde, dem Reichskanzler Fürsten Bismarck das tödtliche Blei in die Brust zu jagen. Ter Hoffnung, daß der Plan gelingen werde und müsse, wild m dem Schreiben Raum gegeben; in diesem Falle bedingt sich Wiesinger eine Belohnung von einer Million Gulden nach Abzug der bereits als Vorschuß erhaltenen

Emmerling, Wernber, Müller und Graf; für die Gesetzgebungscommissiou: Pros. Wasserschlcben, Tieffeuback, Buchiier, Schwabe und Schröder; für die Petitionseommlssiou. Dr. Rieger, Curtmann, Engelbach, Leonhard, Köhler

1. in die Woh­nung des Pater Bülow designirt, mit der Weisung, Wiesinger zu verhaften, sobald er dort erscheinen sollte. Der Grund dieser Maßregel blieb sowohl dem Beamten, als auch seinem Begleiter ein Geheimniß; sie wußten nur, daß sie in einer hochwichtigen Angelegenheit zu interveniren hätten. In der ersten Rackmittagöstunde am 15. d. Mts. erschien im Gebäude des Jesuiten-Collegiums ein anständig gekleideter, etwa 35 Jahre alter Mann mi?blondem Schnurr­bart und begehrte in sehr höflicher Weise, mit dem Provinzial zu sprechen. Tas Auftreten des Fremden war sicher und unbefangen. Diesem Wunsche wurde nach einer früher ergangenen Weisung gewillfahrt. Doch ehe es zu einem Wortaustausche kam, traten aus ein verabredetes Zeichen des Pater Bü­low der Polizeibeamte und der ihn begleitende Detective aus dem Nebenzimmer heraus. Ersterer erklärte Wiesinger denn dieser war der Fremde für verkästet und brachte ihn unverzüglich mittelst Wagens in daS Gebäude der Polizei-Direction am Schottenring, wo er ein mehrstündiges Verhör beim Hos- raihe Weiß zu bestehen hatte. Die Protokolle desselben wurden, entgegen der gewöhnlichen Geschäftsordnung, sogleich unter Verschluß durch einen der ver­

morschenden der aiißcrordentlichen Svnode, Eigenbrodt hier und Dr Seel von Gießen, zu Präsideuteu, zu Schriftführern Bucher von hier und Pfarrer

angeboten zur Sicherung des Friedens und um falschen Auffassungen eutzegen- zutreteu, darauf, daß England über Frankreichs etwaige kriegerische Absichten

trtflH*, Bitt A»t- Montags.

Expedition: S.nzlett.r,, 8tt B Rr. 1.

Geheimerath Kritzler, statt. In einer Absprache bezeichnete er als Aufgabe der Synode den Ausbau der Kircheuverfaffiing. Indem er aus die traurige Lage des größte» Theils der evangelischen Geistliche», des Landes und den da­mit in Verbindung stehenden faktischen Mangel an Studirenden der Theologie hlnwies, und damit das dringende Bcdürsniß der Besserstellung der Geistlichen motivirte, bezeichnete er als eine im Laufe dieses Sommers zur Erledigung zu bringende Berathung die der zur Vorlage kommenden Entwürfe über Aufbesse­rung der Psarrgehalte und deren Classification.

Nach vorgenommener Beeidigung der Mitglieder der Svnode überiiahmen das Amt des Vorsitzenden Wernher von Nierstein (Abgeordneter in der ersten Ständekammer), als ältestes Mitglied, das der Schriftführer Dr. Schröder und Curtmann von Friedberg, als jüngste Mitglieder der Svnode. Bei der hieraus erfolgten Wahl der Vorsitzenden und Schriftführer wurden die früheren

(Darmstadt), Paulv^ Schlich.

Berlin, 27. Mai. Wie aus unterrichteten Briefen verlautet, bezog

Für die Finanzcommission erhielten die meisten Stimmen: Baur,

Schaub erwählt. In den Svnodalausschuß wurden gewählt Schön, Pros.

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Bekanntmach u n g.

Großherzoglichcs Ministerium des Innern h-t dem Gesuch um Erlaubniß zum Vertrieb von Loosen im Großherzogtbum Hessen für die Verloosuna, Wekfye mit dem vom 31. Mai bis 2. Juni c. m Kassel abzuhalteudeu Pferde- und Rindviehmarkt verbunden werden soll, willfahrt.

Es wird die- hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht.

Gießen, den 28. Mai 1875. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Röder.

Brodprcise Win 30. Mai bis auf Weiteres:

(nach eigner Erklärung der Bäckers

2 Kilo gemischtes Brod 54 Pfennig, 1 Kilo gemischtes Brod 27 Pfennig, 2 Kilo Roggenbrot) erste Sorte 46 Pfennig, 1 Kilo Roggenbrod erste Sorte

23 Pfennig, 2 Kilo Roggenbrod zweite Sorte 40 Pfennig.

an sämmtliche Großherzoftliche Büraknneistereien des Bezirks.

Wir ersuchen Sie, in ihren Gemeinden durch die Schelle bekannt machen zu lassen, daß die Forst- und Feldstrafen von der II. Periode 1875 s^revel- anzeigen vom 20. Januar bis 20. März) bis zum 15. nächsten Monats ohne Kosten hierher bezahlt werden können.

L y n ck e r.

nd ZUI" Kosten^

Leihanstah ,er von Holz, len und Hugli.

ind Lager der billiJ cle gratis.

Iliisikbandiung icii,

später in das Präfidial-Bureau der Polizei-Direction und deponirte ohne jeden Eommentar das erhaltene Schreiben, sowie den Beischluß bei dem Polizei- Heute constituirte sich die erste ordentliche Lan- Piäsideuten Ritter v. Marx. Dieser setzte sofort das Landesgericht in Kennt- dcSsyncde der evangelischen Kirche des Großherzogthumö Hessen. Zuvörderst uiß, und im Einverständnisse mit letztgenannter Behörde wurde ein Dberbeamter versammelten sich die Mitglieder der Synode zum Gottesdienst in der hiesigem der Polizei-Direction mit einem Detective für den 15. d. Mts Stadtcapelle um 10 Uhr, woselbst ter Superintendent Dr. Liuß die Predigt----- £n-'~ c " -

hielt. Hierauf fand die officielle Eröffnung der Vtrfammlung in dem SitzungS- locale der zweiten Stäudekammer durch den Präsidenten des Dberconsistonums,

läßlichsten Amtsdiener an's Landesgericht befördert. Der Jnhastirte ist, wie bereits bekannt, der Canzlist Joseph Wiesinger. Anfangs vcrmuthete man all­gemein, er dabe einen Mitschuldigen. Diese Annahme wurde aber gerade durch dieselben Umstände, denen sie eiltsprungen war, wideilegt. Nack Aussage Sach­verständiger rührt nämlich die Schrift des Briefes und des Zettels von einer und derselben Hand her, dock ist jene des Schreibens so küi-stlich verändert, daß der Laie die Täuschung nicht erkennt, die dem Fackmanne sofort auffällt. Wiesinger mußte fick geäußert haben, daß er seinemMitschuldigen" das Re­sultat der Unterredung mit Pater Bülow im Volksgarten hätte berichten sollen. Ter Jnhaftirte wurde darum zu einer bestimmten Stunde mehrere Tage unter strengster Bewachung in die bezeichneie Gartenanlage geführt; doch der erwar­tete Complice kam nicht. Freitag Nachmittag um 5 Uhr wurde Wiesinger aus dem Polizei-Gefangenbause m der Sterngasse, wo er einstweilen intemirt war, abgebolt und in's Landesgericht gebracht," wo er vor dem Untersuchungsrichter, Landesgerickts-Adjuncten Soeß, ein vierstündiges Verhör zu bestehen hatte.

., ......... r vu -----K-.-r- ------- u , o Seüct brr Verhaftete in die Zelle abgeführt worden, wurde ihm gestattet, in

Darstellung des Falles Wiesinger: Bereits am 12 Mai d. I. erhielt der im Gegenwart des Untersuchungsrichters von feiner Gattin Abschied zu nehmen, c v 3 (s.e..:».- cr-n.-i - ", ^-.doch war beiden Eheleuten vorder strenge untersagt worden, etwas auf die

Verhaftung Wiesinger's Bezügliches zu sprechen. Die grau, welche den Grund der Inhaftnahme ihres Mannes weder wußte noch ahnen konnte, war wie ver­nichtet. Sic hatte obnebm in den letzten Jahren in Noth gelebt und mit Ent­behrungen aller Art kämpfen müssen, jetzt wurde auch der, welcher sie und ihr Kind wenigstens vor Hunger schützen sollte, noch verhaftet. Ter Verhaftete wurde in den zwei letzten Tagen ärmlich beobachtet. Sein Geisteszustand wurde aber als ganz gesund befunden. Joseph Wiesinger ist 37 Jabre alt, aus Mäh­ren gebürtig, Vater eines achtjährigen Knaben. Er war früher Expeditor bei der bestandenenNeuen Diener Dmnibus Gesellschaft" und seit etwa zwei Jah­ren Tiurmst in einer Schreibstube in der Innern Stadt. Er genoß eine gute Erziebung und besitzt ziemliche Bildung.

200,000 Fl. aus. In einem Postskriptum versichert der Schreiber vollste Berlin, 27. Mai DieNordd. Allg. Ztg." bespricht das jüngste Oiscretion, auch für den Fall, daß das Attentat mißlingen und der Mörder Collectivschrc ben des preußischen Eplscopats. Tas Blatt meint, die Staats- rrtappt werden sollte. Der Jesuiten-Provinzial begab sich eine halbe Stunde regierung werde auf eine Seitens der Gegner agitatorisch ausgebeutete Contro.

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