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Mittwoch bcn 22 December
1*25.
Politischer Theil^
Die Tragödien von Kcntish ^nock und Bremerhaven.
Es ist eine flute That, den Opfern einer unglücklichen Katastrophe in menschlicher ibeilnnbme hilfreich beiznspringen; eine größere, ans dem Einzel- Unglück die Mahnung zu legislatorischen «Beten abzuleiten, welche der Wiederkehr ähnlicher Fälle vorbengt oder sie doch erschwert. Eine solche angeregt zu haben, danken wir dem Abg. Kapp, welcher die Katastrophe deS Dampfers .Deutschland" noch unter dem frischen Eindrücke des entsetzlichen Ereignisses, der die allgemeine Empfänglichkeit für den vollen Ernst der an die Legislatives flestellten Mahnung auf'S Höchste gesteigert hatte, ziim Gegenstände einer Interpellation im Reichstage machte und auf die Rothwendigkeit ständiger See- gerlchte hinwies. Man kann ja freilich sagen, daß die Angelegenheit, als sie vor das deutsche Parlament gebracht ward noch nicht völlig spruchreif gewesen und gewiß ist cs, daß bet dieser Gelegenheit manch laienhaftes Wort gesprochen worden, wie denn am Ende nur bei einer sehr verschwindenden Anzahl von Abgeordneten einiges Verständniß für Schifffahrtsfragen vorausgesetzt werden darf. Aber di« Interpellation war darum keineswegs unzeitgemäß oder unfruchtbar. Ein Aufschub der Besprechung hätte das allgemeine Intereffe abgekühlt und vielleicht schon heute würde der Reichstag der Erörterung der Schifff«hrl-'Intereffen in ihrem Verhältnisse zum Reich und seinen Behörden nicht ^ene ungewöhnliche Aufmerksamkeit geicheilkt haben, welche die so rasch von Dr. Kapp zur Discussion gestellten Fragen jetzt gefunden. Ein fruchtbarer Bestandtheil der Interpellation wird aber immer die Forderung von Seegerich-
! Das Trauerspiel von Bremerbaven und ganz besonders jenes von Kentish Knock enthalten aber wie für die Gesetzgebung, so noch viel allgemeiner für die Executive des Reiches eine deutliche Mahnung Nicht aus einer Stadt, der man gerne particularistische Abneigung gegen diebestehende Negierung zuschreibt, nicht au» Hamburg allein, sondern aus dem reichstreuen, man darf sagen gut deutschen Beamten kommen die bittersten Klagen, daß, während auf anderen Gebieten Alles foitschreitet, man auf dem einen Gebiete des Seewesens Stillstand und sogar hie und da Rückschritte gegen die frühere kleinstaatliche Ordnung der Dinge fühlt. Das ist eine Ansicht, welche an der deutschen Nordseeküste allgemein verbreitet und in der Tbat wohlbegründet ist. An der Gcwiffenhaf tißkeit und Arbeitslust der zur Bearbeitung der Schifffahrts-Angelegenheiten berangezogenen Kräften wird nicht gezweifelt; aber ihnen fehlt die Selbstständigkeit, Initiative und Autorität, ohne welche Organisations-Arbeiten nicht sachgemäß geführt werden können. Der Hauptfehler liegt darin, daß die an der Spitze stehenden Männer dem Seewesen völlig fremd sind Die Schifffahrts- Angelegenheiten sollten ein besonderes, selbsiftändiges Reffort des Reichskanzler- AmteS bilden, an dessen Spitze eia fachmännischer Dirigent stände. Diese schon früher ausgesprochenen Wünsche dürfen gerade im Hinblick auf die Katastrophe des „Deutschland", welche beweist, daß feit der Ausrichtung des Reiche- nach dieser Richtung keine Fürsorge getroffen worden, wie überall im Seefach nichts Förderndes geschehen, wiederholt werden und finden heute vielleicht ein willigeres Gehör.
ist
heute Abend 6 Uhr hier angekommen. Derselbe bugsirte den franzöfischen
transatlantischen Dampfer
ten bilden, welche einer der wenigen praktisch mit dem Gegenstände vertrauten Abgeordneten, Mösle von Bremen, aus dem Schatze seiner Erfahrungen heraus besonders lebhaft unterstützte. Im Einzelnen sind es auch die Anschauungen
zwei Senatoren zu wählen. NocbeS Point,
Irade des Sultans in einem eingehenden Artikel und erklärt: Die Schwierigkeiten der Durchführung der versprochenen Reformen können nur im Einver- ständniffe und Zusammenwirken der türkischen Regierung mit den Pariser Vertrags-Mächten bewältigt werden.
JPeflb, 18. December. Unterhaus. Auf die Interpellation Simonyi's betreffs des Einmarsches der Truppen in die Herzegowina erklärte der Minister- Präsident : Tie ungarische Regierung habe bisher keine Gelegenheit gehabt, einer solchen Maßregel ihre Zustimmung zu geben oder zu verweigern. Uebn- gens wirke der Minister deS Aeußern in Uebereinstimmung mit den europäischen Mächten dahin, durch die baldigste Herstellung deS Friedens in den insurgirten Provinzen selbst die Möglichkeit einer Störung des europäischen Friedens zu beseitigen.
Nom, 18. December. Der Papst genehmigte die Ernennung Mons. Martinl's zum Abbä von Santa Barbara, ungeachtet der Einsprache des Bischofs.
19. December. Der Dampfer „Ville Brest
Amsriaue", welcher den Schaft zerbrochen hatte.
Staden,
Frankreich.
Versailles, 18. December. (Sitzung der National-Versammlung.) In der heutigen Sitzung wurden Wallon, Minister deS öffentlichen Unterrichts,
DeRerrelcö.
Wien, 18. December. Die „Polit. Corresp." bespricht die Reform-
Deutschland.
Mainz, 18. December. Heute Nachmittag hatte das „Mainzer Journal" abermals auf dem Redactions -Bureau eine polizeiliche Haussuchung
und Dupanloup, Bischof von Orleans, zu Senatoren gewählt. Es sind noch
einen Artikel: „Die Schule und die Politik" soll die Regierung beleidigt worden sein
Kassel, 20. December. Durch einen Unfall bei Brilon (bedeutende Damm-Rutschung) sind gestern zwei Beamte schwer verletzt worden; außerdem sind mehrere andere leichte Verletzungen vorgekommen. Der Verkehr war 24 Stunden gesperrt; seit heute Mittag ist derselbe wieder frei.
Kiel, 20. December. Die Corvette „Arcona" ist gestern Morgen bei Lönstrupp (an der Westküste von Jütland) anfgefahren, wurde um 10 Uhr Vormittags wieder flott und konnte darauf ihre Reise nach Kiel fortsetzen. An Bord ist AlleS wohl.
deS Letzteren, welche mehr als die des Interpellanten selber beachtet zu werden verdienen. Die bisherigen Zustände sind jedenfalls unwürdig und unhaltbar. , _ , . . , , . . , , _ ... -u . •
Dag.j.a, daß bi. .rst. MU-rsuchang m.b bi. Fchst.llm.» b.r W" a-6tr 'M» etW’* »«-. »*' blt °°"> 8: . Durch
lischen Behörden anheimfällt, wenn der Schauplatz, des Unglücks der britischen Küste zunächst liegt und die Zeugen zuerst britischen Boden betreten, ist freilich nichts einzuwenden; denn hier haben wir eö nur mit einem wohlbcgründeten Act internationaler Rechtshülfe zu thun. Aber bedenklicher ist c8 schon, daß englische Seegenchte (wenn auch ohne die praktische Wirkung einer Ltrafdicti rung und der Strafvollstreckung) über Schiild ober Unschuld deutscher Seeleute hinsichtlich eines unter deutscher Hoheit vorgekommenen Falle» aburlheilen. Wir deducircn daraus nicht, wie eS von einigen Seiten in überempfindlicher Nationaleitelkeit, von der wir ja beiläufig an» dem besiegten Gallien ein Erkleckliches mit heimgebracht haben, die Beschwerde, daß die Iustizhoheit des deutschen Reiches in Gefahr ober schon preikgegeben sei. Aber es ist doch wohl zu merken, daß hier die Gegenseitigkeit fehlt; denn wir unsererseits liefern den Engländern keine Seegerichts-Erkenntinffe gegen ihre Seeleute. Dr. Kapp hat von einer Theilnabme deutscher Vertreter an den Functionen britischer Gerichte ge redet, ein Vermittelungsweg, welcher uns nicht recht klar ist und sich praktisch kauni sonderlich bewähren dürfte. Wirkliche Abhülse des schiefen Verhältnisses, wie es zur Zeit besteht, sehen wir nur darin, daß britischen Gerichten deutsche Sachen absolut entzogen und für dieselben deutsche Seegerichie eingesetzt wer den. Daß der Ausführung dieses Gedankens durch die Kapp'sche Interpellation vorgearbeitet worden, darin erkennen wir die wesentliche Bedeutung derselben. Die Bildung ständiger Seegerichte, lange und nachdrücklich genug von nautischen Vereinen und den Handelskammern der Seeplätze befürwortet, will nach dcr Katastrophe deS „Deutschland" und der früheren des „Schiller" endlich
und ernstlich in die Hand genommen werden.
Wenige Tage nach dem Untergange deS „Deutschland" spielte sich zu Bremerhaven eine zweite Tragödie ab, deren Eindruck schon um deS ihr zu. Grunde liegenden Verbrechens noch abschreckender war. Wir glauben, daß auch diesem Ereignisse eine Mahnung an Vie Legislative zu entnehmen i|t. Tas fragliche Verbrechen bestand hier in dem betätigten Willen, durch die vollständige, Paffagiere, Mannschaft und Ladung umfaffende Vernichtung eines Dampfers den Beweis falscher Affecuranz zu zerstören : Betrug der Versicherung- • Gesellschaften , raffinirter Maffenmord aus Gewinnsucht, Mordversuch u- s. w. E» wird nicht schwer sein, au» dem Strafgesetzblicke im gegebenen Falle eine ganze Reihe von Paragraphen zusammenzustellen, welche zur Verurthcilung eines der ruchlosisten Verbrecher tonturriren. Mehr als sterben kann der Mann nun freilich nicht. Aber der Fall selber legt doch noch andere allgemeinere Erwä ginigeii nahe. Ls entsteht zuerst die Frage, ob nicht schon die ganz ohne Folgen gebliebene Vorbereitung zu einem Attentate nach dem Muster desjenigen, welche- sich in der Explosion am Cuai zu Bremerhaven offenbarte, todeswür- bi» sei. ia.fd6ff. 0t nicht bi. minbei O.Tbr^.riM., -b« »icht «eni,« «... N-aptl, 19. T.-.mbtr. H.ut. 8,mittag sah man starke schwarze meingefährliche kommt überbäuna aeiwa Rauchsäulen aus dem Krater des VcsuvS emporsteigen. Es wird befürchtet,
GW’°" °°» -E f.in °irb.
woh'lbearündeten allgemeinen Intereffe begleiteten Falle jenes schwedischen, (Enar,inö.
Damvfers der vor einigen Monaten in Lübeck i'olcke Ladung erhielt. In dem. -r_ , , . r
Strafaesetzbuche wird der Richter wohl die Mittel einer Ahndung finden, aber- London, 18. December. Die Zeitungen veröffentlichen einen Brief wir alauben daß dieselben weil hinter der öffentlichen RecktSüberzeugung zu-deS pernvianischen Gesandten, welcher erklärt, daß feine Regierung bis jetzt hfirfte und daher wäre auch hier wohl eine Aenderung des Straf- noch keine Fonds zur Zahlung des Januar-Coupons habe finden können, und - TTaüp ________________________die Unmöglichkeit korausfieht, dieselben noch rechtzeitig zu erhalten.


