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Oitßtmt Anzcigtr.
Wridffiht t.inltrt), mit 8uA- nabme Montags.
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Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Hießen.
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Pofitischer Thell. Stadtgerichts wegen der Höbe der eventuell jii verhängenden Straft und des Deuljcqlano. Verdichte- der Flucht verhaftet.
Darmstadt, 18. April. Nach den früher in Heften bestehenden ges.tz- Uchen Vorfckriflen war nur tu Impfung der Kinder >m ersten Lebensjahr ob-1 ligatoriich vvrgcsch'reden und waren jährliche Gesammi.Iinpsungen hiersüi cm geführt. Ueber die Kosten der Impfung, welche regelmäßig -)vn den (Sliern ber impfpfiichligen Kinder zu zahlen waren, bestanden eingehende Vorfchriflen, je „ach der Größe der Orte u. |. w. Durch eas Reichs Jmpsgefetz v. I., welches auch Revaccination obligatorisch erngefnbrt hat, sind nun verschiedene gesetzliche Bestlmmiingen qeirostcn n orden, unlche eine Abänderung der fraglichen Aneidnungen gebeten erscheinen lassen. Der § 6 dieses (Gesetzes bestimmt nänl. lich, daß der Impsarzt die jährlichen Impfungen für die Bewohner des Imps- dezirks unentgeltlich vorzunebmen habe und muß daher die Erhebung von Gebühren von den Impspstlchtlgen künftig Wegfällen. Ta nun aber drn Kreisärzten «richt angesomun werden faim, fortan aus die Jmpsgebuhren zu verzich ten, bezw- dre Impfungen uuentgeldlich vorzunehmeu. |o hat die Regierung in den letzten Tagen eine Gesetzesvorlage an die beiden Kanimcrn gebracht, welche mr Wesentlichen folgende Bestimmungen enthält: Von den Kosten, welche durch dre Ausführung des Reichs - Impsgefttzes vom 8. April 1874 entstehen, trägt der Staat den Auswan- für Herstellung der Imps - Institute, sowie für die Beschaffung der erforderlichen Listen, Scheine und Zeugnisse. Vergütung für dre Transportkosten der Imps Aerzte, soweit deren Gewährung infolge ört licher Verhältnisse geboten erscheint, werden glcichsalle von der Staatskasse übernommen. D'e Gebühren der Imps-Aerzle fallen den Gemeinden zur Last. Ter Betrag der Gebühr, welche dem Impf-Arzte für jedes von ihm geimpfte Kiiid zu entrichten ist, wird durch das Ministerium des Innern bestimmt. D'e Gemeinden haben die tür die A-Haltung öffenilicher Impftermine erforderlichen Localitäten zu stellen und dem Impf Arzte die nöthigc Schreibbülft zu gewähren.
(9t- Frkftr. Pr.)
Berlin, 16. April. Abgeordnetenhaus. (Fortsetzung.) Cultusministcr Falk rechtfertigt die Vorlage aus dem Gesichtspunkte der Roihwendigkeit, den Ultramontanen den Einwand zu benehmen, als stehe deii kirchen-politischen Gesetze,i die Verfassung nicht zur Seite, und weist ferner die Behauptung zurück, die evangelische Kirche werde durch die Vorlage geschädigt Schorlemer-Alst spricht gegen die Vorlage, indem er zugleich den Fürsten Bismarck und das Ministerium angreift. Fürst Bismarck stellt einzelne Behauptungen des Vorredners richtig, er constatirt, daß alle Päpste die Ketzer. Verfolgung als Dogma proclammen, dieses laste sich so wenig bestreiten, wie, daß es für Ketzer Iw qnisitlon und Scheiterhaufen gegcbeii habe. Er fährt fort: „Ich achte fremde Dogmen, aber meine Pflicht, die Staats-Autorität zu schützen, ist doch stärker. Wenn der Papst keinen Einfluß auf die Ceittrums Partei hat, so wäre letztere ja eine anti päpstliche Institution. Ich bezeichnete dem Cardinal Antonelli vor Jahren die Bildung der Centrums-Partei als eine Gefahr. Antonelli, der damals noch nicht so unter dem Einfluß der Jesuiten stand, mißbilligte die Bildung des Centrums. Letzteres sandte darauf einen ^Abgesandten nach Rom und verklagte Antonelli. Diese Klage sand geneigtes Ohr beim Papste. Ich hoffe, wir werden einmal wieder einen sricdlicheu Papst haben und ich werde einen' Antonelli finden, der hilft, den Frieden zu befestigen." Virchow, für die Vorlage, bedauert, daß nicht auch der Art. 24 der Verfassung aufgehoben werde. Die erste Lesung wird hieraus geschloffen, Anträge aus Ueberweisung an eine Commission und auf Vertagung werden abgelchnt und sofort die zweite Lesung begonnen. Wmdthorst erklärt, an der Debatte keinen weiteren Antheil nehmen zu wellen. Ein Antrag Virchow's auf Streichung des zweiten Latzes der Vorlage wird ang.nommen und der Gesetzentwurf in folgender Fastunz: .Die Verfassungs-Artikel 15, 16 und 18 sind aufgehoben^, in zweiter Lesung genehmigt. Dagegen stimmt nur daS Centrnm. Nächste Sitzung morgen. Aus der Tagesordnung steht die dritte Lesuiig der Provinzial Ordnung.
Berlin, 16 Avril. Die „Nat.-Ztg." schreibt aus Veranlassung der gestrigen Abstimmung des Herrenhauses über das Dotations-Eperrgesetz: Dian muß die Vorgänge im Herrenhanje für hoch bedeutsam erkennen, da ne nachweisen, wie der letzte Anker gerissen sei, an den sich die Hoffnung der Ultra- montanen knüpfe, nämlich eine nennenswerthe Partei ans ihre Seite zu bringen, gerade wie man überzeugt sein müsse, daß im Kriegsplane der Ultramontanen wenluell das Bündniß mit der coniervativen Partei eure hcrvorragende Rolle spielte. Die gestrige Abstimmung habe diese clericale Hoffnung zu Grabe
Berlin, 17. April. Das Herrenhaus verwies die Provinzia^-Ordnung mr eine Commission von 20 Mitgliedern und nahm das Totatrons-Lperrgesetz n zweiter Beratbung unverändert nach den Beschlüssen der ersten Lesung an. — Der Aufenthalt des Kaisers in Wiesbaden ist auf 14 -^age berechnet, die Rückkehr wird am 3. Mai erwartet, worauf dann die militärischen §ruhiahrS- Btsichtigunaen beginnen _ . „ K
Berlin. 17. April. Der Redakteur der „(Sermanm , Tbieme. wurde wegen einer durch einen Zeitung«-Ärtikel begangenen M-i,stSts-Beleidrgnng und 8»fforderung zum Ungehorsam gegen die Staatsgesetze zur Untmudnma 9^°' gern und gleichzeitig auf Antrag der Staatsanwaltschaft nach dem Beschluß des
öchweiz.
Bern, 17. April. Tic Regierung des Cantons Aargau droht den katholischen Geistlichen bei fernerem Verkehr mit fctm Bischof Lachat und der aufgehobenen Nuutialur mit sofortiger Entlassung.
/railkreich.
Pari», 16. April. Die osficioje „Agentur HavaS" schreibt: Die Berliner Nachricht, daß die französische Negierung mit der Vervollständigung br Cadrcs beschäftigt sei, entbehrt jeder Begründung. Die Cadres werden im Gc^entheil reducirt «erden. Nach dem alten Gesetze zählte das Regiment effectiv 3 Bataillone zu 6 Compagnicen, nebst 3 Depot - Compagnieen ; also kommen 21 Compagnieen aus das Regiment. Nach dem am 13. März votlrtcn neuen Gesitze wird das Regiment 4 Bataillone zu 4 Compagnieen, nebst 2 Depot Compagnieen, umsaften, kommen also 18 Compagnieen auf daS Regiment. Das neue Regiment wird also 3 Compagnieen weniger haben, als das alte. Da nun die Zahl der Officiere für jede Compagnie nicht geändert ist, so geht daraus hervor, daß die Cadres erheblich verringert sind.
Paris, 16. April. Balbie, Präsident des Ausschusses für die Staats- gesetze, hatte heute Confcrenz mit dem Justiz-Minister Tusaure, um über die Garnisongesetze zu beratl)en.
— Cardinal Capalli ist gestorben.
— Der „Gaulois" setzt seine Angriffe gegen Rouher fort. Er erklärt ihn für unfähig, unter de»l jetzigen schwierigen Umständen die bonapartistijche Partei zu leiten.
PariS, 16 April. Ueber die gestern Mittag in Paris zu einem wissenschaftlichen Zweck erfolgte Auffahrt des Ballons „Zenith" wird mitgetheilt: Der Ballon erhob sich mit rapider Geschwindigkeit biS zur Höhe von 8000 Metern 1 die Aeronauten Sivel und Eroce-Spmelll wurden von tLdesahnlichcr Ohnmacht befallen. Vier Stunden nach der Auffahrt landete der Ballon im Departement Indre. Der dritte im Ballon befindliche Aeronaut Gaston Tisi'an- dier wurde schwer verwundet.
Paris, 16. April. Ueber die Luftfahrt des gestern von hier zu einem wissenschaftlichem Zwecke ausgestlegenen BallonS „Zenith" wurde weiter muze- theilt, daß die drei Luftschiffer Sivel, Croce - Spinelli u*b Gaston Tissandier Has Bewußtsein verloren, als der Ballon die Höhe von 8000 Metern erreichte Spinelli kam indeß zu sich und öffnete das Ventil, woraus der Ballon mit größter Schnelligkeit sank. Spinelli warf deshalb das Aspirator-Instrument im Gewicht von vierzig Kilos aus, was zur Folge hatte, daß der Ballon wieder rapide stieg. Die drei Luftschiffer wurden von Neuem bewußtlos. Als dann Tissandier zum Bewußtsein gelangte, fand er die beiden Anderen todt. Der Ballon ging um 4 Uhr Nachmittags im Departement Indre nieder.
Paris, 17. April. Der „Soir" theilt mit, daß der Justiz-Minister der Regierung Vorstellungen über die beabsichtigte Kundgebung bei der Grundsteinlegung der Kirche „au sacre coeur“ gemacht habe.
Paris, 17. April, tznul Girardin ertheilt in der „France" dem deutschen Volke folgende Verwarnung: ./Frankreich reorganisirt allerdings feine zerrüttete Armee; Frankreich, daS keine Kanonen mehr halte, gießt solche; Frankreich, das keine Flinten mehr hatte, läßt solche verfertigen; es ist ebenfalls wahr, daß Frankreich, nachdem es Mainz und Landau verloren, zudem noch Metz und Straßburg verloren hat, nach einem Vertheldigungssvstem i'ucbr, bas die ihm in den Jahren 1814, 1815 und 1870 geraubten Grenzlinien ersetzen könne. Allein es ist von Grund aus unwahr, daß Frankreich Vorbereitungen macht, um seine Revanche zu nehmen und zum allerwenigsten Elsaß und Lothringen zu befreien, deren Verlust es betrauert. Soll hiermit gesagt werden, daß Frankreich für ewige Zeiten auf die Hoffnung verzichte, seine natürlichen Grenzen miet er emzunehmen ? Nein ! Frankreich gesteht es ganz bescheiden ein: es zählt weder aus das Genie seiner Generale, noch auf die Tapferkeit 'feiner Soldaten, um sich von seinen Niederlagen wieder auszunchten; es zählt auf den Ehrgeiz Deutschlands, der keine Schranken mehr anerkennt. Wern verdankt Preußen, btften Armee bei Jena vernichtet worden war, die Stellung, die es gegenwärtig behauptet? Es verdankt dieselbe der unersättlichen Eroberungssucht des Kaisers Napoleon L, der endlich ganz Europa gegen sich auf- wiegelte und bewaffnete. Was wir zu befürchten haben, ist nicht der Ehrg-iz des Kaisers Wilhelm, dem der Fürst v. DiSmarck zum Vermittler dient; es ist im Gegcntheil seine Mäßigung. Wenn Deutschland sich mäßigt, wenn der Siegestaumel dasselbe nicht schwankend macht, so mögen wir noch lange Elsaß und Lothringen beweinen. Wenn aber Deutschland es wagen sollte, Belgien, Holland, Dänemark und Triest zu bedrohen, dann dürften wir uns erinnern und unsere Tbränen trocknen."
Tag sand.
London, 16. Äpril, Nachts. Das Unterhaus hat auf den Antrag Di-raelis nach langer Debatte den Beschluß annullirt, wonach die Drucker


