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Gießener Anzeiger.

Crfdnint täglich, mit Hui» nähme MontagS.

Expedition: Canzleiberg, Ltt. B. Nr. 1.

Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Hießen.

Sonntag den 17. Januar

887»

>öroDprcite vom 16. bis 21. Januar 1875

«ach eigener Erklärung der Dörfer:

2 Milo gemischtes Brod 60 Pfg., 1 Kilo gemischtes Brod 30 Psg., 2 Kilo Noggenbrod: erste Sorte 5t) Psg., Kilo do. 25 Pfg., 2 Kilo zwute Sorte 43 Psg.

politisch

Deutschland.

f.Berlin, 15. Januar. DasTageblatt" schreibt:Am Samstag schon war das Gerücht verbreitet, die diesige Polizer fahnde auf einen französischen Geistlichen, der mit Attentats - Absichten gegen Bismarck hierher gekommen sei. In der Tbat wurde das Innere und Aeußere des NeickstagSgebäudes, sowie die Amtswohnung des Reichskanzlers von zahlreichen Polizei-Agenten bewacht. Dieselben Vorsichtsmaßregeln wiederholten sich auch am Montag, und zwar in noch ausgedehnterem Maße. Es hieß denn auch, cs sei der Polizei abermals die Anknnft zweier Mordgesellen ans dem Auslände signalisirt worden, welche mit Orsi, ibombcn und gar mit Dinamitkugeln ausgerüstet seien, um dem Reichskanzler nach dem Leben zu trachten. Wir können kaum anders glauben, als daß die Polizei mit diesen Gerüchten mystificirt wird."

Frankfurt, 14. Januar. Der Herr Polizei-Präsident Hergenhahn macht bezüglich der gestern erfolgten Schließung der hiesigeii social-demokrati­schen Arbeiter Vereine Folgendes bekannt:

Nachdem durch die stattgehabten Ermittelungen als scstgestellt zu erach­ten :daß die sog. Mitgliedschaften des zu Bremen domicilirtevAllgemeinen deutschen Arbeiter-Vereins^ hierselbst, zri Bockenheim, Bornheim, Obcrrad und Niederrad, ferner die am hiesigen Orte bestehende sog. social demokratische Arbeiter-Partei und die sog. hiesigen Mitgliedschaften desAllgemeinen deut­schen Schuhmacher Vereins", desAllgemeinen deutschen Tischler (Schreiner)« Vereins" und desAllgemeinen deutschen Mattrer- und Steinhauer - Vereins" selbsiständige Vereine sind, ferner, daß diese Vereine als politische Verelue pi betrachten, und daß Verbindungen derselben mit anderen Vereinen gleicher Art zu gemeinschaftlichen Zwecken stattgesnndcn haben, so ist von mir auf Grund des § 8, Absatz 2 der Verordnung über die Verhütung eines die gesetzliche Freiheit unb Ordnung gefährdenden Mißbrauches des Versammliings- und Ver- einigungs Rechtes vom 11. März 1850 die vorläufige Schließung dieser Ver­eine helite angcordnet worden. Indem ich dies hierdurch zur öffentlichen Kennt- niß bringe, mache ich zugleich auf die Straf-Bestimmung im § 16, Absatz 2 der vorangcführtcn Verordnung aufmerksam, nach welcher die Betheilignng an einem auch nur vorläufig geschloffenen Vereine mit Geldbuße von 5 bis 50 Thlrn. oder Gefängniß von 8 Tagen bis zli 3 Monaten bestraft wird."

(*>uinbinnen, 15. Januar. Der hiesige Regierungs-Mcdicinalrath hat unter Zuziehung des Departements - Thierarztes den Ausbiuch der Rinderpest in Sawadden, im Kreise Lvck, constatirt. Seitens der Behörden sind die er­forderlichen Maßregeln getroffen.

Oesterreich.

Wien, 14. Januar. (Proceß Ofenheim. Fortsetzung.) Die Aussagen der ferner vernommenen Zeugen sind für den Angeklagten theile belastend, theils entlastend. Zeuge Hofrath Weber im Handelsministerium, welcher die Bahn bereiste, zählt die vorgesundenkii Mängel auf, worunter auch solche, die ent- schuldigs werden könnten.

Wien, 15 Januar. (Proceß Osenheim.) Das Zeugen - Verhör wird fortgesetzt. Der Großhändler Pfeiffer und Bankier Lieben, welche beide als Revisionsratbc fungirten, depomren, sie hätren die Bilanz durch Stichprobiren rcvidirt. Beide weisen sodann den Vorwurf zurück, daß sie durch unlautere Mittel beeinflußt worden. Aus den ferneren Vernehmungen ergibt sich, daß die Versicheruiigs-Beamten Windisch und Wagner in der General-Versammlung als Strohmänner, Zeuge Nowak als Aufsichtsrath sungirten, wiewohl sie nie- mals Activnäre waren.

Schmelz,

Bern, 14. Januar. Auch in der Ostschweiz liegen bis in die Thal- schaften herab ungeheure Schneemaffen. Im St. Gallcr Oberland, im Ober- toggcnbllrg und Gasten kommen die Gemsen, um sich ihre Nahrung zu suchen, bis zu den Dörfern. Em Glück für die armen Thicre, daß sie dabei sicher vor dem Blei der Jäger sind, da dort die Jagd auf sie schon seit Anfang Octobcr geschlossen ist.

efraiiRicidj.

Paris, 14. Januar. Wie schon gemeldet, bleibt Don Alpbonso nicht in Madrid, sondern begibt sich am nächsten Montag zur Nord-Armee, bet welcher er vorerst bleiben. wird.

Paris, 14. Januar. Mac Mabon ist heute nach Versailles gegangen, um dort bleibenden Aufenthalt zu nehmen

Gestern Abend war großer Ball im Elysöe, ungeheures Gedränge. Der Graf von Paris und alle übrigen Prinzen von Orleans hatten sich ein­gestellt ; sie waren sehr umringt unb* spielten eine Hauptrolle. Das ganze diplomatische Corps war anwesend. Von der deutschen Botschaft waren Fürst und Fürstin Hohenlohe, Baron Holsteiit und der Militär-Attache Major v. Bülow zugegen.

er Theil.

DerGauloiS" zeigt an, daß der Herzog von Padua im Departe­ment der Seine - et - Oise seine Candidatnr für die bevorstehende Wahl auf­gestellt habe unb frei und offen die jFahne der ^Bonapartiflen atispflanzen werde.,

England.

London, 14. Januar. Die deutsche Panzer-Fregatte Kaiser hat gestern das Trockendock vcrlasicn. Die Bcmannnng wird demnächst erwartet.

London, 14. Januar. Murillo's berühmtls Bild des heil. Antonius, welches in der Kathedrale von Sevilla gestohlen war, istwiedergefunden. Zwei Spanier wollten es in New-Uork verkaufen. Das sehr beschädigte Gemälde befindet sich zur Zeit in den Händen des spanischen Consuls.

London, 15. Januar. Eine Deputation von Cchifffahrts-Jntercffcn- ten machte gestern dcm ersten Lord der Admiralität wichtige Zusagen in Betreff einer allmähltg anszubreitendcn umfangreichen-Organisation, welche die Negie­rung im Verein mit der Handelsmarine zur Hcranziel'nng tüchtiger Matrosen für die Handelsschiffe und einer tüchtigen Reserve für die Kriegsflotte Herstellen soll. Die Negierung ist bereit, Geld zu diesem Zwecke hcrzugeben, die Han­delsmarine steuert im Vcrhältniß der Tonnenzabl von mehr als 150tonnigen Schiffen bei. Herr Ward Hunt gestand das Bedürfniß der TZesserui g der Seemanuschast zu.

Der Pariser Times - Corrcspondeut sieht die Eventualität les Rück­trittes Mac Mahonie voraus für den Fall der Nichtorganisation der Regic- rungsgewalten.

London, 15. Januar. Hiesige Zeitungen veröffentlichen eine Zuschrift Gladstone's, worin derselbe seinen Entschluß, von der Führerschaft der libera­len Partei zurückzutreten, anzeigt und motivüt, aber zugleich erklärt, den stets hochgehaltenen Principien werde er nach wie vor treu bleiben.

Spanten.

Madrid, 14 Januar. Wie tief der Prätendent Don Carlos den Schlag empfindet, den ihm die Thronbesteigung seines jungen Vetters zugefügt 1 hat, beweist die aufgeregte Sprache der mehr als mittelalterlichen Proclamation, Iwelche er ans Vera vom 6. Januar an die spanische Nation erlassen hat. Die Mittheilung des Wortlauts überhebt uns jeder Kritik:

Spanier! Die Revolution, welche von Lügen lebt, suchte, indem sie ein Mitglied meiner Familie zum Könige von Spanien ausrief, die Monarchie und die Legitimität sich zu assimiliren. Ich bin die Legitimität. Ich bin der Reprä­sentant der Monarchie in Spanien, und da ich dies bin, so habe ich mit sou- verainer Verachtung die Vorschläge zurückgewiesen, welche die September- Revolutionäre mir zu stellen wagten, bevor sie das traurige Spiel ihrer Illoya­lität bis auf die Spitze trieben.

Von da au wußte die Revolution, daß ich ihr König nicht sein konnte. Als Haupt der erhabenen Familie der spanischen Bourbonen habe ich mit tief empfundenem Schmerze von der Haltung meines Vetters Alphonso gehört, der mit der ganzen Unerfahrenheit seines Alters darein gewilligt hat, sich zum Werkzeug eben derjenigen herzugeben, welche mit Spott und Schmähungen ihn und seine Mutter aus dem Lande vertrieben haben.

Trotzdem protestire ich nicht; meine Würde und die meiner Armee gestat­ten mir keinen anderen Protest, als den unwiderstehlich beredten aus den Schlünden meiner Kanonen. Die Proclamation Alphonso's, weit entfernt, mir die Thore Madrids zu verschließen, erleichtert mir im Gegentheil die Wieder­geburt unseres geliebten Vaterlandes.

Es ist fein Zufall, daß ein neuer Gewaltact des Prätorianerthums den Stolz des spanischen Volkes beleidigt. Es ist fein Zufall, daß gerade jetzt meine unbesiegbaren Freiwilligen in Waffen stehen. Sie, die bei Eraul, Alpens, Montejurra, Castellfollit, Somorrostro, Abarzuza, Castillon, Cordoba und Ur- nieta gesiegt haben, werden eine neue Beleidigung unseres hochherzigen Spa­niens, die Schaustellung eines neuen Scandals vor den Augen des civilisirten Europas zu verhindern wiffen.

Bestimmt, die Revolution in unserem Lande zu tobten, werde ick sie ver­nichten, sei es, daß sie mit dem wilden Trotze frecher Gottlosigkeit weiterstürmt, sei es, daß sie sich hinter dem Deckmantel erheuchelter Frömmigkeit verbirgt. Spanier, bei unserem Gotte, bei unserem Spanien! ich schwöre Euch, getreu meiner heiligen Sendung, makellos unser glorreiches Banner hochzuhalten, wel­ches ein Symbol ist jener rettenden Principien, die heute unsere Hoffnung sind und morgen unser Heil sein werden.

Aus meinem königlichen Hauptquartier zu Deva, den 6. Jan. 1875.

(gez) Carlos.

Zur Illustration der heiligen Aufgabe, welcheKönig Karl" sich aufer­legt hat, und der ruhmreichen Fahne, welche er schwingt, lassen wir hier nur einen Tagesbefehl seines Generals Lizürraga folgen. Die Nebeneinanderstellung der beiden Schriftstücke ist überaus lehrreich:

Art. 1. Vom 13. Januar k. Js. an werden alle Eisenbahnen, welche