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Anzeige- und ^itmtsötatt für den Kreis Hießen.

Äoe Rtie Dviiuerstag dcn 15. April IN75«

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Was will der Prvtestantenvcrcin?

Aus jpeffen.

Lathan: Wohlan!

ütz tifrt jeder seiner unbestoärenen, von Lorurtheiltn freien Liehe nach!

(56 strebe von öud) jeder um die Wette, die Kraft des Steins in seinem Ring an Tag zu legen; komme dieser Krast mit Sanftmuth, mit herzlicher Verträglichkeit, mit Wohlthun, mit innigster Erge: benheit in (Soll zu Hüls !

Und wenn sich dann der Steine Kräfte bei (äuren Kindes. Kindeskindern äußern

So lad' ich llber tausend tausend Jahre Sie wiederum vor diesen Stuhl! Da wird ein weiserer Mann auf diesem Stuhle sitzen, als ich und sprechen!

Geht I So sagte der bescheidne Richter.

S al adln : Nathan, lieber Natbon! Die tausend tausend Hahre Deines Reiches sind ,noch nicht um] Sein Richtcrstuhl ist nicht der meine. Geh'! Geh'! Aber sei mein Freund!

Lessing.

Die Bestrebungen de- Protestantenvereins werden noch häufig sehr irrig und sehr bart beurthcilt. Aeußertc sich doch vor Kurzem eine gebildete Dame dahin :Mein Mann darf licht in diesen anttchristiichen Verein I!" und ein den höheren Ständen angehörender Mann sprach dem Verein überhaupt jede religiöse Grundlage kurzweg ab! Freilich mußte derselbe auf die ruhige Gegen frage,ob er denn die Statuten dieses Vereins oder einige der in seinem Sinne rrdigiitcn Zeit und Flugschriften, wie z. B. die Protestantische Kirchen- zeitung von Dr. Sckmtdt in Berlin, das deutsche Proieftantenblatt voll Dr Man- (tot in Bremen, das süddeutsche evangellsch -protestantische Wochenblatt von Schellenberg in Heidelberg, die protestantischen Flugblätter von Honig rc. je gelesen habe, zu seiner Beschämung gestehen, daß dies nicht ter Fall fei Denn er lese solche Blätter nicht 1

Also woraus basirt sich denn ein solches Unheil? Etwa auf das, unter dem Zeichen des Kienzes nur Herrschsucht, psäsfischen Hochmuth, starres Dogma, Kamps gegen Cultur und Wissenschaft und Unterdrückung des Rechtes der Laien mitzurathen und mitzuthaten in Kirche und Religion, statt christlicher Liebe nnt Duldung predigendeHessische Kirchenblatt ? !"

Der Protestantenverein erachtet vor Allem die religiöse Ueberzeugung als etwas rein Persönliches er überläßt dem Einzelnen die Annahme und den Glauben an dogmatische Säße und Glaubeusbekcnntnisie vklgangener Jahrhun- tnte er erkennt in ter Achtung vor dem Glauben tee Einzelnen, in ter Lltbe zu dim Nächsten, in der milden Beurthiilung Andersdenkeuder und An- dersgläubiger den Grundpfeiler der christlichen Religion er hält die ein­fachen christlichen Lehren ohne dogmatische Beigabe für völlig genügend und ausreichend, da schon deren Befolgung im gewöhnlichen Leben so außerordent­lich schwer und selten! er hält jeden Zwang in Sachen des wirklichen Glaubei.s, komme derselbe vom Staat oder von der Hierarchie für ver­werflich ist er darnm antichriftlick oder gar religionslos? Tie Statilten des deutschen Protestantenvereins lauten, dem Vorstehenden entsprechend, im § 1 wie folgt:

§ 1. Auf dem Grunde des evangelischen Christenthums bildet sich unter denjenigen deutschen Protestanten, welche eine Erneuerung der protestantischen Kirche un Geiste evangelischer Freiheit und im Einklang mit der gesammten Eultnrenrwlckelnng unserer Zeit anstreben, ein deutscher Protestantenver- e i ii. Derselbe setzt sich namentlich zum Zweck: i) teil Ausbau ter teulscken evangelischen Kirchen auf der Grundlage des Gemeindeprincips je nach teil be­sonderen Verhältnissen der verschiedenen Länder mit deutscher Bevölkerung so­wie die Anbahnung einer organischen Verbindung ter Landeskirchen; 2) die Bekämpfung alles iinprotestantiscken hierarchischen Wesens innerhalb der einzel­nen Landeskirchen und die Wahrung der Reckte, Ehre und Freiheit des deut scheu Protestantismus; 3) die Erhaltung und Förderung ckristlicker Duldung und Achtung zwischen den verschiedenen Consessionen und ihren Mitgliedern; 4) die Anregung und Förderung des christlichen Lebens, sowie aller der christ­lichen Unternehmungen mit Werke, weiche tic sittliche Kraft und Wohlfahrt des Volks bedingen.

Der Proteftantenverein steht treu zu Kaiser und Reick im Kampf gegen das unfehlbare jesuitische Papstthum -- aber es gibt auch in der evangelischen Kircke, trenn auch keinen einzigen Papst so doch gar Viele zu bekämpfen, welcke es gern sein möchten; welche da bebauptcn,ihr Amt sei nur von Gott" und darum über, nickt in der Gemeinte stehend sich dünken; welche ta glauben, auch sie seien unfehlbar ihr Glaube ter einzig richtige! Dog­matische Sätze und Glaubensbekenntnisie, einige Jahrhunderte alt, seien in ihrer Starrheit und Unveränderlichkeit, wemi_ auch oft ganz unverständlich und im grellen Widerspruch zu Cultur und Wiffenschaft die einzigen Stützen der wahren Religion 1 Herrschsucht statt christlicher Temuth finsterer Zelotis nms statt christlicher Liebe mit Duldung find die hervorsteheuden Eigenschaften dieser Gerne-Päpstlein l

Wurde doch in einer Laudessynode von einem bekannten Geistlichen ohne Scheu erklärt:Ja bisher haben wir den Resormirteu und Unnrtm freiwillig das Abendmahl gereicht wenn aber die Verfassung dies vorschreibeu sollte dann ist es Gewissenszwang dann können und dürfen wir dem keine Folge leisten!"

Also die evangelischen Ehriften können nicht mehr in Gemeinschaft dem Tische deS Herrn naben! ist das christlich - ist ,das Religion? Auch diese Gerue-Päpstlein wollen Kampf und nur Frieden, wie die Ultramontanen, wenn sich Staat und Laien ihnen unterwerfen mögen sie ihn haben l

Die mit dem Chnsteuthum in Uebereinfhmmung befindlichen religiösen Anichaunngeu unserer Zeit werden im Verein mit der heutigen Cultur und Wissenschaft diesen Kampf nicht zu scheuen haben.

Ter Protestantenvereui steht auch treu auf dem Boden der Synodal- Verfafiung, wenn er auch mit manchen Bestimmungen derselben, insbesondere mit dem Wahlmodus zu derselben nicht einverstanden fein kann. Rach feiner Ansicht gelangen bei dem dermaligen Wahlmodus die religiösen Anschauungen der Majorität der Laien in vielen Gemeinden nicht zur Geltung und sind den Geistlichen gegenüber den Gemeinden zu viel Stimmen eingeräumt gleich viel geistliche wie weltliche! In vielen Decauaten des Großherzogthums haben die Angehörigen und Freunde des Protestantenvereius unter den Laien in ten Kirchen-Gemeinden-Vertretungen, in den Kirchen-Vorständen und Deca- uats-Syuoden die entschiedene Mehrheit sind jedoch bei den Wahlen zur Laudessynode durch die Vereinigung der Geistlichen mit den Laien unterlegen I Daß hierdurch das Laien-Element die ihm von Gott und Rechtswegen gebüh­rende Vertretung in der Laudessynode nicht erlangt hat daß die Landes­synode selbst keinen festen Halt in den Gemeinden finden wird, ist hiernach wohl nicht zu bezweifeln. ES erscheint dies um so bedenklicher, als gerade auf der bevorstehenden Landessynode einschneidende Fragen über Kirchenbesteuerung, Classification der Psarrgehalte rc. zur Entscheidung gelangen werden he Geistlichen sprechen dann in eigener Sache Recht! Auch die Vorgänge in den preußischen Provinzial-Synoden und die durch dieselben hervorgerufenen Proteste zahlreicher Gemeinde-Vertretungen und weltlicher Kirchen-Vorstände geben spre­chende Belege für das eben Gesagte.

Seitdem im Großherzogthum das Ergebniß der Wahlen zur LandeSsyuode tu - seiner Gesammtheit sich überblicken läßt, findet eine stetige Zunahme der Mitglieder deS Protestantenvereius allerwärls statt und viele Zweigvereine sind in ter Neudiltung begriffen ! Wird gerate hierdurch nicht der Ueberzeugm.g Ausdruck gegeben, daß in der Verfafiung auf legalem Wege noch vieles zu ver­bessern und namentlich eine Aenderung des Wahlmodus durch größere Heran­ziehung des Laren-Elementes zu erstreben sein wird? und daß nur dann auch die Laudessynode für ein erfolgreiches Wirken in den Gemeinden selbst Wurzel safien wirt. Im Sinne des Lorstehenden werden zu immer größerer Ver­breitung der Bestrebung des Protestantenvereins noch im Laufe dieses Monats in den drei Provinzen einige Vorträge des ßicentiaten Dr. Schmidt von Berlin, Redacteurs derProtestantischen Kirchenzeituug", eines ausgezeichneten Redners mit klaren Denkers, stattfinten. Dieses Vorhaben wurde von vielen Seiten mit ungeheucheltcr Freude begrüßt. Voraussichtlich werden in Rheinhessen 3, in Starkenburg 4, in Oberhefien 2 Vorträge gehalten werden. Der Landes­ausschuß ter Protestantenvereine tes Großherzogthums erstrebt überhaupt eine eifrigere Sammlung unb Crganlfiruiig der freisinnigen Elemente des Landes mr Abwehr der hierarchischen, sowie ter socialistischen Angriffe auf die religiö­sen mit sittlichen Güter tes Volkes mit hat zu dem Zweck auch die Gründung eines von den Einzeln-Vereinen und einzelnen Mitgliedern durch regelmäßige Beiträge zu unterstützenden Fonds in's Auge gefaßt, um aus demselben die Beiträge an den Ee. tralausschuß noch Berlin, die gemeinsamen Zkoften für Ver­breitung von Flugblättern in Schristrit, zur Veranstaltung von Wandervor- trägen und zur Stiftung neuer Local-Vereine rc. zu bestreiten. Mit Rücksicht hierauf erscheint es auch sehr wünschenswerth, daß alle Diejenigen, welche bisher Mitglieder des Berliner Haupt Vereins gewesen, sich nunmehr an einen der im Lande bestehenden Vereine, insbesondere an den Darmstädter Verein als Vorort der Landes Vereine anschließen., um durch eine festere Organisation im Lande die Beziehungen nach auswärts bester zu regeln und im eigenen Lande mit gemeinsamen Kräften namentlich ta mehr wirken zu können, wo es noch Nacht ist. (Main-Ztg.)

Deulfc§ranb.

Darmstadt, 13. April. Tie erste Kammer nahm heute den Gesetzes­entwurf wegen Erweiterung der Stadt Mainz an.

Berlin, 12. April. Kaiser Wilhelm, welcher am 17. d. Mts. nach Wickbaden übreift, kehrt nach Berlin zur A kunft des Kaisers von Rußland zurück. Letzterer kommt in Berlin am 9. Mai an und verweilt daselbst bis zum 12. Mai Der König von Schweden wird am 25. Mai in Berlin er­wartet. DerGermania" zufolge hat gestern em unbekannter Priester im Namen des geheimen päpstlichen Telegaten in der Pfarrkirche von Kroilz, einem Rackbarort von Kähme in der Provinz Posen, während des Gottesdienstes die große päpstliche E;communication über den Probst Kick in Kähme ausgesprochen.

Berlin, 12. April. TieNordd. Allg. Ztg." meldet officiös:Nach einer vor Kurzem durch die Blätter gegangenen Mttheilung soll der Justiz- Minister in Folge der neuesten Verschmelzung der beiten sonal- temokratischen Parteien neuertings eine Instruction an sämmtliche Staatsanwälte haben er- ! gehen lasten, in welcher sie aufgefordert werden, mit doppelter Strenge daS