Gießener Anzeiger
Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Hieben.
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Ehrlichkeit des „Hazardspielers an der Lpree , rrich selber den Chancen eines Hazardspieles aussetzen.
die Jn-ren, Heute hat^die Beerdigung des Grasen Remusat statt.
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Lchweiz.
Bern, 6. Juni. Gestern Nachmittag 3 Uhr sind von der Notre-Dame Kirche in Genf aus Verlangen der Kirchencommission von den betr. Behörden die Siegel weggenommen und zur Aufnahme des Inventars geschritten worden. Als die Kircde geöffnet war, suchten fünf Geistliche gleichzeitig mit den mit fcn Aufnahme des Inventars beauftragten Personen in dieselbe einzuvriugen, woran sie von den anwesenden Polizei. Agenten verhindert wurden. Dies ge- schah jedoch nickt ohne Widerstand; einer der Geistlichen packte, untristützt von einer oder zwei Personen, einen Agenten sogar an dem Kragen, worauf dann Gensd'armcn nut Gewalt einschritten. Jetzt verlas der Rector von Notre-Dame, Abbe Lanv welcher sich unter den fünf Geistlichen befand, der auf dem Kirch. Hofe versammelten, ungefähr 1OOO Köpfe starke Volksmenge darunter aber viel Weiber und Kinder, feinen Protest gegen die Siegelabnahme. Als die mit der Aufnahme des Inventars beauftragten Personen (die Kirche ent Hw t übrigens nur nock Bänke, Stühle, Orgel und Kanzel) gegen 4^ Uhr die Kirche wieder verließen, standen die fünf Geistlichen noch immer vor der Thur und wollten ihnen ihren Protest übergeben, dessen Annahme aber verweigert wurde Rach der Entfernung dieser Herren forderten die Gensd armen Die Geistlichen auf, die Kirchcntreppe zu verlaffen, damit jede Ursacke zu weiteren Volksaiisammlungen und vielleicht zu Tumult vermieden werde. Tw Geistlichen wollten aber durckauS keinen Gehorsam leisten, so daß die Agenten und GenSd'armeii sich endlich veranlaßt sahen, Gewalt zu gebrauchen. Offenbar batten die freuen auf Beistand au« der Menge gewartet, in welcher Hoffnung fie aber ax<\ getäuscht wurden, denn außer dem Rufe: „Nieder mit den Jefui- ten l" hörte man von dieser Seite weiter keine Kundgebungen. Erst später, aeaen 6 Uhr, wurde in der Riw du Mont. Blanc ein Savoyarde verhaftet, welcher die Bevölkerung mit dem Rufe: „Aus nach Notre-Dame!" aufzuregen versuchte, was aber ebenfalls keinen Erfolg hatte. (K- Ztg-)
Bern, 8. Juni. Der Central-Ausschuß der Volks. Vereine hat auf nächsten Sonntag eine Volks - Versammlung nach Bern einberufen, um gegen den Beschluß des Bundesrathes, betr. die Aufhebung der Ausweisung der katho- i lischeu Geistlichen des Berner Jura, Protest einzulegen.
Frankreich.
im Zitier ' einer gamü«»
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Darmstadt, 9. Juni. Das heute au-gegebene Großh. Regierungo- blatt Nr. 29 enthält die ^Bekanntmachung Großh- Gesammtmiuisteriums , den 1 zwischen Hessen und Baden wegen Herstellung weiterer Eisenbahnverbindungen 1 abgeschlossenen Staatsvertrag betreffend.
Berlin, 7. Juni. Die „Siordd. Allg. Ztg." tritt der Meldung eines bayerischen Blattes, wonach der älteste Sohu des Kronprinzen in München als Einjährig Freiwilliger dienen würde, mit ter Bemerkung eiitgegen, Prinz Wilhelm fei bereit« Lieutenant im ersten Garde-Regiment. — Der Kaiser lud den Afrika Reisenden Nachtigaf zur Audienz nach Emö ein. — Aus Wien meldet die Post", ter deutsche Botschafter habe im Auftrage deS Reichskanzlers dem Grafen Audrafsy den Dank des Deutschen Reiches für die freundschaftliche Haltung Oesterreichs gegenüber dem englischen Mediationsproject ausgesprochen.
Berlin, 9. Juni. Die „Prov.-Corresp." hält es für wahrscheinlich, haß der Schluß der Landtags-Session in der ersten Hälfte der nächste Woche erfolgen wird. Tasielbe Blatt schreibt: Der Kaiser geht Ende Ium auf einige Tage nach Coblenz, dann nach Wiesbaden und Homburg, tn der zweiten Woche hes Juli über Regensburg vermuthlich zuerst nach Ischl, dann über Salzburg nach Gastein, wo er bis Ende Juli bleibt.
Veipltrt, 5. Juni. Großes Aufsehen erregt hwr in politischen Kreisen der Rücktnil des bekannten Professors Birnbaum aus dem Vorstände des nationalliberalen Vereins deS Leipziger Land-Kreises. Er selbst führte in der Generalversammlimg des Vereins als das Hauptmotiv seines Rücktritts feine Verwickelung in die Gründerei au. Es werde, sagte er, fortgesetzt der Ter- dachl unerlaubter Gründung gegen ihn ausgesprochen, obgleich er nur Unglück gehabt und durch seine Gutmüih.gkeit sich habe verleiten lasten, au einer Gründung (Schönbeiiiwr unb Dischweiler) sich zu betheiligen, die ihm keinen Psenmg Gründer-Gewinn eingetragen. Die Zeit werde sicher kommen wo er werde beweisen können, bau er an keinen persönlichen Vortheil gedacht habe und Jedem ehrlich in'S Gesicht sehen könne. Bis dahin aber halte er es unbedingt für seine Pflicht, von der Leitung des Vereins zurückzutreten, dessen Interesse einen ganz irtact dastehenden Vorsitzenden erheische. (N. Pr Ztg.)
Weimar, 8. Juni. Der König von Schweden ist soeben auf dem Bahnhof, mit militärischen Ehren empfangen, von Eisenach kommend, hier em- aetwffen. Die Abreise wird am 10. Juni stattfinden. ,
9 ' Bayern, 7. Juni. Die Münchener Universität ist eine der be
suchtesten ; für das laufende Semester sind 1012 Stndirende iuscribirt, wovon 204 Nichtbayeru sind. . k
— Vom königl. Bezirksgericht Würzburg wurden zwei Studenten der Medici» aus Glbtrfclb wegen Zweikamps zu je 4 Monaten Festungshaft
Wien, 8. Juni. Woher die Garliften Geld zur Kriegsführung bekommen, ersehen wir aus einer Nachricht der „Presse." Danach hat die Fürstin Windischgiätz dem Don Carlcö 300,000 Gulden gespendet unb gleichzeitig bie Hoffnung ausgesprochen, baß berselbe sein angestrebtes Ziel recht balb er-
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t’CtUrlgnünd)Clt, 9. Juni. Der „Bayerisch- Kurier" erfahrt, daß die Ur- wählen für die Abgeordnetenkaininer aus den 15. Juli, die Abgeordnetenwahlen aus den 24. Juli festgesetzt sind. .
München, 9 Juni. Herr Dr. Sigl 'st zur gestern begonnenen Zession des Schwurgerichtes in Salzburg verwiesen worden wegen zweier Pretz. vergehen wovon -u.es in der „Bremse", das andere ,m „Vaterland enthalten ist. Der Pcrhandlungstag ist noch nicht angesetzt-
Oesterreich.
Wien, 7. Juni. Um zu zeigen, bis zu welcher Rohhett und Gemein, h-it da» „Vaterland", das H-uptorz-n der Ultramontanen ,n Oesterreich sich versteigt kann solgendc neueste Herzensergießung dienen : „Andrasiys Lob in t t Nordd. Allg Ztg " (alias B'smarck's Tungerwagen) wird heute °oni den hiesigen G-nosien desielbcn, des „DüngerwageuL' nämlich, vollinhaltlich „' robuent und hierbei besonders der schon gemeldete Lchux,aß des Hymnus h-rvorgehoben. der versichert: „Deutschland wird des Freundes mcht vergesien, der c/ablehnte, an einer gegen den Freund gerichteten verdächtigen oder ge- hassigen Insinuation sich zu betheiligen." Wir glauben es Wort für Dort, daß man in B-rl'n sich dem Grafen Andrasiy sehr v-rpfl,chl-t fublt^daß man
daß man in Berlin sich dem Grafen I-yr R musät he be, und dieser bewies, daß er auch ,n grauen Haaren noch immer
dort deshalb.auch Alles aufb.-te. en Grafeni«ndr-^sy bald.durch^rohnngen, ,md Ze.lgenosi. war wie vor vierzig
bald durch issdinietdieleien über Waffer ju b » 8 Anaebote mit Ver- Jahren. Remusat betrachtete, unb er durfte es thun, bie Befreiung des sran-
bia, daß von Berlin aus zu diesem Zweck s g, > Txfi.*,., (^,hiftp« als die Krönung feines politiscken Zusammenwirkens mit
sprechunge» gemacht und 'leider pr'ävalrenden mltgyaU-'Thier» und als den Schluß eines an politischen,Enttäulchungen schicksalsschwe-
Asien Oesterreichs aber werden be, all' diesen Planen-c- gewiß mcht gewa rt. Pan», 8. ^'j HE ^te ans allen Fractionen anwesend waren. Es mögen der sog. "^st^r^'^sch^"' ' ^.^^e"^am'che und der >og^ „ungariiche ges ; , b einc telegraphische Meldung aus Alexandrien
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DariS 8. Juni. Für Chesnelong's Amendement in Betteff der Dio-
Paris, 7. Juni. Frankreich hat einen seiner bedeutendsten Staatsmänner aus der befferen Zeit, der Juli-Regierung, einen feiner hellsten Köpfe, eines feiner edelsten Herzen, Thiers aber feinen ältesten Freund und Genoffen verloren: Charles de Remusat ist tobt und, um in einer französischen Wendung zu reden, die Politik, die Philosophie, die Literatur, die größten Fragen der Menschheit stehen verhüllten Haupte- an seinem Todtenbette und befugen den Lerlust dieser glänzenden Persönlichkeit, deren Kopf und Herz ein Tempel edler Genien war. In ihm ist, wie heute „Bien Public" klagt, ein edler Gedanke, ein hoher Charakter erloschen, um ihn trauert heute ganz Frankreich, um ihn trauern im In- unb Auslanbe die Freunde von Bildung und Aufklärung Edelsinn unb Humanität. Die Krankheit, welcher Charles de Remu,at am 6. Mai um 7 Uhr Morgens erlag, galt seit mehreren Tagen für tödtlich; ber Kranke behielt bis zum letzten Athemzuge die volle Klarheit des Bewußt- sein-, unb die Freunde, die an seinem Sterbelager erschienen, konnten nicht glauben, daß eine so Helle Geistesflamme dem Erlöschen nahe sei. Charles de Remusat gehörte seit vierzig Jahren zu den ehrlichsten unb überzeugtesten Anhängern und Vertretern des parlamentarischen Systems, für das er stets mit Einsicht und Festigkeit eintrat. AIS Thiers noch jung war, rief er einst Remusat zu: „Ick werde nichts ohne Sie thun!" und als der alte Thiers bie Frevel unb Dummheiten des zweiten Kaiserreiches so viel wie möglich wieder aut iu machen und das Friedenswerk zu fördern sich entschloß, rief er
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