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Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Hießen.

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Donnklstag den 5. Siuwift

politischer Theil

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Dmitschlanv.

Aus dem Landwablbczirk Giessen, 4. August. Sicherem Vcr- nkhmcn nach hat Herr Hüttenbesitzc: BuderuS zu Lollar die aus ihn gefallene Wahl zum Abgeordneten unseres Wahlbezirks nachträglich abgelehnt und wird in der Kürze eine Neuwahl stattfinden. Im woblverstandcucn Interests des Wahlkreises glauben wir auf den HofgerichtS-Advocaten Dr. Muhl zu Gießen aufmerksam niachen und denselben den Wablmannern zur Wahl als Landtags- Abgeordneten empfehlen zu sollen. Erst vor wenigen Wochen durch das Der. trauen der Bevölkerung in den Kreis- und Provinzial-Tag berufen, vereinigt Herr Mubl alle Eigenschaften in sich, die zur Vertretung eines Woblkreises in der zweiten Ständckammcr befähigen. Wir stehen nicht an, zu behaupten, daß was Unabhängigkeit, ächt deutsche Gesinnung, freisinnige Richtung und Rcdegabe betrifft, Herr Muhl alle Candidaten, die bis seht für den Laudwabl- kreis Gießen bezeichnet worden sind, übertreffen dürfte. Möchten die Wahl- manner nicht versäumen, sich zeitig zu verlässigen, ob Herr Muhl eine etwa aus ihn fallende Wahl anzunehmen bereit ist.

Aus dem Grossherzogthum Hessen schreibt man derSüdd. Reicks Post" : Das Loos unserer renitenten Pfarrer ist nunmehr entschieden. Sieben derselben haben ihr Abictzungsdecret erhalten, zwei sind in ihren Aern lern belasten worden. weil ihre gegenwärtige amtliche Stellung sie vor der Hand in keinen Conflict mit den neuen kirchlichen Behörden bringt, da sic bei der Ausführung der Verfassung nicht mitzuwirken haben, und zwei sind schon vorher freiwillig in einen auswärtigen lutherischen Kirchcndienst emgetreten. Einer hat die Renitenz aufgegeben und die neue Kirchenversastnng anerkannt, und ein anderer, der es mit der Renitenz am Weitesten treibt und für einen Thcil der Renitenten wobl als Führer gelten darf, steht gegenwärtig in gar ft in em kirchlichen Amt, weshalb er auch mit seiner Renitenz nichts zu riSkiren batte, da er sich außerhalb der Machtjphäre der kirchlichen Oberbehörde befindet.

AuS Hessen, 3. August. Die evangelischen Dekanate und Pfaru Aemtcr sind vom Ober - Consistorium ganz neucrdingS angewiesen worden, die öffentlichen Leichen - Bcgängniffe, bei denen Lehrer und Schüler mitwirken, an den Tagen, an welchen Schule gehalten wird, außerhalb der Schulzeit, also zwischen 11 und 1 Uhr Mittags, oder nach dem Schluß der Nachmittagsschule, vorzunehme«. Wenn es nach Lage der Sache nicht thunlM ist, die Feierlich' feit vollständig während der gewöhnlich schulfreien Zeit zu beendigen, so kann durch den Schul-Vorstand, auch mit genereller Wirkung, die Bestimmung ge­troffen werden, daß die Nachmittags-Schule um eine Stunde später oder früher beginnt, je nachdem die Beerdigung um Mittag, oder erst des Nachmittags vorgenommcn wird. Eine Aussetzung oder Unterbrechung der Schulstunden svll' jedoch nicht ftattfinden. Sollte aus besonderen Gründen im einzelnen Falle eme Ausnahme von diesen Bestimmungen, eine Aussetzung oder Unterbrechung von Unterrichtsstunden nöthig erscheinen, so ist zu veranlasten, daß die betr. Schul Vorstände vor Aussetzung der Unterrichtsstunden die Genehmigung der vorgesetzten Kreisschnl-Commission elnbolcu.

Darmstadt, 3. August. Am 21. v. Mts. haben des Großherzogs Königl. Hoheit aüergnädtgst geruht: den Geheimen Hofgerichtsrath bei dem Hofgerichte der Provinz Starkenburg, Ludwig Zimmermann, auf sein Nack stichcn. unter Anerkennung seiner mehr als vierzigjährigen treuen und ersprieß­lichen Dienste und Verleihung des Ritterkreuzes erster Elaste des Ludewigs- Ordens in den Ruhestand zu versetzen.

Frankfurt, 3. August. Heute wurde durch Urtheil des Rügegerichts der social demokratische Arbeiter-Verein Eisenacher Richtung definitiv geschloffen und der unbekannt wo? abwesende ehemalige Vorsitzende desselben, Kalb, in rme Geldbuße von 15 Mark genommen. Damit sind nun sämmtliche hiesige social-demokratischen Vereine geschlosten.

München, 3. August. Die gestrige Mittheilung der ultramontanen Blatter, daß das Ministerium ermächtigt worden sei, im Bundesrathe einer Ausdehnung des Jesuiten-Gesetzes auf die Orden der Franziskaner, Kapuziner uud Karmeliter zuzustimmen, wird von gut unterrichteter Seite als durchaus imbegründet bezeichnet.

Karlsruhe, 3. August. Das internationale Comite für die Gesäng- niß-Reform wird morgen in Bruchsal den Ort des nächsten Gefängniß-Con- grestcs bestimmen.

Metz, 1. August. Die heutige Fahnenweihe des hiesigen Krieger-Ver­eins hat sich zu einer außerordentlich großartigen nationalen Kundgebung ent­wickelt. Dom Rhein her waren gestern und heute in Extrozügen über 1000 Theilnebmer, größtenteils Vereine oder Deputationen, mit ihren Fahnen ein- gctroffen. Der heutigen Uebergabe der Fahne an den Verein auf dem Theater­platz wohnten die Civil- und Militär-Behörden bei, vor denen später der groß­artige Zug der Vereine defilirte. Auf dem Wege hierher wurden den Eisenbahn-Zügen, welche die Krieger führten, Zeichen lebhafter Sympathi-en von der Bevölkerung der Stations-Orte zu Theil. Diesteits der ehemaligen französischen Grenze wurde dieses jedoch bedeutend anders. Auch hier fehlte es heute nicht an deutlichen Zeichen der Antipathie, aber das Imposante und der qauze Eindruck des von dem hiesigen Krieger-Verein sehr umsichtig angeordneten

s Festes ließ diese, übrigens leicbt erklärlichen Erscheinungen nicht zum rechten Ausdruck kommen. Unter der Devise:sür Kaiser und Reich", welche als der iGiund-Gedanke des ganzen Festes in ter Festrede zur Geltung gebracht wurde, 'herrschte und herrscht eine gehobene Stimmung.

Desterrelch.

Wien, 1. August. Aus Brünn wird unterm 30. Juli gemeldet: Der Stand der Arbeiter in den einzelnen Fabriken hat gestern nur eme kleine Der mehrung erfahren. . Tie Nachrichten von Wiederentlaffungen von Arbeitern nach der Ausfertigung ter vor dem Etrike begonnenen Stücke sind unbegründet. Im Gegentheile soll nächste Woche in manchen Fabriken, die noch nicht in vollem Betriebe sind, die Arheiterzahl etwas vermehrt werden.

Wien, 2. August. Die heute zum ersten Male erschienenePolitische Correspondenz" erfährt, daß zur Ausbringung der Mittel für die Beschaffung neuer Geschütze die Aufnahme einer gemeinsamen Anleihe beider Reichshälften in Combination gezogen sei. Hierdurch würde eine sofortige vollständige Neu- bcwaffnung der Artillerie und gleichzeitig, entsprechend ten Anschauungen über die gegenwärtigen materiellen Verhältnisse der Monarchie, eine Vertheilung der ten Stcuerträgern hierdurch erwachsenden Lasten -auf geraume Zeit ermöglicht. DiePolitische Correspondenz" erfährt ferner, daß die Reise des mittler­weile hier eingetroffenen Fürsten von Serbien eine reine Privat - Angelegenheit sei, was aber nicht ausschlüße, daß der Fürst die Gelegenheit wahrnehme, sich über die Anschauungen der competlnten Wiener Kreise hinsichtlich der Vorgänge in der Herzegowina zu insormiren. Nach einem Aufenthalte von 8 Tagen wird Fürst Milan birect nach Belgrad zurückkehren.

Wien, 2. August. Kaiser Franz Joseph wird dem Fürsten Milan eine Privot-Audienz gewähren. Morgen trifft Graf Andrassv ein. Serbien scheint entschloffeu, die Räumung Klein-Zwornigs jetzt der Pforte abzutrotzen. TaS gemeinsanie Kriegs-Ministerium trug Sorge, durch militärische Vorkehrungen eine Achtung gebietende Grenz-Bewachung herzustellen, welche jeder Eventualität gewachsen sein wird.

Wien, 3. August. Fürst Milan wurde heute Vormittag 11 Uhr im Beisein Andrassy's vom Kaiser in der Hofburg empfangen. Ter serbische Minister-Präsident trifft morgen aus Franzensbad hier ein.

Lemberg, 3. Augiist Der Statthalter von Galizien, Graf Agenor Goluchowski, ist heute Morgen 8 Uhr gestorben.

Frankreich.

Pari-, 2. August. Tie heutige Note des officiellen Blattes, in wel­cher mehrere Zeitungen wegen ihrer sehr lebhaften Angriffe gegen die Regierung und deren einer befreundeten Regierung gegenüber verfolgten Politik verwarnt werden, ist gegen die ultramontane Presse gerichtet, die den Herzog v. Decazes äußerst scharf angriff, weil er gestattete, daß die Alphonsiften ihre Kanonen und ihr Kricgsgeräth über französisches Gebiet nach dem Norden Spaniens brachten.

Versailles, 2. August. Die National-Versammlung genehmigte den Gesetz-Entwurf, betr. den submarinen Tunnel zwischen Frankreich und Eng­land, uud trat sodann in die dritte Berathung des Senatswahl-Gesetzes ein. Im Laufe der Debatte wurde der legitimistische Teputirte Franclieu, welcher heftige Angriffe gegen die Republik richtete, zur Ordnung gerufen. Der Geetz- Entwurf wurde schließlich mit 559 gegen 73 Stimmen angenommen. Die Linke ist fest entschlossen, vor der Vertagung keinen Streit zu provociren. Fer­ner beschloß die National-Dersammlung, morgen zwei Sitzungen zu halten, die erste um 9 Uhr Vormittags; auch am Mittwoch soll, wenn nothwcndig, noch eine Sitzung stattfinden.

Versailles, 3. August. Die. National-Versammlung genehmigte in ihrer heutigen Vormittags-Sitzung den Gesetz-Entwurf, betr. den Weltpost- Verein, in erster Lesung ohne Debatte und setzte hierauf die Budget-Bera­thung fort.

Lyon, 2 August. In dem Proceß gegen die Mitglieder der republi­kanischen GesellschaftPermanente" wurden die Angeklagten zu Strafen zwischen 50 Frcs. Geldbußen und 3 Monaten Gefängniß verurtheilt.

(Engfanö.

London, 3. August. Unterhaus. Die Regieruigs-Vorlage, betr. die Kauffahrtei-Schifffahrt, passirte die Coniüe-Berathung. Ein Zusatz bestimmt die Anbringung einer Ladungslime Seitens des Sckiffs'Eigenthümers auf besten alleinige Verantwortlichieit, ein zweiter verbietet lose Getreide-Labungen, wo solche den butten Theil des Gesammt-Cargos übersteigen. Im Laufe der De­batte erklärten die Minister, daß die größten Schwiarigkeiten die von auswärts eintreffenden Schiffe beträfen und durch Einvernehmen mit den Regierungen des Auslandes erledigt werden müßten. Die Ostsee komme übrigens nicht in Betracht.

Spanien.

Madrid, 2. August. Don allen Namen deS CarlistenkriegeS ist wohl der des Pfarrers Santa'Cruz der dunkelste. Die Geschichte seiner Betheili-