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Gichmcr Anzeiger.

6x\dH\k* thnHrti, mtt fr-<nt Montckgs.

ttpftihon 6e nglciltre, LU. B 9h. 1.

Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Hießen.

üo. 1^3. Ticilstng den L Juni 8**3«

11 m t [ i cf) e r Theit.

Nr. 18 des Reichs > Gesetzblatts, ausgegeben den 84. Mai 1875, enthält:

(Nr. 1072) Statut der Neichsbank Vom 21. Mai 1875.

(Nr. 1(r73) Vertrag zwischen Preußen und dem Deutschen Reiche über dte Abtretung der Preußischen Bank an da« Deutsche Reich. Vom 1/- 18. Mat 18/5.

(Nr. 1074) Bekanntmachung, betreffend die Ernennung der Bevollmächtigten zum Bundesrath. Vom 14. Mai 1875.

Gießen, den 29. Mai 1875. Großherzogtiches Kreitzamt Gießen.

d. Röder.

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DeuUdjfaiiO.

Kungen - Lick, 28. Mai. Bei den Großb. Bürgermeistereien des! Wahlbezirke Hungen-Lich ist bereits die Weisung zur Aufstellung der Urwäh­lerlisten für eine Neuwahl des Abgeordneten zur zweiten Kammer eingcgangen, so daß voraussichtlich sehr bald die Neuwahl der Wablmäuncr und des Ab­geordneten stattfinden wird. Soweit wir die Stimmung in dem Bezirk kennen, kann es kaum zweifelhaft-sein, daß der seitherige Vertreter, der durch das Loos aus der zweiten Kammer auegcschiedene Oberförster Theobald wieder aus der Wahlurne hervorgebeu wird, da derselbe nach, von uns eiligezogelier Erkundigung durch die erst in Aussicht stehende Veränderung m der Territorial Organisation der Oberföistercien in dem hiesigen Bezirk nicht wähl, unfähig geworden ist, vielmehr insolange für ^diesen Bezirk wählbar bleibt als solcher noch wie seither nur zum kleineren Thcil aus dem Dienstbezirk des Genannten besteht. Tie neue Territorial Organisation ter Oberförftereien soll aber dem Vernehmen nach erst mit Wirkung vom 1. October d. I. in das Leben treten, also zu einer Zeit, zu welcher die Neuwahlen längst voiüber sein werden.

Mainz, 28. Mai. Für die Haltung deS Bischofs Ketteler gegen die Klrckengeietze ist es bezeichnend, daß er vor der Erhebung einiger Filialen zu selbstständigen Pfarr-Euratien erst die Einwilligung der StaatS-Regienmg ein gebolt hat, und daß diese auch ertheilt worden ist. nachden» die Nachweisung gegeben war, daß für den Unterhalt des Psarr Curats d,c nötbtgen Mittel gesichert find. Dieses Verfahren eiitspricht nicht allein der früheren Ucbuug, welche die Dalwtgk'sche Convention beseitigt hatte, sondern auch einer Bestim­mung der neuen Kirchengesetze, nach deren Erlaß erst einer jener Falle vorkam. Der Haupt-Widerstand dürfte sich demnächst um die bischöflichenBildungS Anstalten" drehen.

Berlin, 28. Mai. Das schwedische Königs-Paar traf um 7 Uhr 20 Min. Abends hier ein und wurde von dem Kaiser, deni Kronprinzen-Paar und den Prinzen des königlichen Hauses auf dem Bahnbofe in der herzlichsten Weise empfangen. Auf der Fahrt nach dem königlichen Schlosse wurden die Majestäten von einer dichtgedrängten Menge mit warmen Zurufen begrüßt. Auf dem Bahnhofe war eine Ehren - Compagnie mit Fahne und Musik aufge- stellt, welche die schwedische Volks-Hvmne spielte. Alle königlichen und zahl­reiche Privat Gebäude haben geflaggt. _

Berlin, 28. Mai. Das Herrenhaus begann beute die Special-Be- rathung der Provinzial-Ordnung; die Paragraphen bis zum Abschnitt 5 wurden meist nach den Beschlüssen der Commission, Cie 18 und 31 unter Wieder­herstellung der Fassung des Abgeordnetenhauses angenommen; bei Abschnitt 5 wurde die Debatte auf morgen vertagt. Im Laufe der D«batte erklärte der Minister des Innern: er habe sich nicht mit allen Commissions-Beschlüssen ein­verstanden erklärt, sondern nur gesagt, die Regierung widerspreche märt den von der Commission beschlossenen Constructionen der Provinzial- und Dc- zirks-Räthe.

Berlin, 29. Mai. Der langjährige gcstnnungstucktige Vorsitzende der Berliner Stadtverordneten - Versammlung, Herr Kochhann, der diesesmal nickt wieder zum Präsidenten gewählt worden, bat gestern sein Mandat niedergelcgt. Die Stadt hat ihm daS EhrenbürgerreLt verlieben. Lein Name wird stets unter den hervorragendsten Männern im Dienste der Commune genannt werden.

Aus Oesterreich liegen folgende Nachrickteii vor: Laiback, 26. Mai. In national-clericalen Kreisen verlautet, der Kaiser habe im Ministerratbe die Ernennung des Domprobstes Pogacer zum Fürstbischof von Laibach abgelebnr und bleibe somit Bischof Widmer'auf seinem Posten. Prag, 26. Mm. Aus Deutschland ausgewiesene Nonnen haben vom Grafen Chotek die herrschaftliche Restauration in Welrus zur Errichtung einer Mädchenschule als Filiale der Mutteranstalt in Mühlhausen angekauft.

Berlin, 29 Mai. Der Kaiser und der König von Lckweden bcgaden sich heute Vormittag zur Parade nach dem Tempelhofer Felde, der auch die Königin von Schweden, der Kronprinz und die Kronprinzessin und die könig­lichen Prinzen beiwohnten. Die Parade nahm den glänzendsten Verlaus. An dem Gala-Diner im weißen Saale des königl. Lchloffes nahmen außer dem Kaiser und seinen hohen Gästen der Kronprinz, die Kronprinzessin, die Mit­glieder der schwedischen Gesandtschaft, die Staatsminister und Generalität. 10- wie die Präsidenten beider Häuser des Landtags Theil.

Berlin, 29. Mai. Die heutige Generalver,ammlung des deutschen Handelstages nahm eine Resolution an, welche sich gegenüber dem Besch.uye

er Theit.

der Reichstags.Iiistiz.Commission entschieden für Beibehaltung besonderer Han­delsgerichte ausjprickt.

Berlin, 29. Mai. Das Abgeordnetenhaus nahm in dritter Berathung die gestern in zweiter Lesung erledigten Vorlagen an und genehmigte in erster und zweiter Berathung fast ohne Debatte fünf andere kleine Gesetzentwürfe

Berlin,.29 ,Mai. Wie dieN. L. C." erfährt, wird nun auch den Bischof von Münster, Dr. Brinkmann, sein Schicksal ereilen. Der Ober Prä­sident von Westfalen hat bereits auf Grund des Gesetzes vom 12. Mai 1873 an ihn die Aufforderung zur Niedcrlegung seines Amtes ergehen lasten, und es wird, da der Bischof dieser Aufforderung innerhalb der gesetzten Frist selbst­verständlich nickt nachkommen wird, demnächst bei dem Gerichtshöfe für kirch­liche Angelegenheiten der Antrag auf Einleitung des Verfahrens behufs Ent­lastung aus dem Amte gestellt werden müsten.

Breslau, 28. Mai. Dem cmnitinen Pfarrer Dzierzon, dem bekann­ten Vater der neueren Bienenzucht, welcher sich gegen das Unfehlbarkeits-Dogma erklärt hatte, ist Seitens des Fürstbischofs von Breslau die Pension gestrichen worden, obwohl D. durch die betr. Beiträge zur Diöcesan-Pensionskaste volles Anrecht auf die Pension bat. Man betrachtete ihn indeß in der fürstb'schöftichen Residenz als formalen Ketzer und entzog ihm die Pension. Pfarrer L. klagte, uni das Stadtgericht hierselbft verurlheilte, wie gemeldet wird, den Fürstbischof zur Zahlung der Pension nebst Zinsen und Kosten. Ter Fürstbischof hat gegen das Erkenntniß appellirt. (Nordd. Allg. Ztg.)

Kassel, 29. Mai. Es bestätigt sich, daß das kronprinzliche Paar im Laufe des Sommers cmen längeren Aufenthalt auf Schloß Wilhelmshöbe neh­men wird.

Stuttgart, 29. Mai. Profeffor Palmer in Tübingen, hervorragender Lehrer der praktischen Theologie, insbesondere der Homiletik, ist daselbst gestorben.

Schweiz.

Basel, 28. Mai. TenBaseler Nachr." zufolge ist Marschall Bazaine seit einigen Tagen bei dem Grafen Persigny am Ouai deS Qaur, vives in Genf abgestiegen.

Leigten.

Brüssel, 28 Mai. TasJournal de Bruxelles" erklärt die von dem PariserBien Pnblic" gebrachten Nachrichten von einer Unterredung, welche zwischen dem Könige von Belgien und dem französischen Gesandten in Brüffel anläßlich der jüngst umlaufenden beuniuhigenden kriegerischen Gerüchte stattge­funden haben solle, für vollständig unbegründet

Frankreich.

PariS, 28. Mai. Wie wir vernehmen, wird die Königin Isabella einstweilen in Paris bleiben; jedoch bat eine kleine Revolution im Palai- Baselewski ftattgefnnden. Alle Jntriguanten, welche sich dieses Palais in den lttzlen Zetten zum Schauplatz ihrer Tbaten znm großen Verdruß der Madrider Regierung auserwäblt batten, sind aus demselben verschwunden. Tie Königin Isabella richtete zu gleicher Zeit einen längeren Brief an den König Alphons, worin sie sich verpflichtet, den Rathscklägen der Regierung ibres Sohnes nach- zukommen, ihm zu helfen, Spanien glücklich zu machen und für seine Plane fein Hinderniß darzubieten. Marfori verläßt morgen Paris. Er begibt sich nach Spanien zurück.

Paris, 28. Mai. Ter spanische Botschafter hat gestern eine Unterre­dung nur Tecares gehabt, um sich über das Hin- und Herfahren der franzö­sischen Kähne auf der Bidaffoa und über die Fortdauer der Krieg-contrebande überhaupt zu beklagen. Mac Mahon hielt heute Morgen über einen Theil ter Garnison von Versailles eine Truppenschau. Tie Minister sind uneins. Buffet will die Krisis überstürzen, nährend Leon Say, Dufaure und Tecazes sie zum wenigsten bis zur Berathung des Wahlgesetzes verlegen wollen. Broglie spornt Buffet an, vorzugehen, während Harcourt, der Secretär der Präsident­schaft, auf der Seite der drei andern Minister steht.

Paris, 29. Mai. Tie Treißiger-Commission hat beschloffen, zuerst das ^Gesetz übel das gegenseitige Derhältniß der öffentlichen Gewalten, dann das ^Scnatswahlgesetz und zuletzt das Gesetz über die Wahlen zur zweiten Kammer heratben. Dieselbe Reihenfolge soll für die Erledigung der conftitutioneüen Vorlagen im Plenum der Affemblse beobachtet werden, um die Gefahr einer Kabinctvkrisis, falls eine solche durch die Abstimmung über den Wahlmodus für die Deputirtenwahl hervorgerufen werden sollte, abzuschwächen.