Ausgabe 
31.12.1874
 
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von England nach Paris kommen.

thum zusammen, und die Nationen, die nicht direct an dem Kampfe betbeilißt sind, lassen den Streitern wider das Papstthum ihre enthusiastischen Zurufe ertönen. Niemand wird das Meeting in St. James »Hall vergesicn haben dessen Kundgebung im Januar von je-seitS des Kanals zu uns herüberdrang. Die Sympathieen Italiens, Spaniens, Rußlands gehören uns in eben diesem Kampfe. Rußland tst an uns gefesielt durch da» gemeinsame Jntereste an der Niederhaltung deS Krieges und der Revolution, dieser beiden letzten Zufluchts- mittcl, zu denen die Curie auf ihrem Rückzüge zu greifen droht. Italien und Spanien ebenso. In dem letzteren Lande tobt bereits eine legitimistische Revo­lution. Deutschland hat das Scinige gethan, um ihr die Kraft zu beweisen, nämlich durch die Initiative, die es durch die Anerkennung der Madrider Regie­rung ergriff. Deutschland vertritt dem Papstthum überall den Weg, wo es seine Hände im Spiele hat. Und Frankreich, das päpstliche Frankreich? Die Bereinigten Staaten Nordamerika-, England, die Schweiz, Deutschland haben ihre Vertretung beim Vatican nach einander Deutschland formell erst vor wenigen Tagen aufgehoben, und daS allerchristlichste Frankreich selbst den Papst in Stich lassen müssen, indem seine Fregatte von Civita-Vccchia abbe- ricf. Es konnte und dilrste nicht alle Sympathieen der Italiener an Deutschland übergehen lasten.

Wir wiederholen: Das Papstthum ist im Jahre 1874 mehr eingeengt worden, denn je, und selbst widerwillig wird die eine oder andere Macht ge­drängt, sich in die immer Niehr sich ansdchiiende Schlachtreihe wider den Papst zu stellen, oder wenigstens sich ihr nicht zu widersetzen

Deullcfjlimb.

Darmstadt, 29 Deccmber. Sicherem Vernehmen nach wird der für die Derathung der Kirchengcsetze gewählte Special Ausschuß am 2. Januar k. Js. mit dem Ministerium zu einer Sitzung zusammentreten, um über die in der ersten Kammer beliebten abweichenden Beschlüste zu seinen Gesetzen zu berathen.

ßWtliu, 28. Deccmber. Die Kaiserin von Rußland trifft, aus San Renio über Pari- znrückkebrend, hier am Neujahrstag, Nachmittags um 5 Uhr ein, steigt im russischen Botschastslwtel ab und reist am 2. Januar, Abends 7 Uhr, nach Petcrsbung weiter. Vor ihrer Abreise wird sie in San Renio noch den Besuch des Kölligs von Italien empfangen

RSnslht, 29. Dccember. Die von der Börse aus in bett letzten Tagen geflissentlich verbreiteten Nachrichten über eine bevorstehende Abreise der Kaije ri» nach Eoblenz und die bieran geknüpften Combinationcn können aus autdcn-

Spanien.

Bayonne, 28. Decembcr. Die Feindseligkeiten b.i Hemani werden bald wieder ausgenommen werden.

Lokal - Notiz.

(tzteften, 29. Dec. Zur Vervollständigung unserer Local-Notizen betreff- bcr hier ausgegriffenen Falschmünzer lasten wir nackstebend ein ausführliches Schreiben Großh. Polizei­verwaltung Hierselbst folgen, welches im PolizevIournal veröffentlicht worden. Wir ersehen bteraus, mit welchem Fleiß und großer Mühe Herr Polizeirath Nover die Schlupfwinkel der Bande zu entdecken und an's Licht zu ziehen sucht und wünschen, daß sein Bemühen mit Erfolg gekrönt werde.

Die Falschmünzer

nii der Sieg und in der Provinz Nassau.

Am 2t. v. Mts. haben wir zwei seither in Olpe wohnbaft gewesene Bergarbeiter Iac. Birkhölzer und Hubert Milbe lm verhaftet, weil sie in hiesiger Stadt falsche Preuß. 25-Tbaler-Banknoten verbreitet hatten. In ihrer ersten Vernehmung leugneten sie, aber die Widersprüche, in weiche sie sich verwickelt, noch mehr aber die gefundenen für die Verbindung mit einem Häuptling der Falschmünzerei sprechenden Beweis« scheinen sie bewogen zu haben, schon am 2 und 3 Tage bei uns umfastende Geständnisse abzulegm, worauf durch den Sgl.' Herrn Untersuchun^S-Rickter zu Bonn, auf Grund unserer Mittheilungen, an der Sieg noch ein Häuptling und e,n Ha up tagen t der Falschmünzer verhaftet worden sind.

Unsere Nachforschungen ergaben, daß trotz mebrfachcr Bestrafungen im Siegerland und in mehreren Amtsbezirken der Provinz Nastau die Falschmünzerei in großem Umfange und ge­werbsmäßig fortbctrieben wird.

Läßt sich auch über die Ausdehnur.g der kaum begonnenen Untersuchung und über die Namen der mebr oder weniger gravirtcn zahlreichen Personen jetzt noch n t ch t S Specielles veröffentlichen, so wird man doch Einiges in das Publikum gelangen lassen müßen, tbeils um die Aufmeiksamkett der Gericht-- und Polizeibehörden und de- Aufsicht-personal- auf die Groß, artigfeit des gemeingefährlichen Treibens zu lenken, theil« um da« Publikum zur größeren Vor sicht anzuspvrnen.

Die P r e u ß i s ch e n (blauen) 25.T hlr- Banknoten, da- neueste Fabrikat der Falsch, münzer, sind theils ziemlich gut, theils schlecht auf lithographischem Wege nachgemacht; auf der Rückseite fehlt die Unterschrift, in dem WorteZuchthausstrafe" in der untersten Zeile fehlt der Buchstabe ntu (Zuchhaus), alle tragen die eine Nummer -131,LOS litt C. und das Datum: »Berlin, 21. September 1868". Von diesen Noten sind in der Provinz Nastau, im Siegerlande und am Untcrrhein viele verbreitet worden, nur einzelne sind in Basel, Barmen, AicherSlebcn, Bcrge-Borbrck, Lottbus Altona, Mühlheim a. Ruhr, Breslau, Ahrweiler bei Bonn, und 6 Stück sind zu Lervicrs in Belgien zum Vorschein gekommen, (frinc zu Mainz abgegebene falsche 25<Thlr.-Notc trägt die Nr. 306089 litt. D. und eine neuerdings in Dietz au-gegebene trägt die Nr. 719895 litt. B. Die Fälscher scheinen also in neuester Zeit eine zweite und dritte Auflage gefertigt zu haben.

In den letzten 3 bis 4 Iabren sind von derselben Fälscherbande auch lO-Thlr Noten, sodann Darlehn-kastenschrine ä 5 THaler, sowie Zehnguldenschrine verschiedener Sorten, nachge macht und verbreitet worden.

Wir sagen, das Papstthum ist lm Jahre 1874 mehr eingeengt. G« Dice Admiral Jauröguibcrry, See-Präfekt von Toulon, bat feine Gut-

braucht wohl oberflächlich daran erinnert zu werden, daß eben dieses Jahr auch laflung eingereicht, weil keiner seiner Osficiere Beförderung erhielt. Ter Ad- den österreichischen Kaiserstaat mit Maigesetzen ausgestattet hat, daß am miral steht in Ungnade, weil er sich nicht fromm zeigt und kürzlich sogar cm 19. April bie Abstimmung über die Verfassung--Revision in der Schweiz er- Civil-Leichenbegängniß gestattete.

folgt ist, daß da- Deutsche Reich, daß Preußen ihre Schutzwehr gegen daS Der Prinz von Asturien, Sohn von Isabella, wird für einige Tage Papstthum durch neu£ Gesetze befestigt haben, daß andere deutsche Partikular-'^-- K ***4* *-----

staalcn ihnen gefolgt sind, so namentlich Hessen. Was die preußische Gesetz- gebung betrifft, so ist oben bereits das Gesetz über die erledigten Vistbümer erwähnt, da- zur Abwehr der römischen Herrschaft sich in seinen Folgen so mächtig erweist, wie kaum ein anderes kirchliches Gesetz. Von anderer Seite ist eben diese Herrschaft durch daS Eivilehe Gesetz angegriffen, und damit eine liberale Forderung erfüllt, wenn auch das Gesetz nur der Noth, d. h. der Auf­lehnung deS katholischen Klerus gegen die Staatsordnung entsprungen ist. Das Reich hat und das Gesetz zur Verhinderung unbefugter Ausübung von Kirchen­ämtern gegeben. Ueber den Ungehorsamen schwebt daS Damokles-Schwert der Verbannung. Der Geist der österreichischen Maigesetze ist durch die Worte des LultuSminipers im RrichSrathe gekennzeichnet:Keine ihrer Aufgaben und ihrer Pflichten bewußten Regierung kaiin eS sich gefallen lasten, daß die Religion zu staatSgefährlichen Umtrieben gemißbraucht werde. Die schweizerische Dundes- verfastungs'Revision gipfelt in den Kirchenartikeln, die bestimmt sind, einen nn- überstcigUchen Damm gegen die Uebergriffe der römischen Hierarchie zu bilden.

So traten die Völker Schiilter an Schulter zu einer Phalanx gegen das P^pst

ParrS, 28. Drcember. DerFigaro" läßt sich heute auS Davonne telegrapbtren:Man kündigt an, daß öerr Lindau, der preußische Gousul in unserer Stadt, und das ziemlich zahlreiche Personal seines Conjulato baldigst von hier abreisen werden. Die Berliner Regierung soll einem ehrenwerthen Kaufmann, Herrn R., srüberen deutschen Consul, angeboteu haben, seine Func- tionen mit einer Büreaukostenvergütung von 4000 Frcs. wieder anzunehmen. Herr R. bat nein gesagt. Das Glngeheu des deutschen Konsulats in Bavonne hat seine Ursache in der reißenden Abnahme des preußische,! GinfluffeS m Spa­nten. Die Spanier lieben es nicht, daß Fremde, welcher Art auch immer, sich um ihre Angelegenheiten kümmern." Diese Nachricht, deren tendenziöser Charakter aus dem Schluß deutlich hervorleuchtet, ist ganz falsch. Als Herr Lindau nach Bayonne geschickt wurde, war von vornherein festgeftellt, daß seine Mission einen provisorischen Charakter haben würde Im gegenwärtigen Augen­blick deutet aber nichts an, daß sie ihrem Ende näher gekommen wäre. S8as aber den Herrn R., der ja vom .Figaro" deutlich genug bezeichnet ist. betrifft, so verließ er das Eoi.sulat, oder vielmehr das Eonsulal verließ ihn unter Um­ständen , welche den Gedanken an feine mögliche Wiederernenuung vollständig ausschließen.

tischcr Duelle für erfunden erklärt werden.

Verlin, 29. December. Bis heute Dorntitag 11 Uhr war bei Gericht weder Seiletis des Staatsanwalts, noch des Grafen Arnim Appellation einge­legt, doch verlautet bestintmt, daß dies vom Angeklagten geschehen wird.

Berlin, 29. December. Die Meldung der Blätter, daß der Ober Bürgermeister von Berlin, Herr Hobrccht, von der Stadt Paris eingeladen fei, der Einweihung der neuen Oper beizuwohnen, Ist dem Vernehmen nach unbegründet.

Berlin, 29. December. Sicherem Vernehmen nach wird in dem Proceß Arnim Seitens der Staatsanwaltschaft Appellation etiigelegt werden. Die Frist zur Einlegung läuft heute Nacht 12 Uhr ab.

Strasiburg, ^9 December. Seitens der hiesigen Behörden ist in Berlin der 11. Januar für eine» Zusammentritt der Bezirkstage zur Wahl von Deputirten für den Landes'Ausschiiß in Vorschlag gebracht worden.

Dortmund, 26. December. Der Berghauptmann und verschiedene andere Mitglieder des Oberbergamtes sind heute liach Iserlohn gereist, um die neuerdings dort in sehr bedenklicher Weise eingetreteneti Bodensenkmigen zu be­sichtigen. Es dürfte sich um die Beantwortung der Frage bandeln, ob diese, zahlreiche Häuser gefährdenden Veränderungen des Erdbodens Folgen des gegen­wärtig betriebenen Bergbaues seien. Bekanntlich ist diese Frage von den Sach­verständigen bis in die jüngste Zeit verneint worden. In der Tbat ist das Gebirge, auf welchem die Stadt und deren Umgebung liegt, keineswegs bloß durch den Bergbau unterwühlt, sondern auch durch die Natur, die hier Kalk- steinhöblcn (u. A. die Dechendhöble) hat entstehen lasten, die alle in Deutsch­land aufgeschlostenen Höhlen an Größe übertreffen.

Posen, 28. December. Nunmehr ist auch gegen die Domvicare, welche früher Consistorialbeamte gewesen sind, Discipluiar-Untersuchung euigeleltet, weil sie sich weigern, fernerhin ihrem jetzigen Vorgesetzten, Herrn v. Masten­bach , Gehorsam zu leisten.

Frankreich.

PariA, 27. December. Der Minister des Innern präsidirte beute einer Versammlung in der polvtechnischen Schule, bei welcher Gelegenheit er eine Rede hielt.

Dn Sitz der Bcrsertigcr und Verbreiter dieser Falsiflcate und deren zahlreichen Unter« agcnten tst, n-ie bemerkt, die Sieggegenv (Stegen, Burback, Waldbröl ic.) und Vie Provinz Nastau, intzbejondere die Kreise Dillenburg und Limburg, einige Unteragenten wohnen am Rhein (Bonn ic.) Durcb da- ganze Jahrhundert, vielleicht noch viel länger, wird in den genannten (Legenden die Falschmünzerei in großartigem Maßstabe betrieben; die bi- jetzt erkannten Strafen haben nur wenig oder gar nicht abgeschreckt. In manchen Familien wird die Verbreitung falschen Geldes gewerb-mäßig betrieben, so daß nach und nach Vater, Sohn und Enkel deshalb ins Zuchtbau- gekommen sind. Das bi-herige Hauvt der Banden fuhr, angeblich in Hanvel-g» schäften, fast täglich zwischen Wetzlar und Köln Bonn hin und her, um auf allen Stationen dt« Bestellungen an die Haupt- und Unteragenten zu macken. Die herurnretsenden Unteragenten suchen unter allerlei Vorwänden ihre Waare an den Mann zu bringen; meist geben sie zur Abendzeit in die Kaufläden, wo sie eine Kleinigkeit kaufen und fick dabei die falschen Noten wechseln lasten. Ein Theil de- falschen Seide- wird bei größeren Zahlungen unter ächte- Geld gemacht und z. B auf Viehmärkten in Verkehr gebracht. Unter vielen Arbeitern der ge­nannten Gegenden »st cS kein Geheimntß, wer falsche» Geld verkauft. Sobald einer Lust hat, schnell ein Vermögen zu erwerben, wendet er fick an einen Agenten, der tbm da- gewünschte falsche Geld geg n Vorausbezahlung guten Gelte- verspricht. Er wird an einen einsamen Ort, meist zur Äbentjrit in einen Wa'.v wo da- falsche Gold versteckt ist. bestellt, woselbst er die ge« wünschten falschen Banknoten, meist von abgesenceten .un bekanntem* Ueberbrrnger, erhalt, sofern er nicht um sein gutes Geltz gevrellt wird, wa- gerade nickt zu den Seltenheiten gehört. Die Waare der Falschmünzer hat ziemlick festen Cour-. Wer stck, tn der Absicht, schnell reick zu werden, an sie wendet, erbält die falsche Waare bald für 25 bald für 33 Procent, so daß er für 50 Tbaler gute- Silbergeld 150Tbaler oder 200 Thaler falsche Noten erhält.

Die bi- jetzt gegen Mitglieder dieser Bande eingelöteten Untersuchungen und erkannten Strafen haben keine Unterbrechung de- Falsckmünzergesckäft- zur Folge gehabt; e- wurde selbst dann nock fortgesetzt, wenn einzelne ertappte Unteragenten »er den Schranken de- Gericht- standen oder in- Zuchtbau- abgesübrt wurden.

Weitgreifende Untersuchungen find bi- jetzt selten möglick gewesen, weil die Schuldigen in 20 bi- 30 Amtsbezirken zerstreut ansässig find, weil selten etn bi- zum Verfertiger hinauf reichende- Geständmß abgelegt wird und bei der Vorsicht und Scklaubert der Häuptlinge kaum abgelegt werden könnte und weil endlich da- zenlreute Untersuchung-material und bie Macht, Verböre, Confrontationen, Rrcognitionen und Verhaftungen gleichzeitig in mehreren Amtsbezirken vorzunehmen, nock nie in einer Hand vereinigt gewesen ist.

Mußten auck mehrere eingeleitete Untersuchungen wegen Mangel- an genügenden Beweisen eingestellt werden, so find doch schon mehrere empfindliche Zuchtbau-ffrafen erkannt worden, von welchen hier einige au- der neuesten Zeit namentlich aafgefübrt werken:

A« Wegen Verbreitung falscher 2S-Thaler-Noten:

Jacob und Mtckel Röder von Wiffen erhielten jeder Anfang- d. I. zu Dervier- 6 Jahren Zuchtbau-strafe;

Gutmann GoIdsckmt11 von Wolfenrode bei Marburg, welcker Anfang- d. ). bei einem Agenten zu Oberroßbach, Är. Dillenburg, 6 falsche 25«Thaler-Noten für 50 Thaler gekauft und 5 davon in Marburg ausgegeben hat. wurde im April zu Marburg in eine -Ijäbrige Zucht­hausstrafe verurtheilt; >