die Aushebung der Berufung. Beide Einrichtungen hätten sich in der von der Vorlage adoptirten Form bewährt. Thilo ist gegen die Berufung lind für die Zuziehung von Laien, Zinn für die Ueberweisung der politischen und Preßver- gehen an die Schwurgerichte und Zuziehung deS LaieinElements, Lasker für Oeffentltchkeit der Voruntersuchung, Reform der Strasvollftreckung und Schös- fengerichte, Windthorst (Meppen) für erweiterte Befugnisse der Schöffen, Beibehaltung der Berufung und Reform deS Staatsanwalts - Instituts. Die Commission möge auch die Modalitäten der Verfassung und die Grenzen der Zeugenpflicht feststellen. Hierauf wird die Debatte geschlossen und die Straf-- proceß-Ordnung an tte gestern gewählte Commission von 21 Mitgliedern ver- wiesen. Morgen erste Lesung der Civilproceß-Ordnung.
Berlin, 27. November. Heutigen Morgenblättern zufolge ist im Reichs« kanzler-Amte ein neuer Elitwurf eines BankgejetzeS mit Einfügung der Reichs« bank ausgearbettet worden, der unmittelbar dem Bundesrathe vorgclegt wer« den soll.
Berlin, 27. November. Die weiland französischen Notare in dem RetchSlande Lothringen haben sich an den deutschen Reichstag gewandt wegen Auszahlung der durch das Gesetz vom 10. Juni 1872 ihnen in Aussicht gestellten Entschädigung für ihr Privileg. Nach französischem Gesetz hat der Notar eine ähnliche Stellung, wie in Deutschland der Apotheker. Er kauft seine Stelle von seinem Vorgänger und verkauft sie, wenn er den Kaufpreis getilgt und ein schönes Stück Geld dazu erworben hat, wieder an seinen Nach« folger. Dies Privileg ist von der deutschen Gesetzgebung in Elsaß-Lothringen abgeschafft. Wer die Oualification hat, kann Notar werdeit. ohne eine Stelle zu kaufen. Don den Notaren im Rcichslande hat nun ein Theil für Frankreich optirt; er hat die in Aussicht gestellte Entschädigung erhalten und sich damit anderweitige Notarftellen gekauft, in welchen er practicirt. An seine Stelle sind neue Notare getreten, welche ihr Amt keinen Pfennig kostet. Don teil alten Notaren ist aber auch ein Theil im Lande und im Amte geblieben. Er muß den Kaufpreis für seine Stellen verzinsen und tilgen, während die neu ernannten Notare von solchen Lasten befreit sind. Das ist eine ungleiche Con- currenz. Die Regierung hat nur den alten Notaren, welche weggezogen, die Entschädigung bezahlt, nicht aber denjenigen, welche geblieben sind. Letztere sollen dieselbe erst erhalten, wenn sie ihr Amt ntcderlegen oder ster en. Dies ist um so ungerechter, als gleichzeitig der Gebührentarif wesentlich herabgesetzt worden tst, wodurch schon der Capitalwerth deS Geschäfts erheblich vermindert ist. Diese Classe der Notare also hat sich an den hohen Reichstag gewandt mit der Bitte, dafür zu sorgen, daß sie ihre durch das Gesetz zugcsagte und durch die Verwaltung bereits ermittelte Entschädigung auch wirklich erhalten, und zwar sofort.
Oesterreich.
Wie», 26. November. Ter Finanzausschuß berieth in einer heutigen Sitzung das Finanzgesctz und setzte die Gesammt - Ausgaben pro 1875 auf 380,873,882 fl. fest, wobei der Nachtrags-Credit für daS Cnltusnünistertuni mit 523,100 fl. nicht inbegriffen tst. Die Staats-Einnahmen wurden mit 372,531,409 fl. präliminirt und soll oaS unbedeckte Deficit von 8,342,473 fl. durch Veräußerung von im Besitze des Finanzministers befindlichen Renten von 12 Millionen nominal Bedeckung finden.
«Belgien.
Brüssel, 27. November. Der „Nord" bezweifelt die Nichtigkeit der Meldung der „Morniug Post" von einem Bericht des russischen Geschäftsträgers in Madrid über die Consolidirung der Serrano'schen Negierung. Der „Nord" meint, Rußland würde eine abwartende Stellung Spanien gegenüber beibehalten, bis das spanische Volk selbst sich über die Zukunft des Landes ausgesprochen habe.
^raRÖvddj.
Pari-, 26. November. Der Munictpalrath hat den Entwurf für die städtische Anleihe von 220 Millionen, eingethcilt in Obligationen zu 500 FrcS. und verzinslich mit 20 FrcS. per Obligation, angenommen. Die Rückzahlung geschieht innerhalb 75 Jahren al pari mit Prämien von 900,000 Frcs. jährlich
Pari-, 26. November. Der deutsche Botschafter Fürst Hohenlohe ist hieher znrückgekehrt.
— Von den 346 Bürgermeistern der Departements- und Arrondissements- Hauptorte wurden 190 zu Gcmcmdcräthen gewählt, 96 fielen durch, 59 traten nicht alS Candidaten aus, 14 Bürgermeisterämter sind unbesetzt.
— Die Marschallin Mac Mahon stattete heute der Kaiserin von Rußland einen Besuch ab. Gestern empfing die Kaiserin die Herzogin Hamilton und den Prinzen Wasa. DaS Diner im Elysee zn Ehren der russischen Groß« fürsten findet am Samstag statt. Die Polizei hat am russischen Botschaftsgebäude große Vorsichtsmaßregeln getroffen. Niemand wird in die Nähe zugelassen, zehn Polizcidicncr halten Wache.
— Cardinal Bonnechose, Erzbischof von Rouen, wurde heute von Mac Mahon empfangen.
— Der gestrigen Sitzung der republikanischen Linken wohnten nur 501 Deputate an. Beschlüsse wurden nicht gefaßt; die nächste Sitzung ist auf Sonntag anberaumt.
— Broglie und Audiffret- Pasqurer sind seit gestern zurückgekchrt, um hier zu bleiben.
(Engfnni).
Bonbon, 26. November. Der „Times" wird vom 24. d. aus Rah kutta telegraphirt: Sir Richard Temple bat zwei Documentc in Umlauf gesetzt ; in dem einen wird der Dank der Regierung an die zur Bekämpfung der Hungerönotb angestellten Beamten, in dem anderen an eine bedeutende Zabl Europäer und Hindus, die nickt Posten bekleideten, ausgedrückr. Er constatirt, daß viele Gutsbesitzer die Einsammlung der Mietbeu cingesttllt babcn und keine Entschädigung verlangen für das Land, welches für die Nolhbauten gebraucht avurde. Den ZcmindarS, Gutsbesitzern rnd Kaufleuten sind vierzig LalhS für Verbesserung von Grund und Boden, zu Nutzen der Pächter und zur Eiufubr von Getraide vorgeschossen worden.
— Im nördlichen England liegt [tie Eisenindustrie iebr darnieder und man nimmt an, daß bis 7000 Arbeiter feiern müssen. Große Roth b rrickt unter den Arbeitslosen, und auf einer unter dem Vorsitze deS ihaiior? von
Darlington abgehaltenen Versammlung wurde beschlossen, den Unglücklicken beizustehen, resp. ihnen andere Arbeit zu verschaffen.
Lokal-Notiz.
Gießen, 28. Nov Seither war im Publikum die irrige Ansicht verbreitet da- Fischen mit der schwimmenden Angel sei in der Lahn für Jedermann erlaubt. Am 17. d. M. hat an hiesigem Stadtgericht auf Grund deS $ 370, pos. 4, deS deutschen Strafgesetze- eine deßfallsige Verurthcilung zu 3 Thaler stattgefunden, wodurch die seitherige, irrige Ansicht widerlegt wird.
Celegrnjiyischk Dcpefdjen.
Berlin,_ 27. Nov In den dem Bundesrathe zugegangenen Gesetzentwürfen, betreffend die Abänderung des Gesetzes über die französische Kriegs- kosten-Entschädignng, wird die für die elsaß-lothringischen Festungen und Gar> msonen flüssig zu machende Summe auf 42,980,950 Thlr. erhöht, wovon 21,730,000 Thlr. für den sortificatorischen Ausbau von Sttaßburg, Metz, Bitsch, Neu-Breisack und Diedenhofen zu verwenden sind.
London, 27. November. Der Staats - Sccretar des Auswärtigen, Lord Derby, empfing gestern eine Deputation, welche den Wunsch aussprach, daß bei Ratification des Reciprocitäts - Vertrages zwischen Nord-Amerika und Canada, Nord - Amerika keinerlei Vortheile betreffs der Eingangs - Zölle eingeräumt würden, welche nicht auch England besitze. Lord Derby erklärte, er sei vollkommen mit dieser Anschauung einverstanden.
Paris, 27. November. Der „Agence Havas" zufolge wird morgen die Antwort des Ministers des Aeußern auf das spanische Memorandum dem spanischen Gesandten überreicht werden. — Earlistlsche Depeschen vom heutigen Tage gestehen zu, daß die Carlisten bei San Marcial zurückgeworsen seien, behaupten aber, daß der Jruner Bahnhof durch die Carlisten besetzt sei.
2t. (Hallen, 27. Nov. Der hiesige große Rath genehmigte bei Be rathung der Verfassungs - Revision die von der Mehrheit der Commission gestellten Anträge, betreffend die Glaubens- und Gewissens- Freiheit, die freie Ausübung des Gottesdienstes, die Oberaufsicht des Staates über die Rcligions Genossenschaften, über Kirchengüter und konfessionelle Centralsonds und über die Wahl der Geistlichen.
Vermischtes.
Friedberg, 26. Nov. Bet der heute dabter stattgehabten Bürgermelsterwahl wurde der seitherige Bürgermeister Albert Foucar mit 161 Stimmen wiedergewahlt. Sein Gegen« candtdat Narl Scriba erhielt 148 Stimmen.
Assenhetm, 24. Nov. Unter großer Betheiligung fand heute die Bürgermcisterwahl statt. Es wurden 106 Stimmen abgegeben, welche alle dem seitherigen Bürgermeister Best zu. fielen. Diese einstimmige Wahl bezeugt, daß Herr Bürgermeister Best das volle Vertrauen, die Liebe und Achtung seiner Ort-angehörigen besitzt und fehlte eS an Ehrenbezeugungen nicht, welche demselben dargcbracht wurden.
— In Philadelphia ist der ehrwürdige Pater Gordemann, Pastor der katholischen St. BonifaciuS Kirche, mit dem weiblichen Organisten, welcher wegen seine- ergreifenden Spiels bet Liebling der ganzen Gemeinde war, verschwunden, ohne vorher Abschtedsvisiten zu machen. In der Zerstreuung, welche sich au8 der Eile, mit der er die Bergnüzung-'Reise antrat, leicht erklären läßt, hat er die Kirchen-Casie mitgenommen.
Von allen Kalendern ist für die hessischen Familien ganz besonders der Illu- ftrirtc Hessische Volkskalender bei Ferd. Lange in Darmstadt erschienen, zu empfehlen Er kostet nur 12 fr. und enthält sehr wohl getroffene PortraikS unseres ersten Ministers Hofmann, der verstorbenen Abgeordneten Metz, Karl Joh. Hoffmann und viele Andere. Im Text bringt er interessante Mittheilungen über die hessische Industrie. über die Erdbeben in Groh-Gerau und Reichenbach, schöne Erzählungen, eine Münz-, Maah- und Gewichts-Tabelle und sonst noch vieles Unterhaltendes und Belehrendes. Ein sehr schöner grober Pramienstahlstich dazu kostet auch nur 12 fr. und ist der Kalender, sowie die Prämie durch alle Buchhandlungen zu beziehen.
Auszug aus brn Kirchenbüchern der Stadt Gießen. Evangelische Gemeinve.
Zr o v u l i r t e.
Den 22. November. Heinrich Euler, Bürger und Schuhmacher dahier, des Bürgers und Schuhmachers zu Staufenberg, Dietrich Euler, ehelicher Sohn; und Elisabeth Simon von hier.
Getaufte.
Den 22. November. August Konrad Ehttstian, ein unehelicher Sohn von auswärts, geboren den 4 November
Denselden Dem Bürger und Schuhmachermeister, Karl Griebel, eine Tochter, Elisabeth Ida Auguste, geboren den 10. October. ,
Denselben. Dem Bürger zu Diilheim, Kreitz Wetzlar, und Schaffner an der Köln Gtehei'.er Bahn l ahter, Philipp Heinrich Sametz, eint Tochter, Luise Wilhelmine, geboren den 22. October
Denselben Dem Bürger und Weihbindermeister, Louis Petri III., eine Tochter, Marie Antonie Julie Johanne, geboren den 23. October.
Denselben Dem Bürger zu Orlcobausen, ttreid Büdingen, und Schreiner dahier, Ernst Kieh, eine Tochter, Marie Elisabeth Leonore, geboren den 13. October.
Denselben Dem Bürger und Schuhmachermeister, Wilhelm Euler, ein Sohn, Emil Ludwig, geboren den 28. October
Den 24 November Dem Bürger und Gastwirth, Wilhelm Hofmann, eine Tochter, Marie Friederike, geboren den 19. October.
Ten 2 b. November Dem Gentzdarmen zu Pferd dahier, Ludwig Prefiedt, eine Tochter, Anna Marte, geboren den 7. November.
Beerdigte.
Den 21. November. Ludwig Friedrich Mattin DamShäuser, deS Arbeiters an der Köln Giehener Bahn banttr, Johanne? Damtzhäuser aus Sterzhausen, ehelicher Sohn, alt 10 M. 27 T, geftoiben den 19. 91 ov em der
Den 22. November. Katharine Sophie Dotzenrodt. des Bürgers zu Neunkirchen uub Lokomotivführer an der Main Weier Bahn dahier, Hein.ich Dotzmrodt, eheliche Tochter, alt 3 M. 27 T, gestorben den 20 November.
Denselben Karl Emil Konrad Engelbett Kuhl, des Schaffners an der Oberhessischcn Bahn dahier, Komad Kuhl aus Hitzkirchen, ehelicher Sohn, alt 4 I. 21 T-, gestorben den 20 November.
Den 23 Stovern her Henriette Bauer, deS Bürgers zu Pfaffenschwabenheim und Schreiners dahier. Philipp Bauer, eheliche Tochter, alt 2 I. weniger 1 T-, gestorben den 22. November.
Den 24 November. Karolinc Eleonore Horn, des Haulboisten im Großb Hess 11 Infanterie Regimente Nr. 116 dahier, Valentin Horn, eheliche Tochter, alt 1 M. 27 T. gestorben den 23. November.
Den 26. November. Anna Marte Katharine Horn, deS Bürger- zu Stkln- daÄ und Arbe kerv in der Enler'tchen Scbncifmüble dahier, Johannes Horn, eheliche Tochter, alr 1 I 4 2)?. 6 T-, gestorben den 24. November-
Denselben. Ein ungetauft verstorbener Sohn des Bürgers und Metzger- Meisters Emil Gechmar, alt 3 M. 5 T-, gestorben den 24. November.


