Gitßeim Anzeiger.
Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Hiessen.
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Mittwoch Len 27. Mai
Nr. 119
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politischer Theil.
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Berlin, 25. April. Das General-Postamt hat vor Kurzem entschie- daß bei Preis Couranten, welche gegen die ermäßigte Taxe für
Die Krisis in Frankreick.
Lange genug für die beweglichste Nation der Welt hat die in Frankreich herrschende Windstille gedauert; es beginnt sich wieder zu regen und die Wetterpropheten künden Sturm und Gewitter. Vielleicht aber führt der Wind befruchtende Regenwolken herauf, das Land bedarf der Erfrischung; die Dürre fing au, unerträglich zu werden.
Das Septenuat, d. h. die Verlängerung eines Interimistikums ans sieben Jahre war eigentlich nur deshalb möglich, weil alle Parteien in Frankreich banquerott sind; die Bonapartisten wie die Legitimisten, die Orleanisten wie die Republikaner Nur eine Nuance der letzteren ist bisher nicht zum Wort gekommen, die der freisinnigen Republikaner und leider fehlt cs derselben an teil begabten Führern, denn kaum darf Gambetta, dessen wilde Kriegslust, testen falsch angewandte Energie so viel zur Vergrößerung der Leiden seines Vaterlandes beigetragen haben, für einen solchen gelten. Dennoch liegen unseres Erachtens die Chancen für die entschiedenen Republikaner günstig.
Mit Mac Mahon wurde die Indifferenz an die Spitze Frankreichs gestellt. Er wurde weder gefürchtet, noch geliebt, man einigte sich auf neutralem Boden und decorirte ihn mit dem den Franzosen für derartige Arrangements eigenen Geschicke; man sprach von dem glorreichen Besiegten von Wörth, aber wenn die Augurn, die also sprachen, einander trafen, so lachten sie. Niemand glaubte au Mac Mahon, aber Jedermann that jo, als ob er an ihn glaubte. Zu ungefährlich, um gefürchtet zu werden, zu schwach, um einer Partei zum Siege zu verhelfen, zu stark, um nur der Spielball der Parteien zu sein, war er der Mann Aller, ein rechter Präsident des Compronusjes. Es ist sogar möglich, daß die Majoriiät der Nationalversammlung es mit dem Septeunal ehrlich meinte und in Wirklichkeit liegt kein Grund vor, dies zu bezweifeln, denn wie die Sacken lagen, bedurften alle Parteien in gleicher Weife der» Sammlung, wie Frankreich derselben bedurfte und während der Zeit konnte man mit einer wie immer gearteten Negierung zufrieden sein, die Frankreich nach Außen bin anständig reprasentirte Das Alles war ganz vernünftig, und da die großen Staatsmänner nicht gar so plötzlich auftauchen, so durfte man auf die Dauer dieses Regiments der conservativen Mutelmäßigkeit zählen, — trenn nicht die den Franzosen anhaftende Leidenschaftlichkeit, welche eine dauernde Mäßigung nicht anfkommen läßt, einen gewaltigen Strich durch die Rechnung gemacht hätte. Thörichter hätte das Ministerium nicht handeln können, als, indem cs zur Befestigung seiner Macht den Entwurf einer Wahlgesetz-Reform einbrachte und seinen Einfluß so weit überschätzte, daß es aus der Annahme eine Cabinetsfrage machte.
Wie stellen sich aber die Verhältnisse nun, nachdem das ablehnende Votum der Nationalversammlung das Ministerium gestürzt hat? Handelt es sich lediglich um eine Ministerkrisis oder ist der ganze Bestand der gegenwärtigen Regie-
jen Besörrenm mplah-
DeuilcötanO.
Darmstadt, 23. Mai. Se. König!. Hoheit der Großherzog sind heute Vormittag 9 Uhr 15 Miu. zum Sommer-Aufenthalte nach Mainz abgereist.
Darmstadt, 24. Mai. Ihre Königliche Hoheit, die Frau Prinzessin Ludwig, ist heute Vormittag Uhr von einer Prinzessin glücklich entbunden worden.
welche die Bildung eines solchen Cabinets so ungemein erschwert, auch wenn »dieselbe vollendet sein sollte, die Stellung des Cabinets oder des Chefs der ; Executive gefährden müsse.
Die andere Möglichkeit ist die der Auflösung der Nationalversammlung. .Nun würde allerdings eine solche Auflösung zunächst den Effect haben, die Machtbesiiguisje des Präsidenten zu erhöhe« ; eine Zeit lang würde der Mar- । schall Mac Mahon eine nur durch die Form von einem Souverain verschiedene 1 Stellung an der Spitze Frankreichs einnehmen. Aber wie die Neuwahlen aus- . fallen, kann wohl kaum zweifelhaft sein; dieselben werden eine entschieden republikanische Majorität ergeben und daß eine solche Majorität nicht säumen wird, das Provisorium zu enden und die Republik definitiv zu constituiren, das stehl außer Zweifel. In den sichs Jahren, die noch bis zur Beendigung des Septennats austehen, hätte möglicher Weise eine andere Partei Eiustuß und Macht zu gewinnen, Zeit und Gelegenheit gehabt, ja wir wissen sehr wohl, daß der politische Wankelmuth der französischen Nation groß genug ist, um selbst den Bonapartisten wieder die Möglichkeit des Erfolges in solcher Frist zu gewähren, allein jetzt vor die entscheidende Frage gestellt, wird Frankreich, wenn nicht einmüthig, doch mit überwiegender Majorität für die definitive Con- stltuirung der Republik votiren.
Wie also die gege wärtige Krise sich auch cutwickeln mag, wir können nicht umhin, eine durchgreifende Aeuderung in der Regierungsfoim Frankreichs als wahrscheinliche Folge derselben in'S Auge zu fassen. Doch glauben wir anuehmen zu dürfen, daß diese Bewegung sich ohne Erschütterungen der Ruhe auf gesetzlichem Boden vollziehen wird, denn das Dedürfniß der Ruhe ist noch immer in Frankreich ein großes und alle Interessen sprechen für deffen Besrie- digung. Auch nach Außen hin wird die mögliche oder wahrscheinliche Aeuderung ider Regierungsform keine Erschütterung zur Folge haben.
Mehr und mehr ist das Revanchegeschrei verstummt und jede neue Negierung wird vollauf zu thun haben, sich im Innern zu befestigen und zu stärken. Das Beispiel des Kaiserreiches, welches durch eine Diversion nach Außen die Gemüther beschäftigen wollte und dabei elend zu Grunde ging, wird jeder neuen Regieruiig Frankreichs warnend vor Augen stehen.
Nr. 15 des Reicks-Gesetzblatts, ausgegeben den 9. Mai 21874, enthält: (Nr. 1002.) Reichs-Militärgesetz. Vom 2. Mai 1874.
Nr. 16 des Reicks-Gesetzblatts, ausgegeben den 10. Mai^l874,^enthält: (Nr. 1003.) Gesetz über die Presse. Vom 7. Mai 1874.
Gießen, den 23. Mai 1874. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Röder.
Amtlicher Th eil.
L e k a n n t in a ch u n g.
Das Executivcomits der internationalen landwirthschaftlichen Ausstellung zu Bremen hat das Ersuchen gestellt, zur Kenntniß der landwirthschastlichen Bevölkerung zu bringen, daß aus Anlaß der in der Kürze in Bremen stattfindenden internationalen landwirthschaftlichen Ausstellung am 2?. Juni l. I. daselbst eine Verloosung von landwirthschaftlichen Thieren, Maschinen rc. stattfindet, zu welcher Loose ä 1 Thaler, deren in Allem 200,000 Stück ausgegeben werden sollen, entweder direct von Bremen oder auch durch die Expedition des Gießener Anzeigers bezogen werden können.
Gießen, den 20. Mai 1874.
miß, ist das Septeunat selbst gefährdet? Die Beantwortung dieser Frage
erscheint uns nicht schwierig, wie auch die Verhältniffe sich gestalten mögen, wirkten, vup vci spiu© ^vuiumcn, ivnujt gegen vie tnuuPuö*v ...»
glauben nicht an die Dauer des Septennats. 'Drucksachen befördert werden sollen, außer den bereits nachgelassenen hand-
Zunächst liegen zwei Möglichkeiten vor. Die für die Erhaltung, wenig-!schriftlichen Vermerken und Zusätzen andere, wie z. B. die handschrifiliche Einstens für die vorläufige Erhaltung des Status quo ante günstigste Chance wäre Prägung des MarktstimmungS - Berichts, unzulässig ist- Nach einem am 14. die, daß es den Bemühungen Goulard's gelänge, ein Cabinet zu Stande zu d. Mts. ergangenen wichtigen Bescheide derselben obersten Postbehörde ist für bringen. Nach den bisherigen Mittheilungen würde dassilbe aus Mitgliedern unzureichend frankirte Pakete bis zum Gewichte von 5 Kilogramm einschließlich, des rechten und des linken Centrums zusammengesetzt sein, mithin jene politische >für unzureichend frankirte Briefe mit Werthangabe mit für unzureichend sran- Parteistellnng einnehmen, tie s. Z. das Cabinet des Herrn Thiers zeigte. Ob»kirte Postvorschuß-Briefe der Portozuschlag von 1 Sgr., welcher für umran- der Marschall Mac Mahon aber, falls dieses Cabinet zu Stande kommen ffirte Sendungen der bezeichneten Gattung zur Erhebung kommt, nickt zu bewürbe, in demselben eine wirkliche, besonders aber, ob er eine dauernde Stütze rechnen. Wenn dergleichen Sendungen nut unzureichender Frankirung abgesandt in demselben fände, das scheint uns mehr als zweifelhaft. Uns will es bedün- werden, so kann dies mir auf einem Versehen der Aufgaben der Postaustalt ken, als ab die prouoncirt conservative Haltung des Herzogs von Magenta, beruhen, für welche das Publikum nicht strafbar erscheint."
ijölis llhr.
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Der Director des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen: v. Röder.


