fett nur auf dem Boden der Thatsachen und ihrer Anerkennung auSübbar sei. Das Blatt bestätigt, daß der Kaiser seine altgewohnte Lebensweise in jeder Beziehung wieder aufaenommen hat und wie in früherer Weise an den Hof- sestlichkeiten Theil nimmt. — Der Besuch des Kronprinzen von Dänemark am hiesigen Hof bezeichnet das Blatt als ein neues Zeuzniß der zwischen Dänemark und Deutschland bestehenden freundschaftlichen Beziehungen.
Berlin, 26. Februar. Der beliebte Schriftsteller Hesekiel ist heute gestorben.
Posen, 24. Februar. Bei seiner Vernehmung am 16. d. in Ostrowo erklärte der Erzbischof, daß er sich freiwillig nicht zum Termin stellen werde, und verweigerte die Unterschrift, da er die Competenz des Gerichts nicht anerkenne. Heute ist definitiv beschloßen worden, im Ostrower Gerichtsgesäng- Nisse für den Erzbischof eine Betcapelle herzurichten; außerdem hat Jeder Zutritt mit vorheriger Meldung beim KreisgerichtS-Director.
CmS, 24. Februar. Nach rheinischen Blättern wird der Kaiser Wilhelm in diesem Sommer abermals das Bad Ems besuchen.
Leipzig, 24. Februar. In den studentischen Kreisen erregt die am 19. d. erfolgte Verhaftung eines Studireudeu mit hochadeligem Namen großes Aufsehen. Es soll sich derselbe bei einer Versammlung einer argen Beleidigung des deutschen Kaisers schuldig gemacht haben.
Aus der Vorderpfalz, 24. Februar. Das dritte pfälzische Bun- desschießen wird bekanntlich in Neustadt a. d. H. abgehalteu. Gestern war nun dort die Commission, bestehend aus den Herren Fabricius von Frankfurt, Dr. Mittermeyer von Heidelberg, Krell von Wiesbaden, Constantin Morsch und Julius Kcafft von Neustadt, zur Berathung der Schießorduunz versammelt, hat diese Ordnung endgültig sestgestellt und zugleich bestimmt, daß das Bim desschießen in der Zeit vom 21. bis 27. Juni abgehalteu werden soll. Die Stadt und die hiesige Schützengesellschast trifft bereits ihre Vorbereitungen zum würdigen Empfang der Gäste, die einer herzlichen Aufnahme und der besten Gastfreundschaft gewiß sein dürfen.
Straßburg, 25. Februar. Das „Elsässer Jouru." fordert die heim- gekehrten elsaß-lothringischen Abgeordneten auf, mit Rücksicht auf die vertretenen gemeinsamen Interessen in den Reichstag wieder einzutreten. In demselben Blatte erklärt Prof. Vluntschli: Wenn Teutsch in der Reichstagösitzunz vom 18. Februar ihn richtig und vollständig citirt hätte, würde sich Jedermann überzeugt haben, daß die fragliche Stelle keine Bestätigung, sondern eine unzweideutig Widerlegung der Teutsch'schen Behauptungen enthalte. Er protestire daher gegen die mißbräuchliche Anführung seines Namens.
Oesterreich.
Wien, 26. Februar. Das „Vaterland" veröffentlicht einen Aufruf an die conservative Partei behufs Sammlungen zur Unterstützung und Pflege verwundeter Carlisten.
Frankreich.
Paris, 24. Februar. Der Marine-Minister hat an die Seepräfekten und andere höhere Beamte eine Verfügung betreffs Maßregeln gerichtet, welche gegen Osficiere und Beamte zu ergreifen seien, die am 10. März nach Chisel- hurst gehen wollen.
— Gestern fand bei dem italienischen Gesandten Nigra ein Diner statt, welchem Broglie, Decazes und Noailles (der neue französische Gesandte in Italien) beiwohnten.
«kjolllmd.
Amsterdam, 26. Februar. Der kürzlich gewählte Erzbischof der altbischöflichen Utrechter katholischen Kirche, Cornelius Diependahl, hat gutem Vernehmen nach die Wahl abgelehnt.
(EngCanb.
London, 23. Februar. Der „Hour" zufolge hat Gladstone vor seiner Amtsniederlegung in einem Briefe an Sir Bärtle Ferre sich nach der Anzahl der von Livingstone hinterlassenen Kinder erkundigt, um sie der Königin für den Genuß einer Pension zu empfehlen.
Loudon, 25. Februar. Die japanesische Gesandtschaft veröffentlicht ein Telegramm aus Nangasaki, wonach 3000 Mann japauesischer Truppen auf dem Schauplatz der Unruhen eintrafen. Den Unruhen ist .aut der Mitthei- lung der Gesandtschaft eine erhebliche Bedeutung nicht zuzuschreiben. Mau hofft übrigens auf eine recht baldige und vollständige Wiederherstellung der Ordnung.
London, 26. Februar. Nach einer der Admiralität zugegangenen nicht- officiellen Mittheilung hat am 31. Januar der Acroomboo zwischen den Engländern und den Aschantis eine zwölsstüudige Schlacht stattgeftmden, worin beide Theile große V erluste erlitten hätten; mehrere englische Osficiere seien verwundet General Wolseley stehe 15 englische Meilen von Cumassi und verlange Verstärkung, alle Truppen seien daher ausgeschifft. Die Regierung ist noch ohne biiecte Depesche Wolseley's. Nach einer in Lissabon eiugelangten Meldung eines Special Correspoudeuten wurden die Engländer von den Aschantis überrumpelt und verloren 190 Tobte und Verwundete. Man befürchte, daß die Truppen abgeschnttteu würden.
flmciifta.
New - Uork, 22. Februar. Die New-Aorker Zeitungen vom 12. d. enthalten eine aus Cheyenne vom 11. Februar batirte Depesche, welche einen neuen indianischen Aufstand in Wvoming meldet. Zehn Meilen vom Fort La- ranüe wurden ein Lieutenant und ein Corpora! von 40 bis 50 Indianern um Jingt und getödtet. Die Leichen waren, als man sie fand, von Kugeln und Pfeilen arg zugerichtet, aber nicht verstümmelt. Zwei Compagnien sind, unter Xcfcbl des Capitans Egan und des Lieutenants Altison, zur Verfolgung der Indialikr ausgerückt. Oberst Bullock erzählte bei seiner Ankunft auf Fort Fet- tennau, daß er unterwegs eine große Anzahl Indianer den Sealptanz hat auf ftlbren gesehen. Die Sioux sollen in allen Richtungen morden und plündern. Eine Kavallerie Abiheilung ist unter Capitän Wessels zum Schutz der Potter Station au der Union Pacificbahn ausgerückt, wo die Indianer arge Plünde
rungen verübt haben. Der Agent Frank Appleton ist ebenfalls von den Minne- conyon Sioux erschoffen worden. Es ist nach Truppen telegraphirt worden und die größte Aufregung herrscht, da ein allgemeiner Aufstand befürchtet wird.
Vermischtes.
Bonn, 21. Februar. Seit einigen Tagen zog ein Inserat in der Reichszeitung die Aufmerksamkeit auf sich, in welchem ein ohne Namen versehenes „Gomite“ zu einer sogenannten Katholiken-Periammlung auf Mittwoch Abend, den 1**. Febr , im großen Saale des „Marien» bilvchenS", Iosephstraye, einluv, um der „drohenden Beeinträchtigung unerhörter Art mit Nachdruck entgegenzuireten." Es handelte sich dabei, wie wohl bekannt, um die Ausübung des den Altkatholiken zustehenden sonnenklaren Rechtes auf Mitbenutzung der Kirchhofcavelle. Ueber die Versammlung berichtete die B. Z.: „Unter dem Präsidium eines bekannten Haupteifcrerö wurde die Sitzung eröffnet, worauf man sich nicht entblödete, die Anwesenden unter dem stets wieder- holten Refrain: „An die Gewehre Leute! An die Gewehre!" zu haranguiren und eine Fluth von Schmähungen gegen die Altkatholiken, ihren Gottesdienst und namentlich auch »brcn Bischof und ihre Geistlichen auSzustoßcn, wobei sich der im Abgeordnctenhause als großer Schweiger bekannte Herr Fransten auszctchnete. Der Gottesdienst der Altkatholiken in der Schloßcapclle werde noch durch die gebotene Musik und die „Triller der Primadonnen- über Master gehalten. Es stinke dort furchtbar nach Knoblauch. Dann ging es über den „Strumpfwirker ReinkenS" her, der sich katholischer Bischof nenne (allgemeiner Jubel); über die Vergangenheit der anderen altkatholischen Geistlichen wolle man den Mantel christlicher Liebe decken. (Abermaliger Jubel.) Ein Protest gegen die Benutzung der Kirchhofscapell; durch die Altkatholiken wurde beschlosten. Des Pudels Kern war aber die Parole, daß am Samstag Morgen, wo die Gedäcktnißfeier für den verstorbenen Profestor Hilgers Statt finden sollte, zu früher Stunde die Kirchhofs- capelle durch eine große Zahl gutgesinnter Katholiken fest zu besetzen sei, so daß die Altkatholiken nicht hinein könnten." So weit wir die Gesinnungsart unserer hiesigen Bevölkerung kennen, setzte die B. Z. hinzu, glauben wir zwar auch nicht im entferntesten daran, daß solche Hetzereien irgendwie verfangen könnten. Und wirklich bat heute Morgen die von gewisser Seite angeregte Störung dieses Gottesdienstes in keiner Weise Statt gefunden und bewahrheitete sich voll» kommerx unsere ausgesprochene Vermuthung. — Die Exevition der Bonner Zeitung hat nun von Herrn Heinr. Fransten, „Reichs- und Landtags-Abgeordneter", ein Schreiben erhalten, in welchem er gegen die Wahrhaftigkeit des Berichtes über die Versammlung im „Marienbildchen" protestirt. Mit Recht sagt die Bonner Ztg.: „Man kennt ja die Dementis dieser Herren: was wir berichtet haben, ist natürlich Alles nicht wahr. Wir bitten Herrn Fransten, uns statt jeder solchen Behelligung einfach durch vollständige Mittheilung besten, was er und seine Genosten gesagt, Lügen zu strafen; wir werden dann auch unseren Zeugen bas Wort gönnen." — In einem Postscriptum theilt Herr Fransten der B. Z. mit, daß er zwingender Familien» Verhältnisse wegen 10 bis 14 Tage lang nicht an seinem Platze in Berlin sein könne. Wir haben, fügt dieselbe hinzu, nichts dagegen einzuwcnden.
Kleinenbroich, Kr. Gladbach, 20. Februar. In vergangener Nacht ist auf dem in der Nähe gelegenen Steprather Hofe ein ungemein frecher Raub verübt worden. Zwisch«n 12 und 1 Uhr Nachts stiegen sechs Kerle mit geschwärzten Gesichtern, denen später noch zwei folgten, welche inzwischen wahrscheinlich Wache gestanden, mittels einer Leiter in das in der ersten Etage befindliche Schlafzimnier der Hofbesitzerin, Wittwc G-, ein- Unter Bedrohungen mit Pistolen und Mestern zwangen sie die Frau, aus dem Bette aufzustehen, Kisten und Kasten aufzuschlicßen und ihnen daS Geld und Werthsachen auszuliefern. Damit nicht genug, mußte die Frau den Dieben auch noch auf das Schlafzimmer deS SohneS leuchten, welchen sie ebenfalls durch Drohungen zwangen, keinen Lärm zu inachen, während sie dort ebenfalls aufräumten. Durch die Haustbür, zu deren Oeffnung sic die Frau selbst mit heruntergenommen, eniferntrn sic sich dann mit ihrem Raube. Ein Theil der mitgenommenen Leinwand fand sich heute Morgen im Felde hinter einem Fruchtbarmen wieder. Die gestohlene Geldsumme rst nicht unbedeutend, da gerade in den letzten Wochen auf dem Hofe viel Frucht ausgedroschen und verkauft worden war.
Dortmund, 20. Februar. Die „Estener Zeitung" meldet von hier folgende „Mester, Affaire": „In einem hiesigen sehr besuchten Restaurations-Locale saßen eine Anzahl Carnevals« Freunde (junge Kaufleute) in heiterster Laune beisammen; zu ihnen gesellte sich bald em Fremder. Scherze flogen hin und her, bis endlich der Fremde sich durch eine Anspielung vcr» letzt fühlte. Auf die beruhigende Äeußcrung hin, daß man sich in der Carnevalszeil schon etwas müßte gefallen lasten, griff er ohne weitere Entgegnung in die Tasche, zog ein Dolch» mester (doppelt geschliffen) heraus, machte es unbemerkt unter dem Tische auf und war gerade im Begriff, gegen den nächsten Nachbar davon Gebrauch zu machen, als der Kaufmann H. et wahrnahm. Ein Schlag mit einem Bierseidel auf die Hand des Stechlustigen ließ diesem das Mester entfallen, und nun übten die Anwesenden an dem Raufbolde eine gründliche Lynch» Justiz, die damit endete, daß man ihn auf die Straße in die Gosse warf. Leider gelang et dem Strolche, hier zu entkommen, und konnte er bis heute noch nicht dingfest gemacht werden.' Das Dolchmester, haarscharf geschliffen und eins der gefährlichsten Sorte, hat er zurückzelasten. So schlimm — und es ist dies bedauerlich zu sagen — steht es gegenwärtig bei uns um die Sicherheit des Lebens. Die strengste Handhabung des Gesetzes kann da nur Abhülfe schaffen " — Die englische Militärverwaltung hat vic nach der Goldküste geschickten Truppen außer anderen für diesen Krieg eigens angefertigten Bekleidung-- und Ausrüstungs Gegenständen auch mit Hängematten ausgestattet, damit die Soldaten beim Mangel an Stroh over sonstigem Lagermaterial Lagerstellen haben. Diese Hängematten sind von starkem Bindfaden neuartig gefertigt, ganz leicht und äußerst solide gearbeitet. Jeder Soldat trägt dieselben in efaM kleinen, aus Wachsleinwand angcfertigten und zum Umhängen eingerichteten Tasche Du Befestigung an Bäumen und anderen geeigneten Gegenständen geschieht mittels zweier Hake^ welche eingefd)raubt werden können. Da dieselben wegen ihres leichten Transports sich auj für unseren Feldgebrauch eignen dürften, hat eine Fabrik in Birmingham solche durch bei preußischen Militärbevollmächtigten der diesseitigen Militärverwaltung empfohlen und werde, jetzt in verschiedenen LerwaltungSzweigen damit Versuche angestellt. Man glaubt, daß fit namentlich für den Feld-Sanitätsdienst von großem Nutzen sein werden.
Literarisches.
* Die DerlagShandlung von Franz Lipperheide in Berlin kündigt soeben eirt neue, vermehrte Ausgabe der Gedichte von Hoffmann von FallerSleben. welche zum Besten des Hinterbliebenen des Dichters, seines einzige, Sohnes, erscheinen soll, mit folgenden beherzigenswerthen Worten an:
„Ein halb Jahrhundert hindurch hat Hoffmann von Fallersleben, ein fahrende Sänger in des Wortes schönster Bedeutung, dem deutschen Volke gesungen von Frsthling, Lietr und Wein, gelungen für Freiheit, Recht und Vaterland. Seine Lieder sind durchwebt von tie^ inniger, sinniger Poesie, ungekünstelt und dock) kunstreich, fern jeder krankhaften Empfindele^ aber von gesunder Empfindung, schlicht und recht wie sein Leben, bald zart wie sein Lieber, bald herb und derb wie sein Haß gegen Unrecht und Gewaltthat.
Ueberall, wo deutsche Herzen schlagen, haben diese Lieder Eingang gefunden und fw? zum großen Theile echte Volksweisen geworden. Sie begleiten den Wanderer über Land un: Meer, den Krieger in die Schlacht, den Musensohn zu heiterem Gelage. Die Lieder Hoff^ mann's von Fallersleben tönen wieder von den Lippen der Liebenden; mit seinen Weiser wiegt die Mutter ihren Liebling in Schlaf und begrüßt der Kinder Sang den Lebensmorgen.—
Die letzte Auflage der Gedichte Hoffmann's von Fallersleben ist seit einigr Zeit vergriffen; nur eine Auswahl ist noch im Handel vorräthig, und als eine dringende Pklich erscheint deshalb gegenüber dem Andenken des Verstorbenen die baldige Veröffentlichung eine neuen, vermehrten AuSgabe seiner Gedichte, die er selbst schon vorbereitet, und die jetzt vor Freundeshand vollständig geordnet wird.
Möchte nun an derselben sich nicht aufs Neue das Wort unseres DichterS bewahrheitev. das auf die früheren Auflagen auch seiner Gedichte anwendbar ist:
„So ist's mit Gedichten immer gewesen,
Und macht man davon auch viel Geschrei: Was Tausende singen oder lesen, Das kaufen am Ende noch nicht zwei!" —
Der ganze Reinertrag dieser neuen, im Verlage der obengenannten VerlagShandlunr erscheinenden Ausgabe soll dem Hinterbliebenen des DichterS, seinem einzigen Sohne zu Gun kommen, der vor Kurzem auf der Düsseldorfer Maler - Aeademie seine künstlerischen Studier begonnen hat.
Der Preis der gehefteten Ausgabe ist auf 1 Tblr. 10 Sgr., der elegant gebundener auf 1 Tblr. 20 Sgr. sestgestellt worden, während die frühere, weniger umfangreiche Ausgabt 2 Thlr. kostete. Bestellungen werden schon jetzt in allen Buchhandlungen angenommen."


