bereitwilligen und gewissenhaften Zusammenwirkens für das Gesammtwohl des Volkes hinweist. ,
Berlin, 23. Januar. Die Bundesregierungen sind jetzt angegangen worden, die niederländischen Halbguldenstücke und die österreichischen Viertelguldenstücke von der Annahme bei Staats- und öffentlichen Kaffen, wo es noch nicht geschehen ist, auszuschließen und über die Anordnungen an das Reichskanzleramt zu berichten. Ebenso sind die Regierungen, welche der Annahme gewisser fremden Münzen an ihren Kaffen entgegentreten wollen, ersucht worden, das Reichskanzleramt von Erlaß der betr. Verfügung zu unterrichten.
— Bei der Reichstagswahl wurden in Pieschen 47 Stimmen für den Kaiser abgegeben. Auch im Wahlkreise Arnswalde stimmten 15 Stimmen für den Kaiser. Diese 15 Stimmzettel haben indeß bewirkt, daß der Candidar der Majorität. Gutsbesitzer Dann, zu Fall kam, und hierüber sind nun des Letzteren Freunde so aufgebracht, daß sie bei Abgeordneten sich ein Rechtsgut- achten darüber erbaten, ob der Kaiser überhaupt wählbar wäre. Der Bescheid, den sie erhalten haben, ist ein verneinender, und er gibt ihnen das Recht gegen die Ansetzung einer Neuwahl zu protestiren, die am 27 d. Mts. vor sich gehen soll. Die 15 Zettel wären einfach zu cassiren, und Dann müßte als Abgeordneter des Kreises proclamirt werden. Wenn nun in der Neuwahl Dann nicht gewählt wird, so soll der Reichstag gebeten werden, die zweite Wahl zu cassiren und den rechtsmäßig am 10. Jannar gewählten Gutsbesitzer Dann nnzuberusen
Berlin, 24. Januar. Da der Name Ledochowski in neuerer Zeit so oft genannt wird und der Hauptträgcr dieses Namens einen freilich nicht be- neidenswerthen Ruf sich erworben, so wollen wir nachstehend Näheres über diese Familie mittheilen. Das Haupt der Familie, welche in Oesterreich und Rußland ansässig ist, ist Miecislaus Halka v. Ledochowski, Graf Ledochowski, geb. 29. October 1822, „Erzbischof von Theben, ©liefen und Posen, legalus natus des apostolischen Stuhles und Hausprälar Sr. Heiligkeit, Julius Au dreas, ist im Jahre 1859 gestorben. Am Leben sind von den Geschwistern des Erzbischofs seine Schwester Helene, verwittwete Gräfin v. Miaczynska und sein zehn Jahre jüngerer Bruder Anton Franz, die in Ungarisch -Hradisch in Mähren ansässig sind und angenblicklich in Posen weilcn.
Gras Anton ist der glückliche Vater von zwölf Kindern, von welchen ihm seine erste Gemahlin, eine Gräfin von Logothety, zwei, seine zweite, eine Freiin Zeßner v. Spitzenberg, zehn geboren hat. Von dem Vatersbruder des Erzbischofs, Ignaz Grafen Ledochowski, sind zwei Söhne binterblieben, von denen der ältere einen Sohn, der jüngere aber, in Niederösterreich ansässig, aus zwei Ehen nenn Kinder, und zwar vier Söhne und fünf Töchter hat. Der zweite Vaterbruder des Erzbischofs ist kinderlos verstorben. Die Familie Le- ' dochowski, mit dem Wappen Halka, gehört zu den jungen Grafenfamilien, deren besonders viele in Galizien sind. Als Polen selbstständig war, gab es dort bekanntlich keinen Grafentitel. Nach der Theilung erst bemühten sich viele Familien nm den Titel, und die Ledochowski erhielten ihr Grafendiplom am 8. Mai 1800 vom damaligen Deutschen Kaiser und König von Galizien und Lodomerien. Ein Oheim des Erzbischofs war zur Zeit des polnischen Aufstandes im Jahre 1830 General und Commandant der Festung Modlin.
Berlin, 24. Januar. Die „Nordd. Allg. Ztg." tritt den irrigen Auf fassungen der Presse entgegen, als habe die französische Regierung bei den letz ten Maßnahmen einem Druck von Außen nachgegeben. Keine dieser Maßregeln, so sagt das Blatt weiter, sei Gegenstand eines Verlangens Seitens Deutschlands gewesen; das französische Ministerium habe sich lediglich von dem Gefühl seiner Würde leiten lassen und in Erwägung der französischen Interessen vollkommen freiwillig aehandelt. Die deutsche Regierung halte sich Vorbehalten, nach Maßgabe der französischen Gesetze gegen die französischen Bischöfe wegen Majestäts-Beleidigung einzuschreiten. Abzuwarten bleibe, ob die Genugthunng ausreichend sein werde, um solcher Schritte nicht zu benöthigen
Berlin, 24. Januar. Fürst Bismarck veröffentlicht in dem heutigen Blatt des Reichs-Anz." Folgendes. „Die Zahl der mir betreffs der jüngsten Debatten im Abgeordnetenhause telegraphisch und schriftlich zugegangenen Zu- stimmnngen und wohlwollenden Kundgebungen ist so erheblich geworden, daß meine anfängliche Absicht ter besonderen Beantwortung einer jeden nicht möglich ist. Ich beehre mich daher, ans diesem Wege für die mir bei jenem An laß aus allen Theilen des Reiches und des Auslandes gewordenen Beweise der Anerkennung und des Vertrauens den verbindlichsten Dank hiermit auszusprechen.
Aus Bayern, 22. Januar. Die Tod esu rth e ile nehmen in Bayern in der letzteren Zeit in ganz außerordentlicher Weise überband, n. A. namentlich ist es das Schwurgericht der Ober-Pfalz, das in unverhältnißmäßig rascher Aufeinanderfolge so traurige Urtheile zu fällen hat. Im zweiten Halbjahr 1873 hat es vier Todesurtheile ausgesprochen, darunter zwei gegen die Verwandten Mörder Marchner, Vater und Sohn, und eben jetzt hat es wieder
Geistliche war es, welcher sechs Tage später (am 8. d. Mts.) in derselben Wirtschaft zu E seinen Revolver wirklich abgeschoffen hat. Amtliche Erhe- I bungen sind eingeleitet."
Straßburg, 23. Januar. Die ultramontane Partei hat für acht elsässische Wahlbezirke sechs Geistliche und zwei nltramontane Laien als Reichs- tags-Candidaten aufgestellt und die Katholiken der übrigen Kreise angewiesen, für die Eandidaten der französischen Partei zu stimmen, die sich wie Lauth auf das ultramontane Programm verpflichteten.
öchmeiz.
Bern, 24. Januar. Der Nationalrath beschloß, entgegen dem Beschluß des Ständeraths, laut welchem 30,000 stimmberechtigte Schweizer Bürger oder fünf Cantone die Volksabstimmung über die Bundesgesetze rc. verlangen müssen, wenn diesem Verlangen entsprochen werden soll, an den von ihm beschlossenen 50,000 Bürgern oder acht Cantonen festzuhalten, Der Ständerath genehmigte den schweizerisch-italienischen Staatsvertrag über den Anschluß der Gotthardbahn bei Ehiasso und Pno.
Pruntrut, 23. Januar. Der Decan Hornstein ist heute sestgenom- tneii worden.
Frankreich.
Paris, 22. Januar. Heute wurden die Leichm sämmtlicher Soldaten, die während der beiden Belagerungen im Boulogner Wäldchen begraben worden sind, ausgegraben und in feierlichem Zuge nach dem nahen Friedhöfe von Neuilly gebracht. Die Psarrgeistlichkcit dieser Vorstadt, so wie eine große Menschenmenge, wohnten dieser Uebertragnng bei.
Paris, 22. Januar. Figaro erfährt „aus guter Quelle", daß La- chaud für Bazaine's Vertheidigung nichts angenommen, die Kaiserin Eugenie ihm aber ein Andenken zugesandt habe; die Zahlung der Proceßkosten habe die „Königin von Spanien" übernommen und diese ihre Hülfe auch der Frau Bazaine wegen Erziehung der Dazaine'schen Kinder zur Verfügung gestellt.
3tnCien.
Rom, 25. Januar. Der Berichterstatter der „Times" in Rom schreibt in seinem vom 13. d. Mts. datirten Briefe, daß die Veröffcntlichnng der päpstlichen Bnlle Apostolicae sedis manus durch die „Köln. Ztg." wie eine Bombe in das clericale Lager gefallen sei, und daß dieses nicht müde werde, sie als Fälschung zu bezeichnen. Dazu bemerkt er Folgendes: „Vor Kurzem noch schien es, daß der Papst mit dem Gedanken umgehe, seinem Nachfolger eine | Wahl en petit comile zu sichern, nämlich mittelst eines bloßen Rumpf-Eonclave, I dessen Mitglieder vorwiegend aus seinen Hausprälaten bestehen sollten. Die seither erfolgte Ernennung mehrerer Cardinäle, welcher ehestens noch andere Ernennungen folgen sollen, gilt jedoch als Beweis, daß er den ursprünglichen Plan theilweise aufgegeben habe, lieber diese Wandelbarkeit des Unfehlbaren, । die nur durch die Heftigkeit seines Temperaments Überboten wird, ist die Umgebung des heiligen Vaters außer sich. Seit der Erhebung des Jesuiten Tat- : quillt zur Cardinalswürde steht der Papst vollständig unter jesuitischem Einflüsse,1 und diesem mag es. zuznschreiben sein, daß er neuerdings in dem alten Ged an-. ken bestärkt wurde, sich von den Fesseln eines regelrechten Couclave unter Umständen zu befreien, um seinen Nachfolger durch eine Gruppe ihm unbedingt i Ergebene wählen zu lassen. Im Vatican herrscht zur Stunde noch der Gedanke vor, daß bis jetzt noch nichts unwiederbringlich verloren sei. Nach wie vor baut man daselbst auf Frankreichs Rachegelüste gegen Deutschland, und ta Frankreich nicht vor Ablauf mehrerer Jahre zu dcm ersehliten Rachekampfe gerüstet sein kann, sucht man Verbündete in Oesterreich und — was sonderbar klingen mag — in Rußland. Die clericalen Organe träumen von nichts, als von einem französisch - österreichisch - russischen Kreuzzuge, der die Einheit Deutschlands mit» Italiens zertrümmern, Sedan rächen und den päpstlichen Thron auf den Ruinen zweier Reiche wieder anfbanen soll. Der Haß dieser Parteiorgane und ihre Bosheit ist geradezu teuflisch und erhalt offenbar Nahrung durch die im Stillen einherschleichende Besorgniß, daß schließlich alle Anstrengungen doch vergebens sein dürften und die Kirche unter die Führung von Männern gera- then könnte, die sich zu einem Compromiffe verstehen würden. Diese Furcht ist es, die den Jesuiten des päpstlichen Haushalts den brennenden Wunsch ein- flößt, die „barbarischen Ausländer" vom Couclave fern zu halten und du Papstwahl en Familie vorzunehmen. Der Neuznwählende dürfte immerhin ein jüngerer und auch geschickterer Mann fein als Pius IX., aber sie wurden ihm nicht mehr freien Willen gestatten, als dieser besitzt, und die Grundbedingung »einer Wahl wäre die, daß auch er das „Non possurnus“ zur Grundlage seines Thrones und zur Richtschnur seines Handelns mache."
die Todesstrafe verhängt über einen zwanzigjährigen Burschen , der ein sechsjähriges Kind geschändet und dann in grauenerregender Weise ermordet bat. Fragt man sich nach den Ursachen der jo häufig wiederkehrenden schwersten Verbrechen, so ist es wohl nicht so schnell mit einer erschöpfenden Antwort gethan, aber der Veobachtinig kann man sich nicht verschließen, daß es gerade die Kreise von vorwiegend klerikal gesinnter Bevölkerung (Oberbayerli, Niederbayern, Oberpfalz) sind, welche die unnatürlichsten Verbrechen anfzuwcisen haben. Die Art und Weise, wie in unfern klerikal gesinnten Landcstheilen Schule und Erziehung gehandhabt werden, bilden keinen Damm gegen die erschreckend überhand nehmenden Verbrechen. Ein freierer besserer Geist in Schule und Erziehnng würde unbedingt bessere Menschen erziehen und Herz und Gemüth vor der Verwilderung schützen, die der klerikale Dogmen-Streit nun einmal nicht zu bannen vermag.
Stuttgart, 22 Januar, lieber den Schuß, den nach einem Telegramm des „Schw. Merk." ein Geistlicher im Oberamt Ehingen in einer Wahlversammlung abgefenert, ist jetzt - nach zehn Tagen! — im „Schw. Merk" Folgendes zn lesen : „Ein Geistlicher des Oberamts Ebingen ließ sich vom Fanatismus so weit fortreißen, daß er bei einer Wahlbesprechimg am 2. d. Mts. einen Verwaltungs - Actnar und Gemeinderath, welcher Schmid's Candidatur vertheidigte, die ernsthafte Drohung zurief: „Wenn Sie jetzt noch einmal etwas sagen, dann schieße ich Sie am Tische tobt; ich habe den Revolver bei mir; jetzt wird es ernst, man hat Sie lang genug gehört! Dabei griff dieser geistliche Herr nach der Waffe, welche er bei sich trug. Derselbe
England.
London, 21. Januar. Earl Russell, der greise Staatsmann und Vorkämpfer der Freiheit, von welchem der Gedanke ausging, eine große Kuqd« I gebung der Sympathieen Englands mit dem im Kampfe g-geu den Ullr.imon- tanismns liegenden Deutschland zn veranstalten, ist durch feinen Gefnudheiri- znstand verhindert, selbst den Vorsitz in t»er auf den 27. d. anberaumten Volk? Versammlung zu führen. Damit feinem Ausbleiben aber nicht etwa fälscht Beweggründe untergeschoben werden können, hat der Earl an Sir John Mnrrav, den Präsidenten der Protestant Association, einen Brief gerichtet, in welchem er feine Ansichten über jenen Kampf deutlich genug ansspricht. Der in dcr Pall Mall Gazette veröffentlichte Brief lautet, wie folgt;
Pembroke Lodge, 19. Januar 1874.
Lieber Sir John Murray! Ich habe Ihnen schon die Ursache mitgriheilt, welche mich abhält, bei der Verfayinilnng am 27. Januar den Vorsitz zu führen- Sehen wir nun zu, was der Zweck der Versammlung ist. Erzbischof Mannmz stellt feine Lehre sehr klar und kühn in folgender Weise auf: „Die Kirche iß getrennt und sonverain. Was soll dies bedeuten? Jede Macht, welche unabhängig ist und allein für sich die Gräuze ihrer eigenen Jurisdiction feststellen, daher also auch die Gränzen aller übrigen Jurisdictionen bestimmen kann, iß I eben dadurch souverain. Aber die Kirche Jesu Christi, innerhalb des Bereiches der Offenbarung des Glaubens und der Moral, ist entweder alles dieses ovel
laffen, wie wi: sehen, daß die Sacke des Pas: Murray, e
oder g' s« ,1 Wil« 4 g Ä Wiat wd «"I Us*« j flcirihmet c toolike" -MMgeiW fit die Bch°»i -Difitnteti*! tzrMoi ®ar bMiie G*TI billig md 4xe gejn Christi11 unb dir »L»" JendMg die laufe 3’f" ^it, weder M despotische» ur mich verpachte uiib Jii&en ,Vl 1 Münz, die schüttelnde Kcke und, ich hosse, daß ich mich n neu könnte, w( Deutschland in Einzelheiten bei
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