und anstatt der Trennung von Tisch und Bett wegen des religiösen Bekenntnisses vollständige Scheidung eintreten soll, obschon der Justizminister diese wichtige Materie nicht bei der jetzigen Gelegenheit beiläufig entschieden wissen will, genehmigt. Die namentliche Schluß-Abstimmung über das ganze Gesetz soll morgen stattfinden. Es folgt die erste Lesung der Provinzial-Ordnung, welche auf Befürwortung des Mintsters des Innern an eine Commission von 21 Mitgliedern verwiesen wird. Hierauf wird die zweite Berathung des Etats fortgesetzt. Die Etats des auswärtigen Ministeriums, des Staatsministeriums und des „Staats-Anzeigers" werden ohne Debatte genehmigt. Der Etat für das Büreau des Staatsministeriums wird nach längerer Debatte gleichfalls genehmigt und der von den Abgeordneten Richter und Windthorst (Meppen) angefochtene Dispositionsfonds für allgemeine politische Zwecke bei namentlicher Abstimmung mit 205 gegen 141 Stimmen bewilligt. Dagegen stimmten das Centrum, die Polen und "die Fortschrittspartei. Nächste Sitzung morgen.
Berlin, 21. Januar. Der „Neichs-Anz." veröffentlicht eine kaiserliche Verordnung vom 20. Januar, welche den deutschen Reichstag auf den 5. Febr. nach Berlin einberuft.
Frankfurt, 20. Januar. Die französischen Journale haben herausgefunden, daß die etwas schärfere Haltung unserer Regierungsorgane gegenüber Frankreich gar keinen andern Zweck hat, als das Wasser zu trüben und dadurch den Reichstag zu bestimmen, Sie verlangten 300,000 Mann mehr für die Armee zu genehmigen.
Eine weitere Nachricht, welche wunderbarer Weise in Deutschland noch gänzlich unbekannt ist, bezieht sich auf die in jüngster Zeit zunehmende Pro paganda der Internationale in Preußen und die dagegen ergriffenen Maßregeln. Nach dem'„Salut Public" in Lyon haben sämmtliche Ober Provinzialbehörden die strengsten Befehle bekommen. Jedes Individuum, welches überwiesen wird, „internationale Propaganda zu treiben", sofort zu erschießen! Wer ihnen em Asyl verschafft oder sonst mit ihnen in Verbindung steht, erleidet Festungsstrafe. Endlich wird eine Belohnung für alle diejenigen ausgeschrieben, welche der Regierung bei ihren Nachforschungen behülflich sind. So steht zu lesen im „Salut Public" vom 17. Januar d. I.
In demselben Blatte finden die Jubelrufe des Sigl'schen „Vaterlands" über den Ausfall der Reichtagswahlen in Bayern ein lautes Echo: „Preußen hinaus!" so ruft nach dem „Vaterland" das bayerische Volk. Die goldenen Brücken, mittelst deren sich diese Feinde bis in das Vorzimmer des ftöiiig^1 einzuschleichen gewußt haben, müssen gebrochen werden.
Daß diese Sprache den Franzosen Muth macht, an einen neuen Krieg zu denken, leuchtet ein. Es fragt sich nur, wie lange dieses landesverrätherische Treiben unserer Vaterlandslosen geduldet werden soll. (Neue Frkftr. Pr.)
Frankfurt, 18. Januar. Herr Sonnemann hat gestern Abend, nachdem das Mahl-Resultat sestgestellt worden, in Mitte seiner Freunde und Gesinnungs-Genossen eine Ansprache gehalten, der wir Folgendes entnehmen: „Ich habe mich gestern gefreut, daß mir die Fortschrittspartei den Credit gekündigt hat; so wird das letzte Band, was in Folge persönlicher Bekanntschaften, früherer Erlebniffe und Verbindungen gekettet war, durchschnitten; die Fortschrittspartei ist in Frankfurt nichts als eine verkappte iiatioiial liberale Partei. Wir haben die Stimmen der Arbeiter nicht verlangt; sie haben sie uns freiwillig dargebracht; es ist uns lieber, daß wir diese Stimmen erhalten haben, als die der Fortschrittspartei. Ich hoffe, daß dieses Verhältniß im Reichstag seine Früchte tragen wird.
Elberfeld, 21. Januar. Hoffmann von Fallersleben ist in Corvey gestorben.
Dortmund. Der „westfälische adelige Damenclub" hat beschloßen, „in Anbetracht der traurigen kirchen-politischen Verhältnisse" alle Festlichkeiten in dieser Wintersaison zu unterlassen.
Weimar, 18. Januar. Der ordentliche Landtag des Großherzogthums ist heute in der herkömmlichen Weise eröffnet worden. In der landesherrlichen Propositionsschrift wird der erfolgten Vermählung des Erbgroßherzogs gedacht; die fortschreitende Befestigung des Deutschen Reichs und der weitere Ausbau der Reichs-Institutionen werden besonders hervorgehoben, ebenso der Abschluß der neuen Militär-Convention mit Preußen- Die für den Landtag bestimmten Vorlagen umfassen ein neues Volksschulgesetz, eine neue Gemeindeordnung, die Einführung von Friedensgerichten und ein neues Wahlgesetz. Das neu gewählte Präsidium des Landtags besteht aus den Abgg. Fries (Präsident), Brehm und v. Rothenhan (Vice-Präsidenten.)
Vom Neckar, 19. Januar. Die soeben veröffentlichte Uebersicht der Studirendeu auf den Universitäten Freiburg und Heidelberg für das Winterhalbjahr 1873 — 1874 weist für Heidelberg eine Gesammtzahl von 585 Stu- direnden nach, 134 Badener und 451 Nichtbadener. Zu diesen kommen noch 55 Personen reiferen Alters und conditionirende Pharmaceuten, welche die Vorlesungen besuchen (15 Badener und 40 Nichtbadener), so daß also die Gesammtzahl der die Vorlesungen besuchenden Personen 640 beträgt, 149 Badener und 491 Nichtbadener. Auf der Universität Freiburg befinden sich 284 Studirende, 189 Badener und 95 Nichtbadener. Dazu kommen noch 5 Hospitanten. Auf die einzelnen Fakultäten vertheilen sich die Studirenden in folgender Weise. Heidelberg zählt 26 Theologen, darunter 9 Nichtbadener, 273 Juristen, darunter 229 Nichtbadener, 82 Mediciner, darunter 50 Nichtbadener, 204 Chemiker und Pharmaceuten, Cameralisten, Philosophen, Philologen, darunter 163 Nichtbadener. Freiburg zählt 86 Theologen, darunter 17 Nichtbadener, 48 Juristen (12 Nichlbadener), 105 Mediciner und Pharmaceuten (48 Nichtbadener) , 55 Cameralisten, Philosophen und Philologen (18 Nichtbadener.)
Sehr anzuerkenuen ist der Eifer, welchen die bürgerlichen und staatsbürgerlichen Einwohner der Stadt Freiburg zur fortwährenden Hebung dieser Universität an den Tag legen. Der zur Förderung der Hochschule dort bestehende Verein ist unausgesetzt thätig, und wäre nur zu wünschen, daß ihm gerade in der Bürgerschaft noch wärmere Sympathieen entgegengebracht würden. In Heidelberg hat sich, was sehr erfreulich ist, die Zahl der Studirenden der Theologie gegen die vorigen Semester etwas gehoben. Es lag bisher und liegt vielfach noch auf dieser, bekanntlich sehr hervorragende Lehrkräfte (Schenkel, Hitzig, Holtzmann, Hausrath u. A.) in sich schließenden Fakultät der Bann des kirchlichen Orthodoxismus, insbesondere des Norddeutschen. Hoffen wir, daß mit einer in Preußen fortschreitend sich vollziehenden kirchlichen Gemeindefreiheit dieser Bann mehr und mehr gebrochen und dann Heidelberg, diese schöne Mitgefährtin freier theologischer Wiffeuschaft, von den nichtbadischen
Theologen von Jahr zu Jahr zahlreicher besucht werde. — Zum Prorector der Universität Heidelberg für das Studienjahr 1874—75 wurde Geheimerath Windscheid gewählt.
ßefleiTeidj.
2Vien, 20. Januar, Abends. In der morgigen Ncichsraths-Sitzung bringt die Regierung Gesetzvorlagen ein betreffs der vollständigen Aufhebung des Concortats und der Regelung der äußeren Rechtsverhältnisse der katholi- 'chen Kirche, bezw. der Kirchenämter und Pfarrpfründen, der Ausübung der kirchlichen Amtsgewalt und der Seelsorge, bezw. der katholisch-theologischen Fakultäten und der Heranbildung der Candidaten des geistlichen Standes, bezw. der kirchlichen Corporationen, des kirchlichen Vermögensrechtes, der Staatsaufsicht über die Kirchenverwaltung und der gesetzlichen Anerkennung von Neligions- j Genossenschaften. — In der nächsten Sitzung des Herrenhauses bringt die Regierung Gesetzentwürfe ein, betr. die Wahrung der Rechte der Pfandbrief-Besitzer, die Anlegung von Eisenbahnbüchern, die Wirkung der einer Eisenbahn eingeräumten Hypothekarrechte und die Sicherung der Rechte von Eisenbahn- Prioritäts-Obligationen.
Schweiz.
Bern, 21. Januar. Heute langte die Nachricht hiersclbst ein, daß eine Anzahl renitenter Pfarrer nach Bekanntmachung des Abstimniungs - Resultats von Pruntrut abgereist sei Der Große Rath von Gonmocns hat dcmissio- nirt; man erwartet ein Gleiches von seinen dem Kirchengesetz feindlichen Genossen. — Der päpstliche Nuntius hat im Namen seiner Negierung mittelst einer Note vom 17. Januar gegen die Aufhebung der Nuntiatur entschieden protestirt.
Basel, 21. Januar. Den „Baseler Nachrichten" zufolge sind fast sämmtliche abgesetzten Geistlichen des Bernischen Amtsbezirks Pruntrut in's benachbarte Frankreich geflüchtet, aus Furcht, in den protestantischen Theil des Cantons internirt zu werden.
«fvanfuTidj.
Paris, 19. Januar. Das „Journal de Paris" sagt: Bismarck führt den Kampf des Protestantismus gegen den Katholicismus. Wir werden diesen für den Katholicismus schmerzlichen, für Bismarck gefährlichen Kampfe als einfache Zuschauer beiwohnen. Unser Interesse gebietet uns, in Frieden und Arbeit uns zu sammeln. Wir werden aus dieser Zurückhaltung in keinem Falle hervortreten.
Spanien.
ÄNadrid, 18. Januar. Die Banden in der Provinz Burgos, 3000 Mann stark, sind vollständig geschlagen worden und haben große Verluste erlitten. Der Viaduct von Toquella auf der Eisenbahn von Valencia nach Al- mansa ist während des Reparatur - Baues eingestürzt und hat 33 Arbeiter erschlagen.
Jhißfanb.
Petersburg, 17. Januar. Es sind eine Million Silberrubel aus Staatsmitteln angewiesen zu Unterstützungen für fünf Kreise des Gouvernements Samara, in denen die Hungervnoth schon feit drei Jahren herrsche und gegenwärtig solche Dimensionen angenommen habe, daß die Menschen buchstäblich vor Hunger sterben. Seit acht Wochen werden in ganz Rußland Beiträge zur Unterstützung der nothleidenden Bevölkerung von Samara gesammelt. Aber so reichlich die Beiträge auch überall fließen, so reichen die bis jetzt aufgekommenen Summen doch keineswegs hin, um den ausgedehnten Nothstand auch nur einigermaßen zu mildern. Die Gubernial-Versammlung von Samara hat daher beim Ministerium die Aufnahme eines Nothstandsdarlehns von drei Millionen Silberrubel beantragt. Außer dem Gouvernement Samara herrscht Hungersnoth in Rußland im Bezirk der donischen Kosaken, am Ural und in der Umgegend von Odessa.
Petersburg, 20. Januar. Gestern Nachmittag trafen der Kronprinz und die Kronprinzessin des Deutschen Reiches hier ein und wurden auf dem Bahnhofe, wo eine Ehrenwache aus dem Preobraschenkischeu Negimente aufgestellt war, vom Kaiser empfangen.
Amerika.
New-Nork, 20. Januar. Aus Chicago werden wieder zwei große Feuersbrünste gemeldet. — Die siamesischen Zwillinge sind kürzlich gestorben. Der Tod des einen der Beiden erfolgte zwei Stunden nach dem Tode des Anderen.
Vermischtes.
— Nunne: Da- wird eine interessante Reichstags-Session werden; ick freu' mir schon ordentlich d'raus. Hasenclever, Most, und wenn t Jlück jut is, am Ende jar noch Tölke, die werden wohl, wenn die Ieister auseinander platzen, mit die Finger ’n Bisken nachhelfen. Aber in Acht nehmen Werden sich die Fortschrittler und National-Liberalm schon müssen, denn so'ne schlagfertijeu Jejner haben sie noch nich jehabt. Und wie die Frac- tionsvorsteher dadurch, daß sic den Namen S enioren-Eonvent anjcnommcn haben, nu mal in den studentischen Comment überjejangen sind, werden sie wohl auch jleich dabei bleiben, und künftig nur noch mit Paukzeug, Binden und Bandagen in die Sitzung kommen. Und Simson, was der Präsident is, wird's wohl machen wie sein Namensvetter aus die Bibel, umd sich mit em'm Eselskinnbacken in Dertheivigungszustand versetzen, denn mit des Bisken Jlocke wird er diesmal wohl nicht weit kommen. Ick habe't ja immer jesagt die Menschen sind eben zu komische Leute. („Ulf.")
— Am 2. Januar wurde in Baumgarten bei Frankenstein, Jagdterrain des Grasen Cbamar^, bei einer Gesammtmenge von 310 Hasen ein vollständig schwarzer Hase, auf de« Rücken nur mit wenigen braunen Stichelhaaren versehen, durch Herrn v. Wallhoffen erlegt. Es ist dieses in solcher Färbung gewiß selten vorkommende Stück Wild dem Conscrvator des zoologischen Museums der Universität Breslau übermittelt worden. Leute, die der Politik näher stehen, als den Naturwiffenschaften, wollen in jener Färbung nichts Auffallendes sehen. Meister Lampe sei eben auf dem Jagdgebiet des ultramontanen (und jetzt als Eentrumsmann in den Reichstag entsandten) Grafen so lange herumgelaufen, bis er selbst so schwarz geworden, wie seine Umgebung.
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