Landesregierungen dazu bestimmten Kaffen sowohl in Zahlung genommen, als« auch gegen Reichsgoldmünzen oder Landessilbermünzen unigewecksclt werden. Es folgt hieraus, daß Jedermann, welcher solche Münzen am 31. d. MlS. besitzt, noch drei Monate Zeit hat, um sich derselben zu den in der Bekanntmachung vom 6. December v- I. bezeichneten Werthen, sei es bei Zahlungen an die Kassen der betreffenden Staaten, sei es durch Umwechselung bei diesen Kaffen zu entäußern.
Berlin, den 15. März 1874.
Das Reichskanzler-Amr. Delbrück.
Berlin, 18. März. Der „Reichs.Anz." schreibt: „Die Einlösung der preußischen Friedrichsd'or erfolgt in Gemäßheit der Bestimmungen in den §§ 3 und 5 der Bekanntmachung deS Reichskanzlers vom 6. December 1873 zu dem Werthe von 5 Thlrn. 20 Sgr., sofern sie vollwichtig sind oder das Pajsirge- wicht haben. Zu demselben Werthe werden auch noch diejenigen durch den Umlauf am Gewicht verringerten haben, einfachen und doppelten Friedrichsd'or eingelöft, bei denen das Mindergewicht nicht mehr als resp. 1, 2 und 3 Aß gegen die betr. Passirgewichte der älteren, vor dem Jahre 1821 geprägten Friedrichsd'or und nicht mehr als resp. lq und 2 Aß gegen die betr. Pajsir- gewichte der neuereil, seit dem Jahre 1821 geprägten Friedrichsd'or beträgt, während bei einem größeren Mindergewicht der einzelnen Stücke nach dem dritten Absätze des § 5 der Bekanntmachung des Reichskanzlers vom 6. December v. I. nur deren Metallwerth nach Maßgabe der Bestimmung im ersten Absätze des § 4 ibid. vergütet wird. Der Finanzminister beabsichtigt, mit der Einlösung der Landesgoldmünzen während der drei Monate April, Mai und Juni d. I. die hiesige General * Staatskasse, die Regierungs-Hauptkassen, die Bezirks Hauptkaffen in der Provinz Hannover, die Landes-Hanptkaffe in Sig maringen und die königliche Kreiskaffe in Frankfurt a. M. zu beauftragen mit) in der nächsten Zeit darüber eine öffentliche Bekanntmachung ergehell zu lassen."
Berlin, 18. März. Die Ausprägung der Reichsgoldmüiizen hatte be kanntlich zu vielfachen Beniängeliingen im Reichstage geführt. Dieselben sind nicht unbeachtet geblieben, und es ist eine neue Ausmünzung angeordnet worden, bei welcher man alle technischen Vorschläge berücksichtigt hat. Die Vorderseite zeigt die matte Ausprägung des Bildes auf blank polirtem Grunde, die Rückseite den Reichsadler in kleinem Maßstabe, darunter die Bezeichnung „20 Mark" (nicht mehr: 20 M.), wogegen der Eichenzweig fortgesallen ist. In voriger Woche coursirtcn bereits die ersten neu ausgeprägten Zwanzig Markstücke im Reichstage.
Berlin, 18. März. Zur Feier des Geburtstages des Kaisers werden am Freitag der König und die Königin von Sachsen hier eintreffen.
Berlin, 18. März, Abends, lieber das Befinden des Reichskanzlers verlautet, daß der Fürst bis 2 Uhr gut geschlafen hat und eine abermalige Verminderung der Schmerzen zu constatiren ist. Der Patient ist im Ganzen ruhiger und etwas mehr bei Kräften.
Berlin, 19. März. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt über das Befinden des Reichskanzlers vom heutigen Nachmittag: Der Fürst hat bis 1 Uhr gut geschlafen, die Schmerzen sind erträglich. Die Zunahme der Kräfte ist, wenn auch keine große, so doch eine stetige, Appetit fehlt noch sehr.
Bonn, 18. März. Nach einer Meldung des hiesigen Organs der Ultramontanen wäre der Verhaftobesehl gegen den Kölner Erzbischof bereits ansgesertigt.
Bonn, 19. März. Das hiesige Zuchtpolizeigericht verurteilte den Redacteur der „Reichs-Ztg.", Schuhmachermeister Emons, wegen öffentlicher Verleumdung und Beleidigung des Bischofs Reinkens zu 5 Monaten Gesäug niß, den Verleger Hauptmann zu 500 Thlrn. Geldbuße, event. 4 Monaten Gefängniß.
Ofkrowo, 16. März. Erzbischof Ledochowski ist im Ganzen bereits zu 50,000 Thlr. Strafe verurteilt worden, wie er selbst gesprächsweise einem hiesigen Beamten mitgetheill. Auf desjen Frage, warum er denn dem Gesetze nicht Folge leiste, um der Strafe zu entgehen, erwiderte er, daß er „nicht dürfe." Ist dieses „nicht dürfen" dahin zu interpretiren, daß es ihm sein Ge- wiffen nicht erlaube, oder so zu verstehen, daß er dein Gesetze des Papstes gehorchen müsse? Das letztere dürste wohl eher anzunehmen sein. Die Besuche zu ihm, die anfänglich höchst zahlreich waren, haben gänzlich ausgehört.
In Sachen des Erzbischofs Grafen Ledochowski wird die öffentliche Ver haiidlung des kirchlicheii Gerichtshofs am 15. April stattfinden. Wie die „Pos. Ztg." meldet, hätte der Erzbischof nunmehr seinen Trotz gegenüber den Gerichtsbehörden wenigstens soweit überwunden, daß, nachdem das Posener Appellationsgericht es abgelehnt hat, fernerweit mit dem Dekan Fabisz, welcher Namens des Erzbischofs die Eingaben uni Zulassung eines Caplans und sonstige Anliegen unterzeichnete, zu correspondiren, er nun ein Schreiben an den Minister um Gewährung seiner Wünsche selbst unterschrieben hat.
iranärelcQ.
Versailles, 18. März. Nationalversammlung. Ehallemel Lacour sor dert den Minister des Innern, Herzog v. Broglie, auf, daß er seine früheren Erklärungen über das Septennat bekräftige, uni das erregte Land zu beruhigen. Er führt aus, daß der wahre Charakter des Septennats die Republik sei und richtet an das Ministerium die Frage: 1) ob eS, indem es erklärte, daß die Amtsgewalt Mac Mahon's über jeder Anfechtung stehe, jeden monarchistischen Versuch untersagen wollte; ob es die Absicht habe, jeden Act, der darauf ab zielte, die Form der errichteten Regierung zu ändern, zu unterdrücken. Die Sitzung wird darauf suspendirt. Nach der Wiederaufnahme derselben erklärt der Herzog v. Broglie: Die Nationalversammlung habe Mac Mahon die Gewalt in einer unentziehbaren Form verlieben. Diese Dauer sei über jeden nur möglichen Streit erhaben. Die Nationalversammlung habe Frankreich versichern wollen, daß es während sieben Jahren keine Mitbewerber um die Gewalt sehen werde, und habe ebenso Europa versichern wollen, daß es während sieben Jahren mit einem Manne zu verhandeln haben werde, deffen Loyalität unbestreitbar sei. Die Regierung werde die Gewalt Mac Mahon's gegen alle! Angriffe, woher sie auch kommen mögen, zu schützen wiffen. Ein Antrag auf liebergang zur einfachen Tagesordnung wird darauf mit 380 gegen 31S Stimmen, also einer Majorität von 62 Stimmen für die Regierung, angenommen.
Paris, 17. März. Der gestrige Tag ist m ganz Frankreich ohne jegliche Ruhestörung vorübergegangen. Nirgends fanden bonapartistiscke Kundgebungen statt. In den Pariser Faubourgs wurden einige mit Veilchen geschmückte Leute durchgeprügelt.
Spanien.
Madrid, 17 März. Dor Bilbao muß es nun täglich zur Schlacht kommen. Marschall Serrano plant einen Angriff auf die schwer zugänglichen und tüchtig verschanzten Stellungen der Earlisten bei Somorrostro von zwei Zeiten aus. Die größere HeereSabtheilung wird wieder wie im Februar den Stier bei den Hörnern faffen rind bei der Brücke von Abanto auf die Earlisten losgehen. Eine zweite Abtheilung dagegen soll von Süden her über Balmaseda vordringen und derart den Gegner im Rücken faffen. Starke Jnsanterie- Colonnen mit Artillerie sind in jener Richtung abgegangen. Die Earlisten ihrerseits kennen bereits die Gefahr, welche ihnen von dem Flankenmanöver droht, und haben 6 frische Bataillone nut mehreren Geschützen zur Vermittlung desselben detachirt. Eine leichte Aufgabe wird jedenfalls auch die zweite Abtheilung der Republikaner nicht vorfinden. Auch der Weg von Balmaseda aus führt durch sehr schwieriges Terrain und die Erfahrung'hat gelehrt, daß die Earlisten ihre Stellungen zu vertheidigen wiffen.
Vermischte-.
Mainz, 16. Marz. Hebet den Brand vom 15. d. M. entnehmen wir noch einiges Mainzer Blättern. Der „M. A." schreibt: „In der Nacht vom lebten Samstag auf Sonntag erdröhnten kurz nach 2 Uhr die Sturmglocken und der starke Südwestwind leitete die Klänge über die Stadt hin. Ein in der Dampfmühle des Herrn Hemrick Schäfer am Eingänge zur Zuchthausgasse in der Nähe der Augustinerstraße, gegenüber dem ,og. Stein aus- gebrocheneS Feuer griff mit rapider Schnelle um sich unc- bald stand daS ganze Wd-antc m Flammen. Die zunächst liegenden Gebäude der Hrn. Busch, K.mbel, Stollberg und Bernd in der Holzstraße wurden alsbald auf den Hinterseiten, jenes des Herrn Bogner in der Augustiner straße, auf der Vorderseite von den Flammen ergriffen. DaS Feuer wüihete biS b Uhr früh, wo daffelbe vollständig bewältigt und weitere Gefahr beteiligt war. Der Schaden ist sehr beträchtlich. Das Dampfmühlgebäude ist bis auf den Grund abgebrannt, von den übrigen Gebäuden sind die Dachstühle und theilweise die oberen Stockwerke zerstört und ist man mit deren Abtragung heute noch beschäftigt. Die Dampfmaschine ist gleichfalls zerstört, die Eisen- trümmer liegen wirr durcheinander. An dem Bogner'schen Hause standen eine größere Anzahl Tüncherstangcn, welche von den herüberschlängelnden Flammenzungen ergriffen wurden und den Brandstoff alsbald dem Dachstuhl mittheilten "
4-ie Löschthätigkeit war durch den Mangel an Wasser in den Brunnen und durch die Erschwerung deö Zugangs naeh dem Rheine gehemmt. Die Feuerwehr wurde nur mit Hilfe des Militärs des Elementes Herr. Der ,,M. A." schreibt: „Die Thätigkeil der Löschmannschaft verdient auch diesmal wieder lobend erwähnt zu werden, allein ohne die Hilfe des Militärs hätten wir wahrscheinlich ein weiteres Umsichgreifen zu constatiren. Auf Befehl des Herrn Festungscommandanten wurden die Löschapparate der preußischen Artillerie (Die 6 schwere und d leichte Batterie) sofort in Bewegung gesetzt und nur aur diese Weise war dem Waffermangel abzuhelfen. Mit militärischer Raschheit und Präetston waren in erstaunlich kurzer geit die
' Fässer der Artillerie und eben so die gewandten Pioniere von Laste! zur Stelle, uno wohl wird man sich zum Ausdrucke des Dankes gegenüber der Militärbehörde verpflichtet fühlen müssen."
Ueber den Tod der zwei seit dem Brand vermißten Personen lesen wir noch keine authentische Bestätigung, er scheint aber nicht zu bezweifeln zu fein. Die Zahl der durch Brand ganz oder theilweise beschädigten Wohnhäuser berechnen die Blätter auf 9. 28 Familien sind nach denselben obdachlos und verloren den größten Stbeil ihrer Habseligkeiten, ohne in der Mehrzahl versichert zu sein. Dieselben befinden sich meist in einer sehr peinlichen Lage.
Pest, i" März. Ueber die am Sonntag erfolgten Excesse m Neupest bringen die hefigen Blätter noch einige Details, die dem Bild einig wahr! jfi
Man schreibt darüber: jn dem Gemeindehaus waren, wie bereits gemeldet, bloß vier Tra bauten. Der nach Tausenden zählenden Menge konnten sie keinen nennenswerthen
leisten. Sie mußten auf ihre eigene Rettung bedacht fein Dem Trabanten.Korporal MefzaroS gelang es, die Mauern zu durchbrechen, sich auf baö Dach zu retten, worauf er über die angrenzenden Häuser zu entfliehen suchte. Die Menge bemerkte und verfolgte ihn, und derselbe hatte das Unglück, von einem Dach m den Hof der Gebrüder Kardos zu stürzen. Er wurde spgleich ergrifft n und auf daS Gräßlichste mißhandelt. Siner der Wütheriche ging sogar so weit, dem am Boden Liegenden ein Ange auszi'stechen Nur dem energischen Dazwischentreten deS Hrn. KardoS gelang es, den bereits Bewußtlosen den Händen der Wütberiche zu entreißen, dock dürfte er schwerlich mit dem Leben davon kommen, da die Hirnschale gespalten ist. Herr KardoS zeichnete sich überhaupt durch seltenen Muth bei dieser Revolte auS. 'Auch der Notar B- fand bei ihm eine Zufluchtsstätte und versteckte sich in einem Heuschober, wo er biS zur Ankunft des Militär- verblieb. Ebenso versteckte sich der Neupester Lommissär Reinprccht in
grübe und verdankten ferner noch zwei Ortsgeschworne Hrn. Kardos ihr Leben. Daß bei dieier Revolte planmäßig gehandelt wurde, ist evident, da die Menge den Rufen einzelner Individuen stets Folge leistete. Ein interessantes Moment bildet auch "folgende Episode: Alder Dachstuhl des Gemeindehauses bereits in Flammen stand, waren die umliegenden Häuser der größten FeuerSgefahr auSgesetzt. Da pollirten sich einzelne Huf rühret aus die Dächer der umliegenden Häuser , und riefen den Eigentümern die Worte zu: „Fürchtet nicktS — eS geschieht euren Häusern nichts; nur das Gemeindehaus allein muß zu Grunde geben.* Bemerkcnswerth ist ferner der Umstand, daß die Steine, die zum Fenstereinwerfen dienten, Schottersteine sind, die sich in den betreffenden Gassen gar nicht vorfinden und von den Aufrührern also schon mitgebxacht wurden. Der Zweck der Revolte, anfangs unklar, manifestirt« sich später in dem Bestreben die Steuerbücher zu vernichten, waS aber nicht gelang, da rwei Trabanten das betreffende Gemach biS zur Ankunft des Militärs heroisch vertheidigten. Auch Rufe: »Jetzt kommt'S über die Fuden^, sollen, wie man versichert, gehört worden sein. Der Schauplatz der Revolte selbst bildet em ergreifendes Bild der Zerstörung. Von dem Gemeindehaus stehen nur noch die kahlen Mauern, der Plafond ist durchgebranm und theilweise ein« gestürzt. Der Boden ist mit verbrannten Resten von Aktenstücken, Fascikeln u. f w. bedeckt, die noch vorhandenen Kasten erbrochen, die Schlöffet al-gedreht, der Inhalt auf dem Boden -»streut. In einer Ecke des Kassezimmers befindet sich die Wiese'sche feuerfeste Kaffe halb mit Schutt und brennenden Balken bedeckl. LinkS befindet sich das Zimmer von wo sich der Korporal Meszaros geflüchtet bat. Die Wand zeigt in halber Manncsböbe das Loch, welche» der Bedauernswertbe in Die Mauer gemacht, indem er mit großer Mühe mit seinem Bajonnet die einzelnen Ziegelsteine berauShob. Auch die Gaffe zeigt deutliche Spuren der verübte» Gewaltthaten. Hier liegen einzelne Tasten von dem 6 la vier de» Hrn Deniezkv, das man Zuerst .Ium Fenster hinauswarf, don einzelne Tbeile von Bettstellen, hier ein gebrochener Wandspiegel, dort wieder verkohlte Reste eines Sopha S. Dazwischen Bettfedern, Roßhaar. Kückengeschirr :m bunten Gewirre. — lieber das Ergebmß der Secirung deS Selbstmörders ist eine vositive Mittheilung dis zur Stunde noch nickt in die OeffentUckkeit gelangt. Während noch vorgestern zivi'chen den drei Neuvester Aerzien wesentliche Meinungsuntersckiede darüber obwalteten, ob und unter welchen Umständen Michael Imre al» Selbstmörder feinen Tod gefunden, bat eine nachträglich von den erwähnten drei Aerzten gemeinsam vorgenommene Untersuchung tel Gefängnisses und der Leiche zur llebcreinflimmung in der Annahme geführt: daß Imre sick unter allerdings merkwürdigen Umständen selbst den Tod gegeben Gestern Morgen ei stattet^ wie das „N. P. I." meldet, der Obergespan des Pester Comitats persönlich beim Präsidenten deS Pesfir königlichen Gerickts die Anzeige über die Vorfälle in Neupest, worauf sick der königliche Vice Anwalt Toih und der Untersuchungsrichter Matavov'zkv sogleich an den THatort verfügten. Der Bezirksstuhlrickter hatte inzwischen bereits an zwölf Verhaftungen vornehmen taffen, welchen im Lause des Tages noch mehrere folgten. Die Gerichts Eommission selbst vernahm drei nachträglich Verhaftete, darunter einen Schankwirth und Hausbesitzer, welcher der moralischen llrbcbericbaft der Vorfälle bezichtigt wird. Um 1 Uhr Nachmittags begab sick der UntersuckungSrickter Matavovszkv mit dem Eomttats - PHvsieus Emerich Gottfried nach ter Todtenkammer, um die Leichen der beiden Ersckoffenen zu agnoicircn."
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